Transferorientierte Versorgungsforschung

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Im Förderschwerpunkt „Transferorientierte Versorgungsforschung - Forschung und Ergebnistransfer für eine bedarfsorientierte Rehabilitation“ werden zwischen 2019 und 2026 Projekte in der Rehabilitationsforschung unterstützt, die ein hohes Potential zur Überführung in die Versorgungspraxis aufweisen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) führt diese Fördermaßnahme gemeinsam mit der Deutschen Rentenversicherung (DRV Bund) durch.

Perspektive der Versicherten im Fokus

Die Digitalisierung von Dienstleistungen und in der Produktion verändert die Arbeitswelt zunehmend. Das stellt auch die Verantwortlichen für die Rehabilitation von Erwerbstätigen vor die Herausforderung, medizinische und organisatorische Verbesserungen schnellstmöglich für die Versicherten verfügbar zu machen und die Kosten dabei in Grenzen zu halten. Mit dem Förderschwerpunkt „Transferorientierte Versorgungsforschung - Forschung und Ergebnistransfer für eine bedarfsorientierte Rehabilitation“ werden Vorhaben in der Rehabilitationsforschung unterstützt, in denen die Versicherten- bzw. Nutzungsorientierung und der Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis in den Fokus rücken.

Es konnten Projektanträge zu drei inhaltlichen Themenfeldern eingereicht werden:

  • Rehabilitation und Arbeit,
  • Erwerbsminderung und
  • Zugang sowie Bedarfsgerechtigkeit der Rehabilitation.

Es ist eine Gesamtförderdauer von sechs Jahren vorgesehen, die sich aufteilt in die vierjährige Studienphase (Modul 1) sowie eine anschließende zweijährige Phase (Modul 2), in der erfolgreiche Interventionsstudien konkret in die Praxis überführt werden können. Die Bekanntmachung des Förderschwerpunkts erfolgte im Dezember 2017. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund) setzen damit die erfolgreiche gemeinsame Förderung fort. Zwei Vorhaben werden vom BMBF, drei Vorhaben werden von der DRV gefördert. Der Schwerpunkt der Förderung liegt auf Studien, die die Wirksamkeit einer Intervention auf die Gesundheit der Erwerbstätigen untersuchen. Nach Abschluss der Studien kann für Maßnahmen, die sich als wirksam erwiesen haben, eine weitere Förderung für den wissenschaftlich begleiteten Transfer in den Versorgungsalltag beantragt werden.

In Modul 1 wurden fünf Vorhaben gefördert, zu deren Fragestellungen bereits eine gute Evidenzlage vorliegt, die die Rehabilitationspraxis jedoch konkret weiterentwickeln und anschließend auf die Praxis übertragbar sind. Der Schwerpunkt lag dabei auf Interventionsstudien, d. h. kontrollierten klinischen Studien mit vorgegeben Studienbedingungen, um die Wirkung der Behandlung (Intervention) isoliert untersuchen zu können. Zwei Vorhaben wurden vom BMBF, drei Vorhaben wurden von der DRV gefördert. Nach Abschluss der Studien konnte für Maßnahmen, die sich als wirksam erwiesen haben, eine weitere Förderung für den wissenschaftlich begleiteten Transfer in den Versorgungsalltag beantragt werden.

In Modul 2 werden bislang zwei Projekte gefördert. Der Schwerpunkt in diesem Modul liegt auf der Implementierung der Interventionen in die Praxis.

Förderung durch die DRV (Modul 2)

August 2024 – September 2026 Steigerung der Langzeiteffekte onkologischer Rehabilitation durch eine Nachsorge-App (TP-ReNaApp)

Prof. Dr. Ruth Deck, Universität zu Lübeck

Hintergrund und Zielsetzung

Das Ziel der Studie besteht in der Testung des Praxistransfers in zwei bis drei Reha-Einrichtungen, die das Nachsorgekonzept noch nicht kennen. Implementierung neuer Funktionen und Überarbeitung der Nachsorge-App entsprechend der Rehabilitandinnen- und Rehabilitandenwünsche. Erarbeitung von Manualen und Schulungsmaterialien (u.a. Video-on-Demand, digitale Materialien und Online-Schulungen) für (bundesweit) interessierte Reha-Einrichtungen.

