Aktuelle Forschungsprojekte
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Das Dezernat Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund fördert als Grundsatz- und Querschnittsaufgabe Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Rehabilitation. Wissenschaftliche Exzellenz und Nutzen für die Entwicklung der rehabilitativen Versorgungspraxis sind zentrale Kriterien für eine Förderung. Beantragte Fördermittel werden nach einem Prüfungs- und Bewilligungsverfahren in Form von Zuwendungen der Deutschen Rentenversicherung zur Förderung von Forschung zur Rehabilitation vergeben. Forschungsprojekte, die aktuell durch den Geschäftsbereich Prävention, Rehabilitation und Sozialmedizin außerhalb von Förder- und Forschungsschwerpunkten gefördert werden, finden Sie hier.
Aktuell geförderte Forschungsprojekte
Oktober 2026 bis September 2028 - Evaluation und anwendungsspezifische Optimierung einer App-basierten digitalen kinematischen Bewegungsanalyse in der neurologischen und orthopädischen Rehabilitation (Opti-KiRe-App)
Prof. Dr. med. Joachim Liepert, Lurija-Institut für Rehabilitationswissenschaften und Gesundheitsforschung, Allensbach
Ziele/Fragestellungen
Für Fragestellung 1 und Fragestellung 5:
Als Hauptzielgröße wird die Doppelschrittlänge definiert. Diese ist bei Schlaganfall (z.B. Shu et al., 2022), Parkinson-Krankheit (z.B. Cosentino et al, 2023), Multipler Sklerose (z.B. Comber et al., 2017), Polyneuropathien (z.B. Vilas-Boas et al., 2019), Hüftgelenk-Ersatz (Zügner et al., 2024) pathologisch verändert. Für Patient:innen mit Subkortikaler vaskulärer Leukencephalopathie wurden in der Literaturrecherche keine Daten gefunden, aufgrund des klinischen Bildes eines breitbasigen, kurzschrittigen Ganges ist jedoch davon auszugehen, dass auch bei diesem Krankheitsbild eine pathologische Doppelschrittlänge zu finden ist. Die weiteren kinematischen Parameter (Kadenz, Schrittlänge, Schrittdauer, Doppelschrittdauer, Gehgeschwindigkeit) und die Winkelmessungen von Hüft-, Knie- und Sprunggelenk sowie die klinischen Assessments dienen als sekundäre Zielgrößen. Die Operationalisierung erfolgt durch die App und das RehaGait-System.
Für Fragestellung 2 und Fragestellung 3:
Als Hauptzielgröße wird die Doppelschrittlänge definiert. Die weiteren kinematischen Parameter (Kadenz, Schrittlänge, Schrittdauer, Doppelschrittdauer, Gehgeschwindigkeit) und die Winkelmessungen von Hüft-, Knie- und Sprunggelenk sowie die klinischen Assessments dienen als sekundäre Zielgrößen. Die Operationalisierung erfolgt durch die App.
Für Fragestellung 4:
Als Hauptzielgröße wird die Nutzbarkeit (Usability) der App definiert. Die Operationalisierung erfolgt durch Anwendung der System Usability Scale
Methoden
Die Rekrutierung der neurologischen Patient:innen erfolgt über das Lurija-Institut sowie über die kooperierenden Kliniken Kliniken Schmieder Allensbach und Kliniken Schmieder Konstanz. Für die Identifizierung der Patient:innen wird das Klinikinformationssystem genutzt. Die verschiedenen Krankheitsbilder werden anhand der jeweiligen ICD-Verschlüsselungen herausgesucht. Dann erfolgt ein Screening bezüglich der Erfüllung der Ein- und Ausschlusskriterien. Danach wird der Patient/die Patientin aufgesucht, über die Studie informiert und Ein- und Ausschlusskriterien nochmals überprüft. Es werden fünf Patient:innengruppen untersucht: Schlaganfall (n=50), Multiple Sklerose (n=50), Parkinson-Erkrankung (n=30), periphere Neuropathien (n=30) sowie subkortikale Encephalopathie (n=30).
In den Klinik-Standorten Allensbach und Konstanz wurden 2025 1.479 Schlaganfall-Patient:innen (ICDs: I61 I63, I69), 928 Patient:innen mit Multipler Sklerose (ICD: G35), 307 Parkinson-Patient:innen (ICD: G20), 265 Polyneuropathie-Patient:innen (ICDs: G60, G61, G62, G64) sowie 368 Patient:innen mit einer subkortikalen Encephalopathie (ICD: I67) stationär behandelt. Somit ist sichergestellt, dass die Rekrutierung der avisierten Teilnehmer-Zahl in den Kliniken Schmieder problemlos möglich ist.
In der Birkle-Klinik für Orthopädische Rehabilitation werden ICD-Verschlüsselungen und das Klinikorganisationssystem (Fa Potthoff GmbH) genutzt, um prinzipiell geeignete Patient:innen zu identifizieren. Dann erfolgt ein Screening bezüglich der Erfüllung der Ein- und Ausschlusskriterien. Danach wird der Patient/die Patientin aufgesucht, über die Studie informiert und Ein- und Ausschlusskriterien nochmals überprüft. In der Birkle-Klinik wurden 2025 505 Patient:innen mit Z. n. einer Hüft-TEP-Implantation und 543 Patient:innen mit Z. n. einer Knie-TEP-Implantation (ICD: Z96) behandelt. Somit gilt auch für die Birkle-Klinik, dass die avisierte Stichprobengröße problemlos erreicht werden kann.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
noch zu definieren
Kooperation
keine
August 2026 bis Januar 2027 - Vorhersage psychosozialer Langzeitbelastung und relevanter Teilhabeeinschränkungen bei Brustkrebs-Rehabilitandinnen: Entwicklung eines Prädiktionsmodells
Dr. David Fauser und Dr. Mercedes Rutsch, Universität zu Lübeck Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
Ziele/Fragestellungen
Ziel des Vorhabens ist zunächst die Entwicklung eines prädiktiven Screening-Instruments zur frühzeitigen Identifikation von Rehabilitandinnen mit Brustkrebs, die neben anhaltend hohen psychosozialen Belastungen auch ein gesteigertes Risiko für Einschränkungen der beruflichen Teilhabe aufweisen. Grundlage bildet eine vorangegangene Clusteranalyse, auf deren Basis eine Prädiktorenanalyse durchgeführt wird. Hierdurch sollen Merkmale am
Leitfaden Projektskizzen (DRV Bund, Dezernat 0420 – Reha-Wissenschaften) Stand: 29.01.2025 5
Rehabilitationsbeginn identifiziert werden, die die Zugehörigkeit zum hochbelasteten Cluster vorhersagen können.
