Geschäftsbericht 2024
Die Deutsche Rentenversicherung Nordbayern stellt im digitalen Jahresbericht Kennzahlen, Ergebnisse und Geschichten des Jahres 2024 vor.
Prävention und Rehabilitation
Prävention als Schlüssel zur beruflichen Selbstbestimmung
Rehabilitation ist weit mehr als nur eine medizinische Maßnahme – die DRV Nordbayern sieht sie als Chance, das Leben von Menschen aktiv zu gestalten. Die Maxime der DRV Nordbayern „Prävention vor Reha vor Rente“ beschreibt den Ansatz, frühzeitig einzugreifen, damit Erwerbstätige nach einer Krankheit, Unfall oder Behinderung nicht vorzeitig in den Ruhestand oder in Pension gehen müssen.
Mit gezielten Reha-Maßnahmen unterstützt die DRV Nordbayern dabei, die Erwerbsfähigkeit zu sichern und die Rückkehr ins Berufsleben zu ermöglichen – sei es durch medizinische Rehabilitation, umfassende Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder Präventionsprogramme. 2024 sind die Anträge auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben leicht zurückgegangen und die DRV Nordbayern verzeichnet eine steigende Zahl von Anträgen zur medizinischen Rehabilitation.
Anträge auf Leistungen zur Teilhabe
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2023 |
2024 |
|---|---|---|
|
Medizinische Rehabilitation |
45.468 |
45.047 |
|
Teilhabe am Arbeitsleben |
17.029 |
16.957 |
|
Sonstige (zum Beispiel Kinderrehabilitation, Prävention) |
4.206 |
4.748 |
|
insgesamt |
66.703 |
66.752 |
Beratung auf Augenhöhe
Die Reha-Fachberater begleiten Menschen in schwierigen Lebenssituationen. 2024 fanden 6.163 (im Vorjahr 6.893) Beratungsgespräche statt. Sie beraten in den Beratungsstellen, in Reha-Kliniken, in beruflichen Einrichtungen oder direkt in Betrieben.
Diese Gespräche eröffnen neue Möglichkeiten und helfen, individuelle Reha-Maßnahmen passgenau zu planen.
Medizinische Rehabilitation
Nach einer Krankheit oder einem Unfall die Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, erfordert individuelle Unterstützung. Die Kernkompetenz der DRV Nordbayern liegt auf den Leistungen zur medizinischen Rehabilitation: die DRV Nordbayern bietet modernste Therapieansätze, damit Versicherte die nötige Stabilität für ihren Alltag zurückgewinnen. Hierzu greift die DRV Nordbayern auf eine Vielzahl eigener und privater/fachspezifische Rehabilitationseinrichtungen mit den verschiedensten fachlichen Ausrichtungen und Therapiekonzepten zurück. Dadurch ist sichergestellt, dass für den individuellen Bedarf die passende Rehabilitationsmaßnahme angeboten werden kann.
Reha-Anträge (medizinische und sonstige): Arten der Erledigung
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2023 |
2024 |
|---|---|---|
|
Bewilligungen |
35.824 = 72,2 Prozent |
34.513 = 69,0 Prozent |
|
Ablehnungen |
6.259 = 12,6 Prozent |
7.729 = 15,4 Prozent |
|
Anderweitige Erledigung |
7.519 = 15,2 Prozent |
7.807 = 15,6 Prozent |
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Insgesamt |
49.602 = 100 Prozent |
50.049 = 100 Prozent |
Bewilligungen nach Reha-Indikationen (ohne Nachsorgeleistungen)
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Bewilligungs- diagnosengruppe |
Männlich |
Weiblich |
Summe |
|---|---|---|---|
|
Keine Aussage möglich |
788 |
762 |
1.550 |
|
Augenheilkunde |
15 |
5 |
20 |
|
Dermatologie |
90 |
83 |
173 |
|
Endokrinologie |
430 |
253 |
683 |
|
Gastroenterologie |
219 |
115 |
334 |
|
Angiologie |
140 |
39 |
179 |
|
Hämatologie |
7 |
11 |
18 |
|
HNO |
64 |
49 |
113 |
|
Kardiologie |
1.999 |
399 |
2.398 |
|
Lymphologie |
21 |
94 |
115 |
|
Nephrologie |
53 |
74 |
127 |
|
Neurologie |
1.269 |
630 |
1.899 |
|
Hämatologie und Onkologie |
1.876 |
1.374 |
3.250 |
|
Orthopädie |
10.604 |
6.170 |
16.774 |
|
Pulmologie |
771 |
574 |
1.345 |
|
Psychosomatik und Psychotherapie |
1.783 |
2.151 |
3.934 |
|
Rheumatologie |
196 |
251 |
447 |
|
Abhängigkeits- erkrankungen |
881 |
232 |
1.113 |
|
Sonstige Erkrankungen |
26 |
15 |
41 |
|
Summe |
21.232 |
13.281 |
34.513 |
Nahtlos weiter: Anschlussrehabilitation
Ein Krankenhausaufenthalt ist oft erst der Anfang. Die Anschlussrehabilitation schließt die Lücke zwischen Akutbehandlung und Genesung. Die Rentenversicherung hat für die Bearbeitung von Anträgen zur Anschlussrehabilitation ein spezielles, besonders schnelles Verfahren eingeführt. In der Regel wird innerhalb weniger Tage über einen solchen Antrag entschieden.