Design und Methodik

Im Transferprojekt wird durch synthetisierende und strukturierende Maßnahmen die Umsetzung des optimierten und finalisierten Nachsorgekonzepts getestet und ein erster Praxistransfer erprobt. In diesem Zusammenhang werden zwei bis drei Reha-Einrichtungen, die das Nachsorgekonzept nicht kennen, eingebunden. Sie implementieren das Nachsorgeprogramm ausschließlich mit Hilfe der Schulungs- und Studienmaterialien. Jede Klinik begleitet ca. 20 Rehabilitandinnen und Rehabilitanden entsprechend des Nachsorgekonzepts. Zu ihren Erfahrungen werden pro Klinik zwei beteiligte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in telefonischen Interviews befragt. Daneben werden die mit den Patientinnen und Klinikmitarbeiterinnen und Klinikmitarbeitern erarbeiteten Modifikationen an der Intervention von ca. 80 Brustkrebsrehabilitandinnen in Reha-Einrichtungen aus Modul 1 getestet. Die schriftliche Befragung zu den einzelnen Nachsorgeelementen findet am Ende der Rehabilitation via LimeSurvey statt und in der Zeit der Nachsorge werden mit digitalen Kurzfragebögen eine Einschätzung zu Funktionserweiterungen der ReNaApp abgefragt. Fünf Studienteilnehmerinnen werden neben der schriftlichen Befragung zusätzlich am Ende der Rehabilitation und 2 Monate danach in leitfadengestützten Interviews zur Zufriedenheit und Akzeptanz sowie zur Wahrnehmung von Aktualisierungen in der ReNaApp befragt. Weiterhin wird eine Fokusgruppe mit Klinikmitarbeiterinnen und Klinikmitarbeitern durchgeführt.

Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten

Durch die Bereitstellung von Interventionsmaterialien zum Nachsorgeprogramm in Form eines Transfermanuals (inkl. Handouts, Schulungsmaterialien), der technisch optimierten ReNaApp und einem Schulungsvideo on-Demand wird den Reha-Einrichtungen eine selbstständige Nutzung des Konzepts ermöglicht. Das Transfermanual enthält zudem Einzelheiten zur Implementierung in Einrichtungen, beschreibt Funktionen und Interventionsbestandteile, technische Erweiterungsmöglichkeiten der Nachsorge-App sowie die Ausweitung auf andere Indikationen. Der aktualisierte Quellcode zur ReNaApp wird dem Kostenträger übergeben.

Januar 2024 - Dezember 2025 Implementierung von Praxisempfehlungen für die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation in psychosomatischen Rehabilitationseinrichtungen (MBOR-PRIME)

Prof. Dr. Matthias Bethge, Universität zu Lübeck

Prof. Dr. Markus Bassler, Hochschule Nordhausen

Ziele/Fragestellungen

Ziel dieses Projektes ist es, die MBOR möglichst homogen und konsistent in Einrichtungen der psychosomatischen Rehabilitation zu implementieren. Es erarbeitet damit den Praxis-Transfer des im Förderschwerpunkt mit dem BMBF seit Oktober 2019 laufenden Projektes „Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation bei psychischen Erkrankungen (MBOR-P)“, das im März 2024 endet.

Dafür werden zunächst die MBOR-Praxisempfehlungen in einem multiperspektivischem Konsensprozess mit fünf bereits im Vorläuferprojekt beteiligten Reha-Einrichtungen für den Transfer in die Regelversorgung praxistauglich konkretisiert. Anschließend wird die MBOR-Implementierung in weiteren Einrichtungen mit Unterstützung von Implementierungsverantwortlichen vor Ort erprobt. Neben den gemeinsam entwickelten MBOR-Praxisempfehlungen wird ein Implementationsleitfaden erstellt.