Auf Basis der identifizierten Prädiktoren wird ein zeitökonomisches Screening-Tool entwickelt und in der Asklepios Nordseeklinik Westerland getestet. Hierbei stehen insbesondere die Verständlichkeit des Fragen-Sets seitens der Rehabilitandinnen und Machbarkeit im Rehabilitationsalltag im Vordergrund.
Ergebnis des Projekts sind ein Screening-Instrument zur Risikoeinschätzung sowie die wissenschaftliche Aufbereitung der Befunde. Darüber hinaus werden erste Designideen für künftige Forschungsvorhaben erarbeitet, deren Grundlage die neugewonnenen Erkenntnisse, klinische Expertise und theoretische Überlegungen bilden.
Methoden
Ziel des ersten Projektabschnitts ist die Entwicklung eines statistischen Prädiktionsmodells zur Identifikation von Brustkrebsrehabilitandinnen zu Rehabilitationsbeginn, die eine hohe psychische Belastung und Einschränkungen der beruflichen Teilhabe aufweisen.
Datengrundlage bilden die Sekundärdaten (Fragebogendaten) der ReNaApp-Studie. Es liegen anonymisierte Längsschnittdaten von N = 437 Rehabilitandinnen im Alter von 18 bis 60 Jahren aus fünf onkologischen Rehabilitationseinrichtungen vor, die eine Anschlussrehabilitation durchlaufen haben. Die Erhebungen erfolgten zu Rehabilitationsbeginn, -ende sowie ein Jahr nach Abschluss der Maßnahme.
Leitfaden Projektskizzen (DRV Bund, Dezernat 0420 – Reha-Wissenschaften) Stand: 29.01.2025 6
Im Vorfeld wurde eine explorative Clusteranalyse durchgeführt, um homogene Subgruppen hinsichtlich zentraler patientenberichteter Outcomes zu identifizieren. Die Bestimmung der Clusteranzahl erfolgte mittels hierarchischer Clusteranalyse nach dem Ward-Verfahren. Die finale Clusterbildung wurde mit einer k-Means-Analyse vorgenommen. Die resultierenden Clusterprofile sind im Forschungshintergrund dargestellt.
Im vorliegenden Projekt soll nun die Ableitung eines Prädiktionsmodells für die Zugehörigkeit zum hochbelasteten Cluster 3▲ erfolgen. Die Prädiktionsanalyse umfasst eine binär logistische Regression, in der die Zugehörigkeit zum hochbelasteten Cluster (Cluster 3▲) versus alle übrigen Rehabilitandinnen als abhängige Variable dient. Potenzielle Prädiktoren werden a priori theoriegeleitet aus den soziodemografischen Merkmalen, krankheitsbezogenen Variablen, Komorbiditäten sowie PROMs und Einzelitems zu Rehabilitationsbeginn gewählt. Zur Vermeidung von Überanpassung werden nur fachlich begründete und statistisch geeignete Variablen in das Modell aufgenommen. Redundante Prädiktoren werden geprüft und gegebenenfalls ausgeschlossen. Die Modellgüte wird anhand der Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen hochbelasteten und nicht-hochbelasteten Patientinnen (AUC) sowie der Übereinstimmung zwischen vorhergesagten und beobachteten Wahrscheinlichkeiten bewertet.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
noch zu definieren
Kooperation
keine
Juli 2026 bis März 2031 - Bedarfs- und bedürfnisgerechte Reha-Inanspruchnahme und Schnittstelle Rehabilitation und Arbeit in Deutschland (lidA 5 – DRV-Reha)
Prof. Dr. med. Hans Martin Hasselhorn, Fachgebiet Arbeitswissenschaft, Bergische Universität Wuppertal
Ziele/Fragestellung
Die geplante fünfte Welle hat drei unterschiedliche Themenbereiche:
A) Längsschnittlicher Zusammenhang zwischen Reha-Wunsch, Reha-Antragsintention und Reha-Antragstellung
B) Schnittstelle medizinische Reha und Arbeit – Übergangsmanagement
C) Prädiktive Validierung eines Instrumentes zur Erhebung des Reha-Bedarfs
Methoden
Es werden sozialversichert Beschäftigte der deutschen Baby-Boomer-Kohorten der Jahrgänge 1959, 1965 und (seit 2022) die Geburtskohorte 1972 in ca. 3-5-Jahres-Abständen befragt.
Die Interviews werden 2027 durchgeführt; es wird von einer Teilnehmendenzahl von knapp 6.500 ausgegangen, von denen voraussichtlich etwa 1.250 in den vergangenen vier bis fünf Jahren eine Reha in Anspruch genommen haben. Es wird eine Einverständniserklärung zur Zuspielung von RV-Routinedaten eingeholt.
In dieser 5. Welle werden zudem von 10/2027 – 10/2030 alle drei Monate Online-Befragungen aller Erwerbstätigen der Jahrgänge 1965 und 1971 stattfinden (insg. 13 Befragungen), vor allem, um die Fragestellung zur Schnittstelle Rehabilitation und Arbeit zu unterfüttern.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
Der Antrag greift relevante und aktuelle Themen auf, die eine hohe Relevanz für aktuelle strategische Ziele der Rentenversicherung aufweisen. Zudem steigert die Fortführung des Panels den Wert der früheren Befragungen: Es wird ein signifikanter Lebensabschnitt von insgesamt etwa 20 Jahren im Leben der – repräsentativ ausgewählten – Befragten abgebildet. Dies ermöglicht vielfältige weitere Analysen zu Prävention, Rehabilitation und Rente im Kontext des demografischen Wandels. Es ist ein weiterer SUF geplant, der über das FDZ-RV Forschenden zugänglich gemacht werden soll.
Mai 2026 bis Dezember 2026 - Return to Work nach Implantation einer inversen Schulterprothese (RSA): Analyse berufsspezifischer Schulterbelastungen im Abgleich mit postoperativ erreichbarer Beweglichkeit bei Pflegekräften
PD Dr. med. habil. Kilian List, Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus, Würzburg
Ziele/Fragestellungen
Ziel des Projekts ist es, auf Basis berufsspezifischer Schulterbewegungsmuster in der Pflegebranche zu evaluieren, inwiefern die nach Implantation einer inversen Schulterprothese (engl. Reverse Shoulder Arthroplasty, RSA) erreichbare Beweglichkeit (engl. Range of Motion, ROM) eine berufliche Wiedereingliederung ermöglicht. Dadurch sollen differenzierte Empfehlungen für medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitationskonzepte (MBOR) entwickelt werden. Der initiale Fokus liegt auf der Berufsgruppe der Pflegekräfte.
