Deutsche Rentenversicherung

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Festakt 125 Jahre Deutsche Rentenversicherung Rheinland

Heinz Krumnack, Vorsitzender der Geschäftsführung

Datum: 17.03.2015

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT!

Sehr geehrter Herr Minister,
sehr geehrter Herr Lehne,
meine sehr verehrten Festgäste,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ein Gärtner namens Franz aus Grevenbroich, eine Dienstmagd Maria aus Garzweiler und ein Tagelöhner Wilhelm aus Jüchen zählten im Jahre 1891 wahrlich nicht zu den oberen Zehntausend.
Und doch durften sie sich glücklich schätzen.

Sie gehörten zu den ersten 10 000 Rentnerinnen und Rentnern, (genau 9605) die von der neuen Rentenversicherungsanstalt aus Düsseldorf profitieren konnten. Wir wissen sogar, wie hoch ihre Jahresrente damals ausgefallen ist.
Franz und Wilhelm bekamen jeder 135 Mark, Maria durfte auf genau 106,80 Mark im Jahr zählen.
Sicher ist auch, dass die drei über 70 Jahre alt waren. Denn nur dieser Personenkreis kam in den Genuss des neuen Altersruhegeldes.

Das betagte Trio stand auf einer Rentnerliste,
die damals von der Neuß-Grevenbroicher-Zeitung veröffentlicht wurde. Jeder im Kreis Grevenbroich konnte sich in der Zeitung über die neuen Einkünfte informieren, die Maria, Franz und Wilhelm das Leben vielleicht ein wenig erleichterten.

Der eigenwillige Umgang mit personenbezogenen Daten ist also kein Alleinstellungsmerkmal der Generation Facebook.
Aber es kommt noch schlimmer:
Was heute jedem Datenschützer die Zornesröte ins Gesicht treiben würde, war damals von der preussischen Regierung so gewollt. Das Rheinland gehörte ja seit 1815 zu Preussen.
Berlin wollte die Wohltaten der neuen Invaliditäts- und Altersversicherung unters Volk bringen. Das ganze war also eine PR-Aktion für die Segnungen der neuen Rentenversicherung.

Doch Berlin hatte die Rechnung ohne Düsseldorf gemacht. Dessen Oberbürgermeister weigerte sich nämlich. Er habe nichts dagegen die Anzahl und die Höhe der bewilligten Renten öffentlich zu machen. Namen und Wohnort der neuen Rentnerinnen und Rentner wollte er aber nicht in der Zeitung lesen. Und so geschah es auch.
Das zeigt uns: Schon damals gebrauchte Düsseldorf gerne seinen eigenen Kopf.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
an dieser denkwürdigen Stelle möchte ich kurz innehalten und Sie alle herzlich begrüßen. Ich freue mich, dass Sie der Deutschen Rentenversicherung Rheinland heute die Ehre erweisen. Meinen Vorrednern und meiner Vorrednerin danke ich für die herzlichen Glückwünsche und guten Worte an diesem Festtag.
Ich denke, lieber Herr Lehne, wir haben diese guten Worte auch verdient. Denn wir haben uns im Laufe unserer 125- jährigen Geschichte immer als gute Düsseldorfer erwiesen. So soll es auch bleiben.
Mein Dank gilt auch den Damen und Herren vom Orchester der Landesregierung. Sie haben diese Feier mit rheinischen Klängen umrahmt und uns mit Ihrer Musik erfreut.

Meine Damen und Herren, wir setzen jetzt wieder alles auf Anfang. Und am Anfang war das Wort. So steht es schon in der Bibel.
Die für uns entscheidenden Worte kamen auch von ganz oben, nicht von Gott, sondern von Wilhelm. Der Kaiser war sich zwar Gottes Gnaden sicher, aber manchmal hörte er auch auf seinen klugen Reichskanzler Bismarck. So kam es zum „Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung“ von 1889. Dieses Gesetz gab der Rentenversicherung die Initialzündung.

Genau 31 Versicherungsanstalten wurden in den deutschen Bundesstaaten gegründet. Davon allein 13 im Königreich Preussen,
dem größten und bedeutendsten Bundesstaat.