Methoden

Die Studie ist in einem multizentrischen Mixed-Methods-Design mit drei Arbeitspaketen angelegt:

Mit Arbeitspaket (AP) 1, einem zweistufigen Delphi-Prozess, der drei Personengruppen einschließt (Ärzt*innen und Therapeut*innen der Studieneinrichtungen aus Modul 1; Wissenschaftler*innen und Träger; ehemalige Patient*innen) werden die MBOR-Praxisempfehlungen konsentiert und publiziert, die auch Schnittstellen zu anderen Sozialleistungsträgern wie Krankenversicherung und Arbeitsagentur berücksichtigen.

In AP 2 erfolgt die Entwicklung des Implementierungsleitfadens. Dazu werden die Praxisempfehlungen in fünf Rehabilitationseinrichtungen implementiert. Dafür wird für jede Einrichtung ein*e Implementierungsbeauftragte*r geschult, die/der die Implementierung vor Ort plant, steuert, überwacht und standardisiert dokumentiert. Auf Grundlage der Dokumentation wird der Implementierungsleitfaden erstellt.

AP 3 umfasst die quantitative Evaluation des Implementationsprozesses. Es erfolgt eine Datenerhebung mittels Fragebogen vor und nach der Implementierung. Erfragt wird die Erreichung erwerbsbezogener Rehabilitationsziele als primäres Zielkriterium. Als sekundäre Zielkriterien werden zum einen Merkmale der Implementation und Prozessqualität (erreichte Zielgruppe, erbrachte und wahrgenommene Behandlungsdosis, Behandlungstreue u.a.), zum anderen Arbeitsfähigkeit, arbeitsbezogene Ängste, gesundheitsbezogene Lebensqualität, psychosoziale Gesundheit sowie die sozialmedizinische Einschätzung des Leistungsvermögens erhoben. Darüber hinaus wird eine Aufwandsanalyse über den zusätzlichen Aufwand für die Durchführung der MBOR erstellt.

Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten

Die im Projekt entwickelten MBOR-Praxisempfehlungen und der Implementierungsleitfaden werden frei publiziert. Der Implementationsleitfaden gewährleistet die Kompatibilität mit dem MBOR-Anforderungsprofil der DRV, operationalisiert die Therapieangebote inhaltlich und organisatorisch differenziert und soll über ausreichend Spielraum für individuell angepasste Interventionen verfügen.

Damit stehen nach Projektende praxiserprobte Tools zur Verfügung, die es ermöglichen, den Implementierungsprozess der MBOR-Praxisempfehlungen in psychosomatischen Reha-Einrichtungen selbstverantwortlich durchzuführen.

Förderung durch die DRV (Modul 1, abgeschlossen)

Oktober 2019 – März 2024 Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation bei psychischen Erkrankungen (MBOR-P)

Prof. Dr. Matthias Bethge, Universität zu Lübeck

Hintergrund und Zielsetzung

Geprüft wurden die Effekte der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) bei psychischen Erkrankungen im Vergleich zur herkömmlichen psychosomatischen Rehabilitation. Das primäre Zielkriterium der Studie war die erstmalige stabile Beschäftigung innerhalb des 12-monatigen Nacherhebungszeitraums. Stabile Beschäftigung ist definiert als mindestens 4-wöchige Beschäftigung ohne Fehlzeiten. Zudem sollte eine Website www.mbor-psychosomatik.de mit konkreten Umsetzungsbeispielen und verständlicher Darstellung und Begründung der Programme für Betroffene entwickelt werden. Diese Website sollte sowohl von Rehabilitationseinrichtungen als auch von interessierten Patienten genutzt werden können.

