Rehabilitationsforschung vor Ort

Wie bewegen wir uns im Arbeitsalltag?

In unseren eigenen Rehabilitationskliniken erproben wir regelmäßig neue zukunftsorientierte Konzepte und entwickeln sie für die gesamte Rehabilitationslandschaft weiter. Im Sommer 2025 startete in unserer Klinik Münsterland in Bad Rothenfelde ein neues Projekt: MBOR-Predimo. Projektleiterin Jenny Hübner erläutert, was genau hinter diesem Namen steckt.

Was bedeutet MBOR-Predimo?

MBOR steht für medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation. Diese verbindet die medizinische Behandlung mit berufsbezogenen Maßnahmen. Sie richtet sich an Menschen, die aufgrund ihrer täglichen Arbeit gesundheitliche Probleme bekommen. Das Wort Predimo setzt sich zusammen aus den Wortanfängen des englischen Begriffs Predi … diction of Mo … vement und bedeutet Bewegungsprognose.

Was erforschen Sie?

Wir wollen wissen, wie sich die Menschen bewegen, wie sie zum Beispiel etwas tragen, anheben. Dazu setzen wir ein Bewegungs- und Belastungsanalyseverfahren ein. Es nennt sich ComputerMyoGraphie, kurz CMG. Die CMG ist eine dynamische 3D-Darstellung von Muskel- und Gelenkbelastungen, welche mit Hilfe eines Avatars namens „Myonardo“ visualisiert werden. Mithilfe dieser 3D-Darstellung erforschen wir die Bewegungsabläufe des menschlichen Bewegungsapparats während des Arbeitsalltags. Funktionelle Defizite, die Belastungsgrenzen sowie asymmetrische Bewegungsmuster werden so nachvollziehbar sichtbar gemacht.

Wer eignet sich für das Projekt?

Viele der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden kommen aus körperlich fordernden Berufen. Sie sind häufig im Handwerk oder in der Dienstleistungsbranche tätig. Hinter ihnen liegen eine längere Erkrankung, Operation oder sie erleben starke körperliche Belastungen. Diese führen zu einer Beeinträchtigung der Gesundheit, was oftmals auch die Leistungsfähigkeit im Beruf einschränkt. Wer uns bei unserem Projekt unterstützen möchte, kann während der Rehabilitation freiwillig an MBOR-Predimo teilnehmen. Die Teilnahme wird nahtlos in den individuellen Therapieplan eingebunden.

Wie sieht die Teilnahme aus?

Durch die 3D-Analyse können wir die ganz individuellen Bewegungen und Belastungen der Personen erkennen. Wir analysieren gemeinsam mit den Rehabilitandinnen und Rehabilitanden ihren Avatar, also ihre 3D-Darstellung, und entwickeln auf dieser Basis ein gesundheitsförderndes Bewegungsprofil. An realitätsnahen Arbeitsplätzen in unserer Übungshalle zeigen wir ihnen gelenk- und rückenschonende Arbeitsweisen. Die Teilnehmenden erlernen so während ihrer Rehabilitation mithilfe unserer Übungen neue Bewegungsmuster. Diese sollen ihnen im späteren Arbeitsalltag helfen. Zum Abschluss der Reha erstellen wir erneut eine Bewegungs- und Belastungsanalyse. Im Vergleich mit der ersten Analyse lassen sich Fortschritte und Veränderungen auch noch einmal sehr gut aufzeigen. Die Predimo-Software kann uns auch die „most prominent changes“ (= größten Veränderungen) berechnen und in Prozent-Angaben ausgeben. So bekommen die Teilnehmenden sowie die Therapeuten und Ärzte auch noch einmal einen guten Einblick in den individuellen Verlauf und Erfolg der Reha. Weiterhin bitten wir die Teilnehmenden, unsere Fragebögen zu Beginn und am Ende der Rehabilitation sowie nach zwölf Wochen auszufüllen.

Was ist das Ziel?

Das Ziel des Projekts ist, dass nach Abschluss des Analyseverfahrens die Möglichkeit besteht, charakteristische Problemlagen etwa für bestimmte Berufsgruppen zu identifizieren beziehungsweise aus den einzelnen Abbildungen ein einheitliches Ganzes darzustellen. Wir werden daraus gezielte Behandlungsmaßnahmen ableiten, die dann in die Organisation zukünftiger Therapieplanungen übernommen werden können. Insgesamt streben wir eine Verbesserung der Praxis hinsichtlich einer ökonomischeren und bedarfsgerechteren Versorgung in der Rehabilitationsklinik an. Das Ziel für unsere Rehabilitandinnen und Rehabilitanden ist, dass sie die Übungen in ihren Arbeitsalltag integrieren können. Sie lernen, ihr Körpergefühl zu verbessern, werden beweglicher und vertrauen ihrem Körper wieder. Im besten Fall erkennen sie Überlastungen nun frühzeitig. Ihre Gesundheit soll langfristig gestärkt werden. Für die Teilnehmenden selbst ist das Ziel vorrangig, ihre Bewegungsmuster nachhaltig zu verbessern und somit ihre Lebensqualität zu steigern.

Wie viele Rehabilitandinnen und Rehabilitanden nehmen bisher, Stand 15. Juni 2026, teil?

Unsere Kontrollgruppe haben wir zuerst rekrutiert. Sie erhalten „nur“ ihre Therapien und unsere Fragebögen. Das sind zurzeit 32 Personen. Unsere später rekrutierte Interventionsgruppe erhält zusätzlich die 3D-Analyse. Hier nehmen bisher 46 Personen teil.

Wie lauten die ersten Rückmeldungen?

Die Personen, die teilnehmen, haben sich sehr positiv geäußert.

Steckbrief

Projekt MBOR-Predimo

  • Institut für Rehabilitationsforschung (IfR) Norderney, Abteilung Bad Rothenfelde
  • Laufzeit 01.07.2025 bis 31.12.2027
  • In Zusammenarbeit mit der Klinik Münsterland in Bad Rothenfelde
  • Projektleitung: Jenny Hübner, IfR Norderney, Abteilung Bad Rothenfelde
  • Ärztliche Verantwortung: Dr. Julia Wolke, ärztliche Direktorin der Klinik Münsterland und Abteilungsleiterin des IfR Norderney, Abteilung Bad Rothenfelde
  • Verantwortlich für die technische Umsetzung: Predimo GmbH & Universität Münster
  • Gefördert durch die Deutsche Rentenversicherung Westfalen

Diese Informationen sind Bestandteil des digitalen Jahresberichts für das Jahr 2025. Der Bericht ist am 15.07.2026 erschienen.