Deutsche Rentenversicherung

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Fragen und Antworten zur Grundrente

Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD hat sich auf eine Grundrente geeinigt, die ab Januar 2021 kommen soll. Das Bundeskabinett hat am 19. Februar 2020 den Gesetzentwurf zur Grundrente verabschiedet. Für die endgültige Ausgestaltung der Grundrente muss das weitere Gesetzgebungsverfahren abgewartet werden.

Hinweis:
Da bisher nur Eckpunkte zur Einführung der Grundrente vorliegen, können zu der Leistung noch keine individuellen Beratungen durch die Rentenversicherung erfolgen. Rentnerinnen und Rentner müssen derzeit nichts unternehmen, um die Leistung zu erhalten. Ein Antrag ist derzeit weder erforderlich noch möglich.

Beispiele - stark vereinfacht

1. Beispiel

Frau Müller hat im Westen 40 Jahre gearbeitet mit jeweils 50 Prozent des Durchschnittslohns. Dieser liegt im Jahr 2020 bei 40.551 Euro.

Hieraus ergibt sich eine eigene Rente in Höhe von 661 Euro (40 Jahre x 0,5 Entgeltpunkte x 33,05 Euro).

Die durchschnittlichen Entgeltpunkte werden verdoppelt und auf maximal 0,8 Entgeltpunkte begrenzt. Es ergibt sich ein Zuschlag von 0,3 Entgeltpunkten, welcher um 12,5 Prozent (= 0,2625 Entgeltpunkte) gekürzt wird. Dieser Zuschlag von 0,2625 Entgeltpunkten wird für höchsten 35 Jahre berechnet.

Der Zuschlag für die Grundrente beträgt somit rund 304 Euro (0,2625 Entgeltpunkte x 35 Jahre x 33,05 Euro).

Berücksichtigung eines zusätzlichen Einkommens

Frau Müller arbeitet zusätzlich und hat daher mit ihrer Rente und der Beschäftigung insgesamt ein zu berücksichtigendes Einkommen in Höhe von monatlich 1.450 Euro.

Das Einkommen bis 1.250 Euro wird nicht angerechnet. Von dem darüber liegenden Einkommen werden 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet.

Es liegen 200 Euro oberhalb der Einkommensgrenze, davon 60 Prozent betragen 120 Euro. Der Zuschlag für die Grundrente von 304 Euro wird um 120 Euro gekürzt. Die Grundrente beträgt somit rund 184 Euro.

2. Beispiel

Frau Schneider hat im Osten 40 Jahre gearbeitet. Für die Grundrente können 25 Jahre berücksichtigt werden, da 15 Jahre aufgrund geringer Bruttoverdienste unter 30 Prozent des Durchschnittslohns liegt.

In diesen 25 Jahren hat sie 60 Prozent des durchschnittlichen Bruttolohns erreicht. Die durchschnittlichen Entgeltpunkte werden für diese 25 Jahre verdoppelt und auf 0,8 Entgeltpunkte begrenzt. Es ergibt sich ein Zuschlag von 0,2 Entgeltpunkten, welcher um 12,5 Prozent (= 0,1750 Entgeltpunkte) gekürzt wird. Dieser Zuschlag von 0,1750 Entgeltpunkten wird für 25 Jahre berechnet.

Der Zuschlag für die Grundrente beträgt somit rund 140 Euro (0,1750 Entgeltpunkte x 25 Jahre x 31,89 Euro).

Berücksichtigung eines zusätzlichen Einkommens

Frau Schneider hat durch die eigene Rente und Verpachtung eines Grundstückes insgesamt ein zu berücksichtigendes Einkommen in Höhe von monatlich 1.800 Euro.

Das Einkommen bis 1.250 Euro wird nicht angerechnet. Von dem darüber liegenden Einkommen werden 60 Prozent, ab einem Einkommen von 1.600 Euro werden 100 Prozent auf die Grundrente angerechnet.

Das Einkommen im Korridor 1.250 – 1.600 Euro beträgt 350 Euro, dieses wird zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet. Das Einkommen oberhalb von 1.600 Euro (= 200 Euro) wird zu 100 Prozent angerechnet. Damit ergibt sich ein anzurechnendes Einkommen in Höhe von 410 Euro (60 Prozent von 350 = 210 Euro + 200 Euro). Das bedeutet, durch die Einkommensanrechnung wird die Grundrente nicht gezahlt.

Soll die Grundrente eine eigenständige Leistung sein?

Die Grundrente soll keine eigenständige Leistung sein, sondern als Teil der Rente ausgezahlt werden.

Gibt es eine Mindestversicherungszeit als Voraussetzung für die Grundrente?

Die Grundrente soll voraussetzen, dass Rentnerinnen und Rentner mindestens 33 Jahre sogenannte Grundrentenzeiten haben. Hierzu sollen folgende Zeiten zählen:

  • Pflichtbeiträge aus Berufstätigkeit oder Selbständigkeit,
  • Pflichtbeitragszeiten für Kindererziehung und Pflege von Angehörigen (diese können die jeweilige Rente erhöhen),
  • Zeiten der Leistungen bei Krankheit oder Rehabilitation,
  • Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung und Pflege (diese zählen bei der Erfüllung der Mindestversicherungszeiten mit),
  • Ersatzzeiten (zum Beispiel Zeiten des Kriegsdienstes, der Kriegsgefangenschaft oder der politischen Haft in der DDR).

Welche Zeiten zählen bei der Mindestversicherungszeit für die Grundrente nicht mit?

