Rückblick auf vergangene Reha-Kolloquien

Tagungsbände

Tagungsband zum aktuellen Kolloquium

Tagungsband zum 35. Reha-Kolloquium 2026

Zugang zu den Tagungsbänden der vergangenen Kolloquien

Tagungsband zum 34. Reha-Kolloquium 2025

Tagungsband zum 33. Reha-Kolloquium 2024

Tagungsband zum 32. Reha-Kolloquium 2023

Tagungsband zum 31. Reha-Kolloquium 2022 HYBRID

Tagungsband zum 30. Reha-Kolloquium 2021 DIGITAL

Tagungsband zum 29. Reha-Kolloquium 2020 (abgesagt)

Tagungsband zum 28. Reha-Kolloquium/15th Congress of EFRR 2019

Tagungsband zum 27. Reha-Kolloquium 2018

Tagungsband zum 26. Reha-Kolloquium 2017

Tagungsband zum 25. Reha-Kolloquium 2016

Tagungsband zum 24. Reha-Kolloquium 2015

Tagungsband zum 23. Reha-Kolloquium 2014

Tagungsband zum 22. Reha-Kolloquium 2013

Tagungsband zum 21. Reha-Kolloquium 2012

______

Benötigen Sie Zugang zu den Tagungsbänden älterer Kolloquien melden Sie sich bitte unter:

reha-kolloquium[at]express.converia.de oder unter der Rufnummer: 030/865-39350

Rückblick

35. Reha-Kolloquium 2026 in Leipzig

Kongressbericht

„Fairsorgt in der Reha? Vielfalt leben – Chancengleichheit schaffen“: Mit einem erneuten Besucherrekord kann auf das 35. Reha-Kolloquium mit dem Schwerpunktthema Vielfalt und Chancengerechtigkeit zurückgeblickt werden. Mit mehr als 2.100 Expertinnen und Experten tagte der Reha-Kongress vom 24. bis 26. März 2026 diesmal in Leipzig. Für Personen, die nicht persönlich vor Ort sein konnten, wurden die Programmhighlights aus dem Plenarsaal per Livestream online übertragen und allen Teilnehmenden im Nachgang als Video-On-Demand-Angebot zur Verfügung gestellt. Das wissenschaftliche Kongressprogramm wurde von einer Fachausstellung und zwei Abendveranstaltungen begleitet.

Der Kongress wurde von der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) ausgerichtet.

Das 35. Reha-Kolloquium 2026 in Zahlen:

  • Mit mehr als 2.100 registrierten Teilnehmenden wurde der Besucherrekord der letzten Jahre nochmals übertroffen.
  • In 94 Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen wurde an drei Kongresstagen in bis zu 9 Parallelveranstaltungen ein vielfältiges wissenschaftliches Programm geboten.
  • 338 Vortragende und Diskutierende haben das wissenschaftliche Programm aktiv mitgestaltet.
  • Auf 90 wissenschaftlichen Postern wurden Fragestellungen und Ergebnisse zum gesamten Themenspektrum der Reha-Wissenschaften visualisiert.
  • Über 900 Minuten Video-on-Demand-Angebot stehen allen Teilnehmenden im Nachgang der Veranstaltung zur Verfügung.
  • 65 Aussteller der begleitenden Fachausstellung waren mit über 200 Standmitarbeitenden vor Ort und präsentierten Unternehmen, Dienstleistungen und Produkte der Reha-Branche.

Kongresseröffnung und Grußworte

In ihrer Eröffnungsrede betonte Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, die Bedeutung und den Nutzen der Rehabilitation für die Sicherung von Teilhabe und Erwerbsfähigkeit und stellte zudem das Solidarprinzip als grundlegende Basis heraus, das soziale Unterschiede ausgleichen und faire Chancen ermöglichen soll. In diesem Zusammenhang unterstrich sie die Wirksamkeit rehabilitativer Leistungen nicht nur für die Versicherten selbst, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt, und verwies auf entsprechende Analysen zum volkswirtschaftlichen Nutzen, die im weiteren Kongressverlauf vorgestellt wurden. Zugleich hob sie hervor, dass die Rehabilitation fortlaufend weiterentwickelt wird, um den unterschiedlichen Bedarfen und Lebenslagen der Versicherten besser Rechnung zu tragen, etwa durch verbesserte Zugangswege und eine intensivere Begleitung im Rahmen des Fallmanagements.

Weitere Grußworte sprachen Dagmar Neukirch, Staatssekretärin im Sächsischen Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Dr. Martina Münch, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Soziales, Gesundheit und Vielfalt der Stadt Leipzig, Jork Beßler und Nicola Wenderoth, Geschäftsführung der DRV Mitteldeutschland und Prof. Dr. Thorsten Meyer-Feil, Präsident der DGRW.

Highlights aus dem Kongressprogramm

Im Eröffnungsvortrag „Geschlechtersensible Rehabilitation, ja bitte!" gab Univ.-Prof.in Dr. Ute Seeland, Fachärztin für Innere Medizin, Wissenschaftlerin und Inhaberin der deutschlandweit ersten Lehrbefähigung für Geschlechtersensible Medizin, wichtige Impulse für eine geschlechtersensible Weiterentwicklung von Rehabilitationspraxis und -forschung. Sie verdeutlichte, dass sich Erkrankungsverläufe, Symptomwahrnehmung und Therapiebedarfe zwischen den Geschlechtern unterscheiden können und daher differenziert berücksichtigt werden sollten. Besonders hervorgehoben wurde etwa die Situation von Frauen in der (Peri-)Menopause, die häufig in das typische Reha-Alter fällt und mit spezifischen gesundheitlichen Herausforderungen verbunden ist. Insgesamt plädierte sie dafür, geschlechtersensible Perspektiven systematisch in Diagnostik, Therapieplanung und Versorgungsstrukturen zu integrieren, um passgenauere Rehabilitationsangebote zu ermöglichen.

Einen zentralen inhaltlichen Anker des Kolloquiums setzte die Keynote „Gesundheitliche Ungleichheit in der Erwerbsbevölkerung“ von Prof. Dr. Nico Dragano, Professor für Medizinische Soziologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und ausgewiesener Experte für soziale Ungleichheit und Gesundheit. Er zeichnete eindrücklich nach, wie sich soziale Ungleichheit über die gesamte Lebensspanne hinweg auf Gesundheit und Erwerbsfähigkeit auswirkt. Bereits früh angelegte Unterschiede in Bildung, Arbeitsbedingungen und sozialen Ressourcen kumulieren demnach bis ins Erwerbsalter und prägen maßgeblich Risiken für Erkrankung, Einschränkungen und letztlich Teilhabechancen. Aus dieser lebensverlaufsbezogenen Perspektive ergibt sich unmittelbar die Bedeutung von Prävention: Wenn gesundheitliche Ungleichheiten früh entstehen und sich verstärken, reicht es nicht aus, erst im Reha Prozess anzusetzen. Vielmehr braucht es Strategien, die Risiken früher erkennen und ihnen gezielt entgegenwirken.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Brigitte Gross, Direktorin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gülcan Miyanyedi, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V. und Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, wurde diese Perspektive aufgegriffen und um konkrete Handlungsansätze ergänzt. Einen Aspekt bildete dabei das Zusammenspiel von Verhaltensprävention und Verhältnisprävention mit dem klaren Befund, dass individuelle Ansätze allein nicht ausreichen, solange strukturelle Ungleichheiten fortbestehen. Mehrfach wurde betont, dass die Rehabilitation fachlich sehr gut aufgestellt ist, ihre Erfolge und Potenziale jedoch noch deutlicher in den gesundheitspolitischen Diskurs eingebracht werden sollten. Die beteiligten Akteurinnen und Akteure plädierten dafür, gemeinsam sichtbarer zu werden und ihre Stimme stärker und "lauter" zu bündeln. Mit Blick auf zukünftige Entwicklungen wurden Digitalisierung und Künstliche Intelligenz als wichtige Chancen diskutiert. Sie können dazu beitragen, Ungleichheiten zu verringern, sofern ihre Gestaltung bewusst gerecht und inklusiv erfolgt.

Die Frage nach fairer Rehabilitation reicht über nationale Zugangs- und Steuerungsfragen hinaus. Sie berührt grundlegend auch die Frage, wie Versorgungssysteme weltweit mit Behinderung, Teilhabeeinschränkungen und chronischen Beeinträchtigungen umgehen. Inklusion und Barrierefreiheit werden dabei zunehmend nicht mehr als nachgelagerte Ziele verstanden, sondern als zentrale Kriterien wirksamer und gerechter Gesundheitsversorgung. Diesen erweiterten Horizont eröffnete die Keynote „Versorgungslücken schließen: Gesundheitliche Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen" von Univ.-Prof. Dr. Birgit Prodinger vom 2023 gegründeten Lehrstuhl für medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung und Teilhabebeschränkungen der Universität Augsburg. Ein zentraler internationaler Rahmen für die gerechte Gestaltung von Teilhabeleistungen ist die Disability Health Equity Initiative, die von der World Health Organization (WHO) im Juni 2025 ins Leben gerufen wurde. Ziel dieser Initiative ist es, gesundheitsbezogene Ungleichheiten von Menschen mit Behinderungen systematisch zu überwinden und eine inklusive, chancengerechte Gesundheitsversorgung weltweit zu fördern. Im Zentrum dieser globalen Initiative steht nicht nur ein abstrakter Gleichheitsanspruch, sondern die konkrete Frage: Wie können Barrieren in Gesundheit und Teilhabe abgebaut werden, bevor sie zu Ausschlüssen werden? Prodinger war Mitglied des Foundational Committee des WHO Disability Health Equity Network, das die Umsetzung dieser Initiative begleitet und koordiniert. Ihre Beteiligung steht exemplarisch für die Verbindung zwischen internationaler Entwicklungspolitik und der Frage, wie Gesundheitssysteme und Rehabilitation in der Praxis gerecht und inklusiv gestaltet werden können.

Auch abseits der zentralen Keynotes machte das Programm deutlich, wie konkret sich die Rehabilitation derzeit weiterentwickelt. Beiträge zur Kinder- und Jugendrehabilitation, zur beruflichen Rehabilitation sowie zur Rehabilitation bei Post-COVID zeigten exemplarisch, wie unterschiedlich Bedarfslagen sind und wie differenziert darauf reagiert werden muss. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Fragen der Qualitätssicherung, der Wirksamkeit und der Nutzung von Routinedaten. Es wurde sichtbar, dass Rehabilitation zunehmend genauer hinschaut, gezielter steuert und ihre Wirksamkeit systematisch absichert – eine Entwicklung, die auch für kommende Reha-Kolloquien spannende Impulse erwarten lässt.

Resümee

Am letzten Veranstaltungstag würdigte Dr. Susanne Weinbrenner, Leitende Ärztin und Leiterin der Abteilung Prävention, Rehabilitation und Sozialmedizin der Deutschen Rentenversicherung Bund, das hohe Engagement aller Mitwirkenden bei der erfolgreichen Durchführung der Veranstaltung.

Die beachtliche Anzahl von Teilnehmenden, Veranstaltungen und Themen zeige, dass das Reha-Kolloquium seinen Stellenwert als wichtigster Reha-Kongress im deutschsprachigen Raum unterstreichen konnte. Das Interesse an den einbezogenen Inhalten und Formaten des Kongresses sei ungebrochen hoch. Sie dankte allen Referierenden, Diskutierenden, Moderierenden und Ausstellenden für die aktive Beteiligung und die inspirierenden Beiträge aus Forschung und Praxis.

Bildergalerie

WillkomensveranstaltungQuelle: DRVHerzlich willkommen beim 35. Reha-Kolloquium im Congress Center Leipzig!

Video-Impressionen zur Veranstaltung

Machen Sie sich ein Bild vom 35. Reha-Kolloquium 2026: Wir haben vielfältige Eindrücke zum Kongress in einem Video festgehalten.

On-Demand-Angebot

Die Zugangsdaten hatten alle Teilnehmenden im März per Mail erhalten. Sollten Sie nicht mehr über Ihre Zugangsdaten verfügen, kontaktieren Sie uns gerne per Mail (reha-kolloquium[at]express.converia.de ).

Zu den Veranstaltungen aus dem Plenarsaal, die während des Kongresses per Live-Stream übertragen wurden, stehen noch bis Juni 2026 die Videomitschnitte als Video-on-Demand-Angebot auf unserer Online-Kongressplattform zur Verfügung. Auch ein Großteil der wissenschaftlichen Poster ist dort noch online abrufbar.

Unter folgendem Direktlink gelangen Sie zur Plattform:

Zur Online-Plattform

Posterpreise

Zum 35. Reha-Kolloquium 2026 in Leipzig wurden insgesamt 90 Posterbeiträge präsentiert.

Eine Posterjury prämierte die drei wissenschaftlichen Poster, die ein rehabilitationswissenschaftlich relevantes Thema inhaltlich und gestalterisch sowie im Rahmen eines Kurzvortrags am besten umgesetzt hatten. Die Posterjury bestand aus Mitgliedern des wissenschaftlichen Programmkomitees sowie Vertreterinnen und Vertretern der Deutschen Rentenversicherung, die den Preis vergibt. Zusätzlich wurde wie jedes Jahr vom Publikum ein Poster für den Publikumssonderpreis gewählt.

Folgende Beiträge wurden auf dem 35. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium 2026 prämiert.

1. Posterpreis 2026 (dotiert mit 300 Euro)

Poster 45

Inklusive Kommunikation als Grundlage für Teilhabe: Partizipative Entwicklung einer Online-Kommunikationsschulung

Kristina Ottersbach, Rebecca Lätzsch, Larissa Kühnel, Claudia Hornberg

Universität Bielefeld

Der Beitrag stellt die Entwicklung und Evaluation der Online-Kommunikationsschulung „OptiKomm“ für medizinisches Personal vor, die auf eine barrierearme Kommunikation mit Menschen mit kognitiven und/oder sprachlichen Beeinträchtigungen abzielt. Grundlage ist eine umfassende Bedarfsanalyse sowie ein partizipativer Entwicklungsprozess unter Einbezug eines inklusiven Beirats. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Praxisrelevanz und gute Anwendbarkeit der Schulungsinhalte im Versorgungsalltag. Die Jury würdigte insbesondere den konsequent partizipativen Ansatz, bei dem die Perspektiven der Betroffenen strukturell in die Entwicklung integriert wurden. Hervorgehoben wurden zudem die gelungene Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung und praktischer Umsetzbarkeit sowie der hohe Beitrag zur Förderung von Barrierefreiheit und Chancengleichheit in der Gesundheitsversorgung.

 

2. Posterpreis 2026 (dotiert mit 200 Euro)

Poster 4

Führungskräfte mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen – Eine Analyse von Offenlegungsdynamiken und organisationalen Rahmenbedingungen

Mathilde Niehaus, Irina Volvakov

Universität zu Köln

Der Beitrag untersucht auf Basis einer Befragung die Situation von Führungskräften mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, insbesondere im Hinblick auf Offenlegungsverhalten und organisationale Rahmenbedingungen. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere nicht sichtbare Beeinträchtigungen selten offengelegt werden und die Offenlegung eng mit wahrgenommener Unterstützung zusammenhängt. Zudem wird eine Diskrepanz zwischen Unterstützungsbedarf und Nutzung bestehender Angebote deutlich. Die Jury würdigte insbesondere die hohe Aktualität des Themas sowie die differenzierte Analyse einer bislang wenig beleuchteten Zielgruppe. Hervorgehoben wurden die praxisrelevanten Implikationen für gesundheitsförderliche Führungskulturen und Unterstützungsangebote sowie der Beitrag zur Schließung einer bestehenden Forschungslücke. Besonders positiv fiel zudem die klare und anschauliche visuelle Aufbereitung der Ergebnisse auf.

 

3. Posterpreis 2026 (dotiert mit 150 Euro)

Poster 74

Inanspruchnahme der Onlineplattform mico zur digitalen Rehavorbereitung

Linda Richter, Christof Schmidt, Maike Kothe, David Ittekkot, Bettina Begerow, Natalie Schüz

Deutsche Rentenversicherung Oldenburg-Bremen

Der Beitrag analysiert die Nutzung der digitalen Reha-Vorbereitungsplattform „mico“ bei Versicherten mit erhöhtem Unterstützungsbedarf. Anhand deskriptiver Auswertungen wird gezeigt, wie sich die Verweildauer auf der Plattform in Abhängigkeit von Vorwissen, Indikation und sozialer Situation unterscheidet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere Personen mit größerem Informationsbedarf und erhöhtem Unterstützungsbedarf das Angebot intensiver nutzen. Die Jury hob insbesondere die hohe Praxisrelevanz und den klaren Fokus auf eine im Versorgungssystem schwer erreichbare Zielgruppe hervor. Positiv bewertet wurde, dass das digitale Angebot gezielt Informationsdefizite adressiert und damit zur besseren Vorbereitung auf die Rehabilitation beitragen kann. Darüber hinaus überzeugte das Poster durch eine übersichtliche und zugängliche Gestaltung, die die Inhalte auch für weniger erfahrene Zielgruppen gut nachvollziehbar macht.

 

Postersonderpreis des Publikums 2026 (dotiert mit 300 Euro)

Poster 46

MyMEDIAN@Home: Ein digitales Nachsorgeangebot mit persönlicher Betreuung

Johanna Depenbusch (1), Pauline Reusch (1), Jakob Henschke (1), Felicitas Stocker (2), Barbara Bellmann (3), Sven Schunter (3, 4), Judith Dittmer (1, 4)

(1) MEDIAN Unternehmensgruppe B.V. & Co. KG
(2) MEDIAN Buchberg-Klinik Bad Tölz
(3) MEDIAN Ambulantes Gesundheitszentrum Düsseldorf
(4) MEDIAN ReHealth GmbH

Der Beitrag thematisiert die Implementierung und Evaluation eines digitalen Nachsorgeprogramms als flexible Ergänzung zur klassischen Reha-Nachsorge. Anhand einer großen Stichprobe werden Machbarkeit, Nutzung und Zufriedenheit der Teilnehmenden sowie Mitarbeitenden dargestellt. Insgesamt liefert die Studie Hinweise darauf, dass digitale Nachsorgeprogramme eine praktikable Ergänzung zur bestehenden Versorgung sein können.  

Evaluation

Teilnehmende

Für das 35. Rehabilitationswissenschaftliche Kolloquium 2026 wurden 2.103 Teilnehmende registriert. 237 Personen (11,3 Prozent) haben sich an der Veranstaltungsevaluation beteiligt.