Heute vor 125 Jahren, am 17. März 1890, hat die Deutsche Rentenversicherung Rheinland das Licht der Welt erblickt. Nur hieß sie damals noch ganz anders.

Getauft wurde sie auf diesen Namen: „Gemeinsame Versicherungsanstalt für die weiteren Kommunalverbände der Rheinprovinz und der Hohenzollernschen Lande sowie das Fürstenthum Birkenfeld“.

Sie werden mir zustimmen: Erfolgreiche Unternehmen heißen anders. Sie haben kurze Namen wie Henkel oder Daimler.
Da ein sperriger Name für einen Sprössling mit ehrgeizigen Zielen ganz schön belastend sein kann, hieß es also, Ballast abwerfen.
Wenige Monate nach der Gründung nannte man sich
„Invaliditäts- und Altersversicherungsanstalt Rheinprovinz“.
Und an dem geschichtsträchtigen Datum 1. Januar 1900 wurde daraus die Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz.
So sollte es für die nächsten 105 Jahre bleiben. Es bedurfte schon etwas so Bedeutendem wie der Organisationsreform der Deutschen Rentenversicherung, dass wir diesen Namen im Jahr 2005 gegen die Deutsche Rentenversicherung Rheinland getauscht haben.

Besuchen wir nun das Ständehaus. Dort wurde am 22. Oktober 1890 das erste Kapitel unserer Unternehmensgeschichte geschrieben.

Von Anfang an lenkte eine Selbstverwaltung die Geschicke der LVA. Wie Sie bereits gehört haben, sah diese damals allerdings anders aus als heute. Ich möchte sie daher eher als Keimzelle der späteren Selbstverwaltung bezeichnen.

Längst ist aus dem Ständehaus eine Kunstsammlung geworden.
Dort, wo sich heute Besucher über die Bedeutung moderner Kunst den Kopf zerbrechen, grübelte damals der Ausschuss über den Aufbau der Versicherungsanstalt. Im Januar 1891 sollte das neue Rentengesetz in die Praxis gehen. Vorher musste alles bestens geregelt sein. Und das war es dann auch.

Aus der Geschichte Englands kennen wir den König Johann ohne Land. Wir waren am Anfang ohne Haus. Ein Häuflein von 43 Beamten und Angestellten bildete das erste Personal. Diese Pioniere arbeiteten in angemieteten Büros. Und das, wo man doch die zweitgrößte Landesversicherungsanstalt Preussens war.
Nur die Schlesier waren größer.

Wir aber hatten die Schwerindustrie von Rhein, Ruhr und Saar. Unser Zuständigkeitsgebiet erstreckte sich vom Rheinland über Rheinland-Pfalz bis in das heutige Saarland.

Die Zahl der Mitarbeiter wuchs mit ihren Aufgaben. Und es wuchs der Wunsch nach einem eigenen Haus.
Beim rheinischen Träger hat es im Laufe der letzten 125 Jahre nicht an schicksalhaften Ereignissen gemangelt. Eines davon hat mit einer Lok zu tun. Denn ohne die Lok im Möbelladen müssten wir heute wahrscheinlich woanders feiern.

An dieser Stelle war in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Köln-Mindener Bahnhof. Dort, wo Sie eben auf einen Aufzug gewartet haben, standen früher die Reisenden und warteten auf den Zug.
Der Bahnhof war ein Kopfbahnhof wie wir ihn heute noch aus Frankfurt am Main kennen. An seinem Ende stand ein Prellbock.

Ausgerechnet aus Köln traf am 13. August des Jahres 1873 ein Zug ein, dessen Lok nicht mehr zu bremsen war. Sie schoss über die Friedrichstraße hinweg und geradewegs in einen Möbelladen.
Das war das Ende des Bahnverkehrs hier in der Friedrichstadt und der Anfang unseres ersten Eigenheims. Der Ausschuss kaufte später der Eisenbahn das verwaiste Gelände ab und baute darauf ein schmuckes Haus im Zuckerbäckerstil.

Im Jahr 1896 konnte unsere erste Hauptverwaltung bezogen werden. Klebekiste wurde sie genannt. Ihr Haupteingang lag dort, wo uns heute noch ein Modellbaugeschäft an die Lok im Möbelladen erinnert.

Schon 1899 war das neue, verwinkelte Eigenheim zu klein. Um die Jahrhundertwende musste angebaut werden.