Design und Methodik

Im Rahmen einer multizentrischen randomisierten kontrollierten Studie wurden in sechs Rehabilitationseinrichtungen jeweils 300 Teilnehmende rekrutiert. Eingeschlossen wurden 18- bis 60-jährige Rehabilitanden mit psychischen Erkrankungen, für die in den teilnehmenden Einrichtungen anhand eines standardisierten Screenings der Bedarf an einer MBOR festgestellt wurde. Die Rehabilitanden der Interventionsgruppe erhielten eine Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation entsprechend dem Anforderungsprofil der Deutschen Rentenversicherung, die der Kontrollgruppe eine herkömmliche medizinische Rehabilitation. In den Auswertungen sollte zunächst der Implementierungsgrad der Intervention anhand der dokumentierten therapeutischen Leistungen (erbrachte Behandlungsdosis) aus dem Entlassungsbericht erhoben werden. Zudem wurde die wahrgenommene Behandlungsdosis aus Teilnehmersicht (Inhalte, Konsistenz, Zielerreichung) erfasst. Zur Untersuchung der Wirksamkeit der Intervention sollten Random-Effects-Modelle verwendet werden. Zusätzlich sollte eine gesundheitsökonomische Evaluation anhand einer inkrementellen Kosten-Nutzwert-Analyse durchgeführt werden. Neben den quantitativen Erhebungen wurden leitfadengestützte Fokusgruppen mit den Rehabilitationsteams und Teilnehmern der MBOR sowie Klinikvisitationen durchgeführt.

Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten

Das zu transferierende Produkt sind wirksame medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitationskonzepte. Diese sollen auf der Website des Projektes veröffentlicht werden (www.mbor-psychosomatik.de), um die Implementierung medizinisch-beruflich orientierter Behandlungsmodule für psychische Erkrankungen zu unterstützen. Die weitere Implementierung in die Praxis könnte durch Schulungen erfolgen, die von bereits geschulten Einrichtungen durchgeführt werden. 

Ergebnisse

1.621 Personen wurden zufällig der MBOR (n = 813) und PR (n = 808) zugewiesen. Das Durchschnittsalter zu Beginn der Studie betrug 49,6 Jahre (SD = 9,5) und 59,3 % der Teilnehmenden waren weiblich. Die Behandlungsdauer war in der MBOR im Vergleich zur PR geringfügig kürzer, die Gesamtdosis und die tägliche Therapiedosis hin-gegen geringfügig höher. Berufsbezogene Therapieleistungen wurden für die in der MBOR behandelten Personen in den Entlassungsberichten mit rund 21 h deutlich häufiger dokumentiert als für in der PR behandelte Personen mit rund 4 h. Am Ende der Rehabilitation berichteten Teilnehmende der MBOR einen stärkeren Berufsbezug ihrer Rehabilitation als Personen in der PR. Allerdings lag auch der in der MBOR berichtete Berufsbezug nur auf mittlerem Niveau der verwendeten Skalen. Der Anteil an Teilnehmenden, die stabil in Arbeit zurückgekehrt sind, war in beiden Behandlungsgruppen in der ITT-Analyse drei und zwölf Monate nach Abschluss der Rehabilitation vergleichbar. Nach einem Jahr waren rund 40 % in beiden Behandlungsgruppen stabil in Arbeit zurückgekehrt. Auf den sekundären Zielkriterien zeigten sich kleine statistisch signifikante Effekte zugunsten der MBOR für die körperliche Rollenfunktion (Rehabilitationsende und zwölf Monate), die soziale Funktionsfähigkeit (Rehabilitationsende und drei Monate), interaktionelle Schwierigkeiten (zwölf Monate) und Selbstwirksamkeit (drei Monate). In den Subgruppenanalysen waren Effekte auf den sekundären Zielkriterien besonders ausgeprägt, wenn Rehabilitand*innen einen vergleichsweise hohen Berufsbezug in der MBOR wahrnahmen. Die gesundheitsökonomische Analyse ergab, dass die MBOR aufgrund geringfügig niedrigerer Kosten bei ähnlicher Effektivität in Bezug auf die qualitätsadjustierten Lebensjahre mit einer Wahrscheinlichkeit von über 75 % eine kosteneffektive Alternative zur herkömmlichen psychosomatischen Rehabilitation darstellt. 