Methoden
1. Erhebung und Auswertung von Fragebögen, die typische Schulterbelastungen bei pflegerischen Tätigkeiten identifizieren.
2. Erfassung berufstypischer Schulterbewegungen bei gesunden Proband*innen aus der Zielberufsgruppe (Pflegekräfte) mittels 3D-Motion-Capture.
3. Modellierung des postoperativ erreichbaren Bewegungsausmaßes (ROM) nach inverser Schulterprothese (RSA) auf Basis vorhandener präoperativer Blueprint-CT-Daten von Patient*innen mit RSA.
4. Vergleich der erhobenen 3D-Motion-Capture-Daten mit den modellierten Blueprint-CT-Daten, um die Übereinstimmung zwischen beruflicher Anforderung und postoperativ erreichbarer Beweglichkeit systematisch zu analysieren.
5. Perspektivisch (nicht Teil des Projekts): Validierung der Ergebnisse durch 3D-Motion-Capture-Messungen bei Patient*innen mit implantierter RSA während realer Pflegetätigkeiten.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
Die Ergebnisse ermöglichen:
- eine systematische Klassifikation beruflicher Anforderungen im Pflegebereich (uneingeschränkte Rückkehr / Rückkehr mit Modifikation / Rückkehr nicht möglich),
- individualisierte Empfehlungen für Rehabilitationsverlauf und berufliche Wiedereingliederung,
- die gezielte ärztliche Beratung zu Hilfsmitteln oder Arbeitstechnikmodifikationen zur Ermöglichung einer Rückkehr an den Arbeitsplatz.
Kooperation
keine
November 2025 bis Oktober 2026 - Einsatz von Videografiesystemen in der körperlichen MBOR-Diagnostik: Machbarkeit und Akzeptanz
Dr. Torsten Alles, Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation iqpr GmbH
Ziele/Fragestellungen
Es sollen Grundlagen für eine KI-gestützte Nutzung von Videografiesystemen für die Diagnostik in der (beruflich orientierten) medizinischen Rehabilitation geschaffen werden. Die Ziele des Projekts liegen daher in
1) einer Prüfung datenschutzrechtlicher Voraussetzungen sowie der Entwicklung datenschutz-konformer Materialien,
2) einer Prüfung der Praktikabilität und des subjektiven Nutzens seitens der Reha-Akteure,
3) Einblicken in die Akzeptanz seitens der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden sowie
4) der Erstellung einer Sammlung von Videosequenzen zur Prüfung, ob auf einer solchen Basis KI-Modelle für die technisch unterstützte Interpretation von Beanspruchungszeichen entwickelt werden können.
Methoden
Arbeitspaket 1: Initial werden die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen geprüft. Teilnehmerinformationen sowie informierte Einwilligungserklärungen werden in zwei Varianten erstellt (mit / ohne zusätzliche Verwendung für die Entwicklung von KI-Modellen).
Arbeitspaket 2: Nach Fertigstellung der Materialien werden diese den Kooperationspartnern inklusive des Eventvideografiesystems EVS übermittelt. Die EVS-Nutzung wird im Rahmen einer kurzen Schulung via Teams vermittelt.
Arbeitspaket 3: In der folgenden Phase findet eine Erprobung innerhalb der Einrichtungen über eine Dauer von drei Monaten statt. Angestrebt wird, dass innerhalb dieser Erprobung mindestens 20 Videosequenzen für die acht häufigsten FCE-Tests erzeugt werden.
Arbeitspaket 4: Zur Untersuchung der Akzeptanz (seitens der Reha-Akteure sowie der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden) sowie des Nutzens von Videografiesystemen in der Eingangs- bzw. Abschlussdiagnostik werden nach Abschluss der Erprobung zwei Fokusgruppen mit jeweils vier bis acht MBOR-Akteuren durchgeführt.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeit
Grundsätzlich wird die eingesetzte Videografierungstechnik (EVS) als ausdrücklich kostengünstiges Kaufprodukt für alle Rehabilitationseinrichtungen zur Verfügung stehen.
Juli 2025 bis Juni 2028 - Wirksamkeit psychosomatischer Rehabilitation: Eine Längsschnitts-Studie mit Warte-Kontrollgruppe (WIPSOR)
Prof. Dr. Erik Farin-Glattacker, Dr. Christian Schlett, Universitätsklinikum Freiburg
Ziele/Fragestellungen
Hauptfragestellung:
- Verbessert eine psychosomatische Rehabilitation das psychische Befinden und die berufliche Reintegration?
Nebenfragestellungen:
- Welche strukturellen und welche personenbezogenen Merkmale beeinflussen die Wartezeit bis eine bewilligte psychosomatische Rehabilitation angetreten wird?
- Beeinflusst die Wartezeit die Wirksamkeit einer psychosomatischen Rehabilitation?
- Wer profitiert von psychosomatischer Rehabilitation mehr, wer weniger?
Methoden
- Datenerhebung: Längsschnittstudie mit Online-Befragungen im Abstand von 6 Wochen über 14 Monate (insgesamt bis zu 12 Befragungen)
- Verknüpfung der Befragungsdaten mit den Routine-Daten der DRV (RSD)
- Stichprobe: Personen, die bei den drei Trägern versichert sind und eine psychosomatische Rehabilitation bewilligt bekommen haben (N = 1.000)
- Einschlusskriterien: Erteiltes Einverständnis zur Studienteilnahme, volljährig, hinreichende Deutschkenntnisse
- Ausschlusskriterien: Spezialleistungen wie RPK, Maßnahmen bei Abhängigkeitserkrankungen.