14.661 Anträge (Vorjahr 14.677) wurden 2024 bearbeitet, 82,9 Prozent davon bewilligt, 2,8 Prozent abgelehnt. Die Differenz wurde beispielsweise durch Rücknahme oder Weiterleitung an den zuständigen Reha-Leistungsträger bearbeitet. Schnell und unbürokratisch, damit keine wertvolle Zeit verloren geht.
Ganztägig ambulante Reha: Wohnortnah und effektiv
Immer mehr Menschen entscheiden sich für ganztägig ambulante Maßnahmen. Diese finden wohnortnah in einem ambulanten Reha-Zentrum über einen Zeitraum von durchschnittlich drei Wochen mit mehrstündigen Therapieeinheiten pro Tag statt. Für uns als Kostenträger stellt dies eine nicht unerhebliche Kosteneinsparung dar: Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung entfallen. Um vielen Versicherten eine wohnortnahe Rehabilitation anbieten zu können, hat die DRV Nordbayern aktuell 13 Reha-Zentren zugelassen. Mit 5432 (Vorjahr 5.121) bewilligten Leistungen im Jahr 2024 gewinnt die ganztägig ambulante Durchführungsform seit Jahren zunehmend an Bedeutung.
Entwöhnungsbehandlungen: Unterstützung für den Neustart
Die DRV Nordbayern unterstützt auch Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen durch gezielte Entwöhnungsbehandlungen. Im Jahr 2024 wurden 1.109 (Vorjahr 1.226) ambulante, teilstationäre oder stationäre Maßnahmen bewilligt, um den Betroffenen eine nachhaltige Genesung zu ermöglichen.
Starke Unterstützung für Kinder und Familien
Kinderrehabilitation ist eine zentrale Leistung, um frühzeitig Weichen für ein gesundes Leben zu stellen. 2024 wurden 1.446 Anträge (Vorjahr 1.495) bearbeitet, 71,3 Prozent bewilligt – ein wichtiger Beitrag zur Chancengleichheit.
Onkologische Nachsorge: Neue Kraft nach schwerer Zeit
Nach einer Krebserkrankung ist der Weg zurück in den Alltag oft eine Herausforderung. Mit den Nachsorgeleistungen der DRV Nordbayern wird Betroffenen die nötige Unterstützung geboten, um wieder Tritt zu fassen. Im Jahr 2024 wurden 1.438 Anträge bearbeitet – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr (1.327).
Prävention: Gesundheit erhalten
Das Präventionsproramm der DRV Nordbayern „RV Fit“ stärkt Beschäftigte, bevor gesundheitliche Einschränkungen zur Gefahr werden. Die Zahlen sprechen für sich: 1.075 (Vorjahr 720) Initialphasen, 941 (Vorjahr 566) Trainingsphasen und 693 (Vorjahr 416) Refresher wurden 2024 erfolgreich abgeschlossen. So bleiben Menschen arbeitsfähig und gesund.
Nachsorge: Unterstützung für einen stabilen Therapieerfolg
Nach einer medizinischen Rehabilitation unterstützt die DRV Nordbayern die Patientinnen und Patienten weiterhin: mit den Kernangeboten IRENA, Psy-RENA und T-RENA sowie spezieller Suchtnachsorge steht die DRV Nordbayern den Beitragszahlenden zur Seite, um eine gesundheitsfördernde Lebensweise zu stärken und den Behandlungserfolg zu festigen.
Bewilligungen von Nachsorgeleistungen 2024
|
IRENA |
3.412 |
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T-RENA |
6.037 |
|
Psy-RENA |
148 |
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Sucht-Nachsorge |
481 |
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Sonstiges |
18 |
|
insgesamt |
10.096 |
Wege zurück ins Berufsleben: Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
Die DRV Nordbayern unterstützt Menschen dabei, ihren Weg zurück ins Berufsleben zu finden oder sich beruflich neu zu orientieren. Die berufliche Rehabilitation umfasst ein breites Leistungsspektrum. Es reicht von finanzieller Unterstützung über verschiedene Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote und Integrationsmaßnahmen bis hin zur Bereitstellung von Hilfsmitteln am Arbeitsplatz.