Ergebnisse

Die verschiedenen Aspekte des Kolloquiums wurden auf einer Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (sehr unzufrieden) beurteilt. In der folgenden Ergebnisdarstellung finden Sie Angaben zum Mittelwert (MW).

ZUFRIEDENHEIT MIT DER VERANSTALTUNGSORGANISATION

  • Vorab-Informationen zum Reha-Kolloquium (MW=1,5)
  • Internetauftritt zum Reha-Kolloquium (MW= 1,7)
  • Online-Anmeldung & Online-Einreichung von Beiträgen (MW=1,4)
  • Online-Kongressplattform (mit Live-Streams & E-Poster-Ausstellung) (MW=1,8)
  • Betreuung durch das Organisationsteam im Vorfeld des Kongresses (MW=1,4)
  • Betreuung durch das Organisationsteam während des Kongresses (MW=1,3)
  • Zeitlicher Ablauf des Reha-Kolloquiums (MW=1,7)
  • Veranstaltungsorganisation insgesamt (MW=1,4)

ZUFRIEDENHEIT MIT DEM WISSENSCHAFTLICHEN PROGRAMM

  • Programmstruktur (Kombination verschiedener Formate) (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität der wissenschaftlichen Vorträge (MW=2,2)
  • Fachliche Qualität der wissenschaftlichen Poster (MW=2,0)
  • Fachliche Qualität der Plenarvorträge (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der Podiumsdiskussion (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität der DGRW-Updates (MW=2,0)
  • Fachliche Qualität der Diskussionsforen (MW=2,0)
  • Fachliche Qualität der Satellitenveranstaltungen (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der Meet-the-Experts (MW=1,9)
  • Wissenschaftliches Programm insgesamt (MW=2,0)

ZUFRIEDENHEIT MIT DER VERANSTALTUNGSSTÄTTE VOR ORT
(Congress Center Leipzig (CCL) der Leipziger Messe)

  • Räumlichkeiten der Veranstaltungsstätte CCL (MW=1,3)
  • Technische Ausstattung der Veranstaltungsstätte CCL (MW=1,2)
  • Pausenverpflegung im CCL (MW=1,2)
  • Präsentation der Aussteller im CCL (MW=1,5)
  • Veranstaltungsstätte insgesamt (MW=1,2)

ZUFRIEDENHEIT MIT DEM RAHMENPROGRAMM

  • Begrüßungsempfang am Montag (MW=1,5)
  • Geselliger Abend am Mittwoch (MW=1,4)
  • Rahmenprogramm insgesamt (MW=1,5)

Der Gesamteindruck vom 35. Reha-Kolloquium wurde von den Antwortenden mit 1,6 beurteilt. Die positive Einschätzung spiegelt sich auch in den Freitextkommentaren wider und dokumentiert die hohe Zufriedenheit der Anwesenden mit der Veranstaltung.



34. Reha-Kolloquium 2025 in Nürnberg

Kongressbericht

Mit einem erneuten Besucherrekord kann auf das 34. Reha-Kolloquium mit dem Schwerpunktthema Digitalisierung zurückgeblickt werden:  Vom 18. bis 20. März 2025 tagte der Reha-Kongress mit mehr als 1.850 Expertinnen und Experten diesmal in Nürnberg. Für Personen, die nicht persönlich vor Ort sein konnten, wurden die Programmhighlights aus dem Plenarsaal per Livestream online übertragen und allen Teilnehmenden im Nachgang als Video-On-Demand-Angebot zur Verfügung gestellt. Das wissenschaftliche Kongressprogramm wurde von einer Fachausstellung und zwei Abendveranstaltungen begleitet.

Der Kongress wurde vom Dezernat Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) veranstaltet.

Das 34. Reha-Kolloquium 2025 in Zahlen:

  • Mit mehr als 1.850 registrierten Teilnehmenden wurde der Besucherrekord der letzten Jahre nochmals übertroffen.
  • In mehr als 80 Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen wurde an drei Kongresstagen in bis zu 9 Parallelveranstaltungen ein vielfältiges wissenschaftliches Programm geboten.
  • Auf 80 wissenschaftlichen Postern wurden Fragestellungen und Ergebnisse zum gesamten Themenspektrum der Reha-Wissenschaften visualisiert.
  • Über 900 Minuten Video-on-Demand-Angebot stehen allen Teilnehmenden im Nachgang der Veranstaltung zur Verfügung.
  • An 57 Ausstellungsständen wurden Unternehmen, Dienstleistungen und Produkte der Reha-Branche vorgestellt.

Kongressmotto „Mensch trifft Maschine – digitale Chancen in Prävention und Rehabilitation nutzen“

Beim diesjährigen Kongressmotto stand die Frage im Mittelpunkt, wie Teilhableistungen durch digitale Angebote weiterentwickelt, räumliche Barrieren abgebaut und Zugänge vereinfacht werden können. Auch die Anwendung, Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz wurden in verschiedenen Beiträgen thematisiert und diskutiert.

Kongresseröffnung und Grußworte

In ihrer Eröffnungsrede betonte Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, die Chancen des digitalen Wandels sowohl bei der Antragstellung und Dokumentation als auch bei der Durchführung von Leistungen der Prävention, Rehabilitation und Nachsorge als wichtigen Baustein der gesundheitlichen Versorgung der Versicherten. Durch den zunehmenden Ausbau digitaler und hybrider Angebote in der Regelversorgung schaffe die Rentenversicherung die Voraussetzungen, Abläufe flexibler und niedrigschwelliger und Zugänge für jeden Einzelnen einfacher zu gestalten.

Weitere Grußworte übermittelten und sprachen Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Rita Heinemann, Stadträtin im Nürnberger Stadtrat und Sozialpolitische Sprecherin, Werner Krempl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern sowie Prof. Dr. Thorsten Meyer-Feil, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW).

 

Highlights aus dem Kongressprogramm

In der Eröffnungskeynote gab die Philosophin und Wissenschaftsjournalistin Dr. Manuela Lenzen vom Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld Einblicke in das folgende Szenario: „Treffen sich ein Mensch und ein Chatbot. Wie Menschen und kluge Maschinen zusammenarbeiten können“. Sie erläuterte, wie Künstliche Intelligenz am besten für menschliche Zwecke genutzt werden kann und wo ihre Grenzen liegen. Welche bereits entstandenen oder zukünftigen Folgen der Einsatz künstlicher Assistenzssysteme mit sich bringt und was wir bei dem genannten Szenario über uns selbst lernen können.

Prof. Dr. Björn Eskofier, Leiter des Lehrstuhls für Maschinelles Lernen and Datenanalytik an der Friederich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und Gruppenleiter für den Bereich Translational Digital Health am Helmholtz Zentrum München unternahm in seiner Keynote eine kurze Zeitreise zur Nutzung von Artificial Intelligence (AI) und Maschinellem Lernen (MI) in der Medizin. Er illustrierte die Kernidee sicherer und persönlicher Gesundheits­datenräume zur effizienten Nutzung der unzähligen Gesundheitsdaten, die im Versorgungsprozess unweigerlich entstehen. Dies ermögliche Maschinelles Lernen in der Medizin überhaupt erst, wie Prof. Eskofier am Beispiel der Diagnosestellung von Parkinson-Erkrankten mithilfe von Ganganalysedaten zeigte. Das zukünftige „digitale“ Gesundheitssystem biete enormes Potential für eine objektivere, präzisere und personalisierte Diagnostik und Therapie.

Im Anschluss diskutierte Prof. Dr. Eskofier mit Frau Judith Dittmer, Group Head of Digital Health und Mitglied der Geschäftsleitung der MEDIAN Unternehmensgruppe, Dr. Harald Berger, Leiter der Hauptabteilung Gesundheit und Teilhabe der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern und Moderator Dr. Marco Streibelt, Leiter des Dezernats Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund, zur Frage „Digitalisierung und KI in der Rehabilitation: Wegbereiter für mehr Teilhabe?“. Die Podiumsdiskussion zeigte, dass sich die Reha-Landschaft mitten im Prozess des digitalen Wandels befindet. Einem Prozess, der mit viel Engagement, kreativen Ideen und auch Spaß bei der Entwicklung neuer Möglichkeiten verbunden ist. Wobei der schnellen Umsetzung von digitalen Entwicklungsprojekten viel zu oft bürokratische und rechtliche Hürden im Weg stünden. Der Mensch im Mittelpunkt und der Kontakt zu einem professionellen Behandlungsteam bleiben nach Auffassung der Diskutant*innen dennoch der Kern der Versorgung.

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) sprachen am dritten Kongresstag zwei international renommierte Rehabilitationswissenschaftler zu den Herausforderungen und Aufgaben der Rehabilitationsforschung im zukünftigen (globalen) Gesundheitswesen. Prof. Dr. Stefano Negrini, Direktor der Wissenschaftsorganisation Cochrane Rehabilitation und Professor an der Universität Mailand betonte in seiner Darstellung den Stellenwert evidenzbasierter Versorgung. Wie wichtig – und gleichzeitig herausfordernd - die Begriffsbestimmung von Forschungsinhalten ist, erläuterte Prof. Dr. Gerold Stucki von der Universität Luzern und Mitbegründer der „International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF)“ zum Thema Rehabilitation am Beispiel der „Funktionsfähigkeit“ bzw. des „Functioning“ in seiner Keynote.

Neben den fest im Programm verankerten Keynotes und Vortragsveranstaltungen bietet das Reha-Kolloquium den Teilnehmenden viele unterschiedliche Formate und Präsentationsmethoden, die deutlich über das reguläre Angebot wissenschaftlicher Tagungen hinaus gehen. Damit gewährleistet der Kongress, dass die Interessen und Bedürfnisse aller Zielgruppen der Kongressgäste berücksichtigt werden. Die hohe Teilnahmequote insgesamt und die Evaluation der Besucherzahlen der einzelnen Veranstaltungen belegen den Erfolg dieses Konzepts.

Eine besondere Möglichkeit bot sich den Kongressgästen in der Satellitenveranstaltung „KI-gestützte Assistenzsysteme für die Teilhabe am Arbeitsleben“. Hier konnten die Teilnehmenden unter Moderation des Bundes­verbandes der Deutschen Berufsförderungswerke generative KI-Technologien und weitere assistive Technologien selbst vor Ort erproben, Einsatzszenarien dazu entwickeln und die Möglichkeiten und Herausforderungen von KI-gestützten Assistenzsystemen in der beruflichen Reha diskutieren. Die Ergebnisse fließen u.a. in das Forschungsprojekt KI-Kompass Inklusiv ein. Das Projekt zielt darauf ab, Chancen, aber auch Grenzen bei der Anwendung von KI-gestützten Assistenztechnologien zur Stärkung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben besser zu verstehen.

Auf großes Interesse traf auch der Workshop „Innovation durch Flexibilität: Agilität trifft….“. Hier wurden Methoden des Agilen Arbeiten in praktischen Übungen und in Simulationen vermittelt. Das Konzept der „Agilität“ gilt als eine mögliche Antwort auf veränderte Arbeitswelten mit zunehmender Digitalisierung und räumlicher Distanzierung. Ziel ist es, Prozesse effizienter zu gestalten, Innovationen zu fördern und flexibel auf die Anforderungen einer digitalisierten Welt zu reagieren.

Ganz neu war der science hub. Dahinter verbirgt sich eine (zunächst analoge) Kooperationsplattform, die von der Deutschen Rentenversicherung unter dem Motto „Forschung sucht Förderung“ konzipiert und erstmalig auf dem Reha-Kolloquium 2025 umgesetzt wurde. Der science hub vernetzt Forschende, die an Studien und Projekten zu Prävention, Rehabilitation, Sozialmedizin und Teilhabe arbeiten möchten mit Institutionen und Praktikerinnen und Praktiker, die neue Konzepte, Technologien oder Interven­tionsansätze erproben und integrieren möchten, so wie Träger der Rentenversicherung, die sich an der Förderung von innovativen Projekten zur Verbesserung der Versorgung beteiligen möchten.

 

Resümee

Am letzten Veranstaltungstag würdigte Dr. Susanne Weinbrenner, Leitende Ärztin und Leiterin der Abteilung Prävention, Rehabilitation und Sozialmedizin der Deutschen Rentenversicherung Bund, das hohe Engagement aller Mitwirkenden bei der erfolgreichen Durchführung der Veranstaltung.

Die beachtliche Anzahl von Teilnehmenden, Veranstaltungen und Themen zeige, dass das Reha-Kolloquium seinen Stellenwert als wichtigster Reha-Kongress im deutschsprachigen Raum unterstreichen konnte. Das Interesse an den einbezogenen Inhalten und Formaten des Kongresses sei ungebrochen hoch. Sie dankte allen Referierenden, Diskutierenden, Moderierenden und Ausstellenden für die aktive Beteiligung und die inspirierenden Beiträge aus Forschung und Praxis.

Bildergalerie

Eine große Halle mit Rolltreppe und Plakaten zum Reha-Kolloquium.34. Reha-Kolloquium 2025 - EingangQuelle: DRVHerzlich Willkommen 2025 zum Reha-Kolloquium in Nürnberg!

Video-Impressionen zur Veranstaltung

Machen Sie sich ein Bild vom 34. Reha-Kolloquium 2025: Wir haben vielfältige Eindrücke zum Kongress in einem Video festgehalten.

On-Demand-Angebot

Zu den Veranstaltungen aus dem Plenarsaal (Saal Tokio), die während des Kongresses per Live-Stream übertragen wurden, stehen noch bis Juni 2025 die Videomitschnitte als Video-on-Demand-Angebot auf unserer Online-Kongressplattform zur Verfügung. Auch ein Großteil der wissenschaftlichen Poster ist dort noch online abrufbar.

Unter folgendem Direktlink gelangen Sie zur Plattform:

Zur Online-Plattform

Die Zugangsdaten hatten alle Teilnehmenden im März per Mail erhalten. Sollten Sie nicht mehr über Ihre Zugangsdaten verfügen, kontaktieren Sie uns gerne per Mail (reha-kolloquium[at]express.converia.de ).

Posterpreise

Zum 34. Reha-Kolloquium 2025 in Nürnberg wurden insgesamt 80 Posterbeiträge angenommen, die in 16 Postersessions von den Autorinnen und Autoren präsentiert wurden.

Eine Posterjury prämierte die drei wissenschaftlichen Poster, die ein rehabilitationswissenschaftlich relevantes Thema inhaltlich und gestalterisch sowie im Rahmen eines Kurzvortrags am besten umgesetzt hatten. Die Posterjury bestand aus Mitgliedern des Programmkomitees und Vertreterinnen und Vertretern der Rentenversicherung. Zusätzlich wurde wie jedes Jahr vom Publikum ein Poster für den Publikumssonderpreis gewählt.

Folgende Beiträge wurden auf dem 34. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium 2025 prämiert:

1. Posterpreis 2025 (dotiert mit 300 Euro)

Poster Nr. 4

Machbarkeit, Akzeptanz und User Experience des web-basierten, computer-adaptiven Diagnostikinstruments RehaCAT(+) in der somatischen Rehabilitation

Alexandra Aurelia Portenhauser; Johannes Knauer; Yannik Terhorst; Sandro Eiler; Harald Baumeister

Universität Ulm

Der prämierte Beitrag stellt die Ergebnisse zur User Experience eines am Computer auszufüllenden psychodiagnostischen Test-Instruments auf Basis einer Befragung von Klinikmitarbeitenden vor. Die Posterjury würdigte mit dem Preis die klare Struktur und sehr gute gestalterische Umsetzung, bei gleichzeitig hoher Qualität der wissenschaftlichen Aufbereitung. Hervorgehoben wurde die für das Medium „Poster“ besonders klare und ausgewogene Darstellung, die zu einem guten Verständnis des Posterinhalts beitrage.

Posterpreis 1. Platz

 

2. Posterpreis 2025 (dotiert mit 200 Euro)

Poster Nr. 79

Anwendung von Virtual Reality (VR) in der digitalen Therapie – Vielfältige Einsatzmöglichkeiten in der Rehabilitation

Ulrike Ziermann¹; Simone Steiner¹; Bettina Thauerer²; Monika Mustak-Blagusz³;

Das Poster thematisiert den Einsatz von VR-Brillen im Rahmen von digitalen KI-gestützten Therapien in der somatischen Rehabilitation. Dargestellt werden Untersuchungsergebnisse zur Akzeptanz, Benutzerfreundlichkeit und zur Integration dieser Therapieform in den Alltag der Patient*innen. Die Ergebnisse belegen eine breite Akzeptanz über verschiedene Altersgruppen und die Anwendbarkeit der Therapieoption für verschiedene somatische Indikationen. Neben der gelungenen gestalterischen Umsetzung begründet die Posterjury ihre Wahl mit der zukunftsweisenden Bedeutung der dargestellten Thematik für Entwicklungen in der Bewegungstherapie. Es eröffnen sich Möglichkeiten zur Weiterentwicklung individualisierter Therapie während und nach der Rehabilitation.

Posterpreis 2. Platz


3. Posterpreis 2025 (dotiert mit 150 Euro)

Poster Nr. 51

Klassifikation therapeutischer Leistungen (KTL): Ausdrucksstärke und Vereinfachungspotential?

Rainer Kaluscha¹; Markus Thiede²; Lisa Hertrich¹; Nadine Schmidt²; Anke Mitschele²

¹ Institut für Rehabilitationsmedizinische Forschung an der Universität Ulm (IFR Ulm),
 ² Deutsche Rentenversicherung Bund

Der mit dem 3. Posterpreis prämierte Beitrag stellt Ergebnisse einer Analyse der Klassifikation therapeutischer Leistungen (KTL) vor. Es wurde überprüft, ob diese Klassifikation ausdrucksstark genug ist, um bei unterschiedlichen Erkrankungen auch unterschiedliche Therapieschwerpunkte widerzuspiegeln. Ferner wurde geprüft, ob Spielraum für Vereinfachungen, z.B. durch Zusammenlegung von Einzelkodes innerhalb eines Kapitels besteht. Die Posterjury begründete die Auswahl zum einen mit der hohen Relevanz für die Qualitätssicherung. Dieses wichtige Thema wurde mit einem interessanten Analysesansatz untersucht. Zum anderen gelang den Posterautoren eine übersichtliche und optisch ansprechende Darstellung der Untersuchung und ihrer Ergebnisse.