Januar 2020 – August 2024 Zuweisung und Etablierung eines zielgruppenspezifischen Angebots für alleinerziehende Mütter in der stationären psychosomatischen Rehabilitation (wir2-Reha)

Prof. Dr. Matthias Franz, Universitätsklinikum Düsseldorf

Hintergrund und Zielsetzung

Das Projekt zielte ab auf eine Verbesserung der psychosozialen Versorgung alleinerziehender Mütter durch eine gezielte Zuweisung in ein zielgruppenspezifisches Angebot in der stationären psychosomatischen Rehabilitation. Geprüft werden sollte, ob ein Elterntraining für alleinerziehende Mütter mit Begleitkindern („wir2-Reha“), kombiniert mit dem Standardangebot einer stationären Psychosomatischen Rehabilitation („treatment as usual“ TAU), die generelle psychische Belastung (Belastungsindex GSI der SCL-90-S) zum Entlassungszeitpunkt (T2) stärker reduziert als TAU. Weitere Fragestellungen betrafen den Nachweis von Interventionseffekten zum Katamnesezeitpunkt T3, z.B. auf den Grad der Depressivität, Nikotinkonsum, Arbeitsfähigkeit und emotionale Kompetenzen der Mütter sowie das Problemverhalten und den Impfstatus des Kindes. Zudem wurde im Zuge einer gesundheitsökonomischen Evaluation das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Intervention untersucht.

Design und Methodik

Es wurde eine cluster-randomisierte Studie in zwei Studienzentren durchgeführt. Die Cluster wurden definiert als Patientengruppen in den beiden Behandlungsarmen (Experimentalgruppe: „wir2-Reha“ + TAU; Kontrollgruppe: TAU). Die Datenerhebung mittels standardisierter Fragebögen erfolgte zu drei Messzeitpunkten (T1: Beginn der stationären Rehabilitation, T2: Ende der Rehabilitation, T3: Katamnese nach 6 Monaten). Die Studienpopulation bildeten alleinerziehende Mütter mit klinisch relevanter psychischer bzw. psychosomatischer Beeinträchtigung und Begleitkindern zwischen 3 und 10 Jahren. Angestrebt wurde eine Stichprobengröße von N=160 (n=80 pro Gruppe).

Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten

Das bereits erfolgreich im ambulanten Bereich eingesetzte wir2-Bindungstraining für alleinerziehende Mütter mit Begleitkindern wird in die stationäre psychosomatische Rehabilitation übertragen. Es dient der Verbesserung der psychosozialen Versorgung alleinerziehender Mütter.

Ausgewählte Ergebnisse

Es wurden von den vorgesehenen 192 Probandinnen insgesamt 191 randomisiert, d. h. 32 Cluster, gleichbedeutend mit 32 Behandlungsgruppen. Vor allem aufgrund von Teilnahmewünschen an wir2Reha in der Kontrollgruppe, aber auch Nichtantritten konnten zu T1 insgesamt nur 131 Personen in die Studie eingeschlossen werden (IG: n=73, KG: n=58). Zu T2 lagen die Angaben von 117 (Drop-out 21%), zu T3 von nur noch 63 Probandinnen vor (IG n=36, KG n=27, Drop-out 59%). Die T2-Drop-outs waren in der IG zu T1 stärker psychisch belastet als in der KG, dies könnte zu einer Überschätzung der beobachteten Effekte führen. Die Studienteilnehmerinnen waren durchschnittlich 38,5 (IG) bzw. 36,6 (KG) Jahre alt und waren jeweils mit einem Kind in der Reha, das Haushaltseinkommen war vergleichbar.

Die Ergebnisse zeigen, dass beide Interventionen zu einer signifikanten Verbesserung der psychischen/psychosomatischen Symptomlast und der depressionstypischen Symptomlast führten. Signifikante Unterschiede in der primären und den sekundären Fragestellungen wurden bis auf wenige Ausnahmen zwischen den Gruppen nicht festgestellt. Signifikante Unterschiede gab es nur bei den Subskalen „körperbezogenen Symbolisierung von Emotionen“ und „imaginative Symbolisierung von Emotionen“ von T1 zu T3, sowie den Subskalen „Aggressivität“ und „Ängstlichkeit“ von T1 zu T2.