Was hat die junge Landesversicherungsanstalt in ihren ersten Jahren für ihre Versicherten geleistet?
Unsere Versicherten konnten auch damals schon sehr zufrieden mit ihrer rheinischen Rentenversicherung sein.

Von den 10 000 ersten Rentnerinnen und Rentnern war bereits die Rede.
Von Anfang an hat sich die LVA aber auch für die Rehabilitation stark gemacht.
Im Jahr 1891 lagen die Ausgaben für Heilverfahren zwar noch bei bescheidenen 10 Mark. Doch bis zum Ersten Weltkrieg legte man kräftig zu.
Ende 1913 hatte die LVA schon fast 30 Millionen Mark (genau: 29,5 Millionen) für die Reha ausgegeben.
Damit lag die Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz an der Spitze aller deutschen Versicherungsanstalten.

Wie darf man sich eine Heilbehandlung von anno dazumal vorstellen?
Auf alle Fälle rustikal!
Unser Foto zeigt die Mutter aller Fitness-Studios. Diese medico-mechanischen Geräte aus dem Landesbad Aachen waren damals der letzte Schrei.

Eigene Heilstätten besaß die LVA am Anfang noch nicht. So kurten die Rehabilitanden in Krankenhäusern oder Kliniken, die zum großen Teil mit LVA-Geld erbaut worden waren. Oder sie kamen in Privatquartieren unter. Getreu dem Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle besser“, schickte ihnen die LVA sogannte ärztliche Berater hinterher. Diese Aufpasser sollten in den Kurorten nach dem Rechten sehen. Und das mit gutem Grund, wie ein Brief aus dem Jahr 1900 beweist. Die Zeilen an den LVA-Vorstand bringen uns das Kuren in Bad-Lippspringe näher:
Ich zitiere: „Es ist geradezu Regel, dass jeder Kranke eine halbe Flasche Cognac wöchentlich erhält. Und es ist sogar vorgekommen, dass manche Ärzte ganze Flaschen verschrieben hatten. So ist mir von einem Arzt mitgeteilt worden, dass in dem zur Abreise fertig gepackten Koffer sich nicht weniger als 6 Flaschen befunden hatten.“ Zitatende.
Ich vermute, dass man in Bad Lippspringe schlicht den Sinn der sog. Trinkkuren ein wenig eigenwillig interpretiert hat.

Trotz solcher Ausreißer bleibt festzuhalten, dass sich die LVA Rheinprovinz in ganz besonderem Maße um die Volksgesundheit an Rhein und Ruhr, Mosel und Saar verdient gemacht hat. Zum Beispiel bei ihrem Kampf gegen die Tuberkulose. Die tückische Lungenkrankheit war damals die Volksseuche Nummer eins. Die LVA hielt mit aller Macht dagegen.

Man begnügte sich nicht damit, Tuberkulose-Kranke in geeignete Einrichtungen wie die Westerwaldklinik in Waldbreitbach zu bringen.
Sie hatte im Jahr 1903 ihre Türen geöffnet und wurde 1920 von der LVA übernommen.

Zur Bekämpfung der TBC bewies die LVA einen langen Atem. Sie half beim Bau von Auskunfts- und Fürsorgestellen und gab Geld für die Krankenpflege.
Flugblätter mit Verhaltensregeln für den Krankheitsfall flatterten

  • in die Amtstuben von Landräten und Bürgermeistern,
  • in die Zimmer von Ärzten und Krankenschwestern und
  • in die Büros von Gesundheitsvereinen und Wohlfahrtseinrichtungen.

Die LVA organisierte sogar ein Tuberkulose-Wandermuseum.
Die Einwohner von Neuss waren im Sommer 1909 die ersten, die diese Schau besichtigen konnten.

Man kann also ohne Übertreibung feststellen:
Der rheinische Rentenversicherungsträger hat vielen Unglücklichen wieder zu einer Zukunft verholfen.
Die LVA hielt das Rheinland in Atem.

Heute sind wir zu Recht stolz auf unsere zukunftsweisenden Präventionsprogramme. Doch auch gestern spielte die Gesundheitsvorsorge für uns schon eine große Rolle.

