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Tuberkulose-Bekämpfung in der NS-Zeitung

Datum: 30.11.2017

Porträt eines Mannes, der etwas erläutertQuelle:Deutsche Rentenversicherung Oldenburg-Bremen Dr. phil. Alfred B. Fleßner

Noch in den 1950er Jahren war Tuberkulose in Deutschland eine verbreitete Volkskrankheit, die häufig tödlich verlief. Im Nationalsozialismus hatten staatliche Überwachung und Zwangsmaßnahmen bis hin zu Krankenmordaktionen den Alltag der Betroffenen bestimmt. Alfred Fleßner untersucht die stationäre Versorgung und Unterbringung von Tuberkulosekranken im Bezirk der früheren Landesversicherungsanstalt Oldenburg-Bremen. Er zeigt, wie im Zweiten Weltkrieg ein System der Ausdifferenzierung von Patienten organisiert wurde, das zu einem Anstieg der Sterbefälle und der schweren Erkrankungen führte und auch über das Kriegsende hinaus wirkte.

2012 wurden bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Oldenburg-Bremen verloren geglaubte Akten der früheren Landesversicherungsanstalt gefunden. Sie stammen aus der Zeit zwischen 1933 und 1971 und dokumentieren die Behandlung von Tuberkulosekranken in den Heilstätten und Krankenhäusern des Rentenversicherungsträgers.

Die DRV Oldenburg-Bremen entschied sich, das historische Material wissenschaftlich durch den Historiker Dr. Fleßner aufbereiten zu lassen. Dabei ging es ihr insbesondere um die Aufarbeitung der Frage, inwieweit auch die Rentenversicherung in der NS-Zeit in Krankenmorde verwickelt war.

Alfred B. Fleßner (Dr. phil.), geb. 1960, arbeitet als selbständiger Historiker und Politologe in Oldenburg. Er war Mitbegründer der Forschungsstelle Geschichte der Gesundheits- und Sozialpolitik (GGS) an der Universität Oldenburg und forscht seit 2005 zur Medizin im Nationalsozialismus und zu den individuellen und kollektiven Formen der Geschichtsaufarbeitung.

Seine Forschungsergebnisse hat er jetzt in dem Buch „Die Volkskrankheit – Tuberkulosebekämpfung in der NS- und in der Besatzungszeit im Bezirk Oldenburg-Bremen“ veröffentlicht.

Das Buch rückt ins Blickfeld, dass die Behandlung tuberkulosekranker Patienten im Nationalsozialismus massiv eingeschränkt und die Ausbreitung der Krankheit in Kauf genommen wurde. Dabei ging es den meisten Deutschen allerdings besser als den tuberkulosekranken ausländischen Zwangsarbeitern, die bis zur Besatzungszeit so gut wie gar nicht medizinisch versorgt wurden.

„Die Forschungsergebnisse sind ein Beitrag zur Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus, zur Aufarbeitung der Geschichte der Deutschen Rentenversicherung und zur Frage der Kontinuität gesundpolitischen Verwaltungshandelns im und nach dem Krieg“, sagt der Vorstandsvorsitzende der DRV Oldenburg-Bremen, Cornelius Neumann-Redlin, der in der Veröffentlichung einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Forschungsdebatte sieht.