Deutsche Rentenversicherung

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Reha-Wissenschaften und Forschungsbedarf

Die Rehabilitationswissenschaften sind eine relativ junge Disziplin der Humanwissenschaften. Ihr Gegenstand sind die grundlegenden und angewandten Aspekte der Rehabilitation. Sie erarbeiten die wissenschaftlichen Grundlagen der medizinischen und beruflichen Rehabilitation. Bezogen auf die Rehabilitation der Rentenversicherung stehen die arbeitsbezogenen Auswirkungen von chronischer Krankheit und Behinderung und deren Bewältigung im Mittelpunkt. In diesem großen Themengebiet besteht weiterhin Forschungsbedarf.

Die Deutsche Rentenversicherung fördert Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Rehabilitationswissenschaften. Wissenschaftliche Exzellenz und Nutzen für die Entwicklung der rehabilitativen Versorgungspraxis sind zentrale Kriterien für diese Förderung.

Was sind Rehabilitationswissenschaften?

Die Rehabilitationswissenschaften sind eine relativ junge Disziplin der Humanwissenschaften, deren Gegenstand die grundlegenden und angewandten Aspekte der Rehabilitation sind. Sie erarbeiten die wissenschaftlichen Grundlagen der Rehabilitation. Im Mittelpunkt stehen die - bei der Rentenversicherung vor allem arbeitsbezogenen - Auswirkungen von chronischer Krankheit und Behinderung und deren Bewältigung. Dabei werden individuums-, institutions- und bevölkerungsbezogene Perspektiven der Folgen von Krankheit und Behinderung berücksichtigt. Charakteristisch für die Rehabilitationswissenschaften ist ihr hoher Grad an Interdisziplinarität von Gesundheitswissenschaften und Sozialwissenschaften, aber auch z. B. Ingenieurwissenschaften.

Wichtige Themen sind beispielsweise die Feststellung des Rehabilitationsbedarfs, die Entwicklung effizienterer Behandlungsmethoden oder die optimale Einbindung der Rehabilitation in das System der Gesundheitsversorgung.

Als eigenständige wissenschaftliche Fachgesellschaft wurde im Jahr 2000 die Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) gegründet.

weiterführende Literatur:

Forschungsbedarf aus Sicht der Rentenversicherung

Zu folgenden Themen besteht Forschungsbedarf aus Sicht der Deutschen Rentenversicherung:

1. Epidemiologie

Prävalenz von Rehabilitationsbedürftigkeit auslösenden Gesundheitsproblemen (zum Beispiel psychische Störungen, Behinderungen unterschiedlicher Schweregrade) und deren rehabilitativer Versorgung Dauer der Chronifizierung vor Erstrehabilitation Einfluss von Dauer der Chronifizierung im Vergleich zu Lebensalter auf das Reha-Ergebnis (optimaler Reha-Zeitpunkt) Entwicklung einer Gesundheitsberichterstattung zum Teilgebiet Rehabilitation

2. Reha-Bedarf und Zugangssteuerung

Bedeutung der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) für die Formulierung des Reha-Bedarfs Validierung und Optimierung der Indikationsstellung im Rahmen der Zuweisung zu Rehabilitationseinrichtungen (zum Beispiel ambulant/stationär) sowie zu besonderen therapeutischen Angeboten

3. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF)

Zuordnung bereits bestehender Assessmentverfahren zu ICF-Kategorien und gegebenenfalls Entwicklung neuer ergänzender Assessmentverfahren Schweregradeinteilung nach der ICF Nutzung der ICF zur Formulierung von Therapiezielen, Therapiesteuerung sowie zur Messung der Outcomes

4. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

Entwicklung von Bausteinen eines internen und externen Qualitätssicherungsprogramms Assessments zur Prozess- und Leistungssteuerung, Prädiktoren des Erfolgs von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben Eingliederungs- und Partizipationsmanagement durch/nach medizinischer und beruflicher Rehabilitation, Aufwand und Strategien

5. Optimierung von Rehabilitationsangeboten

Übertragung und Evaluation international erfolgreicher therapeutischer Ansätze Evaluation verschiedener Interventionen innerhalb der Rehabilitation (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Pharmakologie) Studien zur Behandlungsintensität (Dosis-Wirkungs-Beziehung von Therapiedichte, Behandlungsdauer) Wirksamkeit und Akzeptanz von Leitlinien Verstetigung der Rehabilitationserfolgs (Nachsorge, Patientenschulung); speziell: Erprobung und Evaluation von möglichst früh einsetzenden, "niedrigschwelligeren" Rehabilitationsleistungen bei zum Beispiel muskuloskeletalen Krankheiten, in denen eine relativ kurze ambulante oder stationäre Phase kombiniert wird mit einer längerfristigen Phase intensivierter Nachsorge mit berufsbegleitenden Trainings- und Schulungsprogrammen

6. Reha-System und Reha-Ökonomie

Auswirkungen von diagnosebezogenen Fallpauschalen (sogenannten Diagnosis Related Groups), von systematischen Behandlungsprogramme für chronisch kranke Menschen (sogenannte Disease-Management-Programme) und von integrierter Versorgung auf Rehabilitation (einschließlich Schnittstellen-Problematik) Reha-Zugang (selbstgesteuert (persönliches Budget), arztgesteuert, trägergesteuert), Flexibilisierung der medizinischen Rehabilitation (zum Beispiel im Verlauf abnehmende Therapiedichte) Ökonomische Analysen zu Reha-Interventionen (Therapieverfahren, aktive versus passive Therapien, Medizinisch-beruflich orieintierte Rehabilitation), zum Reha-System im Wirkungszusammenhang mit anderen Systemen der Sozialen Sicherung Patientenklassifikationssysteme (basiert auf der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit oder anders basiert) und alternative Vergütungssysteme (zum Beispiel erfolgsbezogene Vergütung) Internationale Vergleiche von Versorgungsstrukturen

