Deutsche Rentenversicherung

Netzwerken in der beruflichen Rehabilitationsforschung

Netzwerke gehören zum beruflichen Kontext: Im Forschungsschwerpunkt "Weiterentwicklung der beruflichen Rehabilitation" werden sie im Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis gelebt. Begleitende Aktivitäten wie gemeinsame Veranstaltungen sollen die Zusammenarbeit zwischen den geförderten Projekten, den Mitarbeitenden der beteiligten Rentenversicherungsträger und aus den Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation stärken.

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Netzwerktreffen in Erkner

Welche Rolle hat der Reha-Beratungsdienst im Prozess der beruflichen Rehabilitation? Wie kommen Forschende an statistische Daten zur beruflichen Rehabilitation? Was haben Taschentücher mit Forschung nach wissenschaftlichen Standards zu tun? Und könnte eine Spielzeugmünze einen unbezahlbaren Einfluss auf die Fähigkeiten von Teilnehmenden einer beruflichen Rehabilitation haben? Im Juli trafen sich die Forschenden der zehn wissenschaftlichen Projekte, die im Forschungsschwerpunkt „Weiterentwicklung der beruflichen Rehabilitation“ gefördert werden in Erkner zum ersten Vernetzungstreffen in Präsenz.

Prof. Dr. Matthias Bethge, Universität zu Lübeck, stellte fallbezogene Analysen und Ergebnisse des Forschungsprojektes „Individuelle Verläufe von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (IV-LTA)“ vor. Die statistischen Zahlen zeigen: rund 405.000 Anträge für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben gingen im Jahr 2019 bei der Rentenversicherung ein. Im Corona-Jahr 2020 erreichte die Zahl der Anträge 365.500. Die Höhe der Bewilligungen passte sich entsprechend an: 2019 wurden rund 265.000 Anträge genehmigt, 2020 waren es knapp 249.000. Die Zahl der abgeschlossenen Leistungen lag in 2019 bei 135.000 Leistungen. Rund 10.000 Leistungen weniger wurden in 2020 beendet. Auf Basis dieser Entwicklungen hatten sich acht Rentenversicherungsträger zusammengeschlossen, um erstmals einen gemeinsamen, Rentenversicherungsträgerübergreifenden Forschungsschwerpunkt ins Leben zu rufen. Begleitaktivitäten wie gemeinsame Veranstaltungen sollen die Zusammenarbeit zwischen den geförderten Projekten, den Mitarbeitenden der beteiligten Rentenversicherungsträger und aus den Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation stärken, um den Nutzen des Forschungsschwerpunkts, der bis Ende 2026 angelegt ist, für die Wissenschaft und die Praxis zu erhöhen.

Dr. Torsten Alles und Dr. David Bühne vom iqpr – Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation GmbH an der Deutschen Sporthochschule Köln entwickeln und evaluieren im Projekt „WORKout“ ein individuelles, berufsbezogenes, körperliches Training per App zur Förderung der beruflichen Teilhabe im Kontext beruflicher Rehabilitation. Denn die Wiedereingliederung in Arbeit nach beruflicher Rehabilitation setzt auch körperliche Leistungsfähigkeit voraus. Vor allem bei Qualifizierungen in Berufen mit spezifischen körperlichen Belastungen wie Werkstattberufen unterscheiden sich die Anforderungen innerhalb der Ausbildung deutlich von denen im späteren Berufsleben. Eine Trainings-App soll hier helfen mit Übungen die Fitness zu erhöhen und beispielsweise den Gleichgewichtssinn und die Feinmotorik zu verbessern. Die Wissenschaftler haben im Projekt einen Selbsttest zur Einschätzung der körperlichen Fähigkeiten entwickelt. Das Besondere: handelsübliche Haushaltsgegenstände werden zum Trainingsgegenstand. Eine Spielzeugmünze soll in einer vorgegebenen Zeit mit drei Fingern schnell und sicher gewendet werden, um die Feinmotorik zu trainieren. Ein Paket Taschentücher auf dem Boden wird dagegen zum Balanceakt für den Körper, wenn eine Hand es berühren muss, während ein Bein den Boden verlässt. Den aktuellen Entwicklungsstand ihres Projektes präsentierten Alles und Bühne in Erkner und diskutierten mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beispielsweise über Motivationsstrategien und andere Hürden in der Umsetzung der Projekte.

