WEBVTT 1 00:00:00.200 --> 00:00:03.919 Ich begrüße Sie. Mein Name ist Dr. Claudia Matties und ich arbeite seit fünf Jahren bei der 2 00:00:03.919 --> 00:00:08.199 Deutschen Rentenversicherung Bund im Grundsatz und Querschnitt. 3 00:00:08.199 --> 00:00:13.800 Hierbei bin ich im Bereich Weiterentwicklung der Rehabilitation, Evidenzbasierung und Konzeption 4 00:00:13.800 --> 00:00:17.199 für die inhaltliche Ausgestaltung der Reha-Therapiestandards zuständig. 5 00:00:17.199 --> 00:00:24.199 Natürlich stehen wir im engen Austausch mit dem Dezernat Reha-Qualitätssicherung, Epidemiologie und Statistik. 6 00:00:24.199 --> 00:00:28.920 Im Rahmen eines wissenschaftlichen Begleitprojektes wurden die Reha-Therapiestandards aktualisiert. 7 00:00:30.199 --> 00:00:33.200 Und wir freuen uns nun, Ihnen die Ergebnisse präsentieren zu können. 8 00:00:33.200 --> 00:00:36.520 Dazu haben wir drei Videos für Sie zusammengestellt, 9 00:00:36.520 --> 00:00:40.159 die Sie individuell und unabhängig voneinander schauen können. 10 00:00:40.840 --> 00:00:43.039 Sehr geehrte Damen und Herren, mein Name ist André Golla. 11 00:00:43.039 --> 00:00:47.200 Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg 12 00:00:47.200 --> 00:00:52.200 und vertrete an dieser Stelle meine Projektkollegen und Kolleginnen, die innerhalb der letzten drei Jahre 13 00:00:52.200 --> 00:00:55.200 an der wissenschaftlichen Projektbegleitung mitgewirkt haben. 14 00:00:55.200 --> 00:01:01.640 In meinem Beitrag möchte ich Ihnen einen Einblick geben zur Aktualisierung und Weiterentwicklung der Reha-Therapiestandards. 15 00:01:02.280 --> 00:01:08.680 Ich habe Ihnen für meinen Vortrag einige Folien vorbereitet und möchte Ihnen anhand dieser Folien 16 00:01:08.680 --> 00:01:13.640 auch den Bearbeitungsprozess einmal umfangreich vorstellen. 17 00:01:13.640 --> 00:01:17.200 Grundlegend basieren die Reha-Therapiestandards auf einem wissenschaftlichen Fundament. 18 00:01:17.200 --> 00:01:21.319 Deutlich wird es auch noch mal, wenn man auf die Entwicklungshistorie zurückschaut. 19 00:01:21.319 --> 00:01:28.200 Vor mehr als 20 Jahren erfolgte die Entwicklung damals im Rahmen des sogenannten Reha-Leitlinienprogramms, einer gezierten Projektförderung, 20 00:01:28.200 --> 00:01:36.200 um ein umfassendes wissenschaftlich fundiertes Qualitätssicherungs- instrument für medizinische Rehabilitationsleistung zu etablieren 21 00:01:36.200 --> 00:01:42.200 und entsprechende Qualitätsindikatoren für die damals wichtigsten Indikationsgebiete zu entwickeln. 22 00:01:42.200 --> 00:01:48.840 Zwischen 2012 und 2015 wurden alle bis dahin entstandenen Reha-Therapiestandards umfangreich aktualisiert 23 00:01:48.840 --> 00:01:52.000 und in den angepassten Versionen veröffentlicht. 24 00:01:52.000 --> 00:01:59.200 Und jetzt, gut zehn Jahre später, erfolgt nun die erneute Aktualisierung unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Versorgungsstandards, 25 00:01:59.200 --> 00:02:03.000 der Evidenz zur Reha im Allgemeinen sowie Reha-relevanten Therapiebereichen, 26 00:02:03.000 --> 00:02:08.199 aber auch der Entwicklung rehabilitativer Rahmenbedingungen innerhalb der letzten Jahre. 27 00:02:08.199 --> 00:02:13.000 Die Wissenschaftliche Projektbegleitung setzt sich zusammen aus drei kooperierenden Einrichtungen, 28 00:02:13.000 --> 00:02:19.199 dem Institut für Rehabilitationsmedizin an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg 29 00:02:19.199 --> 00:02:25.400 unter der Leitung von Prof. Dr. Thorsten Mayer-Feil, aus der Sektion Versorgungs- und Rehabilitationsforschung 30 00:02:25.400 --> 00:02:31.199 am Universitätsklinikum Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Erik Fahring-Gladacker, 31 00:02:31.199 --> 00:02:38.280 sowie der Arbeitsgruppe Rehabilitationswissenschaften im Zentrum für psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Würzburg 32 00:02:38.280 --> 00:02:41.199 unter der Leitung von Prof. Dr. Heiner Vogel. 