Inhalt

Anspruch, Antrag und Berechnung

Ausländische Zeiten zählen mit

Für einen Anspruch auf eine deutsche Rente zählen auch bestimmte ausländische Zeiten mit. Haben Sie Ihren Aufenthalt in einem anderen Mitglieds- oder Abkommensstaat, können Sie Ihren Antrag auf eine deutsche Rente beim Versicherungsträger des anderen Staates stellen.

Anspruchsprüfung

In den jeweiligen Mitgliedstaaten beziehungsweise Abkommensstaaten sind unterschiedliche Anspruchsvoraussetzungen zu erfüllen. Jeder Versicherungsträger prüft getrennt, ob nach seinen nationalen Rechtsvorschriften ein Rentenanspruch besteht und zahlt gegebenenfalls eine Rente. Es ist möglich, dass Sie aus mehreren Staaten jeweils eine Rente erhalten, je nachdem, wo Versicherungszeiten zurückgelegt wurden. Eine „Gesamtrente“ oder „Europarente“ gibt es nicht.

Für einen Anspruch auf deutsche Rente (Infos zu den verschiedenen Renten finden Sie im Kapitel „Renten“) muss neben anderen Voraussetzungen - wie  beispielsweise der Erfüllung eines bestimmten Lebensalters - auch eine Mindestversicherungszeit, die so genannte Wartezeit, erfüllt sein.

Diese ist bei den verschiedenen Rentenansprüchen unterschiedlich. So beträgt sie bei der deutschen Altersrente für langjährig Versicherte 35 Jahre, während sie bei der Regelaltersrente nur 5 Jahre beträgt. Zur Erfüllung dieser Wartezeiten werden nach dem Europarecht deutsche Zeiten und Versicherungszeiten in den anderen Mitgliedstaaten zusammengerechnet. Das Abkommensrecht enthält ähnliche Regelungen.

Für den Anspruch müssen neben der Wartezeit bei verschiedenen deutschen Renten besondere Voraussetzungen erfüllt werden, bei denen in bestimmten Zeiträumen vor dem Rentenbeginn Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung aufgrund einer versicherungspflichtigen Beschäftigung oder Tätigkeit entrichtet wurden. Hier können entsprechende Zeiten in einem Mitgliedstaat oder in einem Abkommensstaat mit berücksichtigt werden.

Auch die anderen Mitgliedstaaten oder Abkommensstaaten müssen bei der Prüfung ihrer Anspruchsvoraussetzungen die deutschen Zeiten berücksichtigen.

Bitte beachten Sie, dass die Zusammenrechnung von Versicherungszeiten nur innerhalb der Mitgliedstaaten und getrennt zwischen der Bundesrepublik Deutschland und seinen Abkommensstaaten erfolgt, nicht aber auch untereinander. Haben Sie zum Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Irland und Kanada gearbeitet, können deutsche Versicherungszeiten mit britischen und irischen nach dem Europarecht oder deutsche mit kanadischen Versicherungszeiten nach dem deutsch-kanadischen Abkommen zusammengerechnet werden. Eine Zusammenrechnung aller zurückgelegten Zeiten (deutsche, britische, irische und kanadische), zum Beispiel zur Erfüllung der Wartezeit von 35 Jahren, ist nicht möglich.

Ausnahmen bestehen bei neuen Abkommen, so zum Beispiel das Abkommen mit Brasilien. Die neuen Abkommen ermöglichen auch die Zusammenrechnung von Versicherungszeiten in mehreren Mitgliedstaaten und dem jeweiligen Abkommensstaat.

Versicherungszeiten aus einem Staat, mit dem die Bundesrepublik Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen geschlossen hat, können nicht mit deutschen Versicherungszeiten zur Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen zusammengerechnet werden.

Im Übrigen richten sich die Voraussetzungen für eine Rente, wie zum Beispiel Erreichen der Altersgrenze sowie Vorliegen von Invalidität allein nach dem jeweiligen nationalen Recht. So kann es vorkommen, dass aus der Rentenversicherung des einen Staates bereits ein Rentenanspruch besteht, während die Voraussetzungen für eine Rente im anderen Staat erst zu einem späteren Zeitpunkt erfüllt sind, weil dort zum Beispiel eine höhere Altersgrenze besteht. Sie sollten sich daher rechtzeitig in dem jeweiligen Staat erkundigen, wann Sie frühestens eine Rente erhalten können und wann Sie spätestens einen Rentenantrag stellen müssen. Rat und Hilfe erhalten Sie in unseren Auskunfts- und Beratungsstellen beziehungsweise beim ausländischen Versicherungsträger.