Posterpreis 3. Platz


Postersonderpreis des Publikums 2025 (dotiert mit 300 Euro)

Poster Nr. 20

Trauerbewältigung und Teilhabe: Risikofaktoren und persönliche Ressourcen

Julia Brenner; Jens Knispel; Veneta Slavchova; Viktoria Arling

RWTH Aachen

Der durch das Publikum für den Postersonderpreis gewählte Beitrag stellt Ergebnisse einer Online-Befragung zum Erleben und Bewältigen von Trauer nach einem Verlust eines geliebten Menschen dar, die bei einigen Trauernden auch pathologische Formen annehmen kann. Mit Blick auf das Berufsleben kann dies zu einer unmittelbaren Gefährdung der beruflichen Teilhabe führen. Ziel dieser Studie war es zu überprüfen, ob die Todesart und das Ausmaß der kognitiven Neubewertung relevant für die Trauerintensität von Hinterbliebenen sind. Weiterhin wurde der Zusammenhang von Trauerintensität und Depressivität untersucht.

Posterpreis Publikum

Evaluation

Teilnehmende

Beim 34. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium 2025 wurden 1.887 Teilnehmende registriert. 227 Personen (12 Prozent) haben sich an der Veranstaltungsevaluation beteiligt.

Ergebnisse

Die verschiedenen Aspekte des Kolloquiums wurden auf einer Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (sehr unzufrieden) beurteilt. In der folgenden Ergebnisdarstellung finden Sie Angaben zum Mittelwert (MW).

ZUFRIEDENHEIT MIT DER VERANSTALTUNGSORGANISATION

  • Vorab-Informationen zum Reha-Kolloquium (MW=1,4)
  • Internetauftritt zum Reha-Kolloquium (MW=1,6)
  • Online-Anmeldung & Online-Einreichung von Beiträgen (MW=1,6)
  • Online-Kongressplattform (mit Live-Streams & E-Poster-Ausstellung) (MW=2,0)
  • Betreuung durch das Organisationsteam im Vorfeld des Kongresses (MW=1,5)
  • Betreuung durch das Organisationsteam während des Kongresses (MW=1,3)
  • Zeitlicher Ablauf des Reha-Kolloquiums (MW=1,5)
  • Veranstaltungsorganisation insgesamt (MW=1,4)

ZUFRIEDENHEIT MIT DEM WISSENSCHAFTLICHEN PROGRAMM

  • Programmstruktur (Kombination verschiedener Formate) (MW=1,7)
  • Fachliche Qualität der wissenschaftlichen Vorträge (MW=2,0)
  • Fachliche Qualität der wissenschaftlichen Poster (MW=2,0)
  • Fachliche Qualität der Plenarvorträge (MW=1,7)
  • Fachliche Qualität der Podiumsdiskussion (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität der DGRW-Updates (MW=2,0)
  • Fachliche Qualität der Diskussionsforen (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der Satellitenveranstaltungen (MW=2,1)
  • Fachliche Qualität der Meet-the-Experts (MW=1,9)
  • Wissenschaftliches Programm insgesamt (MW=1,8)

ZUFRIEDENHEIT MIT DER VERANSTALTUNGSSTÄTTE VOR ORT
(Nürnberg Convention Center Ost (NCC Ost))

  • Räumlichkeiten der Veranstaltungsstätte NCC (MW=1,3)
  • Technische Ausstattung der Veranstaltungsstätte NCC (MW=1,3)
  • Pausenverpflegung im NCC (MW=1,4)
  • Präsentation der Aussteller im NCC (MW=1,6)
  • Veranstaltungsstätte insgesamt (MW=1,3)

ZUFRIEDENHEIT MIT DEM RAHMENPROGRAMM

  • Begrüßungsempfang am Montag (MW=2,3)
  • Geselliger Abend am Mittwoch (MW=2,2)
  • Rahmenprogramm insgesamt (MW=2,0)

Der Gesamteindruck vom 34. Reha-Kolloquium wurde von den Antwortenden mit 1,5 beurteilt. Die positive Einschätzung spiegelt sich auch in den Freitextkommentaren wider und dokumentiert die hohe Zufriedenheit der Anwesenden mit der Veranstaltung.



33. Reha-Kolloquium 2024 in Bremen

Kongressbericht

Das Reha-Kolloquium fand in diesem Jahr Mitte März mit einem neuen Besucherrekord statt: Rund 1.650 Teilnehmende beschäftigten sich auf dem 33. Reha-Kolloquium mit dem diesjährigen Schwerpunkthema der Nachhaltigkeit. Der Kongress tagte vom 18. bis 20. März 2024 in Bremen. Für Personen, die nicht nach Bremen reisen konnten, wurden die Programmhighlights aus dem Plenarsaal per Livestream online übertragen und allen Teilnehmenden im Nachgang als Video-On-Demand-Angebot zur Verfügung gestellt. Das wissenschaftliche Programm beim Kongress wurde von einer Fachausstellung und zwei Abendveranstaltungen begleitet.

Der Kongress wurde vom Dezernat Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) veranstaltet.

Das 33. Reha-Kolloquium 2024 in Zahlen:

  • Mit rund 1.650 registrierten Teilnehmenden wurde ein neuer Besucherrekord erreicht.
  • In mehr als 80 Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen wurde an drei Kongresstagen in bis zu 8 Parallelveranstaltungen ein vielfältiges wissenschaftliches Programm geboten.
  • Auf 70 wissenschaftlichen Postern wurden Fragestellungen und Studien zum gesamten Themenspektrum der Reha-Wissenschaften visualisiert.
  • Über 900 Minuten Video-on-Demand-Angebot stehen allen Teilnehmenden im Nachgang der Veranstaltung zur Verfügung.
  • An 52 Ausstellungsständen wurden Unternehmen, Dienstleistungen und Produkte der Reha-Branche vorgestellt.

 

Kongressmotto „Nachhaltigkeit und Teilhabe: ökologisch - ökonomisch - sozial“

Unter dem diesjährigen Kongressmotto stand die Frage im Mittelpunkt, wie bei der Weiterentwicklung von zukunftsfähigen Teilhabestrategien die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit sinnvoll miteinander in Einklang gebracht werden können.

Die Bewältigung des Klimawandels kann auf gesellschaftlicher Ebene nur gelingen, wenn in der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte ökologische, ökonomische und soziale Ziele gleichermaßen adressiert und austariert werden. Dafür bleiben bis zum Jahr 2030 nur noch weniger als sechs Jahre. Bis dahin haben sich die Vereinten Nationen 17 Nachhaltigkeitsziele gesetzt: Die Sustainable Development Goals (SDGs) beziehen sich auf eine ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltige Entwicklung. Sie sollen die Lebensverhältnisse der Menschen heute und künftiger Generationen grundlegend verbessern und die Erde schützen. Doch über die Hälfte des Umsetzungszeitraums für die „Agenda 2030“ ist bereits verstrichen, die Halbzeitbilanz im vergangenen Jahr fiel ernüchternd aus. Daher stellt sich die Frage, wie der notwendige Wandel noch verwirklicht werden kann. Welche Maßnahmen bzw. Transformationshebel sind dafür geeignet? Worin bestehen Zielkonflikte und Transformationsblockaden? Wissenschaft und Forschung spielen eine bedeutende Rolle bei der Beantwortung dieser Fragen. Durch das Aufdecken von Einflüssen, Zusammenhängen und Folgewirkungen liefern sie fundierte und belastbare Erkenntnisse für Entscheidungen und Gestaltungsoptionen zur Nachhaltigkeitswende.

Zu diesen Fragen, neuesten Forschungsergebnissen und aktuellen reha-relevanten Themen referierten und diskutierten Expertinnen und Experten aus den Bereichen Reha-Forschung und -Praxis, Medizin, Wissenschaft, Politik und Verwaltung in über 250 Beiträgen.

 

Kongresseröffnung und Grußworte

In ihrer Eröffnungsrede verwies Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, auf Nachhaltigkeit als eine Form von Generationenvertrag. Die Art und Weise, wie wir heute mit unseren Ressourcen umgehen, werde über Wohlstand und Perspektiven zukünftiger Generationen entscheiden. Es gelte daher Wege zu finden, die wirtschaftlich effizient, sozial gerecht und ökologisch tragfähig sind.

Weitere Grußworte übermittelten und sprachen Dr. Andreas Bovenschulte, Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz der Freien Hansestadt Bremen, Sarah Leona Simon, Erste Direktorin und Geschäftsführerin gemeinsam mit Dr. Axel Kunte, Direktor und Stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen sowie Prof. Dr. Thorsten Meyer-Feil, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW).

 

Highlights aus dem Kongressprogramm

Den Auftakt des Kolloquiums machte Prof. Dr. Claudia Hornberg in ihrer Eröffnungskeynote zum Thema „Umwelt, Gesundheit und Nachhaltigkeit: Wie der Klimawandel unsere Zukunft formt“. Die Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin sowie Gründungsdekanin der Medizinischen Fakultät der Universität Bielefeld ist Vorsitzende des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU), der die Bundesregierung zu aktuellen Fragen der Umweltpolitik berät. Sie erklärte, warum konsequent umgesetzte Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen notwendig sind, um Gesundheit und Wohlbefinden zu schützen und zu erhalten.

Der Umweltpsychologe Prof. Dr. Gerhard Reese von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau und Mitbegründer der Task Force „Mensch, Klima, Nachhaltigkeit“ der Deutschen Gesellschaft für Psychologie beschäftigte sich in seiner Keynote am Dienstag mit der Frage, wie wir beim Thema Nachhaltigkeit die Lücke zwischen Überzeugung und Verhalten verkleinern können. Seine Prämisse dabei lautete, dass Verhalten immer auch eine Funktion des sozialen und gesellschaftlichen Umfelds ist. Gerade die globalen Krisen wie aktuell die Klimakrise erfordern individuelle, aber vor allem systemische Veränderungen.

Im Anschluss diskutierte Prof. Dr. Reese mit Frau Prof. Dr. Edda Weimann, international anerkannte Nachhaltigkeitsexpertin im Gesundheitswesen, Brigitte Gross, Direktorin der Deutschen Rentenversicherung Bund, und Moderator Dr. Marco Streibelt, Leiter des Dezernats Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund, zur Frage „Ökologische Transformation in der Rehabilitation – gesetzliche Verpflichtung oder gesellschaftliches Engagement“. Quintessenz war: Das Reha-System sollte (s)einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Wie dies gelingen kann, stellte Frau Gross am Beispiel der Nachhaltigkeitsstrategie der Deutschen Rentenversicherung Bund dar. „Aus dem Generationenvertrag lässt sich auch die Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft ableiten“, betonte Gross. „Die Deutsche Rentenversicherung hat hierfür die ersten Schritte gemacht. Beim Kampf gegen den Klimawandel handelt es sich jedoch um keinen Sprint, sondern um eine Daueraufgabe, zu der wir unseren Teil als Institution beisteuern möchten“, so Gross. Frau Prof. Dr. Weimann erläuterte, zugeschaltet aus Ruanda, wie sie aktuell in Ruanda ein nachhaltiges Krankenhaus aufbaut. Sie machte deutlich, dass Klimaschutz auch unter großen Schwierigkeiten gelebt werden kann. In einem waren sich alle einig: Wir müssen ins Handeln kommen.

Am Mittwoch befasste sich Prof. Dr. Hans Martin Hasselhorn, Bergische Universität Wuppertal, in seiner Keynote zur sozialen Nachhaltigkeit mit der Frage, warum viele „Babyboomer“ das Erwerbsleben so frühzeitig verlassen wollen, obwohl es ausreichend Gründe für eine Weiterbeschäftigung gibt. Prof. Dr. Hasselhorn ist Projektleiter der Studie "lidA- leben in der Arbeit", die den Übergang von Arbeit in den Ruhestand erforscht. Laut seinen Daten entscheiden sich die meisten älteren Erwerbstätigen für einen frühen Ausstieg, der meist deutlich vor Erreichen der Regelaltersgrenze liegt. Gleichzeitig ist die Bereitschaft vorhanden, unter bestimmten Umständen länger als momentan gewünscht erwerbstätig zu bleiben – insbesondere dann, wenn der Einzelne mehr Einfluss auf die Gestaltung seiner eigenen Arbeit erhielte. Beim Ausstieg in die Erwerbsminderungsrente steht hingegen – über die gesundheitlichen Probleme hinaus – die anstrengende Arbeit im Vordergrund. Eine Schlussfolgerung des Projektteams ist, dass es Politik und Wirtschaft, wenn sie ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben halten wollen, gelingen muss, sie dazu zu bringen, länger arbeiten zu wollen. Dies könne nicht ohne eine grundlegende Betrachtung der Arbeitsbedingungen gehen. Aktuell läuft die vierte Befragungswelle der Studie, die auch von der Deutschen Rentenversicherung Bund gefördert wird.

Ein weiterer Fokus lag auf der Nachhaltigkeit in Wissenschaft und Forschung. Auf der einen Seite bedeutet nachhaltige Entwicklung, dass Wissenschaft für konkrete Probleme nutzbare Lösungen entwickelt. Auf der anderen Seite muss Wissenschaft aber ergebnisoffen praktiziert werden können. Gerade innovative Forschung birgt dabei immer auch das Risiko des Scheiterns. Doch auch aus vermeintlichen Fehlschlägen lassen sich wichtige Erkenntnisse ableiten. Notwendig ist die Stärkung einer konstruktiven und sanktionsfreien Fehler- bzw. Lernkultur. Dafür wurden im Rahmen des diesjährigen Kongresses neue Formate ausprobiert, die sich insbesondere mit den „Lessons Learned“ von Forschungs- und Modellprojekten befassen:

So sprachen beim „LEArN COFFEE“ die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Forschungsschwerpunkt zur Weiterentwicklung der beruflichen Rehabilitation über konkrete Herausforderungen, die während der Projektlaufzeit auftraten. Was ist passiert? Was hat das für das Projekt bedeutet? Welche (guten oder schlechten) Lösungen wurden gefunden bzw. waren realisierbar? Welche Auswirkungen hatte das auf die Forschungsfragen und die Methode? Und welchen Impact hat das Ereignis auf die zukünftige wissenschaftliche Arbeit? Die Rekrutierung von Teilnehmenden und Kooperationspartnern bei Forschungsprojekten, die Zusammenarbeit im Projektbeirat, die Kalkulation von Ressourcen bei partizipativer Forschung, Methode und Feldzugang waren ausgewählte Probleme, die in den Projekten während der Laufzeit auftraten und für die kluge Lösungen gefunden werden mussten. Die Forschenden teilten ihre Erfahrungen und diskutierten lösungsorientiert darüber, welche Chancen in diesen Hürden lagen.

Und auch die 121 Modellvorhaben aus dem Bundesprogramm „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – rehapro“ teilen eine besondere gemeinsame Herausforderung, für die projektspezifische Lösungsansätze gefunden werden müssen. Die Projekte müssen völlig neuartige Präventions-, Begleit- und Beratungsangebote entwickeln und erproben, sie müssen Zugangswege optimieren und frühzeitiger Bedarfe erkennen, die Rehabilitation und Teilhabe personenzentriert und bedarfsgerecht weiterentwickeln sowie Lücken im gegliederten Sozialsystem schließen. Für einige Modellvorhaben bringt die rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit weitere handlungspraktische, institutionelle und technische Hürden mit sich. Mit dem neuen Veranstaltungsformat „Lösungsbörse rehapro“ wurde vorhandenes Wissen über Veränderungsstrategien projektübergreifend gesammelt und verfügbar gemacht.

Das Bundesprogramm war darüber hinaus mit zahlreichen Poster-, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen im Kongressprogramm vertreten. Die neuen Modellprojekte aus dem dritten Förderaufruf präsentierten sich mit einer eigenen Posterausstellung. Auch Modellprojekte aus dem SGB-II-Rechtskreis wurden in verschiedenen Veranstaltungen diskutiert.

Als mittlerweile fester Bestandteil im wissenschaftlichen Programm fand in diesem Jahr wieder das Nachwuchsforum statt. Junge Forscherinnen und Forscher, die sich auf ein Kongressstipendium beworben hatten, konnten ihre Studienarbeiten in Bremen mit einem Fachpublikum diskutieren. Damit soll der wissenschaftliche Nachwuchs gezielt gefördert und für die Rehabilitationswissenschaften begeistert werden – auch das ein Aspekt der Nachhaltigkeit!

Mit den vielen unterschiedlichen Formaten und Präsentationsmethoden wird beim Reha-Kolloquium mittlerweile ein hohes Maß der Einbindung des Publikums erreicht, das deutlich über das reguläre Angebot wissenschaftlicher Tagungen hinaus geht.

 

Resümee

Am letzten Veranstaltungstag würdigte Dr. Susanne Weinbrenner, Leitende Ärztin und Leiterin der Abteilung Prävention, Rehabilitation und Sozialmedizin der Deutschen Rentenversicherung Bund, das hohe Engagement aller Mitwirkenden bei der erfolgreichen Durchführung der Veranstaltung. Allen Referierenden, Diskutierenden und Ausstellenden dankte sie für die aktive Beteiligung und die inspirierenden Beiträge aus Forschung und Praxis. Die beachtliche Anzahl von Teilnehmenden, Veranstaltungen und Themen zeige, dass das Reha-Kolloquium seinen Stellenwert als wichtigster Reha-Kongress im deutschsprachigen Raum wiederholt eindrucksvoll unterstreichen konnte. Das Interesse sowohl am Kongress als auch an den einbezogenen Inhalten und Formaten sei ungebrochen hoch.

Bildergalerie

PD. Dr. Aike Hessel, Leitende Ärztin der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen, bei der Verleihung der PosterpreiseQuelle: DRV Bund, Jana HonczekPD. Dr. Aike Hessel, Leitende Ärztin der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen, bei der Verleihung der Posterpreise

Video-Impressionen zur Veranstaltung

Machen Sie sich ein Bild vom 33. Reha-Kolloquium 2024: Wir haben vielfältige Eindrücke zum Kongress in einem Video festgehalten.

Posterpreise

Zum 33. Reha-Kolloquium 2024 in Bremen wurden insgesamt 70 Posterbeiträge angenommen, die in 14 Postersessions von den Autorinnen und Autoren präsentiert wurden.

Eine Posterjury prämierte die drei wissenschaftlichen Poster, die ein rehabilitationswissenschaftlich relevantes Thema inhaltlich und gestalterisch sowie im Rahmen eines Kurzvortrags am besten umgesetzt hatten. Die Posterjury bestand aus Mitgliedern des Programmkomitees und Vertreterinnen und Vertretern der Rentenversicherung. Zusätzlich wurde wie jedes Jahr ein Postersonderpreis vom Publikum gewählt.