Im Jahr 2024 wurden 16.957 (Vorjahr 17.029) Anträge auf diese Leistungen gestellt, von denen 77,1 Prozent (Vorjahr 76,4) bewilligt wurden. Damit trägt die DRV Nordbayern maßgeblich dazu bei, Menschen neue berufliche Perspektiven und Chancen zu eröffnen.
rehapro: Innovatives Programm für bessere Teilhabe am Arbeitsleben
Das Bundesprogramm „rehapro“ wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ins Leben gerufen, um die Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen zu fördern. Ziel ist es, innovative Ansätze zu entwickeln, die die Chancen auf ein aktives Berufsleben verbessern und gleichzeitig die Beschäftigungsfähigkeit stärken.
Fünf förderpolitische Ziele im Bundesprogramm:
1. Erhalt oder Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit
2. Vorbeugung und Abwendung von (Teil-) Erwerbsminderung
3. Verhinderung chronischer Erkrankungen oder Behinderungen
4. Stärkung beruflicher und gesellschaftlicher Teilhabe
5. gezielte Unterstützung von Kindern und Jugendlichen
Das Bundesprogramm „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – rehapro“ setzt diesen Auftrag im Rahmen von drei Förderwellen um. 122 Modellprojekte der drei Förderwellen mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren befinden sich bereits in der Durchführung. Insgesamt wurde rund eine Milliarde Euro für innovative Projekte in den Haushalt des BMAS eingestellt.
Die Rolle der DRV Nordbayern in rehapro
Die DRV Nordbayern ist mit sechs Modellprojekten in den ersten beiden Förderwellen aktiv. Dabei wurden vier von der DRV Nordbayern konzipiert: ELAN, DiNa4u, ZAR und ZeitRaum (ZaTaB). Ein Blick auf alle Projekte zeigt die Bandbreite des Engagements:
ELAN: Dieses Projekt wurde zum 31.08.2024 abgeschlossen. Hintergrund: Langzeitarbeitslose mit komplexen Vermittlungshemmnissen und anerkanntem Rehabilitationsbedarf erhielten gezielte Unterstützung bei der beruflichen Wiedereingliederung. Eine verbesserte Vernetzung zwischen den Rechtskreisen des Sozialgesetzbuches II und VI sowie innovative Ansätze der Berufsförderungswerke eröffneten neue Wege zurück ins Arbeitsleben.
Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichten es jetzt dem BFW Nürnberg, ein neues Angebot für die Regelversorgung anzubieten.
DiNa4u: Dieses Projekt bietet Jugendlichen, die an einer Rehamaßnahme mit der Indikation Adipositas teilgenommen haben, digitale Nachsorgeoptionen, die nachhaltig wirken sollen - unabhängig vom Wohnort.
ZAR: Auch im Bereich der medizinischen Rehabilitation setzt die DRV Nordbayern auf Innovation: ZAR entwickelt intelligente Algorithmen, mit denen Krankenkassen frühzeitig Reha-Potenziale erkennen und Versicherte aktiv auf die Möglichkeiten der Rentenversicherung hinweisen können.
ZeitRaum (ZaTaB): Für Menschen mit psychischen Erkrankungen bietet dieses Projekt eine frühe, flexible Rückkehr ins Berufsleben. Arbeitszeiten können reduziert und durch psychologische Unterstützung ergänzt werden, um Belastungen gezielt anzugehen.
Darüber hinaus war die DRV Nordbayern an den beiden Projekten Blaufeuer und KiT beteiligt:
Blaufeuer: Ebenfalls mit psychisch erkrankten Menschen beschäftigt sich das Projekt Blaufeuer. Ähnlich wie bei ZeitRaum liegt der Fokus auf der frühzeitigen Identifikation der Betroffenen. Diese erhalten eine niederschwellige Beratungsleistung, die bei der schnelleren, nachhaltigeren Rückkehr an den Arbeitsplatz hilft.
KiT: Das von der DRV Bund koordinierte Projekt setzt auf persönliche Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen (Fallmanagement), die Betroffene individuell betreuen und beraten. Ziel ist eine „Rundum-Versorgung“ aus einer Hand.
Die Vielfalt und Ausrichtung der Projekte unterstreichen, wie wichtig der kreative Umgang mit Rehabilitationsmaßnahmen ist. Durch die gezielte Nutzung dieser Erkenntnisse will die DRV Nordbayern erfolgreiche Modelle langfristig etablieren und so Teilhabe neu definieren. rehapro ist nicht nur ein Programm – es ist eine Investition in die Zukunft der Menschen und des Arbeitsmarktes.