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Fit bis ins Rentenalter?

Die Rentenversicherung unterstützt dabei

Foto: Strichmännchen












Interview mit Dr. Stefanie Seele, Leitende Betriebsärztin bei der Berliner Statdreinigung (BSR). 2012 wurde das Präventionsprogramm der gesetzlichen Rentenversicherung im Unternehmen eingeführt.

Welche typischen Beschwerdebilder begegnen Ihnen?

Wir haben viel zu tun mit den typischen „Verschleißerkrankungen des Bewegungsapparates, wie Arthrose. Betroffen sind vor allem die großen Gelenke, zum Beispiel die Hüft- und Kniegelenke, aber auch die Lendenwirbelsäule. Des Weiteren begegnen uns häufig Verletzungen oder Unfallfolgen, die durch die körperlich belastende Arbeit bei der Stadtreinigung bedingt sind. Psychiatrische und psychosomatische Erkrankungen, wie Depressionen oder Erschöpfungszustände, kommen ebenfalls vor. Letzteres betrifft insbesondere Menschen ab Mitte 50. Und jetzt im Winter häufen sich natürlich auch die akuten Atemwegserkrankungen. Doch auch chronische Atemwegserkrankungen sind keine Seltenheit.

Sprechen Sie Ihre Patienten auf eine Prävention an oder ist es eher anders herum?

Wir sprechen die Beschäftigten aktiv darauf an. Deshalb haben wir in unserem Bereich – dem Betriebsärztlichen Dienst – auch extra eine arbeitsmedizinische Assistentin, die sich seit 2017 mit Präventionsleistungen beschäftigt, darum kümmert und innerbetriebliche Ansprechpartnerin ist. Sie erklärt das Programm, hilft bei der Antragstellung, steht im engen Austausch mit der DRV und kümmert sich um die Informationsmaterialien. Eine gute Gelegenheit, diese Präventionsleistungen anzusprechen, sind die Vorsorgen beim Betriebsärztlichen Dienst. Wir als Unternehmen kommunizieren die Prävention offensiv bei den verschiedensten Gesprächsrunden und informieren auch unsere Führungskräfte darüber. Im BSR-Intranet weisen wir explizit darauf hin. Dort finden unsere Beschäftigten Infomaterialien und die Antragsformulare. Aber es braucht immer die persönliche Ansprache, damit die Beschäftigten schlussendlich an einer Präventionsmaßnahme teilnehmen. Darüber hinaus nutzen wir zum Beispiel das betriebliche Eingliederungsmanagement um den Beschäftigten, deren Beschwerden noch nicht chronifiziert sind, Präventionsleistungen anzubieten.

Wie hoch ist Ihrer Meinung nach der Bedarf an Präventionsleistungen?

Der ist sehr hoch. Aber das Bewusstsein und die Bereitschaft, „auf das Konto Gesundheit einzuzahlen“, ist leider zu niedrig. Es wäre gut, wenn die Menschen sich intensiver mit ihrer Gesundheit auseinandersetzen würden. Ich bin überzeugt davon, dass Präventionsleistungen eine wirklich gute Maßnahme sind, Beschäftigten die eigene Gesundheit näher zu bringen. Bereits junge Menschen haben schon Probleme, mit Belastungen umzugehen. Außerdem haben sie in puncto Suchtverhalten, Alkohol oder Unfällen ein hohes Risikoverhalten. Und mit Mitte 30 ist der Gesundheitsvorschuss bereits bei einigen Menschen langsam aufgebraucht. Das äußert sich dann zum Beispiel in einer stetigen Gewichtszunahme oder in Kurzatmigkeit als Folge von jahrelangem Rauchen.

Welche typischen Verhaltensweisen gefährden die Gesundheit?

Generell bewegen sich die meisten Menschen nicht genug. Und Menschen in körperlich anstrengenden Berufen, wie bei der BSR, machen meist zu wenig Ausgleichsbewegungen. Das heißt, es werden immer wieder dieselben Gelenk- oder Muskelgruppen strapaziert. Ein weiterer Punkt ist die Fehlernährung im Sinne einer Überernährung. Es gibt immer mehr Übergewichtige, das geht schon bei den Azubis los. Rauchen ist ein weiterer sehr gesundheitsschädigender Faktor. So rauchen immer mehr junge Frauen, was nachgewiesenermaßen in den vergangenen zehn Jahren zu einer Zunahme an bösartigen Atemwegserkrankungen bei Frauen geführt hat. Regelmäßiger Alkoholkonsum schadet der Gesundheit ebenfalls. Und nicht zu vernachlässigen sind Faktoren wie Einsamkeit und ein Mangel an sozialen Kontakten. Dies schlägt sich sowohl psychisch als auch physisch nieder und kommt weit öfter vor, als gedacht.

Generell bewegen sich die meisten Menschen nicht genug. Und Menschen in körperlich anstrengenden Berufen, wie bei der BSR, machen meist zu wenig Ausgleichsbewegungen.

Was sind erste Alarmzeichen, bei denen der Patient eine Prävention in Betracht ziehen sollte?

Wenn mehrere Werte nicht mehr im Lot sind, zum Beispiel Übergewicht gepaart mit zu hohen Cholesterinwerten und einem zu hohen Blutdruck. Im Gespräch mit den Patienten erfahre ich dann als Ärztin noch viele weitere Faktoren, die der Gesundheit zusetzen: Es wird geraucht und zu viel Alkohol konsumiert, Strategien zur Entspannung sind nicht bekannt, Sport wird nicht getrieben und der Schlaf ist nicht erholsam und ausreichend. Das Verhalten und das Bewusstsein der Menschen muss sich ändern, um vielen chronischen Erkrankungen entgegenzuwirken und die Gesundheit zu verbessern oder zu stabilisieren.

Seit sechs Jahren bietet die BSR ihren Beschäftigten Präventionsmaßnahmen an. Wie ist Ihr Fazit?

Meiner Meinung nach erreicht die Prävention leider noch nicht genug Beschäftigte. 37 Frauen und Männer haben bislang daran teilgenommen. Um die Teilnehmerzahlen zu erhöhen, haben wir uns entschieden, dass eine unserer arbeitsmedizinischen Assistentinnen von der Information über das Programm bis hin zur Antragstellung um Präventionsleistungen die Kolleginnen und Kollegen informiert und bei der Antragstellung unterstützt. Im nächsten Schritt möchten wir uns als Stätte für die Trainingsphase zertifizieren lassen, so dass die Teilnehmenden nach der Initialphase direkt hier im Haus trainieren und Seminare besuchen können. Wir wollen die Prävention so noch niedrigschwelliger anbieten, eine bessere Vernetzung zum Arbeitsplatz erreichen und es unseren Beschäftigten leichter machen, das Programm durchzuhalten und länger gesünder zu bleiben.

Kontakt

Dr. med. Stefanie Seele
Fachärztin für Arbeitsmedizin und Allgemeinmedizin bei der Berliner Stadtreinigung
E-Mail: Stefanie.Seele@BSR.de

Nadine Klein
Arbeitsmedizinische Assistentin bei der Berliner Stadtreinigung
E-Mail: Nadine.Klein@BSR.de

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