Nicht zu den Grundrentenzeiten sollen Zeiten des Bezuges von Arbeitslosengeld I und II, Zeiten der Schulausbildung, Zurechnungszeiten (fiktiv verlängerter Lebenslauf zur Erhöhung einer Erwerbsminderungsrente) sowie freiwillige Beiträge zählen.

Werden auch Zeiten im Ausland bei der Mindestversicherungszeit für die Grundrente mitgezählt?

Für die Prüfung der 33 Jahre Grundrentenzeiten sollen auch entsprechende Zeiten aus Ländern berücksichtigt werden, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat oder für die das EU-Recht gilt.

Gibt es eine Gleitzone bei der Mindestversicherungszeit?

Rentnerinnen und Rentner, die mindestens 33 Jahre, aber weniger als 35 Jahre Grundrentenzeiten zurückgelegt haben, sollen den Grundrentenzuschlag gestaffelt erhalten. Erst ab 35 Jahren Grundrentenzeiten soll der Zuschlag in voller Höhe gezahlt werden.

Wie hoch muss das eigene Einkommen mindestens gewesen sein, damit eine Grundrente in Betracht kommt?

Eine Grundrente kann gezahlt werden, wenn die eigene Beitragsleistung in der Rentenversicherung mindestens 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes der Versicherten betrug oder beträgt. Zeiten mit Beiträgen aus einem Verdienst unter 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes der Versicherten bleiben unberücksichtigt.

Im Jahr 2020 beträgt der monatliche Durchschnittsverdienst rund 3.379 Euro. Der monatliche Bruttoverdienst müsste somit im Jahre 2020 gerundet bei mindestens 1.013 Euro liegen, damit diese Zeit für die Berechnung eines Zuschlags berücksichtigt werden kann.

Heute liegen die Verdienste der Vollzeitbeschäftigten aufgrund der Regelungen zum Mindestlohn über dieser Grenze. Teilzeitbeschäftigungen führen teilweise zu einem Lohn unterhalb von 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Solche Teilzeitbeschäftigungen können für die Berechnung des Zuschlages nicht berücksichtigt werden. Ebenfalls nicht berücksichtigt werden können Zeiten eines Minijobs.

Wie hoch soll die Grundrente sein?

Die Höhe der Grundrente soll individuell errechnet werden. Für höchstens 35 Jahre wird der erworbene Rentenanspruch verdoppelt, allerdings gegebenenfalls begrenzt auf 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Am Ende wird der Zuschlag pauschal um 12,5 Prozent gemindert.

Wird Einkommen auf die Grundrente angerechnet?

Ja, es soll eine Einkommensanrechnung stattfinden. Die volle Grundrente soll es bis zu einem monatlichen Einkommen von 1.250 Euro für Alleinstehende und 1.950 Euro für Eheleute oder eingetragene Lebenspartnerschaften geben. Wird der jeweilige Freibetrag überschritten, werden 60 Prozent des darüber liegenden Einkommens angerechnet. Einkommen über 1.600 Euro (Paare: 2.300 Euro) werden in voller Höhe angerechnet.

Welches Einkommen wird bei der Grundrente angerechnet?

Bei der Grundrente soll die eigene Nettorente und weiteres zu versteuerndes Einkommen angerechnet werden. Dieses wird vom Finanzamt festgestellt und der Deutschen Rentenversicherung automatisch mitgeteilt. Kapitalerträge oberhalb des Sparerfreibetrages sollen ebenfalls angerechnet werden. Rentnerinnen und Rentner werden der Deutschen Rentenversicherung deshalb relevante Kapitalerträge mitteilen müssen. Die Rentenversicherung kann die Angaben dann überprüfen.

Steuerfreie Einnahmen wie beispielsweise Einnahmen aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit und aus einer pauschal besteuerten geringfügigen Beschäftigung (Minijob) bleiben unberücksichtigt.

Wird auch ausländisches Einkommen angerechnet?

Ja. Auch ausländisches Einkommen soll angerechnet werden. Rentnerinnen und Rentner werden der Deutschen Rentenversicherung dieses mitteilen müssen.

Wird die Grundrente auch ins Ausland gezahlt?

Ja. Der Anspruch auf die Grundrente ist nicht an einen Wohnsitz in Deutschland gebunden. Somit ist auch eine Zahlung ins Ausland möglich.

Können bereits persönliche Auskünfte zur Grundrente gegeben werden?

Nein. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung können derzeit noch keine individuellen Auskünfte über einen möglichen Anspruch auf Grundrente erteilen. Es bleibt der weitere Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens abzuwarten.

Was muss man tun, um die Grundrente zu bekommen?

Die Grundrente soll automatisch geprüft und ausgezahlt werden. Für Rentnerinnen und Rentner besteht kein Handlungsbedarf. Ein Antrag ist nicht erforderlich.

Zunächst müssen die Regelungen zur Grundrente aber vom Gesetzgeber beschlossen werden und in Kraft treten.

Für wen soll es die Grundrente geben?

Die Grundrente soll nach dem Willen der Koalitionspartner für alle Rentnerinnen und Rentner, die zum Inkrafttreten des Gesetzes eine Rente beziehen, und für Neurentner eingeführt werden. Der Zuschlag soll für alle Altersrenten, Erwerbsminderungsrenten, Erziehungsrenten und Hinterbliebenenrenten in Betracht kommen.

Ab wann soll es die Grundrente geben?

Nach dem Gesetzentwurf soll die Regelung zur Grundrente zum 1. Januar 2021 in Kraft treten.