Folgende Beiträge wurden auf dem 33. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium 2024 prämiert:

1. Posterpreis 2024 (dotiert mit 300 Euro)

Poster Nr. 53

Sag ich’s oder sag ich’s nicht? Einblicke in das Offenlegungs-Dilemma chronisch erkrankter Arbeitnehmer*innen

Dr. Jana Felicitas Bauer, Veronika Chakraverty, Anja Greifenberg, Prof. Dr. Mathilde Niehaus

Universität zu Köln

Die Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Fragestellung der Offenlegung einer chronischen Erkrankung gegenüber Arbeitgeber*innen. Ein Dilemma in dieser Situation resultiert daraus, dass zum einen viele Beeinträchtigungen nicht direkt sichtbar sind, aber dennoch die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen können und zum anderen für die Inanspruchnahme möglicher Unterstützungsangebote im Arbeitsumfeld jedoch diese zunächst thematisiert – also offengelegt – werden müsste. Die Folgen einer solchen Offenlegung sind aber zunächst unklar, da die Reaktionen des beruflichen Umfelds oftmals nicht absehbar sind. Um chronisch kranke Arbeitnehmer*innen bei der Entscheidung für oder wider die Offenlegung der gesundheitlichen Situation gegenüber dem beruflichen Umfeld zu unterstützen entwickelte die Arbeitsgruppe einen anonymen digitalen Selbsttest.

Dem prämierten Beitrag lagen Daten von 3.806 Nutzer*innen zugrunde, die zur Verbesserung des Selbsttests und nicht primär für Forschungszwecke erhoben wurden. Die Autor*innen schreiben dazu: „Die Daten sind jedoch in der Hinsicht einzigartig und wertvoll, als dass sie einen Zugang zu der sehr schwer zu erreichenden Gruppe der nicht offengelegten Arbeitnehmer*innen ermöglichen und direkt aus der Situation des Entscheidungsdilemmas stammen, anstatt retrospektiv nach bereits vergangenen Entscheidungssituationen zu fragen.“ Neben entscheidungsrelevanten Kontextbedingungen wurden auch persönliche Voraussetzungen sowie Einstellungen, Werte und Vorerfahrungen der Nutzer*innen durch den Selbsttest erfragt. Es zeigen sich vielfältige Unterstützungsbedarfe der chronisch kranken Arbeitnehmer*innen, die aber durch die Nichtoffenlegung häufig nicht adressiert werden können. Manche der Nutzer*innen des Selbsttest verfügen über ein unterstützendes betriebliches Umfeld, manche werden eher in ihrer Entscheidung durch abschreckende negative Erfahrungen in der Vergangenheit beeinflusst. Dies führt für manche Arbeitnehmer*innen mit chronischen Erkrankungen zu Unsicherheiten und dazu, beim Status quo zu verbleiben und die Beeinträchtigungen nicht offenzulegen.

Der Beitrag zeigt, dass die Entscheidungsfindung für oder wider die Offenlegung ein sehr komplexer und individueller Prozess ist. Die individuelle Klärung des „Etikettierungs-Ressourcen-Dilemmas“ ist eng verbunden mit den Möglichkeiten für ein gesundes Arbeiten der chronisch kranken Arbeitnehmer*innen und deren Verbleib in der Beschäftigung.

Die Posterjury hob die übersichtliche Darstellung, die Präsentation des Beitrags und die wertvollen Einblicke in ein noch zu wenig beforschtes rehabilitationswissenschaftliches Themenfeld hervor, das sehr relevante Erkenntnisse für Fragen von stay at work chronisch kranker Arbeitnehmer*innen bietet.

2. Posterpreis 2024 (dotiert mit 200 Euro)

Poster Nr. 34

Ergebnisse einer Fokusgruppe zur Berücksichtigung der ICF-Kontextfaktoren in der sozialmedizinischen Begutachtung

Judith Gartmann, Dr. Christoph Egen, Dr. Christian Sturm, Dr. Andrea Bökel

Medizinische Hochschule Hannover

Der prämierte Beitrag präsentiert Ergebnisse einer Fokusgruppe, die mit Sozialmedizinern durchgeführt wurde. Dabei ging es um die Qualität in der Begutachtung von Anträgen auf Erwerbsminderungsrente (EMR) und den Beitrag den das Modell der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF), spezieller die Berücksichtigung der Kontextfaktoren, dazu leisten kann. Die Teilnehmenden identifizierten im Fokusgruppengespräch die Relevanz der Kontextfaktoren sowie gleichzeitig Barrieren, die der konsequenten Berücksichtigung der ICF im Rahmen der sozialmedizinischen Begutachtung von EMR-Anträgen entgegenstehen. Im Beitrag wird herausgearbeitet, dass neben der Dokumentation und anderen objektiven Rahmenbedingungen insbesondere die subjektive Bedeutsamkeit der ICF für die Begutachtenden einen wichtigen Faktor dafür darstellt, ob die Kontextfaktoren berücksichtigt werden oder nicht. Folglich sollten neben der Entwicklung praktikabler Checklisten und Dokumenten auch Anstrengungen unternommen werden, um die Kontextfaktoren stärker in das Bewusstsein der begutachtenden Personen zu bringen (z.B. Verankerung in Leitlinien zur Begutachtung, Schulungen und einschlägiger Fachliteratur).

Die Posterjury hebt neben der Gestaltung des Posters als preiswürdig hervor, dass der Beitrag mit der Qualität in der sozialmedizinischen Begutachtung ein wichtiges, wenn auch vernachlässigtes Forschungsfeld thematisiert.

3. Posterpreis 2024 (dotiert mit 150 Euro)

Poster Nr. 44

Bedarfsfokussierte Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen – BETA-MeH

Susann Huthmann (1), Annette Blaudszun-Lahm (2), Rebekka Heyme (1), Dr. Regina Osranek (2), Dr. Dolores Claros-Salinas (3), Dr. Wilfried Schupp (3), Alexander Thomas (3)

  • Deutsche Rentenversicherung Bund
  • Institut für Technologie und Arbeit e.V.
  • Claros-Salinas/Schupp/Thomas GbR

Der mit dem 3. Posterpreis der Jury gewürdigte Beitrag präsentiert erste Ergebnisse aus der Machbarkeitsstudie eines innovativen Ansatzes zur Verzahnung von medizinischer Rehabilitation und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zur Förderung der beruflichen Wiedereingliederung von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen (MeH). Mit dem Regelangebot der Rehabilitationsleistungen kann bei dieser Zielgruppe eine nachhaltige Teilhabe am Arbeitsleben teilweise nicht erreicht werden. Die im Projekt erprobten Rehabilitationsleistungen berücksichtigen die Unterschiedlichkeit der möglichen Rehabilitationsverläufe und können flexibel hinsichtlich ihrer Dauer, ihres Umfangs und ihrer Abfolge bedarfs- und sozialraumorientiert erbracht werden. Der konkrete Arbeitsplatz der Rehabilitand*innen wird von Beginn an in der Rehabilitation berücksichtigt und die Wiedereingliederung am Arbeitsplatz kann bis zu 12 Monaten individuell begleitet werden.

Die Erprobung dieses Ansatzes zeigt einen gesteigerten Abstimmungsbedarf zwischen den verschiedenen Systemen, Leistungserbringern und Professionen und verdeutlicht die Grenzen der aktuellen Regelversorgung für MeH (u.a. strikte Trennung zwischen medizinischer und beruflicher Rehabilitation, mangelnde bedarfs- und personenzentrierte Leistungserbringung, vorherrschender berufsbildorientierter statt arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogener Rehabilitationsansatz, Fokussierung auf medizinische Settings statt lebensweltlicher Ausrichtung).

Der Beitrag zeigt, dass es den Akteur*innen in den verschiedenen Systemen aufgrund gewohnter Abläufe und teilweise mangelnden Verständnisses für die jeweils anderen Logiken sowie eines eingeübten „Mindsets“ nicht gelingt, den übergreifenden Ansatz in der Praxis fruchtbar im Sinne der Rehabilitand*innen umzusetzen. Die Autor*innen schreiben: „Verwaltung kann die Freiräume für Innovationen schaffen, um diese mit Leben zu füllen, bedarf es Ressourcen und Bereitschaft weiterer Akteure, gelebte (und geliebte) Praxis zu verändern und somit die eigenen sektoralen Grenzen zu überwinden und gemeinsames Handeln im Sinne der Rehabilitand:innen zu ermöglichen.“

Die Posterjury würdigt die Darstellung der umfassenden Herausforderungen, die bei der Implementierung der innovativen Reha-Leistung für MeH in der Praxis zutage traten. Bei der Implementierung des neuen Ansatzes verliefen einige Schritte anders als geplant oder erwartet. Eine Hauptbarriere stellte das tradierte Denken und Handeln der Praktiker*innen vor Ort in den bisherigen Strukturen und Prozessen dar, sodass die Innovation trotz der bewussten Offenheit im Projekt von den Akteur*innen nicht gelebt wurde. Besonders gewürdigt wird der konstruktive und offensive Umgang mit dem „Scheitern“ unter Praxisbedingungen und den abgeleiteten Erkenntnissen daraus.

Postersonderpreis des Publikums 2024 (dotiert mit 300 Euro)

Poster Nr. 58

Teilnahme an einem Begleitpersonenprogramm in der Kinderrehabilitation. Einblicke in die Erfahrungswelten von Begleitpersonen

Dr. Judith Stumm, Sandra Fahrenkrog, Laura Klüpfel, Prof. Dr. Karla Spyra

Charité – Universitätsmedizin Berlin

Der durch das Publikum für den Postersonderpreis ausgewählte Beitrag der Arbeitsgruppe aus der Charité beschäftigt sich mit der qualitativen Evaluation eines therapeutischen Programms für Begleitpersonen in der Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen (Begleitpersonenprogramm – BPP). Die Evaluation ist Teil einer größeren, multimethodisch angelegten Studie. Das BPP wird in zwei kooperierenden Kliniken durchgeführt. Ziel ist es u.a. die Erziehungskompetenz und Resilienz der Begleitpersonen zu stärken. Dazu werden Schulungen und Trainings sowie Austausch und Beratungen zu konfliktgeladenen Alltagskontexten angeboten. Die Begleitpersonen sollen so befähigt und gestärkt werden um als Co-Therapeut*innen den Rehabilitationsprozess des Kindes oder Jugendlichen zu unterstützen.

Aus den vorgestellten Ergebnissen der Interviews werden wichtige Erkenntnisse zur Optimierung dieses neuen Angebotes abgeleitet. Dazu gehören u.a. die Informationen der Begleitpersonen im Vorfeld sowie die Erfassung deren Kontextbedingungen, sodass die Vorbereitung und Durchführung des BPP passgenauer erfolgen kann, um nachhaltige Effekte zu erzielen. Die Evaluation zeigt, dass die Begleitpersonen häufig stark belastet in der Rehabilitationseinrichtung ankommen und am Ende insgesamt zufrieden mit der Einbindung in den Rehabilitationsprozess des Kindes sind durch die Maßnahmen des BPP sind. Dies verdeutlich die Wichtigkeit dieses neuen Angebotes in der Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen.

Evaluation

Online-Evaluation

Die Bewertung des Reha-Kolloquiums erfolgt über eine Online-Befragung der Teilnehmenden. Die Bewertungen und die detaillierten Freitextangaben werden dazu genutzt, die Durchführung des Kongresses möglichst an die Wünsche der Teilnehmenden anzupassen. Die Online-Evaluation wird durch die Firma evasys GmbH im Rahmen eines Sponsorings unterstützt.

Teilnehmende

Beim 33. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium 2024 wurden 1.649 Kongressgäste Teilnehmende registriert.  248 Personen (15 Prozent) haben sich an der Veranstaltungsevaluation beteiligt.

Ergebnisse

Die verschiedenen Aspekte des Kolloquiums wurden auf einer Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (sehr unzufrieden) beurteilt. In der folgenden Ergebnisdarstellung finden Sie Angaben zum Mittelwert (MW).

ZUFRIEDENHEIT MIT DER VERANSTALTUNGSORGANISATION

  • Vorab-Informationen zum Reha-Kolloquium (MW=1,5)
  • Internetauftritt zum Reha-Kolloquium (MW=1,7)
  • Online-Anmeldung & Online-Einreichung von Beiträgen (MW=1,4)
  • Online-Kongressplattform (mit Live-Streams & E-Poster-Ausstellung) (MW=1,7)
  • Betreuung durch das Organisationsteam im Vorfeld des Kongresses (MW=1,3)
  • Betreuung durch das Organisationsteam während des Kongresses (MW=1,4)
  • Zeitlicher Ablauf des Reha-Kolloquiums (MW=1,7)
  • Veranstaltungsorganisation insgesamt (MW=1,5)

ZUFRIEDENHEIT MIT DEM WISSENSCHAFTLICHEN PROGRAMM

  • Programmstruktur (Kombination verschiedener Formate) (MW=1,7)
  • Fachliche Qualität der wissenschaftlichen Vorträge (MW=2,1)
  • Fachliche Qualität der wissenschaftlichen Poster (MW=2,0)
  • Fachliche Qualität der Plenarvorträge (MW=1,5)
  • Fachliche Qualität der Podiumsdiskussion (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der DGRW-Updates (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der Diskussionsforen (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der Satellitenveranstaltungen (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der Meet-the-Experts (MW=1,8)
  • Wissenschaftliches Programm insgesamt (MW=2,0)

ZUFRIEDENHEIT MIT DER VERANSTALTUNGSSTÄTTE VOR ORT
(Messe und Congress Centrum Bremen)

  • Räumlichkeiten der Veranstaltungsstätte HCC (MW=1,5)
  • Technische Ausstattung der Veranstaltungsstätte HCC (MW=1,4)
  • Pausenverpflegung im HCC (MW=1,4)
  • Präsentation der Aussteller im HCC (MW=1,7)
  • Veranstaltungsstätte insgesamt (MW=1,4)

ZUFRIEDENHEIT MIT DEM RAHMENPROGRAMM

  • Begrüßungsempfang am Sonntag (MW=2,2)
  • Get-Together am Dienstag (MW=1,5)
  • Veranstaltungsstätte insgesamt (MW=1,7)

Der Gesamteindruck vom 33. Reha-Kolloquium wurde von den Antwortenden mit 1,6 beurteilt. Die positive Einschätzung spiegelt sich auch in den Freitextkommentaren wider und dokumentiert die hohe Zufriedenheit der Anwesenden mit der Veranstaltung.

 

32. Reha-Kolloquium 2023 in Hannover PRÄSENZ PLUS

Kongressbericht

Nach drei Jahren war es endlich wieder soweit: Nachdem das Reha-Kolloquium pandemiebedingt im Februar 2020 leider kurzfristig abgesagt werden musste und – wenn auch äußerst erfolgreich – 2021 erstmals im Online-Format stattfand und 2022 Hybrid-Premiere feierte, konnte die Reha-Community bei der diesjährigen Kongressausgabe endlich wieder in Präsenz zusammenkommen. Vom 20. bis 22. Februar 2023 trafen sich Expertinnen und Experten im Hannover Congress Center (HCC), um sich zum Thema „Veränderungskultur fördern - Teilhabe stärken - Zukunft gestalten“ persönlich auszutauschen und zu vernetzen. Für Personen, die nicht nach Hannover reisen konnten, wurden die Programmhighlights per Livestream online übertragen und allen Teilnehmenden im Nachgang als Video-On-Demand-Angebot zur Verfügung gestellt. Bei den Teilnehmenden stieß das angebotene Format „Präsenz Plus“ auf große Zustimmung.

Das 32. Reha-Kolloquium 2023 wurde vom Dezernat Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) veranstaltet.

Der Erfolg des Veranstaltung lässt sich auch an Zahlen festmachen:

  • Mit über 1.500 registrierten Teilnehmenden und davon 1.400 Kongressgästen in Hannover wurde Anmeldezahlen aus „Vor-Corona-Zeiten“ erreicht.
  • In mehr als 70 Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen wurde an drei Kongresstagen in bis 7 Parallelveranstaltungen ein vielfältiges wissenschaftliches Programm geboten.
  • Auf über 80 wissenschaftlichen Postern wurden Fragestellungen und Studien zum gesamten Themenspektrum der Reha-Wissenschaften visualisiert.
  • 900 Minuten Video-on-Demand-Angebot stehen allen Teilnehmenden im Nachgang der Veranstaltung zur Verfügung.
  • An 35 Ausstellungsständen wurden Unternehmen, Dienstleistungen und Produkte der Reha-Branche vorgestellt.

 „Veränderungskultur fördern - Teilhabe stärken - Zukunft gestalten“  

Sowohl die Folgen der COVID-19-Pandemie und die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine als auch die Bewältigung des digitalen, ökologischen und demografischen Wandels führen in der Reha-Landschaft zu einer andauernden Anpassungs- und Veränderungsdynamik. Gleichzeitig wird es für die Rentenversicherungsträger und Rehabilitationseinrichtungen in den nächsten Jahren verstärkt darum gehen, sehr konkrete gesetzliche Änderungen umzusetzen und erfolgreich erprobte, innovative Modellprojekte aus dem Bundesprogramm „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – rehapro“ in die Verwaltungs- und Reha-Praxis zu überführen. Beim diesjährigen Kongress wurde aus unterschiedlichen Perspektiven aufgezeigt, wie eine zielführende Innovations- und Veränderungskultur etabliert werden kann, um die vielfältigen Entwicklungstrends proaktiv mitzugestalten und damit bestmögliche Teilhabe für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigung zu erreichen und nachhaltig zu sichern.

Kongresseröffnung und Grußworte

In ihrer Eröffnungsrede unterstrich Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, dass sich die Rehabilitation mitten im Transformationsprozess befinde. „Es ist an uns, Veränderungen anzunehmen, sie zu gestalten, hinzuzulernen und beherzt immer wieder neue Wege zu gehen.“ Zu diesem Wandel ins Gespräch zu kommen, Ideen weiterzuentwickeln und neue Impulse zu setzen, stehe im Mittelpunkt des Kongresses. Weitere Grußworte sprachen Dr. Andreas Philippi, Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Niedersachsen, Thomas Hermann, Bürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Jan Miede, Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover und regionaler Gastgeber sowie Prof. Dr. Thorsten Meyer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW).

