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Das Ziel vor Augen

Wer eine Rehabilitation macht, sollte sich klare Ziele vornehmen. Wie man die am besten formuliert, weiß Wissenschaftlerin Dr. Susanne Dibbelt. Sie hat Reha-Ziele erforscht und Konzepte erarbeitet

ZielschreibeDas Ziel vor Augen

Patienten, die sich frühzeitig Gedanken darüber machen, was sie langfristig erreichen wollen, können Einfluss auf ihren Behandlungsplan in der Klinik nehmen und Erfolge noch weit nach der Reha einfahren. Davon ist Dr. Susanne Dibbelt vom Institut für Rehabilitationsforschung (IfR) an der Klinik Münsterland der Deutschen Rentenversicherung Westfalen überzeugt.
Im Interview gibt sie Tipps, wie Patienten ihre Reha-Ziele formulieren sollten.

Frau Dibbelt, Sie beschäftigen sich wissenschaftlich mit Zielen, die sich Reha-Patienten vornehmen. Warum sind Reha-Ziele wichtig?
Stellen Sie sich eine Wanderung in den Bergen vor: Sie nehmen sich vor, einen Gipfel zu besteigen. Mit diesem Ziel vor Augen sind Sie bereit, etwas zu investieren, Anstrengungen und Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. In der Reha ist das ähnlich: Chronische Krankheiten erfordern von Patienten erhebliche Umstellungen ihrer Lebensgewohnheiten. Menschen, die nie Sport getrieben haben, sollen sich regelmäßig körperlich betätigen, mit dem Rauchen aufhören, sich gesund ernähren. Das schafft man nur, wenn man ein klares und attraktives Ziel vor Augen hat.

Welche Rolle spielen die Ziele denn für den Aufenthalt in der Reha-Klinik?
Die Ziele werden in der Regel gleich zu Beginn bei der Aufnahme besprochen. Die Vorstellungen der Patienten lassen sich dann mit dem Behandlungskonzept verknüpfen.

Es geht darum, die Wünsche und Ziele der Patienten zu überprüfen und realistische Ziele zu erarbeiten.

Dr. Susanne Dippelt, arbeitet beim Institut für Rehabilitationsforschung (IfR) an der Klinik Münsterland der Deutschen Rentenversicherung Westfalen

Die Ziele werden also im Behandlungsplan berücksichtigt?
Ja, das ist sogar vorgeschrieben. Die Zielvereinbarung mit Rehabilitanden ist eine komplexe Aufgabe, die Training erfordert. Wir haben Trainingskonzepte und Leitfäden zur Reha-Zielarbeit entwickelt und erprobt, übrigens nicht nur für Ärzte, sondern für alle Berufsgruppen, die mit Patienten arbeiten. Dabei geht es dann auch darum, die Wünsche und Ziele der Patienten auf Realisierbarkeit zu überprüfen und realistische Ziele zu erarbeiten. Wir nennen das Realismus-Check.

Wie sollte ein Patient zusammen mit einem Arzt seine Reha-Ziele formulieren, wenn er seine Reha-Maßnahme so effektiv wie möglich nutzen will?
Grundlegende Frage ist: Wie ist es jetzt, wie soll es sein und woran erkenne ich eine Verbesserung? Relativ einfach ist das bei quantitativen Zielen wie „vier Kilo abnehmen“. Schwieriger ist es bei qualitativen Zielen wie „weniger Stress haben“. Zunächst müsste man klären, welche Erfahrungen der Patient genau mit „Stress“ meint, in welchen Situationen er diese gemacht hat und woran er eine positive Veränderung festmacht. Die Ziele sollten mit der Lebenswelt des Patienten und seinen Aktivitäten verknüpft werden, und sie sollten dem Patienten wirklich wichtig sein – zum Beispiel „wieder mit den Kindern oder Enkeln Fußball spielen können“.

Was, wenn die Ziele unrealistisch sind? Wenn etwa der Arzt sagen muss, dass das Ziel „wieder Kampfsport betreiben“ besser nicht verwirklicht werden sollte?
Dann rate ich dazu, leidensgerechte Alternativen zu suchen, die aber mit dem Inhalt noch etwas zu tun haben. Vielleicht geht ja Aikido oder Tai-Chi? Man sollte die Reha als Gelegenheit für neue Erfahrungen nutzen. Viele Reha-Kliniken verfügen ja über ein breites Angebot an Sport und Bewegung. Die Therapeuten ermuntern dazu, Neues auszuprobieren: Ballsport, Ausdauersport, Schwimmen, Laufen, Nordic Walking, Qigong, Tai-Chi, Bogenschießen, Klettern usw.

Die richtigen Ziele anzuvisieren ist entscheidend für den Erfolg einer Rehabilitation.

Und was passiert mit meinen Reha-Zielen nach der Reha?
Unser Konzept sieht vor, dass man am Ende der Reha eine erneute Zielvereinbarung für die Zeit nach der Reha trifft. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Umsetzung der Ziele im Alltag. In der Klinik ist es einfach, man hat einen Therapieplan, sonst keine Verpflichtungen und die Therapeuten sagen einem, was man tun soll – und wie. Das alles muss man im Alltag selbst organisieren und mit Job und Familie koordinieren.

... und sich wahrscheinlich Unterstützer suchen?
Ja, auf jeden Fall: Soziale Kontakte und Bindungen wie die Mitgliedschaft in einem Sportverein stärken den Durchhaltewillen. Soziale Kontakte sind wichtig. Wer nicht in einen Verein eintreten will, kann sich im Familien- und Freundeskreis Unterstützer suchen.

Gibt es noch mehr Faktoren, die man für die Zeit nach der Reha berücksichtigen sollte?
Eine Erfolgskontrolle. Ein Schrittzähler oder ein Sport- oder Ernährungs-Tagebuch sind gute Weggefährten. Die Nachverfolgung einzelner Schritte hin zu den Zielen machen Erfolge sichtbar. Man sieht, dass die Laufstrecke jede Woche länger wird, dass sich das Tempo steigert oder die Schmerzen nachlassen. Erfolge motivieren am meisten.