Im Jahr 1909 kaufte die LVA eine Lungenheilstätte in Ronsdorf und sie kaufte die Klinik Roderbirken. Mit dem Landesbad Aachen baute sie im Jahr 1912 ihre erste eigene Klinik.

Unser Foto zeigt die Klinik Roderbirken Anfang der 20er-Jahre. Sie ist die älteste unter den sechs Reha-Zentren in unserer Trägerschaft. Außerdem sind wir immer noch der größte Gesellschafter der Westerwaldklinik.

Wie eine Wohlfahrtsorganisation gewährte die LVA Rheinprovinz Darlehen in Millionenhöhe und ermöglichte damit den Bau von Arbeitersiedlungen. Hier sehen Sie eine solche Siedlung in Köln.

Die Zeit der gut gefüllten Kasse änderte sich mit dem Ersten Weltkrieg. Anders als heute gab es für die Festredner beim 25. Geburtstag der LVA Rheinprovinz im Jahr 1915 keinen Grund zur Freude. Denn zum ersten Mal seit ihrem Bestehen tauchten in den Büchern Schulden auf.
Und was für welche: Ende 1914 stand man mit fast 20 Millionen Mark in der Kreide, ein Jahr später waren es schon mehr als 50 Millionen Mark.

Das Reich war schuld an der Misere. Schon damals kam aus Berlin nicht nur Gutes. Der Staat bediente sich auch früher schon gerne aus der Rentenkasse. Die LVA Rheinprovinz musste sich damals an den Kriegsanleihen des Deutschen Reiches beteiligen.

Und das Reich hatte einen großen Appetit. Am Ende des Ersten Weltkrieges hatte die LVA rund 124 Millionen Mark für Kriegsanleihen ausgeben müssen. Doch auch in diesen Zeiten kümmerte sie sich um diejenigen, die ihrer Hilfe am meisten bedurften: für Kriegerfrauen und Kinder war immer noch etwas übrig. Und das war gut so, denn es wurde viel gehungert in dieser Zeit. Und die Tuberkulose lauerte auf ausgemergelte Gestalten.

Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg sahen eine Reichsregierung, die erfolglos versuchte, den Reparationsforderungen der Sieger nachzukommen. Im November 1923 war das deutsche Währungssystem nicht mehr funktionsfähig.

Der Schuldenberg der LVA Rheinprovinz war erheblich höher als diese Banknote aus dem Jahr 1923. Er belief sich auf sage und schreibe
500 Billionen Mark.

Die Lage entspannte sich durch die Einführung der Reichsmark. Ausländisches Kapital floss nach Deutschland, der Zug der Wirtschaft kam ins Rollen, auch bei der LVA Rheinprovinz atmete man wieder auf.

Dennoch waren die Beitragsleistungen in der ersten Hälfte des Jahres 1924 so gering, dass sie nicht zur Bestreitung der Rentenzahlungen ausreichte.

Diesmal musste die Politik einspringen:
Der Arbeitsminister und sein Kollege von der Post einigten sich.
Die Post würde die Renten auszahlen und den Versicherungsträgern einen Kredit für ihre Verwaltungskosten und freiwilligen Leistungen gewähren. Gesagt, getan. Noch im selben Jahr konnte die LVA Rheinprovinz ihre Schulden wieder abtragen.

Begleiten wir den rheinischen Rentenversicherer durch ein weiteres dunkles Kapitel seiner Geschichte. Vom Dritten Reich ist jetzt die Rede.

Die Nazis zerschlugen die Selbstverwaltung. Vorbei waren die Zeiten, in denen Ausschuss und Vorstand in demokratischem Miteinander über das Wohl unseres Hauses entschieden.
Der letzte Ausschuss tagte im Dezember 1932. Von da an stand ein sogenannter Leiter an der Spitze der Versicherungsanstalt.
Der wirklich mächtige Mann war jedoch sein Ständiger Stellvertreter, denn er führte die Verwaltungsgeschäfte.
Seit 1937 trug dieser de-facto Leiter einen berühmten Namen. Goebbels.
Nicht Joseph, sondern sein Bruder Hans Goebbels leitete dieses Haus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.
Für Linientreue war also gesorgt:

Unser Foto aus den 30er-Jahren zeigt einen Aufmarsch aller Beschäftigen im Innenhof der Klebekiste.