7. Qualitätssicherung

Outcome- und Prozessevaluation des bestehenden Reha-Qualitätssicherungsprogramms der Rentenversicherung

8. Patientenorientierung

Weiterentwicklung zielgruppenspezifischer Angebote (zum Beispiel Männer, Frauen, Migrant(inn)en, junge Versicherte, Bezieher von Zeitrenten), spezielle Anpassungen der Rehabilitationskonzepte (sowie des betrieblichen Eingliederungsmanagements) an die Bedarfe älterer Versicherter, vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der "Rente mit 67" und so weiter. Indikationsstellung zur Therapie in Abhängigkeit von Reha-Motivation, patientenseitigen Krankheitskonzepten und Therapieerwartungen Patientenspezifische Ziele im Rahmen der Behandlungsplanung und deren Bedeutung für den Behandlungserfolg Stärkung von subjektiver Erfolgs-/Erwerbsprognose und Empowerment Das Thema "Patientenorientierung" ist auch zentraler Gegenstand desFörderschwerpunkts "Chronische Krankheiten und Patientenorientierung".

9. Gender-Fragen

Indikationsspezifische Forschung bezüglich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Hinblick auf den Ausgangszustand, subjektive Rehabilitationsziele und Präferenzen, den Rehabilitationsverlauf und Krankheitsbewältigungsstrategien sowie die sich daraus ergebenden Unterschiede im Versorgungsbedarf allgemein und im Bedarf für spezifische Angebote und Versorgungsformen

10. Weiterentwicklung von Erhebungsinstrumenten und Erhebungsverfahren

Methodische Weiterentwicklung von Assessmentverfahren Optimierung bestehender Verfahren und Entwicklung weiterer Verfahren zur Erfolgs- beziehungsweise Outcomemessung (zum Beispiel zur Verbesserung von Einrichtungsvergleichen)

11. Präventive Ansätze

Bedarf und Konzeption präventiver Maßnahmen für Kinder, zum Beispiel ambulanter Präventionsmaßnahmen für übergewichtige Kinder Bedarf und Konzeption präventiver Maßnahmen für Erwachsene, um frühzeitig und nachhaltig einer drohenden Gefährdung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit entgegenzuwirken.

Kernthemen des Forschungsbedarfs aus Sicht der Rentenversicherung

  • Erprobung und Evaluation von möglichst früh einsetzenden, „niedrigschwelligeren“ Rehabilitationsleistungen (zum Beispiel bei chronischen Rückenschmerzen, Diabetes), in denen zur Steigerung der Nachhaltigkeit der Rehabilitationserfolge eine relativ kurze ambulante oder stationäre Phase kombiniert wird mit einer längerfristigen Phase intensivierter Nachsorge mit berufsbegleitenden Trainings- und Schulungsprogrammen.
  • Indikationsspezifische Forschung zu Ausgangszustand, subjektiven Rehabilitationszielen und Präferenzen, Rehabilitationsverlauf und Krankheitsbewältigungsstrategien bei besonderen Zielgruppen (zum Beispiel Männer und Frauen, aber auch Migrant(inn)en, junge Versicherte und Bezieher von Zeitrenten) sowie sich daraus ergebende Unterschiede im Versorgungsbedarf allgemein und im Bedarf für spezifische Angebote und Versorgungsformen.
  • Versorgungsbedarf allgemein und im Bedarf für spezifische Angebote und Versorgungsformen. Eine besondere Zielgruppe stellen ältere Versicherte (60 Jahre und älter) dar, für die angesichts des demografischen Wandels und der Heraufsetzung des Rentenzugangsalters auf 67 Jahre spezielle Anpassungen der medizinischen Rehabilitationskonzepte (sowie des betrieblichen Eingliederungsmanagements) erforderlich werden dürften.
  • Reha-Bedarf und Reha-Zugang: Validierung und Optimierung der Indikationsstellung im Rahmen der Zuweisung zu Rehabilitationseinrichtungen (zum Beispiel ambulant/stationär) sowie zu besonderen therapeutischen Angeboten.
  • Langfristige Wirksamkeit der Rehabilitation (Nachhaltigkeit): Forschung zur Verstetigung der Effekte der Rehabilitation und zu (beeinflussbaren) Einflussfaktoren auf den Reha-Erfolg. Dabei ist auch an die methodische Weiterentwicklung der Messung von Reha-Erfolg und Reha-Outcomes sowie die ökonomische Bewertung der erzielten Effekte gedacht.
  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben: Entwicklung von Assessments zur Prozess- und Leistungssteuerung und Forschung zu Prädiktoren des Erfolgs von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. 
  • Vergütungssysteme in der medizinischen Rehabilitation und ihre Auswirkungen (zum Beispiel Fallpauschalen sowie ergebnisorientierte Vergütung).
  • Fragen der Erwerbsminderung und der Sozialmedizin (zum Beispiel Faktoren beziehungsweise Indikatoren der Erwerbsminderung).