Highlights aus dem Kongressprogramm

Den Anfang am Montag machte Prof.in Dr. Jutta Rump, Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen, mit ihrer Eröffnungskeynote „Neue Normalität in der Arbeitswelt – Veränderung als Normalzustand“. Als Professorin für Betriebswirtschaftslehre und international anerkannte Prozessbegleiterin in großen Unternehmen beleuchtete sie das Thema „Veränderungskultur“ aus der spannenden Perspektive der Organisationsentwicklung. Sie berichtete, wie Veränderungsprozesse in Organisationen erfolgreich umgesetzt werden können und woran sie häufig scheitern. Prof.in Dr. Jutta Rump betonte, dass sowohl Wirtschaft als auch Gesellschaft fortlaufende Transformationsprozesse und unvorhersehbaren Disruptionen bewältigen müssen. Um die Motivation und die Leistungsfähigkeit aller Beschäftigten zu bewahren, sollten daher die Talente und Stärken jedes einzelnen Beschäftigten optimal genutzt und eingesetzt werden. „Wir können auf niemanden verzichten“ sagte die Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability.

Doch wie können innovative Ansätze zielführend in die Praxis überführt werden? In welchen zeitlichen Dimensionen geschieht dies? Welche Umsetzungshürden existieren und wie passen Innovation und Krise eigentlich zusammen? Dies diskutierten Brigitte Gross, Direktorin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Jan Miede, Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover, Dr. Petra Becker, Vorständin der Dr. Becker Klinikgruppe, und Prof.in Dr. Anke Menzel-Begemann von der Fachhochschule Münster im Rahmen der zentralen Podiumsdiskussion am Kongressdienstag. Einen spannenden Diskussionsimpuls aus Sicht der Wissenschaft lieferte Prof. Dr. Michel Wensing, Professor für Implementierungswissenschaft an der Universität Heidelberg, mit seinem Plenarvortrag „Implementierung in die Praxis: Brauchen wir eine Brücke oder einen Landeplatz?“. Auf dem Podium war man sich einig: Damit Veränderungskultur in der Rehabilitation gelebt werden kann, braucht es a) Akteure, die zu Innovation bereit sind und b) einen entsprechenden Rahmen, eine Basis, eine Vision. Brigitte Gross betonte, dass sich die Rentenversicherung mit einem gemeinsamen Strategiepapier einen solchen Rahmen gegeben hat.

Am Mittwoch beschäftigte sich Prof. Dr. Siegfried Geyer von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in seinem Plenarvortrag „Später krank und länger gesund? Die langzeitliche Morbiditätsentwicklung im Kontext des demografischen Wandels“ mit der spannenden Frage, wie sich im Kontext steigender Lebenserwartung das Morbiditätsspektrum entwickelt. Die im Vortrag präsentierten Befunde basieren auf der Auswertung anonymisierter Daten von über drei Millionen Krankenkassenversicherten. Das Forschungsteam von Prof. Dr. Geyer konnte zeigen, dass die Raten von z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenkrebs im höheren und hohen Alter über die Zeit abnehmen, was insgesamt als positiv zu werten ist. Bei Diabetes mellitus Typ 2 ("Altersdiabetes") und Übergewicht/Adipositas verhält es sich anders: Hier hat der Anteil in der Bevölkerung zugenommen - vor allem bei den unter 40-Jährigen. Auch die Multimorbidität ist angestiegen, d.h. immer mehr Menschen haben sechs oder mehr Erkrankungen gleichzeitig. Die Befunde legen nahe, dass der sich über die Jahre verbessernde Gesundheitszustand der Älteren nicht in die später geborenen Kohorten fortsetzt. Die Forschenden vermuten, dass die Zunahme gesundheitsbeeinträchtigender Lebensweisen und sitzender Tätigkeiten mögliche Ursachen darstellen und Ansatzpunkte für Prävention und Rehabilitation darstellen.

Eine Premiere gab es beim diesjährigen Kongress auch wieder. Denn der von der Deutschen Rentenversicherung initiierte Forschungsschwerpunkt zur Weiterentwicklung der beruflichen Rehabilitation geht neue Wege - und zwar ins Ohr. Der Wissenschaftspodcast "rehalitätsnah" mit Dr. Marco Streibelt, Leiter des Dezernats Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund, stellt seit Dezember 2022 die geförderten Forschungsteams und Studien vor, die individuelle und passgenaue Konzepte für die Zukunft der beruflichen Rehabilitation entwickeln sollen. Folge für Folge wird monatlich ein Forschungsprojekt "rehalitätsnah" vorgestellt. Auf dem 32. Reha-Kolloquium in Hannover ging das Format einen Schritt weiter und zeigte sich exklusiv der Öffentlichkeit: Bei "rehalitätsnah" on stage konnte die Aufzeichnung der Märzausgabe live miterlebt werden. Zu Gast beim Interview auf der Bühne war Prof. i.R. Dr. Ernst von Kardorff, Dipl.-Psychologe und Dipl.-Soziologe, der mit seinen Mitarbeitenden der Berliner Werkstatt für Sozialforschung im Projekt „WePsyBTAM“ die Zugänge psychisch Kranker in Berufliche Trainingszentren (BTZ) und ihre Wege in Qualifizierung und in Arbeit untersucht. Der Podcast kann auf allen gängigen Podcast-Plattformen wie Spotify, Apple und Deezer gehört werden. Weitere Details zum Forschungsschwerpunkt „Berufliche Rehabilitation“ finden Sie hier: Link

Weitere Schwerpunkthemen im diesjährigen Kongressprogramm waren u.a.

  • Rehabilitation bei Post-COVID und Bewältigung von Pandemiefolgen
  • Digitale Transformation
  • Klimawandel und Nachhaltigkeit
  • Qualitätssicherung

Resümee & Ausblick

Im Rahmen der Abschlussveranstaltung würdigte Dr. Susanne Weinbrenner, Leitende Ärztin und Leiterin der Abteilung Prävention, Rehabilitation und Sozialmedizin der Deutschen Rentenversicherung Bund, das hohe Engagement aller Mitwirkenden bei der erfolgreichen Durchführung der Veranstaltung. Allen Referierenden, Diskutierenden und Ausstellenden dankte sie für die aktive Beteiligung und die inspirierenden Beiträge aus Forschung und Praxis. Die beachtliche Anzahl von Teilnehmenden, Veranstaltungen und Themen zeige, dass das Reha-Kolloquium seinen Stellenwert als wichtigster Reha-Kongress im deutschsprachigen Raum wiederholt eindrucksvoll unterstreichen konnte. Das Interesse sowohl am Kongress als auch an den einbezogenen Inhalten und Formaten sei ungebrochen hoch. Das 33. Reha-Kolloquium 2023 findet voraussichtlich vom 18. bis 20. Februar 2024 in Bremen statt.

Bildergalerie

Gleich geht’s los: Der Registrierungsbereich im Hannover Congress Centrum (HCC) kurz vor Veranstaltungsbeginn.Quelle: DRV BundGleich geht’s los: Der Registrierungsbereich im Hannover Congress Centrum (HCC) kurz vor Veranstaltungsbeginn.

Video-Impressionen zur Veranstaltung

Machen Sie sich ein Bild vom 32. Reha-Kolloquium 2023: Wir haben vielfältige Eindrücke zum Kongress in einem Video festgehalten.

Posterpreise

Eine Posterjury prämierte die drei wissenschaftlichen Poster, die ein rehabilitationswissenschaftlich relevantes Thema inhaltlich und gestalterisch sowie im Rahmen eines Kurzvortrags am besten umgesetzt hatten. Die Posterjury bestand aus Mitgliedern des Programmkomitees und Vertreterinnen und Vertretern der Rentenversicherung. Zusätzlich wurde wie jedes Jahr ein Postersonderpreis vom Publikum gewählt.

Folgende Beiträge wurden auf dem 32. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium 2023 prämiert:

1. Posterpreis 2023 (dotiert mit 300 Euro)

Poster Nr. 34 - Health literacy bei Rehabilitand:innen in der verhaltensmedizinisch-orientierten orthopädischen Rehabilitation (VOR)

Karin Meng¹; Claudia Isele²; Christof von Neukirch²; Gabriele Sohr³; Dieter Benninghoven⁴; Verena Heß¹

¹Julius-Maximilians-Universität Würzburg; ²Waldburg-Zeil Kliniken GmbH & Co KG, Argentalklinik; ³Reha-Zentrum Bad Pyrmont, Klinik Weser; ⁴Mühlenbergklinik - Holsteinische Schweiz

Die Arbeitsgruppe ist der Frage nachgegangen, ob sich die - Health literacy (HL) der Rehabilitand:innen im Rehabilitationsverlauf verändert und welche Zusammenhänge HL mit psychischer Belastung, Schmerzverarbeitung und gesundheitsbezogener Lebensqualität bis zu 6 Monate nach der Rehabilitation aufweist. Die Ergebnisse zeigen, dass es im VOR-Verlauf zu einer signifikanten Verbesserung der HL kommt, die bis 6 Monate danach stabil bleibt und mit Verbesserungen in den genannten Reha-Zielparametern einhergeht. Die Studie stützt damit bestehende Befunde zur Relevanz von patientenorientierter Informationsvermittlung und Schulung zu Kompetenzen im Umgang mit Gesundheitsinformationen. Es handelt sich nach Auffassung der Posterjury um eine methodisch hochwertige Studie. Die Ergebnisdarstellung im Rahmen der Posteraufbereitung ist durch die Nutzung der Farb- und Designkomponenten besonders gut gelungen. 

2. Posterpreis 2023 (dotiert mit 200 Euro)

Poster Nr. 80 - Erhebungsmethoden für Return to Work in der orthopädischen Rehabilitation in Deutschland

David Endres (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Mit dem zweiten Platz wurden Ergebnisse eines Scoping Review zu Erhebungsmethoden für Return to Work in der orthopädischen Rehabilitation prämiert. Beim Preisträger handelt es sich um einen Nachwuchswissenschaftler, der dazu über 1.500 Studien aus Datenbanken sichtete. In das Review wurden 103 Publikationen aus 87 Forschungsprojekten eingeschlossen und ausgewertet. Aus den 87 eingeschlossenen Projekten konnten 136 unterschiedliche Erhebungsmethoden für RTW identifiziert werden. Mit den methodisch sehr aufwändig gewonnenen Ergebnissen liefert der Preisträger eine Grundlage für methodische Überlegungen, wie in künftigen Studien die Erhebung von RTW operationalisiert, weiterentwickelt und vor allem vereinheitlicht werden kann. Weiter wurden die Ergebnisse auf dem Medium Poster visuell ansprechend dargestellt.

3. Posterpreis 2023 (dotiert mit 150 Euro)

Poster Nr. 11 REHADI: eine quantitative Befragung von Rehabilitationseinrichtungen zum Einsatz digital unterstützter Angebote

Susanne Stampa¹; Monica Diana Podar²; Alexandra Maria Fretian²; Christine Thienel²; Oliver Razum²; Christoph Dockweiler¹

¹Universität Siegen; ²Universität Bielefeld

Der mit dem dritten Posterpreis ausgezeichnete Beitrag liefert einen Überblick über die in der medizinischen Rehabilitation eingesetzten digital unterstützten Angebote. Gerade im Hinblick auf die aktuellen Bestrebungen der Rentenversicherung zur Formulierung von Rahmenbedingungen für digitale Leistungen vor, während und nach der Reha liefert der Beitrag nach Auffassung der Posterjury sehr spannende Ergebnisse, ein besseres Verständnis der hemmenden und förderlichen Faktoren für die Implementierung digitaler Angebote ermöglichen. Darüber hinaus wurde die Ergebnisdarstellung sehr übersichtlich auf dem Poster umgesetzt.

Postersonderpreis des Publikums 2023 (dotiert mit 300 Euro)

Poster Nr. 51- Medizinerinnen und Mediziner mit ausländischem Abschluss in deutschen Rehabilitationseinrichtungen: Chancen und Schwierigkeiten

Eva Jansen¹; Manuela Marquardt¹; Ariane Funke²; Karla Spyra¹

¹Charité – Universitätsmedizin Berlin; ²Deutsche Rentenversicherung Bund

Das mit dem Postersonderpreis des Publikums prämierte Poster zeigt Ergebnisse der Studie „Medizinerinnen und Mediziner mit ausländischem Abschluss (MaA) in deutschen Rehabilitationseinrichtungen (MaA-quant)“, die eine Bestandsaufnahme zur Anzahl, Verteilung und spezifischen Merkmalen der MaA in den Vertragseinrichtungen der Deutschen Rentenversicherung liefert. Der Beitrag zeigt, dass im Ausland ausgebildete Ärztinnen und Ärzte zahlenmäßig keine Randerscheinung in den DRV-Vertragseinrichtungen sind. Mit einer von drei ärztlichen Stellen leisten sie einen substanziellen Beitrag zur rehabilitativen Versorgung in Deutschland. Ihre professionelle Integration und hierbei auftretende Schwierigkeiten sind ein relevantes Thema, dem mehr Bedeutung beigemessen werden sollte. Die Auswertung der Chancen und Schwierigkeiten zeigt ein teilweise divergierendes Bild zwischen den Einschätzungen der teilnehmenden Fachabteilungsleitungen und der MaAs.

Evaluation

Online-Evaluation

Die Bewertung des Reha-Kolloquiums erfolgt über eine Online-Befragung der Teilnehmenden. Die Bewertungen und die detaillierten Freitextangaben werden dazu genutzt, die Durchführung des Kongresses möglichst an die Wünsche der Teilnehmenden anzupassen. Die Online-Evaluation wird durch die Firma evasys GmbH im Rahmen eines Sponsorings unterstützt.

Teilnehmende

Beim 32. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium 2023 waren 1.392 Kongressgäste für die Präsenzteilnahme in Hannover registriert. Weitere 129 Personen haben sich für die Nutzung des Live-Streams aus den beiden Plenarsälen angemeldet. Von den insgesamt 1.521 Teilnehmen haben sich 214 Personen (14 Prozent) an der Veranstaltungsevaluation beteiligt.

Ergebnisse

Die verschiedenen Aspekte des Kolloquiums wurden auf einer Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (sehr unzufrieden) beurteilt. In der folgenden Ergebnisdarstellung finden Sie Angaben zum Mittelwert (MW).

ZUFRIEDENHEIT MIT DER VERANSTALTUNGSORGANISATION

  • Vorab-Informationen zum Reha-Kolloquium (MW=1,5)
  • Internetauftritt zum Reha-Kolloquium (MW=1,7)
  • Online-Anmeldung & Online-Einreichung von Beiträgen (MW=1,8)
  • Online-Kongressplattform (mit Live-Streams, Chat & E-Poster-Ausstellung) (MW=1,4)
  • Betreuung durch das Organisationsteam im Vorfeld des Kongresses (MW=1,3)
  • Betreuung durch das Organisationsteam während des Kongresses (MW=1,3)
  • Zeitlicher Ablauf des Reha-Kolloquiums (MW=1,8)
  • Veranstaltungsorganisation insgesamt (MW=1,6)

ZUFRIEDENHEIT MIT DEM WISSENSCHAFTLICHEN PROGRAMM

  • Programmstruktur (Kombination verschiedener Formate) (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der wissenschaftlichen Vorträge (MW=2,0)
  • Fachliche Qualität der wissenschaftlichen Poster (MW=2,0)
  • Fachliche Qualität der Plenarvorträge (MW=1,7)
  • Fachliche Qualität der Podiumsdiskussion (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität der DGRW-Updates (MW=1,7)
  • Fachliche Qualität der Diskussionsforen (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität der Satellitenveranstaltungen (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der Meet-the-Experts (MW=1,8)
  • Wissenschaftliches Programm insgesamt (MW=2,0)

ZUFRIEDENHEIT MIT DER VERANSTALTUNGSSTÄTTE VOR ORT (Hannover Congress Centrum (HCC))

  • Räumlichkeiten der Veranstaltungsstätte HCC (MW=1,5)
  • Technische Ausstattung der Veranstaltungsstätte HCC (MW=1,6)
  • Pausenverpflegung im HCC (MW=2,2)
  • Präsentation der Aussteller im HCC (MW=1,7)
  • Veranstaltungsstätte insgesamt (MW=1,7)

ZUFRIEDENHEIT MIT DEM RAHMENPROGRAMM

  • Begrüßungsempfang am Sonntag (MW=1,5)
  • Get-Together am Dienstag (MW=2,1)
  • Rahmenprogramm insgesamt (MW=1,9)

Der Gesamteindruck vom 32. Reha-Kolloquium wurde von den Antwortenden mit 1,8 beurteilt. Die positive Einschätzung spiegelt sich auch in den Freitextkommentaren wider und dokumentiert die hohe Zufriedenheit der Anwesenden mit der Veranstaltung.



31. Reha-Kolloquium 2022 in Münster HYBRID

Kongressbericht

„Rehabilitation: Neue Wege, neue Chancen.“: Unter diesem Motto wurde das 31. Reha-Kolloquium vom 7. bis 9. März 2022 erstmals als hybride Veranstaltung in Münster durchgeführt – und das mit großem Erfolg! Mehr als 1.400 Teilnehmende diskutierten die Herausforderungen und Entwicklungstrends des zukünftigen Rehabilitationsgeschehens. Das vielseitige Kongressprogramm konnte vor Ort in Münster oder live im Internet verfolgt werden.

Der Kongress wurde vom Dezernat Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Deutschen Rentenversicherung Westfalen und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) veranstaltet.

Das 31. Reha-Kolloquium HYBRID in Zahlen

  • über 1.400 registrierte Teilnehmende aus Forschung, Praxis, Politik & Verwaltung
  • davon 600 Präsenzteilnehmende in Münster
  • mehr als 50 Veranstaltungen in bis zu fünf parallelen Sitzungen an drei Kongresstagen
  • über 4.000 Minuten Live-Stream
  • 29 Ausstellungsstände vor Ort
  • bis zu 18 ärztliche Fortbildungspunkte

Kongresseröffnung

Eröffnet wurde der Kongress von Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, die im Hinblick auf die zentralen Handlungsfelder zur Weiterentwicklung der Rehabilitation die Bedeutung eines noch stärker vernetzen Vorgehens sowie den hohen Stellenwert der Forschung hervorhob. Dass die Bundesregierung zur Stärkung von Prävention und Rehabilitation neue Wege gehen will und wird, betonte Dr. Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), in seinem Grußwort. Dabei verwies er auf das hohe Innovationspotenzial der Modellprojekte aus dem Bundesprogramm „rehapro“. Daran anknüpfend plädierte Thomas Keck, Erster Direktor der Deutschen Rentenversicherung Westfalen, in seiner Begrüßung für einen möglichst frühzeitigen Zugangs zu Präventions- und Rehabilitationsangeboten. Weitere Grußworte sprachen Karl-Josef Laumann, nordrhein-westfälischer Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Markus Lewe, Oberbürgermeister der Stadt Münster, und Prof. Thorsten Meyer, Präsident der DGRW.