Wie dürfen wir uns nun das „Wirken“ eines Hans Goebbels vorstellen?
Goebbels war kein Mitläufer, kein schlichter Karrierist, sondern Täter, viel schlimmer noch, er war Überzeugungstäter. So wurden alle diskriminierenden, ausgrenzenden und verbrecherischen Gesetze auch in der LVA gegenüber den Beschäftigten und durch die LVA gegenüber Rentnern und Versicherten zielstrebig und gnadenlos umgesetzt. Die LVA wurde in das System einverleibt und für dessen Ziele missbraucht.

Auch Goebbels blieb nicht verborgen, dass die Klebekiste aus allen Nähten platzte. Ihm schwebte der Bau einer neuen Hauptverwaltung vor. Dabei wollte er nicht kleckern, sondern klotzen.

Bei einer Sitzung im Landesbad Aachen überraschte er seine Zuhörer mit der folgenden Ankündigung. Goebbels wollte so wörtlich
„dem schaffenden rheinischen Menschen ein Denkmal für alle Zeiten setzen, das so sein soll, dass es vorbildlich in ganz Deutschland und meinetwegen auf der Welt ist.“ Zitatende.

Auch der Größenwahn lag also in der Familie.
Der 8. Mai 1945 befreite uns endgültig von solchen sog. Volksgenossen.

Unser Foto zeigt Hans Goebbels bei einem Verhör durch einen CIA-Angehörigen. Er wurde auf der Flucht in der Nähe von Erkrath gefasst.

Weil die Allmachtspläne damit ein Ende fanden, konnte die LVA-Hauptverwaltung bleiben, wo sie auch heute noch ist. Im Jahr 1957 hat sie es hier zu ihrem ersten Hochhaus gebracht.

Als im Jahr 1973 die alte Klebekiste abgerissen wurde, erbaute man hier an ihrer Stelle das höchste Bürohaus Düsseldorfs.
Dieses Hochhaus war aber nicht die Verwirklichung von Allmachtsfantasien, sondern dringend benötigter Arbeitsraum für viele, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihnen machte der Gesetzgeber mit immer neuen Rentengesetzen die Arbeitstage kurzweilig.

Doch blicken wir noch einmal zurück auf die Nachkriegszeit: Mit dem Zusammenbruch des Reiches war die LVA so gut wie mittellos. Zwar verfügte man auf dem Papier über rund 750 Millionen Reichsmark. Davon waren jedoch knapp 600 Millionen in Wertpapieren des Reiches angelegt und dadurch letztlich Makulatur.
Nicht einmal 10 Millionen Mark waren der LVA in der Bar-Kasse geblieben. Doch bereits im Juni 1945 zahlte sie wieder Renten aus. Dennoch war die finanzielle Decke nach dem Krieg nicht nur dünn, sondern löchrig.

Schon im Jahr 1949 konnte die LVA aber erneut Darlehen für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stellen. Sie hat beim Wiederaufbau der zerstörten Städte an Rhein und Ruhr einen stolzen Beitrag geleistet. Bis Ende des Jahres 1955 unterstützte sie den sozialen Wohnungsbau mit rund 280 Millionen D-Mark.

Enorme Schwierigkeiten taten sich nach dem Krieg für die Sachbearbeitung auf. Im Bombenhagel auf Düsseldorf waren im Jahr 1942 auch viele Quittungskarten verbrannt.
Viele Versicherte hatten nur das nackte Leben retten können, und nicht ihre Versicherungsunterlagen.

Unser Foto zeigt die Oberkasseler Brücke in den Fluten des Rheins.
Sie hatte im Krieg auch Skagerrak-Brücke geheißen. Damit sollte an die berühmte Seeschlacht am Skagerrak im Ersten Weltkrieg erinnert werden.

Als die Siegermächte ihre Besatzungszonen eingeteilt hatten, zeigte ein Blick auf die Landkarte, dass der LVA Rheinprovinz von ihrem ehemaligen Zuständigkeitsgebiet nur die Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf geblieben waren. Und so ist es auch heute noch.

Die neue Bundesrepublik hielt auch neue Aufgaben für die LVA Rheinprovinz bereit. Bis zur Gründung der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte im Jahre 1953 übernahm die Düsseldorfer LVA deren Aufgaben in ihrem Zuständigkeitsgebiet.

