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"Im Alter ein auskömmliches Leben gewährleisten"

Gundula Roßbach im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland

Gerade erst hat die GroKo ihr erstes Rentenpaket auf den Weg gebracht. Was das für Rentner, Steuer- und Beitragszahler bedeutet, erklärt die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, im Interview.

Foto von Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund

Frau Roßbach, ist das GroKo-Rentenpaket nicht die Rückabwicklung früherer, weitsichtiger Rentenreformen?

Gundula Roßbach: Nein, das kann ich nicht erkennen. Es geht in der Rentendebatte immer um die gleichen Parameter. Die Balance zwischen ihnen muss stets wieder aufs Neue hergestellt werden. Ziel ist es, ein auskömmliches Leben im Alter gewährleisten zu können. Im Übrigen: Auch früher hat es Haltelinien für Rentenniveau und Beitragssatz gegeben.

Was ist dann das Neue an den GroKo-Rentenreformen?

Neu ist, dass das Rentenniveau bis 2025 mit einer Untergrenze von 48 Prozent verbindlich festgeschrieben wird. Festgelegt ist auch, dass der Beitragssatz in diesem Zeitraum nicht über 20 Prozent ansteigen darf. Für die Zeit danach ist die Rentenkommission gerade dabei, ihre Empfehlungen zu erarbeiten.

Ist die Mütterrente II ein Beitrag zur Verringerung von Altersarmut?

Oberstes Ziel der Mütterrente ist nicht die Vermeidung von Altersarmut, sondern nach der Gesetzesbegründung die gesellschaftliche Anerkennung der Erziehungsleistung von Eltern und die Schaffung eines finanziellen Ausgleichs für geringere Rentenbeiträge in dieser Zeit.

Ein Fehler?

Die Mütterrente hat breite Streuwirkung. Millionen Frauen mit vor 1992 geborenen Kindern werden in Zukunft höhere Ansprüche haben. Die Ausweitung der Mütterrente wird an bestehender Altersarmut nicht viel ändern. Sicher werden einige nicht mehr auf die Grundsicherung angewiesen sein. Aber die Anzahl der Fälle wird wohl überschaubar sein.

Eigentlich verfügt die Rentenkasse derzeit über Überschüsse auf Rekordniveau. Können Sie nachvollziehen, warum die Koalition auf die für 2019 eigentlich mögliche Senkung des Beitragssatzes verzichtet?

Ohne Leistungsausweitungen wäre eine Senkung des Beitragssatzes möglich gewesen - um bis zu 0,3 Prozentpunkte. Jetzt haben wir eine neue Lage. Mit den inzwischen vom Kabinett beschlossenen Leistungsausweitungen ist eine Verringerung des Beitragssatzes 2019 ausgeschlossen.

Moment mal! Hatte die Rentenversicherung nicht immer gefordert, keine Beitragsmittel zur Finanzierung der Mütterrente zu verwenden?

Ja, das war und ist unsere Position. Die Anerkennung von Erziehungszeiten ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hätte man die Mütterrente voll aus Steuermitteln finanziert, wäre 2019 ein niedrigerer Beitrag möglich gewesen.

Stand jetzt – wie lange kann der Beitragssatz stabil bleiben?

Die Nachhaltigkeitsrücklage der Rentenversicherung wird in den nächsten Jahren wie geplant Schritt für Schritt abgebaut. Nach unseren Prognosen wird der Beitragssatz zur Rentenversicherung spätestens 2023 wieder angehoben werden müssen. Dann rechnen wir damit, dass eine Anhebung von derzeit 18,6 auf bis zu 19,3 Prozent notwendig wird.

Die Rentenversicherung sieht die Ausweitung der Erwerbsminderungsrente nicht nur positiv. Warum eigentlich?