Der Antrag

Haben Sie Ihren Aufenthalt in einem anderen Mitgliedstaat oder Abkommensstaat, können Sie Ihren Antrag auf eine deutsche Rente fristwahrend beim Versicherungsträger des anderen Staates stellen. Bei einem Aufenthalt in Deutschland, können Sie Ihren Antrag auf die Rente eines anderen Mitgliedstaates oder Abkommensstaates fristwahrend bei der Deutschen Rentenversicherung stellen. Das gilt auch für Rechtsbehelfe gegen Entscheidungen ausländischer Versicherungsträger.

Stellen Sie in einem Staat einen Rentenantrag und haben Versicherungszeiten in mehreren Mitgliedstaaten oder Abkommensstaaten zurückgelegt, gilt er gleichzeitig als Antrag auf eine entsprechende Rente im anderen Staat. Sie müssen also nur einen Antrag stellen. Der Versicherungsträger, bei dem Sie den Antrag stellen, informiert den oder die anderen ausländischen Versicherungsträger und leitet das Rentenverfahren für Sie ein.

Geben Sie bitte beim Antrag immer die Versicherungszeiten in allen Mitgliedstaaten oder Abkommensstaaten an.

Wohnen Sie in Deutschland, finden Sie im Kapitel „Rente“ unter Antragstellung weitere Informationen zum Verfahren. Sie können sich die Antragsvordrucke auch herunterladen und ausdrucken.

Wenn Sie in einem Mitgliedstaat beziehungsweise Abkommensstaat wohnen, empfehlen wir Ihnen, den Rentenantrag beim Versicherungsträger Ihres Wohnstaates zu stellen.

Bitte beachten Sie, dass in den verschiedenen Staaten unterschiedliche Altersgrenzen gelten. In einem Staat kann die Altersrente zum Beispiel schon mit dem 60. Lebensjahr beginnen, in anderen Staaten jedoch erst mit dem 67. Lebensjahr. Informieren Sie sich daher schon vorab über Ihre Rentenansprüche.

Rentenberechnung

Für die Berechnung der Rente gilt der Grundsatz, dass jeder Mitgliedstaat oder Abkommensstaat die Rente nur aus seinen eigenen Versicherungszeiten und nach seinen Rechtsvorschriften zahlt.

Eine Zusammenrechnung von Versicherungszeiten erfolgt nur für die Erfüllung der Mindestversicherungszeiten und der besonderen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen. Die Zahlung einer Gesamtrente durch einen Staat, unter Berücksichtigung der Versicherungszeiten in den anderen Staaten, erfolgt nicht.

Eine Ausnahme von dieser Regel sind Kleinstrenten. Hier sehen das Europarecht und einige Abkommen die Übernahme von Versicherungszeiten des anderen Staates vor, wenn dort eine gewisse Mindestanzahl von Versicherungsmonaten nicht erreicht wird.

Waren Sie also in mehreren Mitgliedstaaten oder Abkommensstaaten beschäftigt, erhalten Sie von jedem Staat, in dem Sie Versicherungszeiten zurückgelegt haben, eine eigene Rente, sofern die jeweiligen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind; abgesehen von der Ausnahme „Kleinstrente“.

Weiterhin enthält das Europarecht besondere Regeln zur Rentenberechnung, nach denen Versicherungszeiten der anderen Mitgliedstaaten auch Einfluss innerhalb der deutschen Rentenberechnung haben können. Dort können sich die ausländischen Versicherungszeiten positiv auswirken.

Nähere Informationen zur Rentenberechnung nach dem Europarecht können Sie der Info-Broschüre „Leben und arbeiten in Europa“ entnehmen.

zusätzliche Informationen

Ihr kurzer Draht zu uns

Meinen Rentenversicherer finden:

Ihre Sammelmappe

Hier gelangen Sie zur Sammelmappe, in der sich alle Publikationen befinden, die Sie bisher zur Bestellung / zum Download vorgemerkt haben.