Das Jahr 1953 markierte auch den Wiederbeginn der Selbstverwaltung. Es ging bergauf. Am 11. Mai kamen die Vertreterversammlung und der Vorstand zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Und ein weiteres Novum: Für die laufenden Verwaltungsgeschäfte zeichnete erstmalig eine dreiköpfige Geschäftsführung verantwortlich.

Unser Foto zeigt die Vertreterversammlung im Jahr 1958 – damals zwar noch an einem runden Tisch, aber genau an diesem Ort.

In den Wirtschaftswunderjahren hielt der technische Fortschritt Einkehr bei der rheinischen LVA. Als einer der ersten deutschen Rentenversicherungsträger war die LVA Rheinprovinz stolze Besitzerin einer hochmodernen EDV-Anlage.
Sie konnte nicht nur die Renten berechnen, sondern sie druckte auch die Bescheide und die Rentenzahlungsaufträge für die Post aus. Die Lochkarten von früher waren passé.

Die Jahre der Vollbeschäftigung machten es schwierig, Mitarbeiterinen und Mitarbeiter für den öffentlichen Dienst zu gewinnen. Unser Foto zeigt eine Anzeige aus den Amtlichen Mitteilungen von 1966.

Der Einfallsreichtum bei der Nachwuchsrekrutierung war enorm.

In Broschüren, mit einer Schallplatte im Kino und sogar auf der Rückseite eines kleinen Handspiegels warb die LVA vor allem mit einem sicheren Arbeitsplatz. Wer bei der LVA anheuerte, hat diese Entscheidung sicher nicht bereut. Denn der Mantel im öffentlichen Dienst mag zwar ein schmaler gewesen sein, aber er war ein warmer.

Heute wie damals heißt unsere Devise: „Nachwuchskräfte dringend gesucht“. Nur das Medium hat sich geändert. Unser moderner Internetauftritt „Perfekt starten“ bietet der Zielgruppe von heute sogar die Möglichkeit, sich online zu bewerben.

Obwohl bereits in den siebziger- und achtziger-Jahren des letzten Jahrhunderts wirtschaftliche Krisen, steigende Arbeitslosenzahlen und auch erste Anzeichen demografischer Herausforderungen erkennen ließen, dass das Wirtschaftswachstum Grenzen hat und es nicht nur bergauf geht, erinnern wir uns heute im Rückblick mit Wehmut an hohe, zum Teil zweistellige Tarifabschlüsse und entsprechende Rentenanpassungen, an Leistungsverbesserungen wie zum Beispiel die vorgezogenen Altersrenten oder die Einführung der Kindererziehungszeiten.

Anfang der 90er Jahre ging unser Blick nach Osten. Die Mauer fiel und Deutschland wurde wieder vereint. Mit der Deutschen Einheit wurden die Rentensysteme in Ost und West vereinheitlicht. Im Jahr 1991 begann im Osten Deutschlands der Aufbau von fünf Landesversicherungsanstalten. Auch die LVA Rheinprovinz beteiligte sich am Aufbau Ost. Starthilfe aus Düsseldorf erhielt vor allem die neue LVA Brandenburg, aber auch die LVA’en Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen.

Unser Foto zeigt den Cheftisch aus der Beratungsstelle in Wittenberge, Brandenburg.

Im großen „Hilfspaket“ für das neue Bundesland Brandenburg war unter anderem der Umbau eines Sanatoriums zu einer modernen Reha-Klinik nach westdeutschem Vorbild. Viele unserer Fachleute für Versicherung, Rente oder Reha wechselten für einige Zeit in den Osten. Andere bearbeiteten in Düsseldorf Rentenanträge-Ost. Außerdem bildeten wir viele junge Leute für die LVA Sachsen hier in Düsseldorf aus.

Die 1990er-Jahre standen aber auch im Zeichen des Wandels der alten LVA Rheinprovinz zum modernen dezentralen Dienstleister.

Mehr Wirtschaftlichkeit, flachere Hierarchien und die Errichtung von
13 dezentralen Service-Zentren markieren diesen Wandel.
Unser Foto zeigt das SZ Essen bei seiner Eröffnung im Jahr 1995.