Von der Ausweitung der Erwerbsminderungsrente profitiert eine Gruppe mit besonders hohem Armutsrisiko. Deshalb haben wir uns in der Vergangenheit für eine bessere Absicherung dieser Personengruppe ausgesprochen. Allerdings können wir nicht abschätzen, wie sich die Inanspruchnahme der Leistung verändert. Die Erwerbsminderungsrente wird in vielen Fällen höher ausfallen als eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen.

Mit welchen Folgen?

Wir erwarten, dass deutlich mehr Menschen im Rentenalter Erwerbsminderungsrente beantragen werden. Das bedeutet für uns einen größeren Aufwand. Klar ist, dass sozialmedizinisch die gleichen Maßstäbe gelten wie bisher.

Haben Sie sich eigentlich über den Vorstoß von Vizekanzler Olaf Scholz gefreut, das Rentenniveau bis 2040 zu stabilisieren?

Wir erleben gerade eine sehr grundlegende Debatte über die längerfristige Ausrichtung der gesetzlichen Rente. Dazu hat Olaf Scholz einen Beitrag geleistet. Die Große Koalition hat all diese Fragen, die für die Zeit nach 2025 zu beantworten sind, der Rentenkommission übergeben, damit sie einen Vorschlag erarbeitet.

Wieviel würde denn die Stabilisierung des Rentenniveaus bis 2040 kosten?

Dazu haben wir noch keine eigenen Berechnungen. Jede Schätzung ist sehr abhängig von den Annahmen, die zugrunde gelegt werden. Deshalb fallen die Prognosen, die bereits auf dem Markt sind, so unterschiedlich aus.

In diesem Jahr gab es eine kräftige Rentenerhöhung – wie sehen die Perspektiven für die kommenden Jahre aus?

Es bleibt bei unserer Prognose: Bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts erwarten wir jährliche Rentenanpassungen von im Schnitt zwei Prozent.

In der Debatte über die Zukunft der Rente wird immer schnell die Forderung nach längerer Lebensarbeitszeit laut. Seit einiger Zeit gibt es die Flexi-Rente. Welche Erfahrungen machen Sie damit?

Viele Menschen kommen in unsere Beratungen und wollen wissen, wie sie Rentenbezug und Teilzeitarbeit verbinden können. Wir erwarten einen spürbaren Anstieg bei der Inanspruchnahme der Flexi-Rente. In absoluten Zahlen bewegt sich das aber nach ersten Prognosen weiter auf relativ geringem Niveau. Genaue Zahlen haben wir erst Ende September.

Lohnt es sich, frühzeitig zusätzlich und freiwillig in die Rentenkasse einzuzahlen?

Im Moment lohnt sich das sehr. Und die Menschen nutzen diese Möglichkeit auch. Schließlich ist der Beitragssatz jetzt besonders niedrig. 2017 ist das Volumen freiwillig gezahlter Beiträge mit dem Ziel, Abschläge bei vorgezogenem Rentenbeginn zu vermeiden, auf 151 Millionen Euro gestiegen. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einer Erhöhung um das Sechsfache.

Thema Pflege: Ist derjenige, der beruflich kürzer tritt und für ein Familienmitglied sorgt, bei der Rente der Dumme?

Nein, ganz im Gegenteil.

Warum?

Wer seine Arbeitszeit reduziert, um einen Angehörigen zu pflegen, kann seinen Rentenanspruch pro Jahr um bis zu einen Entgeltpunkt erhöhen. Das ist ganz ähnlich wie bei den Kindererziehungszeiten. Die Beiträge werden von den Pflegekassen übernommen. Diese Möglichkeiten werden verstärkt genutzt. 2017 gab es da einen Anstieg um 50 Prozent. Die im vergangenen Jahr für pflegende Angehörige gezahlten Rentenbeiträge belaufen sich auf 1,5 Milliarden Euro.

Das Gespräch führte Rasmus Buchsteiner

Quelle: Redaktionsnetzwerk Deutschland, 1. September 2018

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