Insgesamt zeigte sich in der IG eine signifikant größere Zufriedenheit mit der Intervention zu T2 und T3. Zusätzlich wurde die subjektiv empfundene Lebensqualität in der IG zu T3 signifikant höher eingeschätzt als in der KG. Die gesundheitsökonomische Analyse ergab bei der IG höhere Kosten z. B. durch ambulante Psychotherapiekosten, was der durch wir2Reha stärker gewachsene Selbstachtsamkeit geschuldet sein könnte, die zu einer störungsadäquat angemessenen Inanspruchnahme von psychotherapeutischen Angeboten geführt haben könnte.

Juli 2019 – April 2024 Steigerung der Langzeiteffekte onkologischer Rehabilitation durch eine Nachsorge-App (ReNaApp)

Prof. Dr. Ruth Deck, Universität zu Lübeck

Hintergrund und Zielsetzung

Das Ziel der Studie bestand in der Implementierung und Evaluation einer Reha-Nachsorge-App für Brustkrebspatientinnen. Die App basierte auf dem evaluierten Nachsorgekonzept ‚Neues Credo‘. Sie unterstützte die Rehabilitandinnen bei der langfristigen Steigerung ihrer körperlichen Aktivität mit dem Ziel, Teilhabe und Lebensqualität zu verbessern. Erwartet wurden eine Steigerung der sozialen und beruflichen Teilhabe, eine häufigere und schnellere Rückkehr zur Arbeit, eine Steigerung der Lebensqualität sowie eine Reduktion der körperlichen, psychischen und beruflichen Belastungen, eine günstigere Prognose der Erwerbstätigkeit und eine bessere Arbeitsfähigkeit.

Design und Methodik

Das Mixed-Methods-Design der Studie umfasste die folgenden Elemente: (1) Quasi-randomisierte, prospektive Längsschnittstudie mit zwei Gruppen (jeweils N = 370) und drei Messzeitpunkten (Beginn und Ende der Rehabilitation, nach 12 Monaten). In die Studie eingeschlossen wurden erwerbsfähige Rehabilitandinnen mit Mammakarzinom. Die Patientinnen der Interventionsgruppe erhielten eine Rehabilitation entsprechend der Philosophie des ‚neuen Credo‘ mit Nachsorge unter Verwendung der App. Patientinnen der Kontrollgruppe durchlaufen Standardrehabilitation und Standardnachsorge. Zur Evaluation wurden einschlägige standardisierte Erhebungsinstrumente verwendet (u.a. IMET, EORTC QLQ-BR23, SIBAR II und IV, SPE-Skala, WAI). (2) Qualitative Analyse von Interviews mit Teilnehmerinnen hinsichtlich Akzeptanz und Machbarkeit. (3) Formative Evaluation der App. (4) Gesundheitsökonomische Analysen.

Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten

Langfristig ist von einer steigenden Akzeptanz und Nutzung mobiler Geräte auszugehen. Die für das Projekt entwickelte App kann indikationsspezifisch angepasst und erweitert werden. Die App könnte somit grundsätzlich für alle Personen, die Unterstützung bei der Beibehaltung körperlicher Aktivität im Alltag benötigen, zur Verfügung gestellt werden. Nach Abschluss der Studie kann ein Download der App erfolgen.