- Zielgrößen: a) psychisches Befinden, b) berufliche Reintegration und Arbeitsfähigkeit
- Analyseverfahren:
- Warte-Kontrollgruppenvergleich mit Propensity Score-Matching zur Prüfung des Effekts zum Ende der Rehabilitation (Prä-Post)
- Wachstumskurvenmodelle mit diskontinuierlicher Veränderung zur Prüfung der Effekte bis 3 und 6 Monate nach Ende der Rehabilitation (Prä-Post-Follow-Ups)
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
- Erweiterung der Evidenz zur Wirksamkeit der psychosomatischen Rehabilitation
- Hinweise zu Verbesserungsbedarfen bei Subgruppen
- Erkenntnisse zu den Ursachen für einen verzögerten Reha-Beginn, deren Berücksichtigung zur Verringerung der Wartezeiten beitragen könnte
Kooperation
keine
Januar 2025 bis Dezember 2028 - Postakute Rehabilitation für Schwerst- /Mehrfachverletzte im Anschluss an die Behandlung im Krankenhaus zur schnellstmöglichen Erreichung der Rehabilitationsfähigkeit für eine AHB/AR (PATRonus Postakute Trauma Rehabilitation)
Dr. Ing. Christine Höfer, Studienzentrum der AUC-Akademie der Unfallchirurgie
Wissenschaftliches Board: Prof. Dr. B. Kladny, Prof. Dr. B. Greitemann, Prof. Dr. K. Dreinhöfer, PD Dr. M. Liebl, Prof. Dr. J. Sturm
Ziele/Fragestellungen
Führt eine unmittelbar an die akutstationäre Behandlung von Schwerst- und Mehrfachverletzten anschließende postakute Trauma-Rehabilitation zu einer höheren Quote an in Anspruch genommener AHB/AR (primärer Endpunkt). Sekundäre Endpunkte ist die Frage ob die Postakute Reha zu einem früheren Antritt einer AHB/AR führt.
Außerdem werden folgende Fragen untersucht:
- Welche der eingeschlossenen Patienten profitieren von der Versorgung?
- Resultiert eine verbessere gesundheitsbezogene Lebensqualität?
- Wie ist die Postakute Rehabilitation auszugestalten?
Methoden
Nicht-randomisierte interventionelle, prospektive Cluster-Kontrollstudie, ergänzt durch Abrechnungsdaten der Probanden.
Prozessevaluation
Rekrutierung Patienten in Akutkliniken. Erhebung klinischer Daten aus Akutaufenthalt und postakuter Reha (Intervention). Patientenbefragungen schriftlich bzw. online an 3 (Intervention) bzw. 2 (Kontrolle) Zeitpunkten: Ende Akutaufenthalt, Ende Postakute Reha (nur Intervention), 6 Monate nach Entlassung Akutaufenthalt. Erhebung klinischer und soziodemographischer Daten sowie Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeit
Verbesserung der Patientenversorgung, frühere Herstellung der Rehabilitationsfähigkeit. Bei Übernahme in die Regelversorgung: Gesteuertes Ausrollen des Versorgungskonzepts. Schaffen der Struktur und geeignete Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland, die dem interdisziplinär erarbeiteten Anforderungskatalog zur postakuten Traumarehabilitation erfüllen.
Januar 2025 bis Januar 2028 - Hybride psychosomatische Rehabilitation – Manualisierung und Evaluation (HypeR-ME)
Prof. Dr. Ruth Deck, Universität zu Lübeck Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
Ziele/Fragestellung
Es wird Nutzen und Wirksamkeit der Hybrid-Reha untersucht. Dafür werden u. a. gesundheitsbezogene Veränderungen durch die hybride Rehabilitation bei den Betroffenen 12 Monate nach der Reha untersucht.
Methoden
Prospektive, multizentrische, kontrollierte Interventionsstudie mit drei Messzeitpunkten (zu Beginn der Reha, am Ende der Reha und nach 12 Monaten) im Mixed Methods Design mit leitfadengestützten Längsschnittinterviews mit Rehabilitand*innen und Fokusgruppen mit Reha-Personal
Datenanalyse mithilfe deskriptiver Analysen, chi-Quadrat-Tests und t-Tests für Subgruppenanalysen, Varianzanalysen mit Messwiederholung bei Verlaufsdaten; qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
Das erarbeitete hybride Versorgungskonzept soll nach dem Wirksamkeitsnachweis in einem Transfermanual aufbereitet und interessierten Reha-Einrichtungen zugänglich gemacht werden, um eine selbstständige Implementierung zu ermöglichen. Zudem kann das Studiendesign als Blaupause für Folgestudien dienen und die Erforschung des Einsatzes bei anderen Indikationen erleichtern. Ferner sollte im Hinblick auf die wachsende Bedeutung neuer Medien das hybride Versorgungskonzept als Leistung für die Regelversorgung für Versicherte zugänglich gemacht werden.
Januar 2025 bis Dezember 2027 - Begleitende Unterstützung der Rückkehr in Arbeit nach Post-COVID-Rehabilitation: eine clusterrandomisierte Machbarkeitsstudie (RTW-PCR)
Prof. Dr. Matthias Bethge und Dr. David Fauser, Universität zu Lübeck Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
Ziele/Fragestellung
Die Studie untersucht die Auswirkungen einer Intervention auf die subjektive Arbeitsfähigkeit von Post-COVID-Rehabilitanden im Vergleich zur herkömmlichen Behandlung. Die primäre Forschungsfrage fokussiert auf den Work Ability Score nach 18 Monaten. Sekundäre Fragen betreffen Rekrutierung, Teilnehmenden-Charakteristika, Umsetzung und Wahrnehmung der Intervention sowie weitere Versorgungsbedarfe. Machbarkeitskriterien umfassen eine hohe Rekrutierungsrate (≥ 80 %), geringe Abbruchquote (< 20 %), erfolgreiche Wiedereingliederung (≥ 80 %), hohe Rücklaufquote der Nachbefragung (≥ 70 %) und vollständige Teilnehmenden-Gewinnung innerhalb von acht Monaten (≥ 90 % von 154 geplanten Personen).
Methoden
Zur Klärung der Fragestellungen wird eine multizentrische clusterrandomisierte Machbarkeitsstudie durchgeführt. Teilnehmende werden in Kalendermonaten (Cluster) zum Ab-schluss der Post-COVID-Rehabilitation zufällig Interventions- (IG) oder Kontrollgruppen (KG) zugewiesen. Stichprobenmerkmale und Zielkriterien werden zu drei verschiedenen Messzeit-punkten erhoben: am Rehabilitationsende (T0) sowie zwölf (T1) und 18 Monate (T2) nach randomisierter Zuweisung in die Behandlungsarme.
Darüber hinaus werden qualitative leitfadengestützte Interviews mit Teilnehmenden der IG zu zwei Messzeitpunkten geführt: zum Studieneinschluss sowie zwölf Monate nach randomisierter Zuweisung.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
Prüfung von Wirksamkeit und Generierung von Erkenntnissen zur Akzeptanz und Umsetzung der neu entwickelten Maßnahme. Die Erkenntnisse können für die Weiterentwicklung evidenzbasierter Handlungsempfehlungen für Personen mit Post-COVID-Syndrom genutzt werden und bilden eine Grundlage für die bundesweite Verstetigung ähnlicher Konzepte.