33 00:02:41.199 --> 00:02:47.800 Alle drei Projektleiter waren zusammen bereits in der vorangegangenen Aktualisierung involviert und bringen eine breite Expertise 34 00:02:47.800 --> 00:02:50.199 im Feld der medizinischen Rehabilitation mit. 35 00:02:50.199 --> 00:02:55.400 Ich möchte Ihnen in den nächsten Folien als erstes das grundlegende Vorgehen bei der Aktualisierung 36 00:02:55.400 --> 00:02:59.840 der bereits bestehenden indikationsspezifischen Reha-Therapiestandards skizzieren 37 00:02:59.840 --> 00:03:05.159 und werde anschließend auf unseren Beitrag zur Weiterentwicklung der neuen Reha-Therapiestandards eingehen. 38 00:03:05.159 --> 00:03:15.199 Methodisch orientieren wir uns bei den indikationsspezifischen Reha-Therapiestandards unmittelbar an den ursprünglichen RTS-Versionen, 39 00:03:15.199 --> 00:03:21.840 sowie dem Vorgehen in der letzten Aktualisierung und konnten das damalige Vorgehen vereinfacht gesagt 40 00:03:21.840 --> 00:03:26.199 als Blaupause nutzen und eben entsprechend auch fortschreiben. 41 00:03:26.199 --> 00:03:31.000 Im Fokus stand für unsere drei Arbeitspakete eine umfangreiche Literaturrecherche 42 00:03:31.000 --> 00:03:36.199 zu den jeweiligen evidenzbasierten Therapiemodulen eines jeweiligen Reha-Therapiestandards, 43 00:03:36.199 --> 00:03:43.520 eine Analyse des Versorgungsgeschehen für die jeweilige Indikation auf Basis der Therapiedokumentation der Fachabteilung 44 00:03:43.520 --> 00:03:47.199 und eine Einbindung von Expertinnen aus der Reha-Praxis, 45 00:03:47.199 --> 00:03:55.280 mit denen wir unsere Erkenntnisse reflektiert haben und auch praxisrelevante Impulse mit in die Aktualisierung integrieren konnten. 46 00:03:55.280 --> 00:03:59.120 Auf Basis dieser drei Informationsquellen, die wir eng miteinander verknüpft haben, 47 00:03:59.120 --> 00:04:03.159 konnten wir eine datenbasierte Entscheidungsgrundlage generieren, 48 00:04:03.159 --> 00:04:10.240 aus dem wir dann Argumentationslinien für Anpassungsbedarfe bzw. auch Anpassungsoptionen ableiten konnten. 49 00:04:10.240 --> 00:04:19.199 Und genau auf dieser Entscheidungsgrundlage basieren im Wesentlichen auch die finalen Anpassungen für die neuen RTS-Versionen. 50 00:04:19.199 --> 00:04:24.199 Bei den drei dargestellten Arbeitsschritten möchte ich gerne einmal ins Detail gehen, damit Sie einen Eindruck bekommen, 51 00:04:24.199 --> 00:04:32.279 wie sich die Entscheidungsgrundlage zusammensetzt und wie grafisch auch angedeutet die unterschiedlichen Perspektiven miteinander verzahnt sind. 52 00:04:32.279 --> 00:04:40.199 Starten wir mit der Literatursynthese, dem zentralen und auch umfangreichsten Arbeitspaket im Rahmen der Aktualisierung. 53 00:04:40.199 --> 00:04:45.199 Ziel war es mit dem Arbeitsschritt, die bestehenden RTS-Inhalte mit den aktuellen Versorgungsstandards, 54 00:04:45.199 --> 00:04:52.199 den Behandlungsfaden und Empfehlungen zur Therapieausgestaltung für die unterschiedlichen Indikationsgebiete abzugleichen 55 00:04:52.199 --> 00:04:56.240 und auf dieser Weise vor allem Anpassungsoptionen bezüglich der Reha-Therapiestandards 56 00:04:56.240 --> 00:04:59.879 und der jeweiligen evidenzbasierten Therapiemodule zu ermitteln. 