„Rehabilitation: Neue Wege, neue Chancen.“ – Highlights aus dem Kongressprogramm

Das diesjährige Kongressmotto „Rehabilitation: Neue Wege, neue Chancen.“ rückte neben aktuellen Forschungsergebnissen zu Prävention, Rehabilitation und Nachsorge die mit bedeutsamen Entwicklungstrends verbundenen Veränderungschancen für den Bereich der Rehabilitation in den Mittelpunkt. Themenschwerpunkte im Hauptprogramm waren:

  • der Umgang mit den Folgen der Pandemie,
  • die Digitalisierung als gemeinsame Gestaltungsaufgabe,
  • die sektoren- und trägerübergreifende Zusammenarbeit,
  • die Zukunft der Rehabilitation unter der neuen Ampelkoalition,
  • die Weiterentwicklung beruflicher Teilhabestrategien.

Das Vortragsprogramm wurde mit dem Plenarvortrag von Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, am Montag offiziell eröffnet. Mit einem interdisziplinären Blick über alle Bereiche des Gesundheitswesens resümierte der Facharzt für Allgemeinmedizin die ersten beiden Jahre der Corona-Pandemie. Dabei forderte er mehr interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, Pflege und Sozialer Arbeit und bezog sich dabei auch insbesondere auf die Versorgung chronisch Kranker. Er betonte, dass der Stellenwert dieser Zusammenarbeit bereits in der ärztlichen Ausbildung gestärkt werden müsse. Die intersektorale Vernetzung sei zudem über den Ausbau der Telematikinfrastruktur weiter voranzutreiben.

In seinem Plenarvortrag am Dienstag widmete sich der national und international viel beachtete Experte Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel von der Universität Bayreuth den durch die Pandemie beschleunigten digitalen Transformationsprozessen und ihren Implikationen für eine „Rehabilitation 4.0“. Er betonte, dass Digitalisierung kein Selbstzweck sei und auch nicht automatisch zu mehr Teilhabe oder besserer Versorgung führe. So bestehe beispielswiese neben der Chance zum Abbau von (Zugangs-) Barrieren durch verschlankte digitalisierte Prozesse die Herausforderung, dass der persönliche Kontakt zwischen Behandlerinnen Behandlern und Versicherten als Qualitätsmerkmal bei der Ausgestaltung von digital unterstützten Versorgungsformen weiterhin bestehen bleibt.

Prof. Dr. Heike Ohlbrecht von der Universität Magdeburg eröffnete mit ihrem Plenarvortrag „Welche Arbeit braucht der Mensch? Zum Wandel der Arbeitswelt(en) und den Herausforderungen für die berufliche Rehabilitation“ am Mittwoch die Auftaktveranstaltung zum Forschungsschwerpunkt „Weiterentwicklung der beruflichen Rehabilitation“: Acht Träger der Deutschen Rentenversicherung haben erstmals eine gemeinsame Förderinitiative initiiert und fördern seit Oktober 2021 insgesamt zehn einschlägige Forschungsprojekte. Brigitte Gross, Direktorin der Deutschen Rentenversicherung Bund, diskutierte beim anschließenden Forschung-Praxis-Dialog gemeinsam mit Prof. Dr. Ohlbrecht, Andreas Flegel, Referatsleiter im BMAS, Dr. Susanne Gebauer, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Berufsförderungswerke und Geschäftsführerin des Berufsförderungswerks Nürnberg, und Dr. Marco Streibelt, Leiter des Dezernats Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund, über die wissenschaftliche, praktische, aber auch politische Bedeutung des Forschungsschwerpunktes. Alle Diskutierenden betonten die hohe Relevanz der Initiative, um die berufliche Rehabilitation zu stärken und sichtbarer zu machen.

„Wandel, Wunsch und Wirklichkeiten. Die Zukunft der Rehabilitation und ihre Herausforderungen durch Gesellschaft und Politik“ lautete das Motto der zentralen Podiumsdiskussion, zu der Fachpolitiker unterschiedlicher Bundestagsfraktionen nach Münster geladen wurden. Brigitte Gross und Thomas Keck diskutierten mit Markus Kurth, rentenpolitischer Sprecher der Faktion Bündnis 90/Die Grünen, Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke und Martin Rosemann, arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion den von der neuen Bundesregierung im Koalitionsvertrag gesetzte Handlungsrahmen, den alle Beteiligten grundsätzlich begrüßten.

Resümee

Im Rahmen der Abschlussveranstaltung würdigte Dr. Susanne Weinbrenner, Leitende Ärztin der Deutschen Rentenversicherung Bund und Leiterin der Abteilung Prävention, Rehabilitation und Sozialmedizin, das hohe Engagement aller Mitwirkenden bei der erfolgreichen Durchführung der Veranstaltung. Allen Referierenden, Diskutierenden und Ausstellenden dankte sie für die aktive Beteiligung und die inspirierenden Beiträge aus Forschung und Praxis. Die Entscheidung für ein Hybrid-Format in diesem Jahr sei schwergefallen, angesichts der Rahmenbedingungen aber richtig gewesen. Das zeige auch das durchweg positive Feedback der Teilnehmenden vor Ort und an den Bildschirmen.

Durch die erfolgreiche Hybrid-Premiere habe das Reha-Kolloquium seinen Stellenwert als wichtigster Reha-Kongress im deutschsprachigen Raum wiederholt eindrucksvoll unterstreichen können. Das Interesse sowohl am Kongress als auch an den einbezogenen Themen und Formaten sei ungebrochen hoch.

Bildergalerie

Gundula Roßbach, Präsidentin der DRV Bund, eröffnete den Kongress per Live-Schalte aus Berlin.31. Reha-Kolloquium - KongresseröffnungQuelle: DRV WestfalenGundula Roßbach, Präsidentin der DRV Bund, eröffnete den Kongress per Live-Schalte aus Berlin.

Posterpreise

Die Posterausstellung ist ein fester Bestandteil des wissenschaftlichen Programms des Reha-Kolloquiums. Sie fand in diesem Jahr erneut als E-Posterausstellung statt: Alle Posterbeiträge wurden als PDF zur orts- und zeitunabhängigen Nutzung auf einer Online-Kongressplattform zur Verfügung gestellt. In einer beim E-Poster hinterlegten Audiodatei wurden die Ergebnisse von den Posterautorinnen und Posterautoren zusätzlich erläutert. Eine Posterjury prämierte die drei Poster, die nach ihrer Ansicht ein rehabilitationswissenschaftlich relevantes Thema inhaltlich und gestalterisch am besten umgesetzt hatten. Die Posterjury bestand aus Mitgliedern des Programmkomitees und Vertreterinnen und Vertretern der Rentenversicherung. Zusätzlich wurde wie jedes Jahr ein Postersonderpreis vom Publikum gewählt. Berücksichtigt wurden alle Bewertungen, die bis einschließlich 8. März 2022 auf der Online-Plattform abgegeben wurden.

Folgende Beiträge wurden auf dem 31. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium 2022 prämiert:

1. Posterpreis 2022 (dotiert mit 300 Euro)

Subjektive Lebensqualität von Menschen mit schweren mehrfachen körperlichen oder geistigen Behinderungen

Christine Thienel, Cornelia Weiß, Jana Stucke, Martina Fier, Thorsten Meyer (Universität Bielefeld)

Mit dem 1. Preis würdigt die Posterjury die Darstellung einer Studie zu den Versorgungserfahrungen von Patientinnen und Patienten mit schweren mehrfachen körperlichen oder geistigen Behinderungen und deren Angehörigen. Im Rahmen eines Mixed-Methods-Ansatzes wurde untersucht, inwiefern sich die ambulante medizinische Regelversorgung nach Aufnahme in ein Medizinisches Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) verändert. Im Mittelpunkt des Posters stehen die Ergebnisse von Befragungsdaten zur subjektiven Lebensqualität, die zur Baselineerhebung über die „Satisfaction with Life Scale“ (SWLS) erfasst wurden. Es zeigte sich, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmenden ihr subjektives Wohlbefinden als eingeschränkt wahrnehmen und dieser Wert deutlich geringer ausfällt als in der Normstichprobe.

Aus Sicht der Posterjury sticht die prämierte Arbeit damit hervor, wie eine Nebenfragestellung bzw. ein Nebenbefund der Studie in den Fokus der vorgestellten Analyse gerät. So stellte sich für die Arbeitsgruppe die Frage, inwieweit sich die in der Versorgungsforschung häufig eingesetzte Skala als Instrument zur Erfassung der Lebensqualität in dieser Zielgruppe eignet. Im Ergebnis sprachen die methodisch-statistischen Befunde zwar für die Validität und den Einsatz der Skala. Allerdings gab es bei der Beantwortung durch die Befragten sozial-emotionale Aspekte, die Auswirkungen auf die gegen den erneuten Einsatz der Skala zum zweiten Erhebungszeitraum. Die Jurorinnen und Juroren bewerten besonders positiv, wie im Posterbeitrag über die Aushandlungsprozesse und teilweise unterschiedlichen Perspektiven im Projekt transparent berichtet wird. Es wird eindrücklich herausgearbeitet, welch hohe Relevanz die aktive Einbeziehung der Betroffenenperspektive in allen Projektteilen besitzt. Zudem wurden die Ergebnisse ansprechend und sehr übersichtlich dargestellt. Das Medium Poster wurde für die Ergebnispräsentation durch die Arbeitsgruppe überzeugend genutzt.

2. Posterpreis 2022 (dotiert mit 200 Euro)

Entwicklung einer Handreichung zur Umsetzung einer diversitätssensiblen Versorgung in der Rehabilitation

Tuğba Aksakal, Yüce Yilmaz-Aslan, Maria Mader, Fabian Erdsiek, Dennis Padberg, Oliver Razum, Patrick Brzoska (Universität Witten-Herdecke & Universität Bielefeld)

Das prämierte Poster berichtet von einem komplexen Projekt zur Erstellung einer Handreichung für Einrichtungen und Reha-Träger zur Implementierung und Optimierung einer diversitätssensiblen Versorgung. Im Rahmen eines Mixed-Methods-Ansatzes wurde von der Arbeitsgruppe ein Instrumentenkatalog erarbeitet, der diversitätssensible Instrumente vorstellt, die im Versorgungsalltag der Vielfalt von Bedürfnissen und Erwartungen Rechnung tragen können (u.a. Anleitungen, Fragebögen, Checklisten und Konzepte). Daneben unterstützt ein praxisorientierter Handlungsleitfaden das Gesundheitspersonal bei der Auswahl und der Umsetzung geeigneter Instrumente in Form einer Schritt-für-Schritt-Anleitung. Fallbeispiele veranschaulichen den Einsatz exemplarischer Instrumente in konkreten Situationen. Eine Auswahltabelle dient zur schnellen Orientierung und der Vorausauswahl geeigneter Instrumente.

Nach Einschätzung der Posterjury stellt die Handreichung zur Umsetzung diversitätssensibler Versorgung einen vielversprechenden Ansatz dar, um durch niedrigschwellige und praxisorientierte Hinweise die Nutzerorientierung in der Rehabilitation erhöhen. Die Arbeitsgruppe ist methodisch vielfältig und umfassend an die Entwicklung der Handreichung (Scoping Review, Befragung, Fokusgruppen, Diskussionszirkel, Delphi-Survey) herangegangen und konnte die Komplexität im Poster sehr gut herausarbeiten. Damit wird mit der Vergabe des zweiten Posterpreises die gelungene Darstellung der Ergebnisse einer qualitativen Studie zu einer sehr relevanten Fragestellung gewürdigt.

3. Posterpreis 2022 (dotiert mit 150 Euro)

Konstrukttheoretische Auseinandersetzung mit der sozialen Partizipation von Jugendlichen zur Entwicklung eines Partizipationsmessinstruments für die (Re-) Habilitation

Laura Hoffmann, Carina Völlm, Marie Bernard, Astrid Fink, Matthias Richter, Britta Gebhard (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg & Fachhochschule Südwestfalen)

Das prämierte Poster stellt die Ergebnisse einer Teilstudie vor, mit der eine Begriffsbestimmung von sozialer Partizipation im rehabilitations- und versorgungswissenschaftlichen Kontext vorgenommen wurde. Hierfür hat die Arbeitsgruppe im Rahmen von qualitativen Interviews und Fokusgruppen neben behinderten und nicht-behinderten Jugendlichen auch Eltern und Expertinnen und Experten zu Erfahrungen mit sozialer Teilhabe sowie der individuellen Bedeutung von Selbstbestimmung befragt. Auf Grundlage der Befunde soll im weiteren Verlauf des DFG-geförderten Gesamtvorhabens ein Erhebungsinstrument zur Selbsteinschätzung der sozialen Teilhabe/Partizipation von Jugendlichen entwickelt werden.

Da für Deutschland bisher kein entsprechendes Erhebungsinstrument vorliegt, wurden Innovationsgehalt und Relevanz der Studie von der Posterjury als hoch eingestuft. So kann das entwickelte Instrument in der Wissenschaft eingesetzt werden, um benachteiligte Gruppen zu identifizieren und zielgerichtete Interventionen zu entwickeln. In der Praxis kann das Instrument genutzt werden, um die Ziele der Rehabilitation gemeinsam mit dem Jugendlichen und der von ihm zugemessenen Bedeutsamkeit zu ermitteln und die Zielerreichung zu evaluieren. Als besonders interessant wurde von der Posterjury der Befund bewertet, dass die Vorstellungen zu Partizipation von Jugendlichen und Expertinnen und Experten nah beieinander liegen und auf "Einbezogensein" fokussierten, während Eltern sich stärker an normativen Erwartungen orientieren. Aus Sicht der Posterjury stellt die Verknüpfung aller drei Perspektiven vor diesem Hintergrund eine zu würdigende Herausforderung dar.

Das Poster ist zudem klar und übersichtlich strukturiert und beschränkt sich auf die wichtigsten Informationen mit klaren Botschaften.

Postersonderpreis des Publikums (dotiert mit 300 Euro)

„Rehabilitationsinanspruchnahme erwerbstätiger Personen mit Rückenschmerzen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Operationalisierungen von Migrationshintergrund“

Hannes Banaschak, David Fauser, Julia-Marie Zimmer, André Golla, Wilfried Mau, Matthias Bethge (Universität zu Lübeck & Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Der vom Publikum am besten bewertete Beitrag hat im Rahmen einer quantitativen Analyse untersucht, ob sich die Rehabilitationsinanspruchnahme zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund unterscheidet und welchen Einfluss die Verwendung unterschiedlicher Operationalisierungen zur Beschreibung des Migrationshintergrundes auf die Ergebnisse hat. Die verwendeten Daten wurden im Rahmen einer prospektiven Kohortenstudie zur Inanspruchnahme und Wirksamkeit medizinischer Rehabilitation bei Personen mit Rückenschmerzen erhoben. Die Ergebnisse der Untersuchung sind epidemiologisch relevant und zeigen, dass eine differenzierte Operationalisierung von Migrationshintergrund sinnvoll erscheint, um die Inanspruchnahme von Personen mit Migrationshintergrund nicht zu über- oder unterschätzen und ein besseres Verständnis von Ungleichheit und Benachteiligung von Bevölkerungsgruppen in der rehabilitativen Versorgung zu entwickeln.

 

Das Organisationsteam gratuliert allen Preisträgerinnen und Preisträgern ganz herzlich!

Evaluation

Online-Evaluation

Die Bewertung des Reha-Kolloquiums erfolgt über eine Online-Befragung der Teilnehmenden. Die Bewertungen und die detaillierten Freitextangaben werden dazu genutzt, die Durchführung des Kongresses möglichst an die Wünsche der Teilnehmenden anzupassen. Die Online-Evaluation wird durch die Firma evasys GmbH im Rahmen eines Sponsorings unterstützt.

Teilnehmende

Am 31. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium 2022 nahmen 1.419 registrierte Kongressgäste teil. 184Teilnehmende (13 Prozent) haben sich an der Veranstaltungsevaluation beteiligt.

Ergebnisse

Die verschiedenen Aspekte des Kolloquiums wurden auf einer Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (sehr unzufrieden) beurteilt. In der folgenden Ergebnisdarstellung finden Sie Angaben zum Mittelwert (MW).

ZUFRIEDENHEIT MIT DER VERANSTALTUNGSORGANISATION

  • Vorab-Informationen zum Reha-Kolloquium (MW=1,6)
  • Internetauftritt zum Reha-Kolloquium (MW=1,6)
  • Online-Anmeldung & Online-Einreichung von Beiträgen (MW=1,4)
  • Online-Kongressplattform (mit Live-Streams, Chat & E-Poster-Ausstellung) (MW=1,7)
  • Betreuung durch das Organisationsteam im Vorfeld des Kongresses (MW=1,4)
  • Betreuung durch das Organisationsteam während des Kongresses (MW=1,4)
  • Zeitlicher Ablauf des Reha-Kolloquiums (MW=1,6)
  • Veranstaltungsorganisation insgesamt (MW=1,5)

ZUFRIEDENHEIT MIT DEM WISSENSCHAFTLICHEN PROGRAMM

  • Programmstruktur (Kombination verschiedener Formate) (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der wissenschaftlichen Vorträge (MW=2,0)
  • Fachliche Qualität der E-Poster (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität der Plenarvorträge (MW=1,7)
  • Fachliche Qualität des Forschung-Praxis-Dialogs (Berufliche Reha, Mi) (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der Podiumsdiskussion (Politik, Mi) (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität der DGRW-Updates (MW=1,7)
  • Fachliche Qualität der Diskussionsforen (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der Satellitenveranstaltungen (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der Meet-the-Experts (MW=1,7)
  • Wissenschaftliches Programm insgesamt (MW=1,9)

ZUFRIEDENHEIT MIT DER VERANSTALTUNGSSTÄTTE VOR ORT (MESSE UND CONGRESS CENTRUM HALLE MÜNSTERLAND (MCC))

  • Räumlichkeiten der Veranstaltungsstätte MCC (MW=1,3)
  • Technische Ausstattung der Veranstaltungsstätte MCC (MW=1,2)
  • Pausenverpflegung im MCC (MW=1,4)
  • Präsentation der Aussteller im MCC (MW=2,0)
  • Tagesausklang am Montagabend im Foyer des MCC (MW=1,5)
  • Tagesausklang am Dienstagabend im Foyer des MCC (MW=1,4)
  • Veranstaltungsstätte insgesamt (MW=1,4)

Der Gesamteindruck vom 31. Reha-Kolloquium wurde von den Antwortenden mit 1,7 beurteilt. Damit konnte an den großen Erfolg der Online-Premiere aus dem Vorjahr angeknüpft werden. Die positive Einschätzung spiegelt sich auch in den Freitextkommentaren wider und dokumentiert die hohe Zufriedenheit der Anwesenden mit der Veranstaltung.