Januar 2025 bis Dezember 2026 - Fortentwicklung des Peer Review-Verfahrens zur Qualitätssicherung der sozialmedizinischen Begutachtung bei Erwerbsminderungsanträgen der Deutschen Rentenversicherung (PREM)
Prof. Dr. Heiner Vogel, AG Rehabilitationswissenschaften im Zentrum für Psychische Gesundheit, Universitätsklinikum Würzburg
Ziele/Fragestellung
Weiterentwicklung des etablierten Peer Review-Verfahrens mit der Ausrichtung, vorhandene Ressourcen optimal einzusetzen.
Methoden
Retrospektive Analyse von Peer Review-Daten aus vergangenen Review-Zyklen, Kognitive Interviews, Expertenworkshops.
Deskriptiv-statistische Auswertungsverfahren, psychometrische Strukturanalyse; Reliabilitätsanalyse (Interrater-Reliabilität), qualitativ-inhaltsanalytisch orientierte Auswertungsverfahren.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
Weiterentwicklung des langjährig etablierten Qualitätssicherungsverfahren der sozialmedizinischen Begutachtung der DRV gemäß aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und dem optimiertem Einsatz vorhandener Ressourcen.
Januar 2025 bis Dezember 2026 - Effekte und Determinanten der Inanspruchnahme von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben: eine Propensity Score Analyse (LTA-PRO)
Prof. Dr. Matthias Bethge und Dr. David Fauser, Universität zu Lübeck Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
Ziele/Fragestellung
Das Projekt hat zum Ziel, die Determinanten der Inanspruchnahme und die Teilhabeeffekte von LTA bei Personen nach abgeschlossener medizinischer Rehabilitation zu untersuchen.
Methoden
Die Studie basiert auf einer Sekundärdatenanalyse mit längsschnittlichem Design. Dafür wird die Reha-Statistik-Datenbasis der Rentenversicherung (RSD) für die Jahre 2013-2020 (abgeschlossene Rehabilitationen und bewilligte Renten) sowie 2010-2020 (Versicherungsbeiträge und Beitragszeiten) eingesetzt.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
Die Ergebnisse ermöglichen eine Einschätzung der Effekte von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben auf die berufliche Teilhabe im Anschluss an eine medizinische Rehabilitation sowie die Identifizierung von Personengruppen, die von Leistungen stärker profitieren als andere.
April 2024 bis März 2027 - Berufsbezogene Gesundheitsrisiken und Leistungszugänge – Eine Mixed-Methods-Analyse zur Optimierung von Prävention und Rehabilitation (PRiO Beruf)
Prof. Dr. Christian Ebner, Technische Universität Braunschweig
Ziele/Fragestellungen
Ziel des Projekts ist es, Erkenntnisse zur berufsgruppenspezifischen Optimierung des Reha-Systems herauszuarbeiten. Dazu wird erstens eine detaillierte Analyse berufsgruppenspezifischer Belastungen und Erkrankungen durchgeführt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zweitens werden die Möglichkeiten des Zugangs zu Reha- und Präventionsleistungen für besonders belastete Berufsgruppen untersucht und Optimierungsansätze in Form von Handlungsempfehlungen dokumentiert.
Methoden
Das Vorhaben ist als Mixed-Methods-Studie konzipiert und sieht eine quantitative und eine qualitative Teiluntersuchung vor. Eine Verknüpfung der Ergebnisse der beiden Teiluntersuchungen ist vorgesehen.
Im quantitativen Untersuchungsstrang erfolgt eine Sekundärdatenanalyse der Scientific Use Files der für Deutschland repräsentativen BIBB/BAuA Erwerbstätigenbefragungen 2012, 2018 und 2024. Daraus werden berufsspezifische Erkrankungs- und Belastungsprofile berechnet und entlang der Klassifikation der Berufe ausgewiesen. Zudem wird statistisch geprüft, wie stark der Beruf sich auf die jeweiligen Belastungen, Gesundheitsbeschwerden oder Arbeitsunfähigkeiten auswirkt.
In der qualitativen Untersuchung werden Zugangsbarrieren zu präventiven und rehabilitativen Leistungen in sechs Berufsgruppen untersucht, fünf davon hochbelastete (z.B. körperliche und psychische Belastungen) und eine Berufsgruppe mit relativ niedriger Belastung als Vergleichsgruppe. Mittels leitfadengestützter Interviews mit Mitarbeitenden und betrieblichen Akteurinnen und Akteuren werden Berufsgruppenporträts ausgearbeitet und Lösungsstrategien für entdeckte Problemstellungen entwickelt.
Die Ergebnisse werden gemeinsam mit den erarbeiteten Handlungsempfehlungen in einem Abschlussworkshop diskutiert.
Das Projekt sieht eine Strategie zur Verbreitung der Projektergebnisse über Projektberichte, Fachveröffentlichungen, Vorträge, einen Open-Access-Berufsdatensatz sowie abgeleitete Handlungsempfehlungen vor.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeit
Mit der differenzierten Analyse der drei Wellen der Erwerbstätigenbefragung wird eine wichtige Datenquelle für die Beantwortung rehabilitationswissenschaftlicher Fragestellungen erschlossen. Der Vergleich der Daten aus 2024 mit den Daten aus 2012 und 2018 kann zudem Erkenntnisse dazu liefern, ob und wenn ja, inwiefern sich Änderungen der beruflichen Belastungsprofile durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Arbeitswelt (u.a. Homeoffice, Digitalisierung) ergeben haben.
Die Erkenntnisse des Projekts tragen weiterhin dazu bei, berufsgruppen- und branchenspezifische Ungleichheiten im Leistungszugang zu Präventions- und Rehabilitationsleistungen zu identifizieren. Sie können somit perspektivisch einen Beitrag dazu leisten, die Zugangsstrategien der Träger der Deutschen Rentenversicherung im betrieblichen Setting zu optimieren und damit die Erreichung des strategischen Ziels der Deutschen Rentenversicherung eines einfachen, barriere- und diskriminierungsfreien Zugangs zu Präventions- und Rehabilitationsleistungen unterstützen.
Die vorgesehene Bereitstellung der Daten als Open-Access, die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen und das Publikationskonzept tragen zur Nachhaltigkeit der Projektergebnisse bei.
Oktober 2023 bis März 2026 - Return to Work in Zeiten der Corona-Pandemie (CORONA-RTW)
Dr. Christian Hetzel, Dr. Betje Schwarz – Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation iqpr GmbH
Ziele/Fragestellungen
Das Projekt widmet sich der Fragestellung, welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf den Return to work (RTW) von Personen hatte, die im Zeitraum von März 2020 bis Dezember 2021 eine medizinische oder berufliche Rehabilitation der Rentenversicherung in Anspruch genommen haben.