57 00:04:59.879 --> 00:05:05.199 Immer mit dem Blick darauf, was sich gegebenenfalls seit dem letzten Aktualisierungsprozess verändert hat, 58 00:05:05.199 --> 00:05:10.199 wo es zum Beispiel ganz nicht neue Empfehlungen gibt oder sich die Empfehlungslage auch verändert hat, 59 00:05:10.199 --> 00:05:15.199 zum Beispiel durch inhaltliche Konkretisierung oder veränderte Empfehlungsgraduierungen. 60 00:05:15.199 --> 00:05:20.199 Ziel war es aber auch, in diesem Schritt rehabilitationsrelevante Themen zu identifizieren, 61 00:05:20.199 --> 00:05:25.199 die bisher nicht oder nur wenig prominent in den RTS repräsentiert sind, 62 00:05:25.199 --> 00:05:31.120 aber für die aktuelle und gerade auch zukünftige Reha-Praxis relevant sein könnten. 63 00:05:31.120 --> 00:05:36.199 Ausgangspunkt für die Literatursynthese war daher die ursprünglichen RTS-Versionen, 64 00:05:36.199 --> 00:05:39.199 sowie die Ergebnisse des letzten Aktualisierungsprozesses. 65 00:05:39.199 --> 00:05:45.199 Darauf aufbauend haben wir einen einheitlichen methodischen Ablauf entwickelt, der ein gestuftes Rechercheschema vorsieht. 66 00:05:45.199 --> 00:05:50.199 Im ersten Schritt haben wir dazu orientiert an den Geltungsbereichen des Reha-Therapiestandards, 67 00:05:50.199 --> 00:05:55.199 nationale und internationale Leitlinien sowie leitliniennahe Dokumente recherchiert 68 00:05:55.199 --> 00:06:01.199 und diese dann auf inhaltliche Passungen zu Elementen der rehabilitativen Versorgung überprüft. 69 00:06:01.199 --> 00:06:05.199 Unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit und Aktualität haben wir in einem zweiten Schritt 70 00:06:05.199 --> 00:06:11.199 zudem Übersichtsarbeiten mit Bezug zu Inhalten der medizinischen Rehabilitation recherchiert, 71 00:06:11.199 --> 00:06:14.720 um hier aktuelle Perspektiven berücksichtigen zu können, 72 00:06:14.720 --> 00:06:19.199 die aufgrund ihrer Aktualität noch nicht in Leitlinienempfehlungen verarbeitet wurden 73 00:06:19.199 --> 00:06:25.199 oder die vorhandenen Leitlinienempfehlungen mit konkreten Informationen diesbezüglich zu untermauern. 74 00:06:25.199 --> 00:06:31.199 Optional sah unser Rechercheschema vor, dass im Einzelfall auch Originalarbeiten berücksichtigt werden konnten, 75 00:06:31.199 --> 00:06:36.199 und zwar immer dann, wenn die verfügbare aggregierte Evidenz begrenzt war, 76 00:06:36.199 --> 00:06:41.160 also zum Beispiel keine Leitlinienempfehlungen oder Übersichtsarbeiten vorlagen. 77 00:06:41.160 --> 00:06:45.199 Aus der recherchierten Literatur haben wir anschließend die Einzelempfehlungen 78 00:06:45.199 --> 00:06:50.199 und die Keyfacts thematisch den bestehenden evidenzbasierten Modulen zugeordnet 79 00:06:50.199 --> 00:06:53.879 und in umfangreichen Übersichtstabellen überführt. 80 00:06:53.879 --> 00:06:59.199 Dadurch hatten wir für jedes ETM eine gute Zusammenstellung zur empfohlenen therapeutischen Schwerpunktsetzung, 81 00:06:59.199 --> 00:07:05.199 zum Teil allgemein, aber auch häufig mit konkreten Details wie Umfang, Zielstellung 82 00:07:05.199 --> 00:07:11.199 oder eben auch Umgang mit Begleitfaktoren oder der genauen inhaltlichen Ausgestaltung. 83 00:07:11.199 --> 00:07:16.199 Diese Zusammenstellung haben wir genutzt, um für jedes ETM eines Rehatherapiestandards eine Bewertung vorzunehmen 84 00:07:16.199 --> 00:07:20.199 und einzuordnen, was sich seit dem letzten Aktualisierungsprozess verändert hat 85 00:07:20.199 --> 00:07:27.199 und inwiefern auch die aktuellen RTS-Vorgaben zur Evidenz im Themenfeld passen. 86 00:07:27.199 --> 00:07:32.199 Wir werden Ihnen die Übersichtstabellen und Bewertungen in den Methodenreports zur Verfügung stellen, 87 00:07:32.199 --> 00:07:39.199 sodass auch Sie die Möglichkeit haben, darauf zurückzugreifen und gegebenenfalls auch für die eigene Therapieausgestaltung zu nutzen. 