30. Reha-Kolloquium 2021 DIGITAL

Allgemeines

Die 30. Ausgabe des Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquiums fand angesichts der Covid-19-Pandemie in diesem Jahr erstmals als Online-Kongress statt. Damit war der größte und wichtigste Reha-Kongress im deutschsprachigen Raum Jubiläum und Premiere zugleich. Vom 22. bis 25. März 2021 trafen sich über 1.100 Expertinnen und Experten im virtuellen Raum und tauschten sich zum diesjährigen Rahmenthema „Teilhabe und Arbeitswelt in besonderen Zeiten“ aus. Der Online-Kongress wurde vom Dezernat Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) veranstaltet. Und das mit großem Erfolg!

Tagungsbericht

Besondere Zeiten erfordern besondere Konzepte der Veranstaltungsorganisation

Nachdem das in Hannover vorgesehene 29. Reha-Kolloquium Ende Februar 2020 aufgrund der Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus kurzfristig abgesagt werden musste, stand auch der diesjährige Kongress noch voll im Zeichen der Pandemie. Im Rahmen der Vorbereitungen erschien lange Zeit ein Hybridformat mit Präsenz- und Onlineteilen realisierbar. Allerdings geriet auch dieses Vorhaben spätestens zu Jahresbeginn 2021 angesichts zunehmender Infektionszahlen wieder ins Wanken. Um eine verantwortungsbewusste Durchführung der Tagung trotz dynamischen Pandemiegeschehens in jedem Fall gewährleisten zu können, hat das Organisationsteam innerhalb kürzester Zeit ein innovatives, digitales Veranstaltungskonzept entwickelt und den Kongress vollständig in den virtuellen Raum verlegt.

Veranstaltungskonzept

Auch in einer digitalen Kongressumgebung sollte es wieder ein abwechslungsreiches Pro-gramm mit dem bewährten Mix aus Plenarvorträgen, Vortragssessions, verschiedenen inter-aktiven Diskussionsformaten und der Möglichkeit zum kollegialen Austausch geben. Im Rahmen der Neu-Konzeptionierung mussten allerdings die Programmstruktur und zeitliche Organisation an die Erfordernisse des Online-Formates angepasst werden. Durch zeitliche Entzerrung und die Verlegung etwa der indikationsspezifischen Vortragssessions überwiegend in die Mittagszeit und späten Nachmittagsstunden wurde auf eine weitgehende Vereinbarkeit von Kongressteilnahme und Klinik- bzw. Arbeitsalltag abgezielt. Die Reduzierung der Anzahl konkurrierender Parallelveranstaltungen u.a. durch die Verlängerung des Reha-Kolloquiums von drei auf vier Tage ermöglichte zudem eine logistisch und technisch handhabbare Durchführung des Kongresses.

Umsetzung: Digitale Kongressplattform & TV-Studio

Für die konkrete Umsetzung wurde eine Online-Kongressplattform eingesetzt, die den wissenschaftlichen und kollegialen Austausch aktiv unterstützte: Live-Streams, Chats und Videokonferenzen konnten von den Teilnehmenden genutzt werden, um sich in den fachlichen Diskurs einzubringen und auch über die Sitzungen hinaus untereinander zu vernetzen. Die Teilnehmenden konnten dabei aus bis zu vier parallel laufenden Veranstaltungen auswählen und die virtuellen Vortragsräume jederzeit wechseln. Der Hauptprogrammstrang wurde live aus einem TV-Studio in Berlin von Petra Gute (rbb) moderiert und täglich im Rahmen von Interviews mit der wissenschaftlichen Kongressleitung vor Ort diskutiert und eingeordnet, wodurch eine authentische Kongress- und Gesprächsatmosphäre hergestellt werden konnte. Für die zeitunabhängige Nutzung standen auf der Plattform zusätzlich zu den Live-Inhalten auch vorproduzierte Videos und eine multimediale Posterausstellung mit interaktiver Frage- und Antwortfunktion zur Verfügung. Ergänzend zum wissenschaftlichen Programm bot ein virtueller Austellerbereich zahlreiche Informations- und Interaktionsmöglichkeiten mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Reha-Branche. Ein Großteil der Vorträge und Veranstaltungen wurde mit Einverständnis der Referierenden aufgezeichnet und stand den Teilnehmenden noch bis 31. Mai 2021 als Video-on-Demand-Angebot zur Verfügung.

Das 30. Reha-Kolloquium DIGITAL in Zahlen

  • 1.116 registrierte Teilnehmende
  • über 60 Veranstaltungen in bis zu 4 parallelen Sitzungen
  • darunter u.a. 4 hochkarätige Plenarvorträge, 2 Podiumsdiskussionen, 27 Vortragssessions, 9 Diskussionsforen, 6 Meet-the-Experts, 1 Praxis-Workshop
  • 88 E-Poster, darunter 28 Poster zu rehapro-Modellprojekten
  • über 47.000 Seitenaufrufe auf der Online-Kongressplattform
  • 4.800 Minuten Sendezeit
  • 17 Aussteller
  • bis zu 24 ärztliche Fortbildungspunkte

Rahmenthema „Teilhabe und Arbeitswelt in besonderen Zeiten“

Unter dem bewusst breit gespannten Kongressmotto „Teilhabe und Arbeitswelt in besonderen Zeiten“ bot das vielfältige Kongressprogramm neben aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Prävention, Rehabilitation und Nachsorge natürlich auch ausreichend Ansatzpunkte für einen spannenden fachlichen Austausch und lebhafte Diskussionen zu den pandemiebedingten Auswirkungen auf Teilhabe und Arbeitswelt.

Krisenbewältigung und Innovation – die Schwerpunkte der Eröffnungsveranstaltung

In ihrer Eröffnungsrede unterstrich Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, die hohe Flexibilität und Leistungsfähigkeit des Reha-Systems in den zurückliegenden Krisenmonaten. Teilweise in Rekordzeit seien Rahmenbedingungen und Prozesse angepasst worden, um Teilhabeleistungen unter Pandemiebedingungen gewissenhaft durchführen und zunehmend Menschen mit dem sogenannten Long-Covid-Syndrom durch individuell angepasste multidisziplinäre Reha-Angebote unterstützen zu können. Ein zentraler Erfolgsfaktor der bisherigen Krisenbewältigung liege in der Offenheit gegenüber neuen Wegen und unkonventionellen Ideen – insbesondere mit Blick auf Distanzangebote und Hybridlösungen unter Nutzung digitaler Lösungen. Nun müsse es vermehrt darum gehen, die Erfahrungen der zurückliegenden Monate gemeinsam zu reflektieren und interdisziplinär zu bewerten, damit mögliche Implikationen nicht nur für die aktuelle Lage, sondern vor allem für die Zukunft abgeleitet und bewährte Konzepte in Post-Corona-Zeiten fortgeführt werden können. Das Reha-Kolloquium sei für den notwendigen fachlichen Austausch seit jeher das zentrale Forum.

Dr. Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), verwies in seinem Grußwort auf die zur Eindämmung der Pandemie erfolgten arbeits- und sozialpolitischen Maßnahmen des BMAS, die sowohl den Arbeitsmarkt als auch die Situation von Menschen mit Behinderung oder gesundheitlichen Einschränkungen betreffen. Dabei unterstrich er die Bedeutung des Sozialdienstleister-Einsatzgesetzes (SodEG) als „Reha-Schutzschirm“ und würdigte dessen schnelle und unbürokratische Umsetzung durch die Deutsche Rentenversicherung. Um auch in Pandemiezeiten und darüber hinaus Impulse für die Weiterentwicklung von Rehabilitationsleistungen setzen zu können, habe sich das BMAS im vergangenen Jahr zudem dazu entschieden, den zweiten Förderaufruf zum Bundesprogramm „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben - rehapro“ zu starten. Den antragsberechtigten Jobcentern und Trägern der gesetzlichen Rentenversicherung werde damit die Möglichkeit eingeräumt, die mit der Corona-Pandemie einhergehenden Herausforderungen in Modellprojekten zur Stärkung der Rehabilitation gezielt aufzugreifen und entsprechende innovative Ansätze und Konzepte zu erarbeiteten.

Prof. Dr. Wilfried Mau, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW), adressierte in seinem Grußwort die herausragende Rolle der Wissenschaft im Generellen, aber auch die der Reha-Wissenschaften im Besonderen. Trotz tiefgreifender Einschränkungen des Wissenschaftsbetriebs hätten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Arbeit fortgeführt und damit die Grundlagen geschaffen, um das Virus und seine Übertragung besser zu verstehen und in kürzester Zeit Impfstoffe mit hoher Wirksamkeit zu entwickeln. Die zur Fortsetzung von Forschung und Lehre erforderlichen Anpassungsleistungen der Forschungseinrichtungen und Hochschulen seien mitunter beeindruckend gewesen. Auch die Reha-Wissenschaften hätten Forschungsaktivitäten zügig auf pandemiebezogene Fragestellungen ausgerichtet, etwa um die Folgen der Pandemie für das Reha-System umfassend aufzuarbeiten und belastbare Erkenntnisse für rehabilitative Ansätze zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit COVID-19 zu generieren. In diesem Zusammenhang sei die DGRW vielfältig – auch national und international vernetzt – aktiv, u. a. mit Befragungen, Stellungnahmen, Leitlinien, Beratungen zu Förderinitiativen und nicht zuletzt mit Beiträgen und Veranstaltungen beim 30. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium. Wegen der zunehmend erkannten Bedeutung der Rehabilitation sei es zudem gelungen, die wesentlichen Aspekte der rehabilitativen Versorgung viel stärker als bisher in die derzeit laufende Reform des Medizinstudiums zu integrieren.

Teilhabechancen in der Arbeitswelt der Zukunft – Gute Arbeit 4.0?

Obwohl sich der digitale Wandel – insbesondere in der Arbeitswelt – bereits seit Längerem vollzieht, hat die Corona-Pandemie zu einer Beschleunigung dieses Prozesses geführt. Doch verändert die Digitalisierung unsere Arbeitswelt eigentlich zum Guten oder zum Schlechten? Nutzt die Technik dem Menschen oder schadet sie ihm? Mit diesen und weiteren Fragen zu den Chancen und Risiken des technischen Fortschritts befassten sich gleich zwei hochkarätige Plenarrednerinnen und Plenarredner, nahmen dabei aber jeweils unterschiedliche Perspektiven ein.

Den Anfang machte Frau Prof. Dr. Catrin Misselhorn, Professorin für Philosophie an der Georg-August-Universität Göttingen und Vordenkerin im Bereich der Roboter- und Maschinenethik. In ihrem Plenarvortrag "Arbeit, Technik und gutes Leben. Perspektiven für Menschen mit und ohne Behinderung" nahm sie den individuellen Stellenwert von Arbeit in den Blick und stellte dar, welchen Einfluss die Technisierung der Arbeit darauf hat. Dabei plädierte sie für eine Sichtweise, wonach Erwerbsarbeit zwar eine grundlegende Dimension eines guten Lebens von Menschen mit und ohne Behinderung darstelle. Davon ausgenommen seien jedoch gesundheitsschädliche, lebensbedrohliche und entfremdete Arbeiten. Wie die Technisierung der Arbeit unter diesem Blickwinkel zu bewerten sei, hänge von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen etwa die Ausgestaltung und der Einsatzbereich neuer Technologien. Diese können einerseits zur Herausbildung komplexer Aufgaben und Handlungsfelder führen, andererseits aber auch zur Vereinfachung von Arbeitsprozessen beitragen. Ob diese Entwicklung positiv einzuschätzen ist, sei u.a. abhängig von der betrachteten Zielgruppen. Insbesondere für Menschen mit Behinderungen könnten sich dadurch neue Perspektiven ergeben.

Ergänzend zu dieser philosophischen Perspektive auf die Technisierung der Arbeit richtete Prof. Dr. Bertolt Meyer in einem inspirierenden Plenarvortrag am Mittwoch einen psychologischen Blick auf die Technisierung des Menschen. Unter dem Titel „Behindert und Cyborg? Neue Diskurse über Behinderung und Integration im Digitalen Zeitalter“ zeigte der Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der TU Chemnitz auf, welche Möglichkeiten sich durch moderne bionische Hilfsmittel für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ergeben. Die von ihm vorgestellten Ergebnisse basierten dabei u.a. auf Projekten aus dem aktuellen Chemnitzer DFG-Sonderforschungsbereich „Hybrid Societies“, an dem er mit einem Projekt zu Stereotypen gegenüber Trägerinnen und Trägern bionischer Prothesen beteiligt ist. Ergebnisse seiner Forschung würden zeigen, dass Entwicklungen in der Bionik (z.B. High-Tech-Prothesen) zur Linderung von Beeinträchtigungen beitragen und völlig neue Teilhabemöglichkeiten eröffnen. Gleichzeitig können sie Stereotype gegenüber Menschen mit Behinderung in Frage stellen: So werde der technisch unterstützte behinderte Körper beispielsweise in der Berichterstattung zu den paralympischen Spielen als Konkurrenz für nichtbehinderte Körper hochstilisiert. Bionik werde ästhetisiert und die Grenzen zwischen den Diskursen zu Behinderungen, zum Enhancement und Transhumanismus würden verschwimmen. Durch eine nach Einschätzung von Prof. Meyer unzulässige Beschränkung des Diskurses von Behinderung auf Technologie werde die Behinderung ausschließlich zu einem Problem des behinderten Körpers gemacht und die nichtbehinderte Mehrheitsgesellschaft schlimmstenfalls aus der Verantwortung genommen. So sei Inklusion und Teilhabe nicht nachhaltig zu erreichen.

Rehabilitation und Return to Work: Eine vergleichende Perspektive aus Deutschland und Dänemark.

Um die Teilhabechancen von Personen mit chronischen und schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu stärken und zu verbessern, bedarf es zudem eines effektiven Teilhabemanagements, das Krankheitsfolgen reduziert und Wege findet, um Personen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei der Wiederaufnahme ihrer Arbeit zu unterstützen. Im internationalen Vergleich werden hierfür durchaus unterschiedliche Strategien und Akteure herangezogen. In einem länderübergreifenden „Tandem-Vortrag“ von Prof. Dr. Matthias Bethge aus Lübeck und Prof. Dr. Ole Sten Mortensen aus Dänemark wurden daher Kriterien für erfolgreiche Wiedereingliederungsstrategien beleuchtet. Ein Vergleich des deutschen mit dem dänischen Reha-System zeigte, dass es unabhängig vom zugrundeliegenden Ansatz der Rehabilitation ähnliche Herausforderungen für Rehabilitation gibt. Dies betrifft die Notwendigkeit eines gut funktionierenden interdisziplinären Reha-Teams, insbesondere aber auch die Kommunikation des therapeutischen Settings mit Betrieben und hier v.a. den Vorgesetzten.

Formen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit

Je besser Einrichtungen, Sozialversicherungsträger und weitere Sozialpartner (z.B. Haus-/Betriebsärztinnen und -ärzte) zusammenarbeiten und je stärker alle Beteiligten mit den Betrieben kooperieren, desto größere Teilhaberfolge können für die Betroffenen erzielt werden. Dabei steht weiterhin das Motto „Stay at Work“ im Fokus. Um „Stay at Work“ zu erreichen, werden Leistungsträger noch stärker daran arbeiten, Präventions- und Rehabilitationskonzepte anzupassen und betriebsnah weiterzuentwickeln. Die Deutsche Rentenversicherung Bund geht hierfür neue Wege und hat gemeinsam mit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung eine Kooperationserklärung „Starke Partner für gesundes Leben und Arbeiten“ abgeschlossen, um ihre Angebote“ besser abzustimmen, so Brigitte Gross. In einer Satellitenveranstaltung am Dienstag diskutierte die Direktorin der Deutschen Rentenversicherung Bund gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Renten- und Unfallversicherungsträgern bisherige Ergebnisse aus Modellprojekten und der bundesweiten Zusammenarbeit. Mit dem Firmenservice habe die Rentenversicherung zudem ein flächendeckendes Beratungsangebot geschaffen, das Unternehmen und Betriebe bei Fragen rund um das Leistungsspektrum der gesetzlichen Rentenversicherung kostenlos in Anspruch nehmen können, so Karin Klopsch, Mitarbeiterin der Abteilung Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung Bund, im Diskussionsforum zur Prävention am Donnerstag.

Christof Lawall, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation (DEGEMED) widmete sich in einer Veranstaltung am Mittwoch gemeinsam mit Niels Reith, Geschäftsführer beim Bundesverband Deutsche Berufsförderungswerke, neuen Ansätzen der präventiven Gesundheitsförderung. Diskutiert wurde dabei auch, wie Betriebe durch die Leistungserbringer optimal unterstützt werden können. Dabei wurde festgehalten, dass es künftig noch besser gelinge müsse, insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit vernetzten Angeboten zuzugehen.

Innovative Formen der Vernetzung und Kooperation werden derzeit auch im Bundesprogramm „rehapro“ von Jobcentern und Trägern der Rentenversicherung erprobt. Einen Schwerpunkt bilden dabei Fallmanagementansätze, mit denen Interventionen zum jeweils optimalen Zeitpunkt angeboten, Schnittstellen im gegliederten System überwunden und die nachhaltige Wiedereingliederung in das Erwerbsleben erreicht werden sollen. Die „rehapro“ Modellprojekte wurden zum einen im Rahmen der E-Posterausstellung umfassend vorgestellt. Dr. Hans-Günter Haaf, Deutsche Rentenversicherung Bund, und Markus Keller vom Deutschen Städte und Landkreistag diskutierten in einem Diskussionsforum am Dienstag mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Praxis zudem über Gelingsbedingungen des Förderprogramms.

