Digitalisierung der Rehabilitation: Perspektiven und Potentiale

In der medizinischen Rehabilitation verändert die fortschreitende Digitalisierung die Versorgungspraxis. Digitale Technologien eröffnen neue Perspektiven. Sie eröffnen Chancen den Rehabilitationsprozess flexibler und individueller zu gestalten, indem sie zeit- und standortunabhängige Therapieangebote ermöglichen, den Transfer in den Alltag erleichtern und so ein besonderes Potenzial besitzen, die Versorgungsqualität nachhaltig zu verbessern. Zwölf Träger der Deutschen Rentenversicherung haben mit dem Dezernat Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund einen gemeinsamen Forschungsschwerpunkt zur „Digitalisierung medizinischer Rehabilitation“ ins Leben gerufen.

Wissenschaftliche Studien in drei thematischen Feldern

Zehn Forschungsprojekte aus drei Themenbereichen werden innerhalb des Schwerpunktes gefördert. Die Projekte lassen sich thematisch zu Clustern bündeln, die sich teilweise überschneiden:

Digitale Therapie- und Interventionsformen in der medizinischen Rehabilitation:

Die Projekte in diesem Cluster fokussieren die Digitalisierung therapeutischer Leistungen innerhalb der medizinischen Rehabilitation. Untersucht werden digitale und hybridisierte Behandlungsformate, der Einsatz innovativer Technologien (z. B. Virtual Reality, Apps, Teletherapie), flexibilisierte Leistungsmodelle sowie zeitlich und räumlich entgrenzte Rehabilitationssettings. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Wirksamkeit, Adhärenz, Barrierefreiheit, Teilhabeorientierung und Patientenzentrierung. Es werden Potenziale und Grenzen der Digitalisierung einzelner Behandlungselemente analysiert sowie differenzierte Bedarfs- und Akzeptanzanalysen durchgeführt. Das Cluster zielt darauf ab, evidenzbasierte Grundlagen für eine personenzentrierte, sozialraumorientierte und zugleich technisch gestützte Weiterentwicklung therapeutischer Rehabilitationsangebote zu schaffen. Differenziert werden kann in dem umfangreichen Themengebiet zur Intervention in „Modelle gem. DigiFlexReha“ und „Digitalisierung einzelner Bausteine“.

Digitale Diagnostik und datenbasierte Leistungsbeurteilung in der medizinischen Rehabilitation:

Die Projekte in diesem Cluster bündeln Forschungsansätze zur Entwicklung, Implementierung und Evaluation digitaler Instrumente in der rehabilitationsbezogenen Diagnostik und Leistungsbeurteilung. Im Zentrum steht die systematische, ICF-orientierte Erfassung von Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten, Teilhabekompetenzen sowie relevanter psychosozialer Kontextfaktoren. Digitale Technologien eröffnen neue Möglichkeiten der standardisierten Datenerhebung, telemedizinischen Diagnostik, kontinuierlichen Verlaufsbeobachtung und datenbasierten Gesamtbeurteilung der Leistungsfähigkeit. Dabei werden sowohl Fragen der Validität, Objektivität und Effizienz diagnostischer Verfahren als auch Aspekte der Datenintegration, interdisziplinären Teamkommunikation und des Datenschutzes berücksichtigt. Ziel dieses Clusters ist es, den Beitrag digitaler Diagnostik zur Qualitätssteigerung, Entscheidungsunterstützung und Individualisierung rehabilitativer Prozesse wissenschaftlich zu untersuchen.