88 00:07:39.199 --> 00:07:42.199 Da möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht weit ins Detail gehen. 89 00:07:42.199 --> 00:07:45.680 Das würde auch den Rahmen vom Umfang her sprengen. 90 00:07:45.680 --> 00:07:52.199 Sie sehen hier auf der Folie einmal die Anzahl der berücksichtigten Leitlinien bzw. leitliniennahen Dokumente. 91 00:07:52.199 --> 00:07:59.839 Mehr als 110 haben wir final eingeschlossen, aus denen wir dann über 2.900 Empfehlungen mit rehabilitativen Bezug 92 00:07:59.839 --> 00:08:02.720 für die Entscheidungsgrundlage verarbeiten konnten. 93 00:08:02.720 --> 00:08:13.199 Neben dieser umfangreichen Literaturbasis war eine weitere wichtige Perspektive die Analyse zur Umsetzung der aktuellen RTS-Vorgaben. 94 00:08:13.199 --> 00:08:20.000 Dies sollte vor allem einen Eindruck vermitteln, wie die einzelnen Mindestvorgaben zu den evidenzbasierten Therapiemodulen 95 00:08:20.000 --> 00:08:22.519 in der Rea-Landschaft umgesetzt wurden. 96 00:08:22.519 --> 00:08:28.519 Und wir wollten an dieser Stelle auch ETMs identifizieren, bei denen Auffälligkeiten in der Umsetzung zu beobachten waren, 97 00:08:28.519 --> 00:08:34.639 um so auch ein Verständnis für die Angebotsausgestaltung und die Verwendung der zulässigen KTL-Codes zu erhalten, 98 00:08:34.639 --> 00:08:38.279 aber auch Hinweise auf praktische Herausforderungen ableiten zu können. 99 00:08:38.279 --> 00:08:42.200 Hier konnten wir auf die QS-Berichte zu den Reha-Therapiestandards zurückgreifen, 100 00:08:42.200 --> 00:08:48.240 die die Fachabteilungen kalenderjährlich bekommen und in denen die fachabteilungsbezogene Erfüllung aller ETMs 101 00:08:48.240 --> 00:08:50.919 innerhalb der eigenen Fachabteilung beschrieben wird 102 00:08:50.919 --> 00:08:57.960 und auch umfangreiche Daten zu erreichten Rehabilitandinnenzahlen sowie die dafür genutzten KTL-Codes enthalten sind. 103 00:08:57.960 --> 00:09:08.279 Insgesamt konnten wir über 4.400 Berichte analysieren, die das Leistungs- geschehen für mehr als 1,2 Millionen Rehabilitationsleistungen umfassten. 104 00:09:08.279 --> 00:09:17.279 Ausgewertet haben wir primär die Berichte der Jahre 2017 bis 2019, um auch eine Entwicklung in der Umsetzung abbilden zu können. 105 00:09:17.279 --> 00:09:24.320 Hintergrund zu diesem gewählten Zeitraum war vor allem die eingeschränkte Datenverfügbarkeit aufgrund der Corona-Pandemie 106 00:09:24.320 --> 00:09:30.320 und es erfolgte aber auch im weiteren Verlauf der Abgleich mit den aktuellen Berichten. 107 00:09:30.320 --> 00:09:37.320 Anhand der Berichte haben wir dann für jedes ETM eines Reha-Therapiestandards die hier dargestellten drei Leitfragen bearbeitet. 108 00:09:37.320 --> 00:09:41.960 Für wie viele Rehabilitandinnen wurde die vorgegebene Mindestdauer eines ETMs erreicht? 109 00:09:41.960 --> 00:09:48.200 Wie viele Fachabteilungen konnten ETM-Vorgaben, also die Kombination aus Mindestdauer und Mindestanteil erfüllen? 110 00:09:48.200 --> 00:09:55.200 Und welche KTL-Kurz wurden in welchem Umfang für die Umsetzung der einzelnen ETMs genutzt? 111 00:09:55.200 --> 00:09:59.120 Ich habe Ihnen hier ein kurzes recht greifbares Beispiel mitgebracht. 112 00:09:59.120 --> 00:10:05.200 Das ETM Krankheitsspezifische Patientenschulungen aus dem RTS Coronare Herzkrankheiten. 113 00:10:05.200 --> 00:10:15.200 Hier werden Leistungen im Umfang von mindestens 120 Minuten pro Reha für mindestens 80 Prozent der Rehabilitandinnen im Geltungsbereich erwartet. 114 00:10:15.200 --> 00:10:24.200 Und im Jahr 2019 wurden diese 120 Minuten fachabteilungsübergreifend bei 87 Prozent aller Rehabilitandinnen dokumentiert. 