Im Einzelnen wird untersucht, ob es in der Zeit der Pandemie zu veränderten RTW-Quoten und -verläufen nach einer medizinischen bzw. beruflichen Reha kam und ob sich diese je nach Leistungsart, Diagnosegruppe oder für besonders vulnerable Versichertengruppen anders darstellt. Weiterhin wird geprüft, durch welche Kontextfaktoren (wie z.B. pandemieinduzierte Entwicklungen am Arbeitsmarkt oder Änderungen in der Rehabilitandenstruktur) sich etwaige Unterschiede in RTW-Quoten und -verläufen erklären lassen. Das Projekt exploriert darüber hinaus Förderfaktoren und Barrieren eines erfolgreichen RTW in Pandemiezeiten um Strategien, die in der Reha und an der Schnittstelle zu Betrieben/Arbeitswelt zum Einsatz kamen und sich in der Praxis bewährt haben, zu identifizieren.
Methoden
Das Projekt ist als explorative Studie in einem Mixed-Methods-Design konzipiert. Neben quantitativen Analysen von administrativen Routinedaten der Deutschen Rentenversicherung in Kombination mit Daten zu regionalen Arbeitsmärkten, Berufsgruppen und zum Pandemieverlauf werden qualitative Daten erhoben. Hierfür werden Interviews und Fokusgruppen mit ehemaligen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden, Mitarbeitenden von Reha-Einrichtungen und Leistungsträgern sowie betrieblichen Akteurinnen und Akteuren durchgeführt. Ergänzend wird ein Scoping Review zum internationalen Forschungsstand vorgenommen. Die gewonnenen Ergebnisse werden abgeglichen, zusammengeführt und in Experten-Workshops diskutiert.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeit
Das Projekt liefert zum einen bisher noch nicht untersuchte Befunde zum Einfluss der Corona-Pandemie auf das RTW-Geschehen nach einer Rehabilitation. Zum anderen geht der erwartbare Nutzen über die Bewältigung der Pandemiefolgen hinaus. Die Studie zielt darauf ab, die Handlungsfähigkeit der DRV beim RTW zu stärken und krisenhaften Situationen künftig mit noch besseren Voraussetzungen begegnen zu können. So geht es bei den zu erarbeitenden Handlungsempfehlungen weniger um operativ wirksame Maßnahmen zu Vorbeugung und Umgang mit Pandemien, sondern vielmehr um mögliche Resilienzfaktoren für künftige krisenfeste RTW-Strategien.
Kooperationspartner
DRV Rheinland
Juni 2023 bis Mai 2026 - Prospektive vergleichende Bewertung der Wirksamkeit von onkologischer Rehabilitation bei Rehabilitandinnen mit Brustkrebs (PoR-Studie)
Prof. Dr. med. Oliver Rick, Klinik Reinhardshöhe GmbH, Bad Wildungen
Ziele/Fragestellungen
Die onkologische Rehabilitation stellt einen wesentlichen Bestandteil in der Versorgung von Patientinnen mit Brustkrebs dar und wird von etwa 70 % der Patientinnen in Anspruch genommen. Studien belegen bei Patientinnen, die eine Rehabilitation in Anspruch genommen haben, im Anschluss eine Verbesserung von Lebensqualität, Angst und Depression, kognitiven Funktionen, körperlicher Aktivität und Krankheitsbewältigung. Obwohl die onkologische Rehabilitation seit vielen Jahren gut etabliert ist, fehlt jedoch ein Wirksamkeitsnachweis im Vergleich zu Patientinnen, die keine Rehabilitation erhalten haben - insbesondere mit Blick auf die Teilhabe am Erwerbsleben.
Das Ziel der Studie ist daher die Bewertung der Wirksamkeit von onkologischen Rehabilitationsleistungen im Hinblick auf die Lebensqualität und die Teilhabe am Erwerbsleben bei Rehabilitandinnen mit Brustkrebs. Dafür werden Patientinnen, die eine Rehabilitation absolviert haben, mit Patientinnen verglichen, die aus freier Entscheidung von einer Rehabilitation absehen.
Methoden
Es handelt sich um eine prospektive, multizentrische, nicht-randomisierte Kohortenstudie. Patientinnen nach abgeschlossener Primärtherapie sollen in vier Strahlentherapiezentren rekrutiert und zwei Wochen, sechs und zwölf Monate nach Ende der Strahlentherapie schriftlich befragt werden. Unter anderem sollen Angaben zur Reha-Inanspruchnahme, subjektiven Lebensqualität, zum körperlichen Zustand und Sozialstatus sowie zur Teilhabe am Erwerbsleben erhoben und miteinander verglichen werden. Dadurch lässt sich ermitteln, ob die Inanspruchnahme einer onkologische Rehabilitation ein prognostischer Faktor für eine verbesserte Lebensqualität und eine verbesserte Teilhabe am Erwerbsleben ist.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeit
Evidenzbasierung und Wirksamkeit sind relevante Kriterien zur Beurteilung der medizinischen Rehabilitation. Bei einem positiven Beleg der Wirksamkeit ergibt sich eine Verbesserung des Stellenwertes der onkologischen Rehabilitation z.B. bei der Berücksichtigung in medizinischen Leitlinien oder auch hinsichtlich der Akzeptanz bei Ärztinnen und Ärzten oder Sozialdiensten, was eine höhere Inanspruchnahme begünstigen kann.
April 2022 bis Juni 2027 - Entwicklung und Evaluation einer MBOR-AHB in der orthopädischen Rehabilitation der Rentenversicherung (MBOR-AHB-Studie)
Dr. Udo Kaiser, Dr. Wolfgang Bürger, Dr. Rüdiger Nübling - Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen – GfQG, Karlsruhe; forschung und beratung im Gesundheitswesen – fbg, Karlsruhe
Kooperationspartner: Salinenklinik Bad Rappenau, Rehaklinik Bad Boll, SRH Gesundheitszentrum Dobel
Ziele/Fragestellungen
Die zentrale Zielsetzung des Forschungsvorhabens beinhaltet die Frage, ob auch Rehabilitandinnen und Rehabilitanden einer Anschlussrehabilitation (AHB) mit einer besonderen beruflichen Problemlage (BBPL) von einer Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitationsmaßnahme (MBOR) profitieren können, wenn der gesamte Reha-Prozess und die MBOR-Intervention auf die Bedarfe der Zielgruppe und die Spezifika des Verfahrens ausgerichtet sind. Wesentliche Fragestellungen des Projekts betreffen die Abschätzung des MBOR-Bedarfs in der AHB und die Wirksamkeit einer spezifisch auf die Zielgruppe (AHB Rehabilitanden mit BBPL) zugeschnittenen MBOR-AHB.