Vom Bauplan der Dezentralisierung bis zum Ergebnis hat die LVA Rheinprovinz weniger als zehn Jahre gebraucht: Nicht einmal ein Jahrzehnt also, um sich von der klassischen Behörde zum bürgernahen Dienstleister zu mausern.
Diesen Wandel hat sie überzeugend vollzogen.
Wir haben damit der Organisationsreform in unserem Denken und Handeln schon vorgegriffen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es beim zentralen Festakt der Deutschen Rentenversicherung am 2. Dezember in Berlin auf diesen Nenner gebracht:
„Wenn etwas schon so lange besteht wie die Deutsche Rentenversicherung, dann muss es schon eine Erfolgsgeschichte sein“.

An dieser Erfolgsgeschichte haben viele mitgewirkt. Viele kluge und weniger kluge Sozialpolitiker, die uns mal bessere, mal schlechtere Rahmenbedingungen bescherten, um die Rentenversicherung zukunftsfähig zu machen. Doch selbst, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, bedarf es immer auch der Eigeninitiative und des entschlossenen Handelns, um ein hochgestecktes Ziel zu erreichen.
Und es bedarf fleißiger, engagierter und motivierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne sie kann auch die beste Organisation nicht funktionieren. Heute darf ich mit Stolz sagen: Wir hatten sie und wir haben sie auch heute! Sie haben entscheidend dazu beigetragen, dass wir heute auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken können.
Darum werden wir auch mit allen unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Hauptverwaltung, den Service-Zentren und den Kliniken noch im Laufe dieses Jahres unser Jubiläum gebührend feiern.

Bevor unsere Musiker wieder den Ton angeben, darf ich Sie auf ein Buch hinweisen. Es hätte vermutlich das Zeug zum Bestseller, doch es ist unverkäuflich. Sie bekommen es heute geschenkt!

Das Referat Presse und Information hat dem Geburtstagskind eine neue Chronik spendiert. Es hat die bereits bestehenden vier Bände um einen fünften ergänzt und alle Teile in einem Buch vereinigt. Ihr Geschenkband mit der jetzt 125-jährigen Geschichte unseres Hauses liegt vorne am Tisch neben unserer Ausstellung für Sie bereit.

Ich darf Ihnen auch diese Ausstellung ans Herz legen.
Sie ergänzt meine Ausführungen um die Rentengesetze, die die Deutsche Rentenversicherung im Laufe ihrer Geschichte immer wieder auf Kurs gehalten haben. Unter besonderer Berücksichtigung der Highlights unseres Hauses.

Und da wir schon beim Herzen sind, so ist auch der Magen nicht weit. Freuen Sie sich also auf ein festliches Buffet aus der Küche unseres Sozialwerks, das sich heute wieder einmal selbst übertroffen hat.
Sicher werden wir dann auch die Gelegenheit zum Gespräch haben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Geschichte der Deutschen Rentenversicherung Rheinland ist – im Zeitraffer - erzählt. Wie wird wohl das Motto für ihre nächste Ära lauten? Worauf können unsere Nachfolgerinnen und Nachfolger zum 150. Geburtstag zurückblicken ?
Ich wünsche und hoffe, dass sie in 25 Jahren sagen können:
Wir haben unsere Ziele erreicht.

Die Deutsche gesetzliche Rentenversicherung ist nach wie vor die wichtigste Säule der Altersvorsorge mit auskömmlichen Leistungen und ein Garant für soziale Gerechtigkeit.
Die Finanzierung steht auf einem sicheren und soliden Fundament, das Umlageverfahren hat sich bewährt.
Unsere Versicherten, die Rentnerinnen und Rentner sowie die Arbeitgeber können sich weiterhin auf die Rentenversicherung und ihre Leistungen verlassen.
Die paritätische Selbstverwaltung ist und bleibt ein Garant für eine kompetente und verlässliche Rentenversicherung, Eingriffe des Gesetzgebers sind unterblieben.
Und wenn ich einen bescheidenen Wunsch frei hätte: Die Politik hat dazu gelernt und hat öfters auf die Ratschläge der Selbstverwaltung und vielleicht auch gelegentlich auf die des Hauptamtes gehört.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit !