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Forschungsbedarf aus Sicht der Rentenversicherung

Die Forschungs- und Förderaktivitäten der Deutschen Rentenversicherung werden in einer Arbeitsgruppe verschiedener Rentenversicherungsträger koordiniert.

Zu folgenden Themen besteht Forschungsbedarf aus Sicht der Deutschen Rentenversicherung:

1. Epidemiologie

  • Prävalenz von Rehabilitationsbedürftigkeit auslösenden Gesundheitsproblemen (zum Beispiel psychische Störungen, Behinderungen unterschiedlicher Schweregrade) und deren rehabilitativer Versorgung
  • Dauer der Chronifizierung vor Erstrehabilitation
  • Einfluss von Dauer der Chronifizierung im Vergleich zu Lebensalter auf das Reha-Ergebnis (optimaler Reha-Zeitpunkt)
  • Entwicklung einer Gesundheitsberichterstattung zum Teilgebiet Rehabilitation

2. Reha-Bedarf und Zugangssteuerung

  • Bedeutung der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) für die Formulierung des Reha-Bedarfs
  • Validierung und Optimierung der Indikationsstellung im Rahmen der Zuweisung zu Rehabilitationseinrichtungen (zum Beispiel ambulant/stationär) sowie zu besonderen therapeutischen Angeboten

3. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF)

  • Zuordnung bereits bestehender Assessmentverfahren zu ICF-Kategorien und gegebenenfalls Entwicklung neuer ergänzender Assessmentverfahren
  • Schweregradeinteilung nach der ICF
  • Nutzung der ICF zur Formulierung von Therapiezielen, Therapiesteuerung sowie zur Messung der Outcomes

4. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

  • Entwicklung von Bausteinen eines internen und externen Qualitätssicherungsprogramms
  • Assessments zur Prozess- und Leistungssteuerung, Prädiktoren des Erfolgs von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
  • Eingliederungs- und Partizipationsmanagement durch/nach medizinischer und beruflicher Rehabilitation, Aufwand und Strategien

5. Optimierung von Rehabilitationsangeboten

  • Übertragung und Evaluation international erfolgreicher therapeutischer Ansätze
  • Evaluation verschiedener Interventionen innerhalb der Rehabilitation (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Pharmakologie)
  • Studien zur Behandlungsintensität (Dosis-Wirkungs-Beziehung von Therapiedichte, Behandlungsdauer)
  • Wirksamkeit und Akzeptanz von Leitlinien
  • Verstetigung der Rehabilitationserfolgs (Nachsorge, Patientenschulung); speziell: Erprobung und Evaluation von möglichst früh einsetzenden, "niedrigschwelligeren" Rehabilitationsleistungen bei zum Beispiel muskuloskeletalen Krankheiten, in denen eine relativ kurze ambulante oder stationäre Phase kombiniert wird mit einer längerfristigen Phase intensivierter Nachsorge mit berufsbegleitenden Trainings- und Schulungsprogrammen

6. Reha-System und Reha-Ökonomie

  • Auswirkungen von diagnosebezogenen Fallpauschalen (sogenannten Diagnosis Related Groups), von systematischen Behandlungsprogramme für chronisch kranke Menschen (sogenannte Disease-Management-Programme) und von integrierter Versorgung auf Rehabilitation (einschließlich Schnittstellen-Problematik)
  • Reha-Zugang (selbstgesteuert (persönliches Budget), arztgesteuert, trägergesteuert), Flexibilisierung der medizinischen Rehabilitation (zum Beispiel im Verlauf abnehmende Therapiedichte)
  • Ökonomische Analysen zu Reha-Interventionen (Therapieverfahren, aktive versus passive Therapien, Medizinisch-beruflich orieintierte Rehabilitation), zum Reha-System im Wirkungszusammenhang mit anderen Systemen der Sozialen Sicherung
  • Patientenklassifikationssysteme (basiert auf der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit oder anders basiert) und alternative Vergütungssysteme (zum Beispiel erfolgsbezogene Vergütung)
  • Internationale Vergleiche von Versorgungsstrukturen

7. Qualitätssicherung

  • Outcome- und Prozessevaluation des bestehenden Reha-Qualitätssicherungsprogramms der Rentenversicherung

8. Patientenorientierung

  • Weiterentwicklung zielgruppenspezifischer Angebote (zum Beispiel Männer, Frauen, Migrant(inn)en, junge Versicherte, Bezieher von Zeitrenten), spezielle Anpassungen der Rehabilitationskonzepte (sowie des betrieblichen Eingliederungsmanagements) an die Bedarfe älterer Versicherter, vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der "Rente mit 67" und so weiter.
  • Indikationsstellung zur Therapie in Abhängigkeit von Reha-Motivation, patientenseitigen Krankheitskonzepten und Therapieerwartungen
  • Patientenspezifische Ziele im Rahmen der Behandlungsplanung und deren Bedeutung für den Behandlungserfolg
  • Stärkung von subjektiver Erfolgs-/Erwerbsprognose und Empowerment

Das Thema "Patientenorientierung" ist auch zentraler Gegenstand des Förderschwerpunkts "Chronische Krankheiten und Patientenorientierung".

9. Gender-Fragen

Indikationsspezifische Forschung bezüglich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Hinblick auf den Ausgangszustand, subjektive Rehabilitationsziele und Präferenzen, den Rehabilitationsverlauf und Krankheitsbewältigungsstrategien sowie die sich daraus ergebenden Unterschiede im Versorgungsbedarf allgemein und im Bedarf für spezifische Angebote und Versorgungsformen

10. Weiterentwicklung von Erhebungsinstrumenten und Erhebungsverfahren

  • Methodische Weiterentwicklung von Assessmentverfahren
  • Optimierung bestehender Verfahren und Entwicklung weiterer Verfahren zur Erfolgs- beziehungsweise Outcomemessung (zum Beispiel zur Verbesserung von Einrichtungsvergleichen)

11. Präventive Ansätze

  • Bedarf und Konzeption präventiver Maßnahmen für Kinder, zum Beispiel ambulanter Präventionsmaßnahmen für übergewichtige Kinder
  • Bedarf und Konzeption präventiver Maßnahmen für Erwachsene, um frühzeitig und nachhaltig einer drohenden Gefährdung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit entgegenzuwirken.
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