Über die Rolle des Reha-Beratungsdienstes im Prozess der beruflichen Rehabilitation referierte Thomas Trinks, stellvertretender Leiter des Reha-Beratungsbereiches Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, und widmete sich anschließend in einer „Praxisreflektion“ den Chancen und Herausforderungen, vor denen einzelne der geförderten Projekte stehen. Prof. Dr. Heike Ohlbrecht von der Universität Magdeburg analysierte in einem Workshop mit den Forschenden qualitative Erhebungs- und Auswertungsmethoden im Kontext der beruflichen Rehabilitation. Katharina Werhan und Sebastian Ellert vom Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung stellten ihr Angebot an prozessproduzierten Datensätzen vor, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf Antrag bereitgestellt werden können für Forschungsfragen. In ihrem Vortrag konzentrierten sie sich auf die Daten zur beruflichen Rehabilitation und gingen auf die gezielten Fragen der Forschenden zu ihren Projekten ein.

Bildergalerie vom Netzwerktreffen in Erkner

Erkner_FSP_BerReha_03Erkner_FSP_BerReha_03Quelle: Raphael Gödecke / DRV Bund

Impulse für die berufliche Rehabilitation: Auftakt in Münster

Die berufliche Rehabilitation der Rentenversicherung zielt auf eine dauerhafte Eingliederung von Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen in das Erwerbsleben. „Die Leistungen zur beruflichen Rehabilitation haben in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren an Bedeutung gewonnen“, betonte Brigitte Gross, Direktorin der Deutschen Rentenversicherung Bund, am Mittwoch während der Auftaktveranstaltung des Forschungsschwerpunktes „Weiterentwicklung der beruflichen Rehabilitation“ im Rahmen des 31. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquiums in Münster. Acht Träger der Deutschen Rentenversicherung haben erstmals einen gemeinsamen Forschungsschwerpunkt ins Leben gerufen. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse für zukunftsfähige Leistungen und Prozesse in der beruflichen Rehabilitation zu entwickeln. Seit Oktober 2021 werden insgesamt zehn Forschungsprojekte gefördert.

Die Aufwendungen für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben steigen jährlich konstant an und lagen im Jahr 2019 bei 1,3 Mrd. Euro. Für die Rentenversicherung hat daher die kontinuierliche evidenzbasierte Weiterentwicklung ihrer Leistungen eine hohe Bedeutung. „Wir brauchen Forschungsergebnisse, die uns Aufschluss über die Wirksamkeit unserer Leistungen geben und neue Erkenntnisse, die bislang unerkannte Bedarfe identifizieren und zeigen, mit welchen Reha-Angeboten darauf reagiert werden kann“, sagte Brigitte Gross beim Forschung-Praxis-Dialog. Sie diskutierte mit Prof. Dr. Heike Ohlbrecht, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Andreas Flegel vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Dr. Susanne Gebauer, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Berufsförderungswerke und Geschäftsführerin des Berufsförderungswerks Nürnberg, und Dr. Marco Streibelt, Leiter des Dezernats Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund, über die wissenschaftliche, praktische, aber auch politische Bedeutung des neuen Forschungsschwerpunktes. Einführend hielt Prof. Dr. Ohlbrecht einen Impulsvortrag zum Thema „Welche Arbeit braucht der Mensch? Zum Wandel der Arbeitswelt(en) und den Herausforderungen für die berufliche Rehabilitation“. Die Wissenschaftlerin lobte die Rentenversicherung für diese Initiative, die berufliche Rehabilitation zu stärken und sichtbarer zu machen.

Untersucht werde in den einzelnen Projekten das Management in Zugangswege in die berufliche Rehabilitation und den Übergängen zwischen den Leistungen, die Relevanz komplexer und diskontinuierlicher Fallgestaltungen, die Rolle bestimmter Berufsgruppen und die Bedeutung der von ihnen erbrachten Leistungen. Aber auch konkrete Konzepte und Interventionen werden von den Forschenden evaluiert, erklärte Dr. Streibelt. Er wies auch auf die Bedeutung der Vernetzung innerhalb der beruflichen Rehabilitation und des neu aufgesetzten Forschungsschwerpunktes hin, dessen Projekte bis 2026 laufen werden. „Wir sind mit den Forschenden eng in Kontakt, bieten Veranstaltungen zum Austausch und Workshops zu begleitenden Themen an. Methoden-Werkstätten gehören ebenfalls dazu, um besonders den wissenschaftlichen Nachwuchs einzubeziehen“, nannte er Beispiele.

Die beteiligten Rentenversicherungsträger investieren insgesamt rund 4,5 Mio. Euro in die zehn geförderten Projekte. „Wir möchten damit einen starken Impuls setzen, der die Forschung in diesem Feld unterstützt und nachhaltig verstärkt“, machte Brigitte Gross deutlich.

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