115 00:10:24.200 --> 00:10:28.200 Also ein klares Indiz für die gute Umsetzung der Vorgaben. 116 00:10:28.200 --> 00:10:32.200 Interessant wurde es aber bei der fachabteilungsvergleichenden Betrachtung. 117 00:10:32.200 --> 00:10:40.240 Hier am Beispiel zeigt sich, dass jede vierte Fachabteilung im Jahr 2019 die Vorgaben, also die Kombination aus 120 Minuten 118 00:10:40.240 --> 00:10:47.200 für mindestens 80 Prozent der behandelten Rehabilitandinnen, nicht adäquat umsetzen konnten. 119 00:10:47.200 --> 00:10:52.200 Um genau solche Diskepanzen lassen sich beobachten, auf die wir auch immer genauer geschaut haben. 120 00:10:52.200 --> 00:10:59.200 Sie sehen hier für das ETM Krankheitsspezifische Patientenschulung eine fachabteilungsvergleichende Übersicht. 121 00:10:59.200 --> 00:11:06.799 Jede Säule stellt eine Fachabteilung dar und die Höhe der weißen Säule zeigt, welcher Anteil an Rehabilitandinnen innerhalb der Fachabteilung 122 00:11:06.799 --> 00:11:13.200 mindestens die vorgegebenen 120 Minuten Patientenschulung während des Reha-Aufenthalts erhalten haben. 123 00:11:13.200 --> 00:11:20.200 Laut ETM Vorgabe sollen das 80 Prozent sein. Das kennzeichnet auch die rote Linie, die Sie in der Grafik sehen. 124 00:11:20.200 --> 00:11:26.200 Man sieht, dass in manchen Fachabteilungen die Vorgabe für 100 Prozent der Rehabilitanten erfüllt worden ist. 125 00:11:26.200 --> 00:11:30.639 Interessant ist aber der rechte Teil der Grafik, also die 26 Prozent der Fachabteilung, 126 00:11:30.639 --> 00:11:35.200 die unter dem Erfüllungsgrad von 80 Prozent ihrer Rehabilitanten liegen. 127 00:11:35.200 --> 00:11:41.159 Und an diesem Beispiel wird gut ersichtlich, dass auch dort in den meisten Fachabteilungen mehr als 80 Prozent der Rehabilitanten 128 00:11:41.159 --> 00:11:47.200 die ETM Leistung erhalten haben, hier aber nicht die geforderten Umfänge von 120 Minuten erreicht wurden. 129 00:11:47.200 --> 00:11:50.240 Das lässt sich an den abgestuften Grautöner kennen, 130 00:11:50.240 --> 00:11:55.200 wonach eben nur zwei Drittel oder unter zwei Drittel des zeitlichen Mindestumfangs erreicht wurde. 131 00:11:55.200 --> 00:12:01.559 Dieses ist ein ganz gutes Beispiel, wie wir hier auch die Umsetzung der ETMs im Detail betrachtet haben 132 00:12:01.559 --> 00:12:06.200 und entsprechende Auffälligkeiten im Einrichtungsvergleich identifizieren konnten. 133 00:12:06.200 --> 00:12:15.200 Zudem haben wir auch für jedes ETM zulässigen KTL-Codes betrachtet und so einen Eindruck zu der Angebotsausgestaltung gewonnen. 134 00:12:15.200 --> 00:12:22.200 Wenn wir beim Beispiel Patientenschulung bleiben, war der Code C703, standardisierte Schulung, der am häufigsten dokumentierte Code. 135 00:12:22.200 --> 00:12:25.720 Im Fachabteilungsvergleich wurden während einer Reha durchschnittlich 136 00:12:25.720 --> 00:12:33.120 2,7 Einheiten mit einem durchschnittlichen Gesamtumfang von 158 Minuten angeboten. 137 00:12:33.120 --> 00:12:39.559 Diese Betrachtungsebene war vor allem dann interessant, wenn für einzelne ETMs viele Codes zulässig waren, um zu verstehen, 138 00:12:39.559 --> 00:12:46.200 mit welchen Angebotsschwerpunkten die ETMs dann auch im Einrichtungsvergleich ausgestaltet wurden. 139 00:12:46.200 --> 00:12:53.919 Und so konnten wir für jedes RTS Auffälligkeiten im Leistungsgeschehen analysieren, zum Beispiel, dass bei einzelnen ETMs sehr hohe 140 00:12:53.919 --> 00:13:01.399 Einrichtungsvariationen zu beobachten waren oder wie eben im Beispiel gesehen zeitliche Mindestvorgaben zum Teil nicht erreicht wurden, 141 00:13:01.399 --> 00:13:07.080 aber auch andere Auffälligkeiten, zum Beispiel, dass ein ETM hervorragende Erfüllungsgrade aufweist, 142 00:13:07.080 --> 00:13:10.200 die aber mit bestimmten KTL-Codes in Verbindung stehen. 