Ergebnisse

Sowohl bei den primären als auch den sekundären Zielgrößen zeigten sich mehrheitlich Zeiteffekte, jedoch keine Interaktionseffekte zwischen den Gruppen. Der RTW gelang IG (85%) und KG (82%) zu gleichen Teilen und jeweils nach ca. acht Wochen. Zwölf Monate nach der Rehabilitation hatten die IG-Teilnehmerinnen ihren Umfang von kA statistisch signifikant gesteigert (p<0,01). Die KG hingegen war zum Follow-up ähnlich aktiv wie vor der Rehabilitation. Weiterhin achtete zum Katamnesezeitpunkt die IG signifikant häufiger auf ausreichend kA als die KG (p=0,034). Abseits der ReNaApp nahmen drei Viertel (74%) der IG-Teilnehmerinnen weitere Nachsorgeleistungen in Anspruch, während es in der KG mit 62% signifikant weniger waren (p<0,01). Die Hälfte der Teilnehmerinnen der IG (49,7%) nutzte die Nachsorge-App in den 12 Monaten nach der Rehabilitation. Der häufigste Grund, weshalb die ReNaApp nicht genutzt wurde, war mit 53%, dass eine App nicht benötigt wurde, um körperlich aktiv zu sein. Diejenigen Teilnehmerinnen, die die App in den 12 Monaten nach der Rehabilitation nutzten, waren mit der App und ihren einzelnen Funktionen durchweg zufrieden. 77% der Nutzerinnen bestätigten, dass die ReNaApp ihnen geholfen habe, körperlich aktiv zu sein. Mehr als die Hälfte der Nutzerinnen bewertete die Nachsorge mit der ReNaApp als sehr gut bis gut (60%). Mit Hilfe der Interviews konnten die quantitativen Daten um Kontextinformationen ergänzt werden. Die ReNaApp, familiäre Unterstützung, Spaß an Aktivität und der eigene Hund wurden als Förderfaktoren für kA identifiziert. Zu den Barrieren zählten ein schlechter Gesundheitszustand, private und berufliche Verpflichtungen. Die Akzeptanz und Zufriedenheit mit der ReNa-App war unter Nutzerinnen hoch; körperlich inaktive Personen neigten dazu, die App nicht zu nutzen. Statistiken und das Tagesziel motivierten besonders. Wünsche an die ReNaApp umfassten die Integration einer Erinnerungsfunktion und Übungsvorschläge. In der Fokusgruppe berichteten die Mitarbeitenden, dass eine Adaption des Nachsorgekonzepts an klinikspezifische Anforderungen und die Integration in bestehende Abläufe sehr gut gelang. Optimierungspotenziale bei der Umsetzung sahen die Befragten beim Zeitpunkt der Installation, der Einführungsveranstaltung und einer potenziellen Zielgruppenerweiterung (Heilverfahren; Berufstätige über 60 Jahre).

Die Aussagekraft der gesundheitsökonomischen Evaluation ist gering. Die Evaluation litt einerseits unter fehlenden Angaben und geringen Rückläufen. Andererseits sind die Vergütungsansätze und -systeme sowie die moderierenden Faktoren hochkomplex und der Aufwand für die Recherche, Erfassung und Umrechnung der erhobenen Vergütungssätze zur Ermittlung von anwendbaren Verrechnungssätzen enorm hoch. Der Aufwand in einem DRV geförderten Projekt erscheint unverhältnismäßig in Bezug auf die Aussagekraft und möglicherweise auch Relevanz der ermittelten Ergebnisse entsprechende Analysen.

Förderung durch das BMBF

2020 - 2024 Effektivität und Kosten-Effektivität eines Web-basierten Routineassessments mit integrierten Handlungsempfehlungen für Depression und Angst (RehaCAT+) (Förderung durch BMBF)

Prof. Dr. Harald Baumeister, Universität Ulm:

Das bereits eingesetzte Web-basierte Routineassessment RehaCAT wird erweitert und überprüft.

2020 - 2024 Berufliche Teilhabe sichern: Frühe Intervention und arbeitsplatzbezogene Rehabilitation psychisch erkrankter Beschäftigter (REHA-PSYCH)“ (Förderung durch BMBF)

Prof. Dr. Harald Gündel, Universitätsklinikum Ulm

Eine arbeitsplatzbezogene Sprechstunde für Beschäftigte mit psychischen Erkrankungen mit ggf. anschließender beruflich orientierter Rehabilitation wird entwickelt und bewertet.