Methoden
Die Studie ist dreiphasig mit einem Mixed-Methods-Design konzipiert: Phase I (Erhebung Ist-Zustand AHB-MBOR_alt) und III (Überprüfung Effekte Vergleich AHB-MBOR_neu vs. _alt) sind als multizentrische, quasi-experimentelle, kontrollierte Interventionsstudie (Längsschnitt, 3 Messzeitpunkte) mit einer Interventionsgruppe (IVG) und einer Kontrollgruppe (KG) konzipiert. Phase II (Entwicklung AHB-MBOR_neu) wird als explorative, qualitative Studie auf der Basis von Expertengesprächen und Interviews realisiert. Sowohl bei der Analyse des IST (AHB-MBOR_alt) als auch bei der Entwicklung des SOLL (AHB-MBOR_neu) folgt die Methodik einer multiperspektivischen (Rehabilitandinnen und Rehabilitanden, Mitarbeitende, KTL-Leistungsdaten) und multidimensionalen Betrachtung (quantitativ, qualitativ). Die Durchführung ist in drei Einrichtungen der orthopädischen Rehabilitation geplant. Die Datenanalyse umfasst deskriptive sowie inferenzstatistische Berechnungen.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
Mit dem Projekt soll ein MBOR-Konzept im Bereich der AHB in der orthopädischen Rehabilitation entwickelt, implementiert und in Bezug auf die Wirksamkeit evaluiert werden. Die Ergebnisse sollen das MBOR-AP in Richtung AHB schärfen und der Fachöffentlichkeit, den Kostenträgern und insbesondere den Rehabilitationskliniken in Form eines Manuals / Schulungskonzeptes zur Verfügung gestellt werden. Publikationen / Vorträge sollen den Transfer der Ergebnisse in die Rehabilitationspraxis zusätzlich unterstützen.
Juli 2021 bis Juni 2026 - Arbeit und Erwerbsteilhabe im Generationenvergleich – eine Untersuchung mit der lidA-Kohortenstudie
Prof. Dr. med. Hans Martin Hasselhorn, Fachgebiet Arbeitswissenschaft, Bergische Universität Wuppertal
Ziele/Fragestellung
Seit 2011 untersucht die lidA-Studie (www.lida-studie.de) die zweite Hälfte des Erwerbslebens und den (oft langen) Übergang von der Arbeit in den Ruhestand. Mit drei erfolgten Studienwellen liegt bereits ein wertvoller Pool von Längsschnittdaten zur Thematik vor.
Folgende Schwerpunkte sind Gegenstand des Projekts:
- Rehabilitation: Differenzierte Untersuchung von Determinanten, Bedarfen und Inanspruchnahme medizinischer Rehabilitation. Inanspruchnahme von Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation.
- Rückkehr in Arbeit: Differenzierte Untersuchung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) sowie betrieblicher Maßnahmen zum Erhalt von Gesundheit und Arbeitsfähigkeit.
- Bekanntheit, Bedarf und Inanspruchnahme von Präventionsangeboten.
Methoden
Die geplante Befragung der 4. Welle soll im Sommer 2022 deutschlandweit an insgesamt 6.000 Erwerbstätigen der Geburtsjahrgänge 1959 und 1965 sowie ggf. 1971 mittels persönlichem Interview zu Hause stattfinden. Weitere Datenquellen sind Prozessdaten der Beschäftigung (Bundesagentur für Arbeit) sowie der Rentenversicherung.
lidA bietet ein großes Potenzial für die wissenschaftlich hochwertige Untersuchung der hier skizzierten Fragen in der älteren sozialversicherungspflichtigen Erwerbsbevölkerung. Zum Zeit-punkt der Befragungswelle 4 (2022) werden die Teilnehmenden 57 und 63 Jahre alt sein. Damit repräsentieren sie eine Altersgruppe mit hoher Morbidität, umfangreicher Inanspruchnahme von Rehabilitationsleistungen und einer nun salient werdenden Frage des Erwerbsaustritts. Da geplant ist, die lidA-Studie auch über Wellen 5 (2025) und 6 (2028) fortzuführen, ergibt sich die Perspektive von Längsschnittanalysen mit besonderem wissenschaftlichen und sozialpolitischen Wert für die zu bearbeitenden Fragestellungen.
Geplante statistische Analyseverfahren sind je nach Fragestellung u.a. multiple Regressionsmodelle, Hierarchische Modelle, Proportional-Hazard Regressionen, Strukturgleichungsmodelle.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
Die Ergebnisse liefern ein detailliertes Bild von Bedarf und Inanspruchnahme
• von Rehabilitationsleistungen sowie
• von weiteren Maßnahmen der Wiedereingliederung
bei der älter werdenden sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der BRD.
Aktuelle Auftragsforschung
Juli 2024 bis Juni 2026 - Psychiatrische Online-Begutachtung
Institut für angewandte Versorgungsforschung – inav, Berlin
Ziele und Fragestellungen
Können bei Versicherten mit psychiatrischen Erkrankungen, die einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente gestellt haben, sozialmedizinische Begutachtungen auch online/digital durchgeführt werden?
Eine Untersuchung zur prinzipiellen Machbarkeit sozialmedizinischer Online-Begutachtungen und der assoziierten inhaltlichen und technischen Herausforderungen und möglichen Limitationen.
Forschungsdesign und Methoden
Zweiphasiges Projekt:
- Machbarkeitsuntersuchung (Literaturreview, Expertenaustausch)
- Praktische Studie ("proof of concept“)
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten der Ergebnisse
Umfassende Untersuchung zu den inhaltlichen und technischen Herausforderungen sowie möglichen Limitationen einer sozialmedizinischen Online-Begutachtung.
Basierend auf den Studienergebnissen mögliche Weiterentwicklung der Digitalbegutachtung als zusätzliche Option im sozialmedizinischen Begutachtungsrepertoire der DRV.
Juni 2023 bis Oktober 2025 - Aktualisierung der Reha-Therapiestandards
Prof. Dr. Thorsten Meyer, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Rehabilitationsmedizin
Prof. Dr. Erik Farin-Glattacker, Universitätsklinikum Freiburg, Sektion Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung
Prof. Dr. Heiner Vogel, Universitätsklinikum Würzburg, Zentrum für psychische Gesundheit, Arbeitsbereich Medizinische Psychologie und Psychotherapie
Ziele/Fragestellungen
Die Reha-Therapiestandards (RTS) der Deutschen Rentenversicherung fassen die vorhandene Evidenz für rehabilitative Behandlungselemente der verschiedenen Therapiebereiche zusammen und tragen über eine Standardisierung zur Qualitätsentwicklung in der Rehabilitation bei. Eine regelmäßige Aktualisierung der Reha-Therapiestandards ist erforderlich, um neue Evidenz, Transformation grundsätzlicher Konzepte, Veränderung von Rahmenbedingungen der Rehabilitation sowie Rückmeldungen aus Reha-Einrichtungen einzuarbeiten. Die letzte Aktualisierung der Reha-Therapiestandards fand 2016 statt.