143 00:13:10.200 --> 00:13:17.519 Wir haben diese Erkenntnisse nicht nur rein isoliert betrachtet, sondern auch RTS übergreifend abgeglichen, um ein Verständnis für die 144 00:13:17.519 --> 00:13:25.240 Auffälligkeiten und möglichen Ursachen zu erhalten und diese dann in der Perspektivzusammenführung auch entsprechend berücksichtigen zu können. 145 00:13:25.240 --> 00:13:30.679 Und hier schließt sich der dritte Arbeitsschritt an, einen Austausch mit Expertinnen aus der Reha-Praxis 146 00:13:30.679 --> 00:13:36.200 und somit die gezielte Einbindung der Perspektive von Anwendenden der Reha-Therapiestandards. 147 00:13:36.200 --> 00:13:42.559 Ziel war es hier, die Kernerkenntnisse und offenen Fragen aus den vorangegangenen Arbeitsschritten zu reflektieren 148 00:13:42.559 --> 00:13:49.200 und die aus den Daten abgeleiteten Anpassungsoptionen und mögliche praktische Konsequenzen zu diskutieren. 149 00:13:49.200 --> 00:13:56.679 Ziel war es aber auch den Expertinnen aus der Praxis einen Raum für Rückmeldung zu Bedürfnissen oder Herausforderungen im Zusammenhang 150 00:13:56.679 --> 00:14:04.200 mit den RTS zu geben, um diese für die Entscheidungsfindung zur Überarbeitung schlussendlich auch einfließen zu lassen. 151 00:14:04.200 --> 00:14:10.799 Für die Ergebnisreflektion haben wir Beteiligte aus dem vorangegangenen Aktualisierungsprozess eingeladen, 152 00:14:10.799 --> 00:14:16.639 aber auch Einladungen zur Mitwirkung an rehabilitationsrelevante Fachverbände und Gesellschaften gerichtet. 153 00:14:16.639 --> 00:14:20.759 Zudem haben wir an unseren drei Standorten die Netzwerkpartner aus der Reha-Praxis angesprochen, 154 00:14:20.759 --> 00:14:26.200 um so insbesondere ärztliche und therapeutische Perspektiven mit einbinden zu können. 155 00:14:26.200 --> 00:14:32.799 Den Austausch haben wir dann als eine Diskussion in Kleingruppen im Onlineformat durchgeführt, in der wir initial die Ergebnisse der beiden 156 00:14:32.799 --> 00:14:40.080 vorangegangenen Arbeitsschritte präsentiert haben, aber auch gleich unsere konkreten Fragen zu bestimmten Auffälligkeiten, 157 00:14:40.080 --> 00:14:46.639 Unklarheiten oder eben der praktischen Relevanz aus möglichen Anpassungen mit in die Diskussion gegeben haben. 158 00:14:46.639 --> 00:14:52.679 Den gesamten Austausch haben wir protokolliert, anschließend thematisch geordnet und dann als anonymisierte Zusammenfassung 159 00:14:52.679 --> 00:14:55.919 mit in die Entscheidung zur Anpassung einfließen lassen. 160 00:14:55.919 --> 00:15:03.679 Insgesamt konnten wir in diesem Arbeitsschritt über 70 Expert*innen aus unterschiedlichen Indikationsbereichen mit einbinden 161 00:15:03.679 --> 00:15:09.200 und hier eine breite Praxisperspektive mit berücksichtigen. 162 00:15:09.200 --> 00:15:13.879 Genau diese drei dargestellten Arbeitsschritte bilden unsere datenbasierte Entscheidungsgrundlage, 163 00:15:13.879 --> 00:15:18.240 wie es hier auch nochmal auf der Folie grafisch dargestellt ist. 164 00:15:18.240 --> 00:15:26.159 Aus dieser Entscheidungsgrundlage resultieren im Wesentlichen auch die einzelnen Überarbeitungen, die je nach RTS zum Beispiel die Anpassung 165 00:15:26.159 --> 00:15:35.879 von Mindestanforderungen oder Geltungsbereichen betrifft oder sich auf Ebene der ETM-Inhalte oder der einzelnen KTL-Zuordnung bewegt. 166 00:15:35.879 --> 00:15:43.200 Aus der datenbasierten Entscheidungsgrundlage konnten wir transparente Argumentationslinien für oder gegen Anpassungen ableiten 167 00:15:43.200 --> 00:15:48.039 und die drei unterschiedlichen Perspektiven an dieser Stelle gut miteinander verknüpfen. 