Deutsche Rentenversicherung

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Barrieren auflösen

Akte aufschlagen, lesen, eine Notiz machen – das gehört auch für Clemens Schindelhauer zum Büroalltag. Mit einem kleinen Unterschied: Er benutzt Hilfsmittel zum Lesen. Denn der Jurist ist stark sehbehindert.

Clemens Schindelhauer an seinem ArbeitsplatzQuelle:Deutsche Rentenversicherung Westfalen Clemens Schindelhauer mit seiner Assistentin Ana-Gisela Fernandez an seinem Arbeitsplatz. Clemens Schindelhauer und seine Assistentin Gisela Fernandez

Clemens Schindelhauer arbeitet als Jurist in der Abteilung für Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Westfalen. „Ich benutze ein spezielles Lesegerät, wenn ich eine Seite aus der Akte lesen möchte. Eine Kamera überträgt die Schrift auf einen Monitor. Dort stelle ich mir die Schriftgröße und die Farbe ein“, erklärt der Referent. Da die Schrift sehr groß eingestellt ist, sieht er oft nur drei bis vier Wörter pro Zeile. „Natürlich dauert das Lesen so länger“, gibt er zu. Ein Großteil der Akten wird mittlerweile digital geführt. Durch diese Entwicklung ist der 37-Jährige noch flexibler und selbstständiger bei der Arbeit, denn mittels einer Sprachsoftware kann er sich die Texte ganz oder teilweise vorlesen lassen. „Natürlich habe ich einen Nachteil durch meine Behinderung. Doch die Hilfsmittel gleichen diesen wieder aus“, erklärt er. Für externe Besprechungen oder Gerichtstermine greift der begeisterte Läufer auf ein tragbares Lesegerät und einen Laptop zurück.
 

Kollegiale Unterstützung

Schindelhauer ist als Referent unter anderem für Widersprüche und Klagen zuständig. Dabei arbeitet er sich täglich durch dicke Akten, muss Sachverhalte lesen, bewerten, kommentieren. Bei der Bearbeitung hilft ihm Ana-Gisela Fernandez. Sie kopiert Unterlagen für ihn, liest ihm längere Passagen aus den Akten vor und entziffert Handschriften von Kolleginnen und Kollegen für ihn. „Ich schätze die Hilfe von Frau Fernandez sehr, sie bedeutet für mich Zeitersparnis und ich kann mich auf das Fachliche konzentrieren“, so der Jurist.

Schindelhauer war 16 Jahre alt, als er feststellte, dass er nur noch verschwommen sehen kann. „Beim Handball fing ich plötzlich den Ball nicht mehr. Zuerst dachte ich, eine starke Brille würde mir helfen“, erinnert er sich. Doch es kam anders. Eine seltene Erkrankung hatte seine Sehnerven befallen. „Innerhalb eines Jahres war ich fast blind. Mein zentrales Sehvermögen ist nicht mehr vorhanden, aber ich kann mich räumlich noch gut orientieren“, erzählt er. Während dieses Jahres, kurz vor dem Abitur, erlernte er das Zehn-Finger-System auf der PC-Tastatur und die Blindenschrift. Und er lernte die Hilfsmittel kennen, mit denen er sich im Alltag zurechtfinden sollte.
 

Verantwortung übernehmen

Viele Arbeitgeber scheuen die Einstellung von Menschen mit Behinderung aus Angst vor zusätzlichen Kosten, komplizierten Antragsverfahren oder gar vor schwierigeren Betriebsabläufen. Diese Sorge ist unbegründet. Die Hilfsmittel, die am Arbeitsplatz benötigt werden, können grundsätzlich von Kostenträgern wie den Inklusionsämtern finanziert werden. Neben möglichen finanziellen Hilfen können sich Arbeitgeber bei den Inklusionsämtern auch umfassend beraten lassen. Die DRV Westfalen ist sich ihrer Verpflichtung dabei sehr bewusst. Denn schließlich möchte ja gerade sie als Rentenversicherungsträger mithelfen, dass Menschen möglichst lange im Erwerbsleben stehen können – für ein eigenverantwortliches Leben und für eine gute Altersvorsorge. Darum wird bei der DRV der Eingliederungsgedanke besonders gelebt und auch Menschen mit Behinderung als Leistungsträger der Gesellschaft gesehen.

Eine Motivation, die auch Schindelhauer über seinen eigentlichen Job hinaus antreibt: Seit 2018 engagiert er sich in der Schwerbehindertenvertretung der DRV. „Der Schwerbehindertenvertreter der DRV hat mich von Anfang an enorm unterstützt, was für mich letztlich den Ausschlag gegeben hat, hier im Haus Fuß zu fassen“, erzählt er. Die individuellen Belange des Menschen mit einer Behinderung im Blick zu haben und den Einstieg in den Beruf zu erleichtern ist ihm ein großes Anliegen. Denn gerade die Berufseingangsphase ist für Menschen mit Behinderung oft noch schwerer, da sie mit viel Skepsis konfrontiert sind.

Inklusion oder Integration?

„Inklusion bedeutet nicht Integration, denn die behinderten Menschen sind ja schon Teil der Gesellschaft“, betont Schindelhauer. Die Barrieren im alltäglichen Leben und im Umgang mit Menschen mit einer Behinderung aufzulösen, sollte das Ziel von Inklusion sein. „Dazu gehört auch, dass ein behinderter Mensch seinem Umfeld mitteilt, wobei er Unterstützung benötigt und was er selbstständig erledigen kann. Das wissen die anderen ja oft gar nicht und sind in der Folge im Umgang verunsichert“, erläutert der Jurist: „Jeder kann in unserer Gesellschaft einen wichtigen und wertvollen Teil beitragen, ganz egal ob mit oder ohne Behinderung.“ So wie Clemens Schindelhauer selbst, der zwar längere Zeit für das Lesen einer Akte benötigt, dafür aber Notizen mit seinem Zehn-Finger-System schneller fertigstellt als viele seiner sehenden Kollegen.
 

Info: Was ist Schwerbehinderung?

Schwerbehindert nach dem Gesetz ist ein Mensch, dessen Grad der Behinderung (GdB) mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate wenigstens 50 Prozent beträgt. Das trifft derzeit auf rund 7,9 Millionen Menschen in Deutschland zu.