Das Projekt ist in zwei Module unterteilt.
- In einem ersten Modul A) Indikationsübergreifende Reha-Therapiestandards soll eine Evaluation und Weiterentwicklung der Entwürfe der indikationsübergreifenden Reha-Therapiestandards und der indikationsübergreifenden Reha-Therapiestandards Onkologie erfolgen. Besondere Bedeutung liegt auf dem Aspekt der Integration von Fachwissen über die Reflektion von Stakeholdern.
- In einem zweiten Modul B) Indikationsspezifische Reha-Therapiestandards sollen die bestehenden indikationsspezifischen Reha-Therapiestandards aktualisiert werden.
Methoden
- Die Bearbeitung des Moduls A) Indikationsübergreifende Reha-Therapiestandards beinhaltet eine Darstellung des Leistungsgeschehens und ihrer Variation über eine Analyse der Klassifikation Therapeutischer Leistungen (KTL) und eine Einbindung von Fachwissen über eine Online-Befragung.
- Die Bearbeitung des Moduls B) Indikationsspezifische Reha-Therapiestandards beinhaltet mit Hilfe der Literaturrecherche und der KTL-Analyse eine Aktualisierung der Reha-Therapiestandards inklusive Überprüfung der Geltungsbereiche und Prüfung des Bedarfes neuer RTS.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
Das Projekt überarbeitet die Reha-Therapiestandards und liefert ein gut funktionierendes, anerkanntes Gesamtkonzept, basierend auf neuester wissenschaftlicher Erkenntnis.
April 2025 bis Februar 2028 - Entwicklung von Praxisempfehlungen für die Soziale Arbeit in der beruflichen Rehabilitation
Prof. Dr. Thorsten Meyer-Feil, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Rehabilitationsmedizin
Prof. Dr. Silke Tophoven, Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Forschungsstelle Düsseldorfer Integrationsförderung in Aus(Bildung) und Arbeit (DIFA)
Ziele/Fragestellungen
Die Soziale Arbeit nimmt im beruflichen Rehabilitationsprozess eine zentrale Rolle ein und ist fest vorgesehen. Auf Seiten der Leistungserbringer nehmen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter unterschiedliche Rollen und Aufgaben wahr, um einen gelingenden Rehabilitationsprozess zu unterstützen und so zu einer (Re-)Integration in das Berufsleben beizutragen.
Ziel des Projekts ist die Entwicklung von handlungsleitenden Praxisempfehlungen für die Soziale Arbeit in der beruflichen Rehabilitation.
Das Projekt ist in vier Module unterteilt.
- 1) Recherche nationaler und internationaler Literatur zur Adressierung sozialer Bedarfe und zur Best Practice Sozialer Arbeit im Kontext beruflicher Teilhabe und zu Erfahrungen von Betroffenen bei diesen Bedarfen sowie Zusammenführung der Forschungsergebnisse zur Ermittlung der aktuellen Evidenz.
- 2) Bestandsaufnahme der Verfahren und Vorgehensweisen, die in der Sozialen Arbeit der beruflichen Rehabilitation im deutschsprachigen Raum zur Förderung von beruflicher (Re-)Integration eingesetzt werden.
- 3) Entwicklung von Praxisempfehlungen zur Adressierung sozialer Bedarfe von beruflichen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden und für die Ausgestaltung Sozialer Arbeit bei Leistungserbringern beruflicher Rehabilitation.
- 4) Bewertung und Überprüfung der Akzeptanz der Praxisempfehlung für die Soziale Arbeit in der beruflichen Rehabilitation.
Methoden
Zunächst soll im ersten Modul mithilfe eines Scoping Reviews nationale und internationale Literatur zur Adressierung sozialer Bedarfe und zur Best Practice Sozialer Arbeit im Kontext beruflicher Teilhabe aufbereitet werden.
Das zweite Modul beinhaltet darauf aufbauend qualitative Leitfadeninterviews mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis (n=3-5). Dabei werden auch Kooperationen mit Akteuren der professionellen Netzwerke der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden z.B. Reha-Fachberatung, Fallmanagement, Arbeitgeber Teil der Auseinandersetzung sein. Die Auswertung der transkribierten lnterviewdaten erfolgt inhaltsanalytisch.
Mithilfe der Ergebnisse aus den vorherigen Modulen wird im dritten Modul eine Pilotversion der Praxisempfehlungen formuliert. Diese Pilotversion wird mit Teilnehmenden (n=20-25) eines Expertinnen/Experten-Workshops (Wissenschaft, Praxis, Verwaltung und Betroffene) durchgesprochen. Die Ergebnisse des Workshops werden dokumentiert und fließen in eine überarbeitete Version der Praxisempfehlungen als Konsultationsfassung ein. In einem letzten Schritt wird in einem weiteren Workshop/Delphi-Verfahren die Konsultationsfassung konsentiert.
Das vierte Modul beinhaltet die Vorbereitung der Implementierung der Praxisempfehlungen. Dafür werden theoretische Modelle der Implementierung von Praxisempfehlungen bzw. Leitlinien recherchiert, Stakeholder-Interviews (n=3-4) zur Einschätzung geführt und ein Konzept zur Dissemination und Verbreitung der Praxisempfehlungen sowie zur Qualitätssicherung entwickelt.
Nutzen und Verwendungsmöglichkeiten
Das Projekt erarbeitet Praxisempfehlungen für die Soziale Arbeit in der beruflichen Rehabilitation. Diese sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer besseren und qualitätsgesicherten Sozialen Arbeit in der beruflichen Rehabilitation. Damit ist eine gezieltere Zuweisung zu Leistungen der Sozialen Arbeit in der beruflichen Rehabilitation, eine höhere Zufriedenheit bei Rehabilitandinnen und Rehabilitanden sowie der Mitarbeitenden durch eine Professionalisierung der Sozialen Arbeit sowie eine Schärfung des Kompetenzprofils und eine Verbesserung der Wirksamkeit assoziiert. Die breite Beteiligung von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung, Praxis und Betroffene kann zudem für eine höhere Akzeptanz der entwickelten Empfehlung in der Praxis sorgen.