168 00:15:48.039 --> 00:15:54.000 Zu berücksichtigen ist, dass die Entscheidungsgrundlage nicht völlig autark, sondern in das Gesamtsystem eingebettet ist, 169 00:15:54.000 --> 00:16:01.919 sodass hier auch die Entwicklung der rehabilitativen Rahmenbedingungen, zum Beispiel in den Punkten Digitalisierung oder personelle Kapazitäten, 170 00:16:01.919 --> 00:16:04.919 Einfluss auf die Entscheidungsfindung genommen haben. 171 00:16:04.919 --> 00:16:12.360 Dies betrifft zum Beispiel auch die neue KTL-Systematik und das Ziel einer RTS-Harmonisierung in bestimmten Bereichen, 172 00:16:12.360 --> 00:16:20.799 was dann letztendlich in der Gesamtheit den Aktualisierungsprozess darstellt und zu den neuen RTS-Versionen geführt hat. 173 00:16:20.799 --> 00:16:27.799 Neben der dargestellten Überarbeitung der indikationsspezifischen Rehatherapiestandards möchte ich Ihnen nun im zweiten Teil meines 174 00:16:27.799 --> 00:16:34.639 Vortrags auch den Beitrag des Wissenschaftlichen Gleitprojektes für die Weiterentwicklung der neuen Reha-Therapiestandards zusammenfassen. 175 00:16:34.639 --> 00:16:43.200 Ausgangspunkt waren die 2023 veröffentlichten Entwürfe zum indikationsübergreifenden RTS und dem RTS-Onkologie. 176 00:16:43.200 --> 00:16:50.039 Diese Entwürfe haben wir im Rahmen des Projektes durch Vertreterinnen und Vertreter der Reha-Praxis bewerten lassen, vor allem mit dem Ziel, 177 00:16:50.039 --> 00:16:58.399 die ETM-Anforderungen und ETM-Inhalte der Entwürfe unter Berücksichtigung des eigenen Rehabilitanten-Clientels einschätzen zu lassen, 178 00:16:58.399 --> 00:17:06.200 um so die indikationsübergreifende Passung und zu erwartenden praktischen Problemfelder identifizieren zu können. 179 00:17:06.200 --> 00:17:15.160 Zwischen Oktober und November 2023 haben wir dazu eine anonyme Online-Befragung geschaltet, zu der die Deutsche Rentenversicherung 180 00:17:15.160 --> 00:17:19.200 die Rehabilitationseinrichtungen in ganz Deutschland eingeladen hat. 181 00:17:19.200 --> 00:17:26.680 Knapp 500 Vertreter aus unterschiedlichen Indikationsbereichen beteiligten sich an der Bewertung der Entwürfe, überwiegend ärztliches 182 00:17:26.680 --> 00:17:33.200 und therapeutisches Personal aus den Reha-Einrichtungen, aber auch Personen aus den Bereichen der Verwaltung oder Forschungseinrichtungen. 183 00:17:33.200 --> 00:17:40.599 Sie sehen hier einen kleinen Ausschnitt aus der Online-Befragung. Es ging uns neben der Bewertung der Mindestvorgaben auch explizit um 184 00:17:40.599 --> 00:17:46.200 Anpassungsvorschläge sowie Gründe der Einschätzungen, um besser die praktischen Herausforderungen zu verstehen 185 00:17:46.200 --> 00:17:49.880 und möglichst praxisrelevante Anpassungsentscheidungen treffen zu können. 186 00:17:49.880 --> 00:17:55.359 Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit direkt am Anfang die für sie relevanten ETMs auszuwählen 187 00:17:55.359 --> 00:18:01.640 und so dann auch ganz gezieltes Feedback auf Basis ihrer eigenen Expertise zu geben. 188 00:18:01.640 --> 00:18:08.720 Anhand der Ergebnisse konnten wir so für jedes ETM eine qualitative Bewertung vornehmen, ganz im Sinne eines Stimmungsbildes. 189 00:18:08.720 --> 00:18:15.000 Und gerade die inhaltanalytische Auswertung der Freitagsrückmeldung bei den kritisch bewerteten ETMs 190 00:18:15.000 --> 00:18:18.759 waren dann die Grundlage für weitere Überarbeitung. 191 00:18:18.759 --> 00:18:23.200 Und auf dieser Basis wurden die Entwürfe 2.0 entwickelt und veröffentlicht. 192 00:18:23.200 --> 00:18:29.920 Hierbei war der Weiterentwicklungsprozess aber auch durch eine gewisse Dynamik geprägt. 