Digitale Prozessgestaltung sowie Vorbereitung und Transferunterstützung im Rehabilitationsverlauf:

Die Vorhaben in diesem Cluster betrachten die Digitalisierung entlang des gesamten Rehabilitationsprozesses – von der vorbereitenden Phase über die Durchführung bis hin zum Übergang in Arbeit und Alltag. Im Fokus stehen digitale Instrumente zur Informationsvermittlung, Kompetenzentwicklung und vorbereitenden Datenerhebung vor Beginn der Rehabilitation sowie digitale Kommunikations- und Koordinationsstrukturen während des Reha-Verlaufs. Darüber hinaus werden digitale Unterstützungsangebote zur nachhaltigen Stabilisierung des Rehabilitationserfolgs untersucht, etwa telemetrische Begleitungssysteme, Selbstmanagement-Tools oder digitale Informations- und Unterstützungsplattformen ohne unmittelbare therapeutische Anbindung. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Schnittstellensteuerung zwischen Rehabilitationseinrichtungen, Leistungsträgern, Arbeitgebern und weiteren relevanten Akteuren. Ziel ist es, digitale Prozessmodelle zu entwickeln und zu evaluieren, die Motivation, Passung, Nachhaltigkeit und Teilhabechancen der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden langfristig verbessern.

Zwölf Rentenversicherungsträger fördern gemeinsam

Kollaboration

Am gemeinsamen Forschungsschwerpunkt „Digitalisierung medizinischer Rehabilitation“ sind folgende Rentenversicherungsträger beteiligt:

  • Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg
  • Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd
  • Deutsche Rentenversicherung Berlin-Brandenburg
  • Deutsche Rentenversicherung Bund
  • Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See
  • Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland
  • Deutsche Rentenversicherung Nord
  • Deutsche Rentenversicherung Nordbayern
  • Deutsche Rentenversicherung Oldenburg-Bremen
  • Deutsche Rentenversicherung Rheinland
  • Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz
  • Deutsche Rentenversicherung Westfalen

In einer Begleit- und Steuerungsgruppe, die durch das Dezernat Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund koordiniert wird, arbeiten Vertreterinnen und Vertreter aller beteiligten Träger bei der Ausgestaltung des Forschungsschwerpunkts zusammen.

Kann Digitalisierung die Teilhabe verbessern?

Die Rehabilitation hat die Aufgabe, behinderten oder von Behinderung bedrohten Menschen die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Die medizinische Rehabilitation der Rentenversicherung ist i.d.R. eine drei bis fünf Wochen ohne Unterbrechung durchgeführte Leistung, die entweder stationär oder ganztägig ambulant in einer dafür zugelassenen medizinischen Rehabilitationseinrichtung stattfindet. Sie umfasst ein breites Spektrum an therapeutischen Leistungen, wobei die einzusetzenden Behandlungselemente entsprechend der jeweiligen Indikation und der individuellen Ausgangssituation variieren können. Auswahl und Durchführung der therapeutischen Leistungen werden durch ein patientenorientiertes Vorgehen geleitet und unterstützen die Ziele der Selbstbestimmung und Partizipation. Die Lebensbedingungen und besonders die jeweils verfügbaren individuellen und sozialen Ressourcen sind in der Therapie zu berücksichtigen.

Es stellt sich die Frage, ob die Nutzung digitaler Techniken neue Möglichkeiten zur Verwirklichung von Personen- und Sozialraumorientierung bei der Ausgestaltung der medizinischen Rehabilitation bietet.

Um digitale Leistungen der medizinischen Rehabilitation auf wissenschaftliche Grundlagen stützen zu können, sind Forschungsaktivitäten unerlässlich. Zwölf Rentenversicherungsträger haben sich daher mit dem Dezernat Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund zusammengeschlossen, um einen trägerübergreifenden Forschungsschwerpunkt „Digitalisierung medizinischer Rehabilitation“ zu initiieren. Forschende Einrichtungen wurden im Sommer 2025 durch eine Förderbekanntmachung angeregt, einschlägige Forschungsvorhaben einzureichen. Im Zuge eines zweistufigen Antrags- und Begutachtungsverfahren wurden zehn Projekte zur Förderung durch die beteiligten Rentenversicherungsträger ausgewählt.

Kontakt

Der Forschungsschwerpunkt wird über folgende Stelle koordiniert:

Deutsche Rentenversicherung Bund
Abteilung Prävention, Rehabilitation und Sozialmedizin
Dezernat Reha-Wissenschaften
Bereich 0421
10704 Berlin

Für inhaltliche, formale und administrative Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Ariane Funke

Kristina Kulisch

E-Mail: forschung-digital-reha[at]drv-bund.de