193 00:18:29.920 --> 00:18:35.240 In der Kommentierung der Entwürfe zum indikationsübergreifenden RTS hat sich recht deutlich gezeigt, 194 00:18:35.240 --> 00:18:41.240 dass seitens der Rehapraxis die Passung für den psychosomatischen Indikationsbereich bemängelt wurde. 195 00:18:41.240 --> 00:18:49.200 Daher haben wir an dieser Stelle aufbauend auf den Ergebnissen zum RTS-depressive Störungen, also unserer Literaturrecherche 196 00:18:49.200 --> 00:18:53.000 sowie den Ergebnissen der Versorgungsanalyse und der Versorgungsanalyse. 197 00:18:53.000 --> 00:19:01.240 Und auch den Ergebnissen der Online-Kommentierung ein Workshop aufgesetzt mit verschiedenen Expert*innen aus dem psychosomatischen Bereich 198 00:19:01.240 --> 00:19:06.079 und an dieser Stelle die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der Reha-Therapiestandards 199 00:19:06.079 --> 00:19:10.200 mit Bezug zur psychosomatischen Indikation erörtert. 200 00:19:10.200 --> 00:19:15.240 Aus diesem Workshop ging der Entwurf der Reha-Therapiestandards Psychosomatik hervor, 201 00:19:15.240 --> 00:19:20.799 den wir wiederum in einer Online-Kommentierung der Reha-Praxis vorgelegt haben. 202 00:19:20.799 --> 00:19:29.400 Wir ließen auch an dieser Stelle den allgemeinen RTS-Aufbau sowie die EDM-Anforderungen aus Sicht der Anwenderinnen bewerten. 203 00:19:29.400 --> 00:19:35.920 Wir konnten hier nochmals 256 Teilnehmende gewinnen, überwiegend aus dem psychosomatischen Fachabteilung, 204 00:19:35.920 --> 00:19:39.200 die entsprechend diesen Entwurf bewertet haben. 205 00:19:39.200 --> 00:19:48.000 Und anhand dieser Ergebnisse wird aktuell eine neue Version aufgesetzt, die dann den RTS-Depressive-Störungen ersetzt 206 00:19:48.000 --> 00:19:57.519 und für den Indikationsbereich der psychosomatischen Erkrankung einen eigenen indikationsübergreifenden Reha-Therapiestandard darstellt. 207 00:19:57.519 --> 00:20:05.319 Abschließend möchte ich Ihnen noch einen kurzen Hinweis geben, wo Sie ausführliche Informationen zur wissenschaftlichen Begleitung finden. 208 00:20:05.319 --> 00:20:11.200 Wir werden für alle Rehatherapiestandards wieder einen eigenen Methodenreport erstellen, 209 00:20:11.200 --> 00:20:17.079 in dem Sie die einzelnen Ergebnisse unserer Arbeitsschritte transparent dargestellt bekommen. 210 00:20:17.079 --> 00:20:25.279 Sie finden in den Methodenreports ab 2026 dann für jedes EDM eines RTS eine detaillierte Ergebniszusammestellung 211 00:20:25.279 --> 00:20:33.759 mit auch den angesprochenen Ergebnistabellen, in denen Sie dann auch die Argumentationslinien für die unterschiedlichen Anpassungen 212 00:20:33.759 --> 00:20:35.960 transparent nachvollziehen können. 213 00:20:35.960 --> 00:20:40.000 Dann bedanke ich mich an dieser Stelle für Ihre Aufmerksamkeit. 214 00:20:40.759 --> 00:20:47.279 Die Broschüren zu den neuen Rehatherapiestandards können Sie auf der folgenden Website downloaden. 215 00:20:47.279 --> 00:20:53.319 Ab Januar 2026 stehen auch dort dann die Methodenberichte zur Verfügung und die FAQs. 216 00:20:53.319 --> 00:21:00.119 Die aktuell geltenden Rehatherapiestandards finden Sie wie gewohnt auf der Seite der Reha-Qualitätssicherung. 217 00:21:00.119 --> 00:21:04.440 Wenn Sie im Anschluss an die Vorträge Fragen haben, können Sie mir gerne eine E-Mail schreiben. 218 00:21:04.440 --> 00:21:09.640 Basierend auf den Fragen werden wir dann FAQs entwickeln, die auch auf der Website zur Verfügung stehen. 219 00:21:09.640 --> 00:21:13.799 Im Januar 2026 ist eine Online-Fragerunde geplant. 220 00:21:13.799 --> 00:21:18.480 Information zur Anmeldung finden Sie dann ab Dezember auf unserer Website.