Auswirkungen der Pandemie auf die medizinische Rehabilitation

Ein weiterer Schwerpunkt des Kongressprogrammes lag natürlich auf den Auswirkungen der Pandemie auf die medizinische Rehabilitationspraxis. Prof. Dr. Stefano Negrini von der Universität Mailand stellte in seinem mit großer Spannung erwarteten Plenarvortrag die internationale Initiative REH-COVER der Cochrane Rehabilitation vor, die sich der systematischen Sammlung und Veröffentlichung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu den längerfristigen Folgen von Covid-19 und der Rehabilitation der Betroffenen befasst. Negrini machte deutlich, dass trotz schneller Reaktion der Forschung noch nicht genug Wissen dazu existiert, welche Folgen Betroffene längerfristig erfahren, was das für ihre Teilhabe an der Gesellschaft bedeutet und wie man sie rehabilitieren könnte. In einer anschließenden von Dr. Marco Streibelt, Leiter des Dezernats Reha-Wissenschaften der Deutschen Rentenversicherung Bund, moderierten Plenardiskussion diskutierten Dr. Konrad Schultz, Dr. Thomas Sigrist und Dr. Roland Winkler, drei Chefärzte aus Reha-Kliniken aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, mit Dr. Susanne Weinbrenner, der leitenden Ärztin der Deutschen Rentenversicherung Bund, über ihre bislang gemachten Erfahrungen im Umgang mit dem neuen Krankheitsbild und den aktuellen Bedingungen der medizinischen Rehabilitation unter Corona-Bedingungen.

Deutlich wurde dabei, dass die Rehabilitation gerade in doppelter Hinsicht vor großen Herausforderungen steht. Einerseits arbeiten Reha-Einrichtungen unter erschwerten Bedingungen, weil bestimmte Therapien wie Gruppenschulungen oder Vorträge anders organisiert werden müssen. Das belastet sowohl die Patientinnen und Patienten als auch die Mitarbeitenden in den Einrichtungen. Andererseits ist das Reha-System mit einem neuen Krankheitsbild konfrontiert, über das bislang gerade im Hinblick auf die (Langzeit-)Folgen für die Betroffenen wenig bekannt ist. Neben chronischer Müdigkeit (Fatigue) weisen die Betroffenen häufig auch weitere körperliche und psychische Folgen auf. Das erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der die Rehabilitation und Rehabilitationsforschung aktuell wichtiger denn je erscheinen lässt.

Forschung unter Pandemiebedingungen

Doch nicht nur die Praxis der Rehabilitation ist betroffen von den tiefgreifenden Auswirkungen der Pandemie. Auch die Reha-Forschung muss sich vielfältigen methodischen und forschungspraktischen Herausforderungen stellen, die insbesondere mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie einhergehen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit anschließender Kleingruppenarbeit wurden daher unter Federführung der DGRW Problembereiche und Lösungsmöglichkeiten aus dem Blickwinkel der Forschenden, der Reha-Einrichtungen und der Förderer dargestellt und diskutiert. Dabei zeigte sich, dass Herausforderungen sowohl bei der Planung als auch bei Durchführung und Auswertung von Projekten bestehen. Zentral diskutiert wurden insbesondere Verzögerungen in der Projektdurchführung aufgrund von eingeschränkten Rekrutierungsmöglichkeiten, beispielsweise in Reha-Einrichtungen. Als Lösungs- und Unterstützungsmöglichkeiten wurde u.a. administrativer Handlungsbedarf identifiziert, z.B. Fristverlängerungen, unbürokratische Arbeitsplanänderung, kostenneutrale Laufzeitverlängerung, Lockerung von Fristen oder Vereinfachung bzw. Flexibilisierung im Antrags- und Berichtswesen.

Was können wir festhalten?

Sowohl das Pandemie- als auch das Pandemiefolgenmanagement stellen das System der Rehabilitation vor noch nie dagewesene Herausforderungen. Die an der Rehabilitation und den Rehabilitationswissenschaften beteiligten Akteurinnen und Akteure haben auf die damit verbundenen Anforderungen bislang mit einem hohen Maß an Anpassungsvermögen und Kreativität reagiert. Durch dieses entschiedene Handeln hat der Stellenwert der Rehabilitation eine deutliche Akzentuierung erfahren. Die mittel- und langfristigen Folgen für das Reha-System sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht vollständig absehbar. Deutlich geworden ist aber: Nicht nur der Umgang mit Long-Covid und den noch zu erwartenden wirtschaftlichen Folgen, sondern auch die vielfältigen psychosozialen Belastungen durch die Pandemie(folgen) mit möglichen Auswirkungen auf die Teilhabechancen von vulnerablen Personengruppen werden uns sicher noch eine ganze Weile beschäftigen.

Bezogen auf die Arbeitswelt hat die Pandemie einen sich bereits vollziehenden tiefgreifenden Wandel noch einmal deutlich verstärkt. Im Zuge der Krisenbewältigung wurden in vielen Branchen quasi über Nacht digitalisierte und flexibilisierte Arbeitsformen geschaffen. Diese Entwicklung kann allerdings sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Gesundheit und Teilhabe von Beschäftigten haben: So stehen beispielsweise der Chance, Arbeit durch digitale Technologien gesundheitsförderlicher, bedürfnisgerechter und inklusiver zu gestalten, Risiken wie Entgrenzung und fehlender Arbeitsschutz sowie digitale Überforderung und die Schaffung neuer Barrieren gegenüber. Hier muss es also darum gehen, Gestaltungserfordernisse gemeinsam mit politischen und betrieblichen Akteuren dahingehend wahrzunehmen, dass arbeitsbezogene Belastungsfaktoren und Gesundheitsrisiken minimiert und Teilhabemöglichkeiten gestärkt werden. In diesem Zusammenhang ist das Arbeiten im Homeoffice als eine die Pandemie „irgendwie“ überdauernde Notlösung der Arbeitsorganisation abzugrenzen vom Homeoffice als gelebte Arbeits- und Organisationskultur, die u.a. hinreichende digitale Infrastruktur und Kompetenzen sowie entsprechend angepasste Prozesse und Führungsmodelle voraussetzt. Darüber hinaus sollte der fachliche Diskurs um die arbeitsweltlichen Pandemiefolgen keineswegs auf homeofficefähige Bürojobs beschränkt werden. Denn für viele oftmals sogar in besonderem Maße von den (gesundheitlichen) Folgen und Lasten der Pandemie betroffene Beschäftigte - beispielsweise im Gesundheits- oder Dienstleistungssektor - ist orts- und zeitflexibles Arbeiten nach wie vor gar nicht möglich.

Durch eine grundlegende und umfassende Aufarbeitung der Corona-Pandemie und ihrer Folgen für Rehabilitation, Teilhabe und Arbeitswelt müssen wir nun gemeinsam die richtigen Schlüsse für künftiges Handeln ziehen. Die Erarbeitung und Erweiterung der hierfür erforderlichen fundierten Erkenntnisse kann nur interdisziplinär erfolgen und muss sowohl die Ausschöpfung positiver Entwicklungspotenziale als auch den Abbau negativer Auswirkungen gleichermaßen ins Zentrum der fachlichen Auseinandersetzung stellen.

Ist die Online-Premiere geglückt?

Das erste digitale Reha-Kolloquium wurde rückblickend mit großem Erfolg organisiert und durchgeführt. Dafür sprechen zum einen die Anmeldezahlen, die mit über 1.100 zahlenden Kongressgästen die Erwartungen des Organisationsteams deutlich übertroffen haben. Zum anderen haben sich Teilnehmende und Referierende engagiert in den fachlichen Diskurs eingebracht und die vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten auf der Online-Kongressplattform rege genutzt. Die Akzeptanz des digitalen Veranstaltungsformates kann daher als hoch bewertet werden. Dies wird auch durch die sehr positiven Ergebnisse der abschließenden Veranstaltungsevaluation durch die Teilnehmenden unterstrichen (siehe Evaluationsergebnisse). Durch die erfolgreiche Online-Premiere konnte das Reha-Kolloquium seinen Stellenwert als wichtigstes interdisziplinäres Forum für den Austausch über Präventions- und Rehabilitationskonzepte sowie gesellschaftliche und berufliche Teilhabestrategien im deutschsprachigen Raum nachhaltig unterstreichen. Das Interesse sowohl am Kongress als auch an den einbezogenen Themen scheint ungebrochen hoch.

Danksagung

Das Organisationsteam möchte sich ganz herzlichen bei allen Teilnehmenden und Vortragenden für die Flexibilität und das hohe Engagement bedanken. Auch den zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern innerhalb und außerhalb der Deutschen Rentenversicherung Bund gebührt ein großer Dank!

Bildergalerie

30. Reha-Kolloquium 2021 Bild 030. Reha-Kolloquium 2021 PanoramaQuelle: Dr. H.-G. Haaf (DRV Bund)Panaroma-Ansicht des Studios beim digitalen 30. Reha-Kolloquium 2021

Posterpreise

Die Posterausstellung ist ein fester Bestandteil des wissenschaftlichen Programms des Reha-Kolloquiums. Sie fand in diesem Jahr erstmals als E-Posterausstellung statt: Alle Posterbeiträge wurden als PDF zur orts- und zeitunabhängigen Nutzung auf der On,ine-Kongressplattform zur Verfügung gestellt. In einer beim E-Poster hinterlegten Audiodatei wurden die Ergebnisse von den Posterautorinnen und -autoren zusätzlich erläutert. Eine Posterjury prämierte die drei Poster, die nach ihrer Ansicht ein rehabilitationswissenschaftlich relevantes Thema inhaltlich und gestalterisch am besten umgesetzt hatten. Die Posterjury bestand aus Mitgliedern des Programmkomitees und Vertreterinnen und Vertreter der Rentenversicherung. Zusätzlich wurde wie jedes Jahr ein Postersonderpreis vom Publikum gewählt.

Die auf dem 30. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium prämierten Posterbeiträge werden im Folgenden kurz beschrieben und gewürdigt.

1. Posterpreis

Herausforderungen, Kompetenzen und wahrgenommene Unterstützung bezüglich krankheitsrelevanter Informationen bei Rehabilitandinnen mit Brustkrebs und gynäkologischen Tumoren

Natascha Fahmer, Dirk Engehausen, Hermann Faller, Holger Hass, Karin Meng, Monika Reuss-Borst & Peter Heuschmann

(Universität Würzburg & beteiligte Kliniken)

Mit dem 1. Preis würdigt die Posterjury eine explorative qualitative Studie, die sich mit gesundheitsbezogenen Informationskompetenzen von Patientinnen in der onkologischen Reha beschäftigt. In leitfadengestützten Interviews wurden 20 Rehabilitandinnen unter anderem dazu befragt, wie sie Informationen über ihre Erkrankung selbst beschaffen, verstehen, bewerten und für den Umgang mit der Erkrankung nutzen. Zudem ging es um die Schwierigkeiten, die sie dabei erleben und was ihnen die Informationsnutzung erleichtert.

Die Ergebnisse geben wichtige Einblicke in die situativen Herausforderungen, die Krebspatientinnen bei der bedürfnisgerechten Informationsbeschaffung erleben, z.B. bei der Suche von Informationen im Internet oder bei der Gestaltung von Arztgesprächen. Sie verweisen zugleich auf persönliche Kompetenzen wie Vorwissen oder kommunikative Fertigkeiten, die den Umgang mit diesen Anforderungen erleichtern, und zeigen auf, wie Behandler und Angehörige aus Patientinnensicht hilfreiche Unterstützung leisten können.

Mit der Gesundheitskompetenz von Patientinnen wird ein wichtiges Thema aufgegriffen und an einer zwar kleinen, aber sorgfältig ausgewählten Stichprobe umfassend untersucht. Probleme und Chancen der Informationsgewinnung und -verarbeitung werden qualitativ erfasst und tiefgehend und vor allem nicht trivial aufgearbeitet und dargestellt. Das Poster fasst die Informationen über Ziel, Methodik und Ergebnisse der Studie in übersichtlicher, gut verständlicher und grafisch ansprechender Weise zusammen. Hervorzuheben ist insbesondere die zentrale Ergebnisgrafik, die die Essenz der explorativen Befunde ausgezeichnet veranschaulicht.

2. Posterpreis

Instrumenten-übergreifender Vergleich der Ergebnisqualität. Entwicklung und Validierung eines Überführungsalgorithmus aus FIM und EBI

Martin Brünger, Anna Schlumbohm, Stefanie Köhn, Luise Menzi & Karla Spyra

(Charité Universitätsmedizin Berlin, Nationaler Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken, Bern)

Mit dem 2. Preis würdigt die Jury ein Poster, das exemplarisch einen Lösungs-ansatz für ein methodisches Problem aufzeigt, das sich in der Reha-Forschung und in der Qualitätssicherung immer wieder stellt. Es geht um den Vergleich von Ergebnissen zur Funktionsfähigkeit im täglichen Leben (Activities of Daily Living), die mit unterschiedlichen Messinstrumenten erhoben wurden.

Oft verwendete Skalen sind hier der FIM und der erweiterte Barthel-Index (EBI). Um die Werte beider Instrumente in einen einheitlichen ADL-Wert zu überführen, wurde ein mehrstufiges Vorgehen gewählt: Zunächst wurden in einem Expertinnen-und-Experten-Workshop übereinstimmende bzw. analoge Item-Inhalte und Antwortkategorien der beiden Instrumente identifiziert. Daraus wurde ein Überführungsalgorithmus erstellt. Im zweiten Schritt wurde der Algorithmus an einer Stichprobe von N = 263 neurologischen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden erprobt. Anhand dieser Ergebnisse wurde der Überführungsalgorithmus in einem weiteren Experten-Workshop überarbeitet.

Die im Poster dargestellten Resultate belegen die hohe Übereinstimmung der auf unterschiedlichen Instrumenten basierenden ADL-Werte und damit die Eignung des Algorithmus für Ergebnisvergleiche, etwa zwischen zwei Reha-Einrichtungen.

Das mehrstufige Vorgehen ist methodisch sehr anspruchsvoll, wird aber für interessierte Leserinnen und Leser dennoch gut nachvollziehbar dargestellt. Das Poster ist übersichtlich und mit vielen veranschaulichenden Grafiken gestaltet. Das Ergebnis besitzt aus unserer Sicht hohe praktische Relevanz.

3. Posterpreis

Einschätzungen zur Realisierbarkeit von Unterstützungswünschen wieder einzugliedernder Mitarbeiterinnen nach Brustkrebs

Dorothee Noeres, Siegfried Geyer & Katrin Hirsch (Medizinische Hochschule Hannover)

Das mit dem 3. Preis ausgezeichnete Poster beschäftigt sich mit dem Themenfeld der beruflichen Wiedereingliederung von Brustkrebspatientinnen. Es nimmt dabei die Passung zwischen den Bedürfnissen von Arbeitnehmerinnen einerseits und der Realisierbarkeit dieser Bedürfnisse aus Sicht von Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber andererseits in den Blick.

Dazu wurden leitfadenbasierte Interviews mit 42 Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber geführt. Die Stichprobe der Unternehmen wurde zufällig nach unterschiedlicher Größen und Branchen gezogen. Die Auswertung durch eine qualitative Inhaltsanalyse.

Es zeigte sich, dass die befragten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ausgewählte Wünsche der Arbeitnehmerinnen grundsätzlich für sinnvoll, aber aus unterschiedlichen Gründen oft nicht für umsetzbar hielten. Dabei geht es zum Beispiel um eine Flexibilisierung von Arbeitsplatz und Arbeitszeit oder um besonderes Verständnis für die spezifische Situation von Krebspatientinnen. Als Hindernisse wurden neben strukturelle Faktoren im Betrieb, vor die Fragen der vertrauensvollen Kommunikation zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und Führungskräften aufgeführt. Möglichkeiten zum Abbau dieser Hindernisse werden in dem Poster aufgezeigt.

Nach Einschätzung der Posterjury widmet sich die Forschungsarbeit der sehr relevanten Fragestellung zur beruflichen Wiedereingliederung nach einer onkologischen Rehabilitation. Dabei wird die selten analysierte Perspektive der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber eingenommen. Fragestellung, Methodik und Ergebnisse werden auf dem Poster gut nachvollziehbar dargestellt und durch Beispielzitate und Abbildungen ansprechend veranschaulicht.

Postersonderpreis (Publikumspreis)

Akzeptanz elektronischer Kommunikationshilfen im öffentlichen Umgang bei durch progrediente Erkrankungen in der Sprechmotorik eingeschränkten Erwachsenen

Marwin Breitling (FH Münster)

Der Beitrag stellt Ergebnisse von Leitfadeninterviews mit fünf Betroffenen progredienter Erkrankungen (Amyotrophe Lateralsklerose, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose etc.) vor, die verschiedene elektronische Kommunikationshilfen mit unterschiedlichen Ansteuerungsmöglichkeiten nutzen. Die Ergebnisse der Untersuchung liefern wichtige Hinweise für Akzeptanz und Weiterentwicklung der Technik. Sie unterstreichen die Bedeutung personen- und umweltbezogener Kontextfaktoren und sind damit anschlussfähig an Befunde, die nahelegen, dass Nutzerinnen und Nutzern neben der technischen Begleitung besonders in der Kommunikation und ihrem Selbstvertrauen während der Kommunikation logopädisch unterstützt werden sollten.

Evaluation

Online-Evaluation

Die Bewertung des Reha-Kolloquiums erfolgt über eine Online-Befragung der Teilnehmenden. Die Bewertungen und die detaillierten Freitextangaben werden dazu genutzt, die Durchführung des Kongresses möglichst an die Wünsche der Teilnehmenden anzupassen. Die Online-Evaluation wird durch die Firma evasys GmbH im Rahmen eines Sponsorings unterstützt.

Teilnehmende

Am 30. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium 2021 DIGITAL nahmen 1.116 registrierte Kongressgäste teil. 182 Teilnehmende (16 Prozent) haben sich an der Veranstaltungsevaluation beteiligt.

Ergebnisse

Die verschiedenen Aspekte des Kolloquiums wurden auf einer Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (sehr unzufrieden) beurteilt. In der folgenden Ergebnisdarstellung finden Sie Angaben zum Mittelwert (MW).

ZUFRIEDENHEIT MIT RAHMENBEDINGUNGEN UND ORGANISATION

  • Vorab-Informationen zum Reha-Kolloquium (MW=1,8)
  • Internetauftritt zum Reha-Kolloquium (MW=1,8)
  • Online-Anmeldung & Online-Einreichung von Beiträgen (MW=1,7)
  • Online-Kongressplattform „Virtual Venue“ (MW=1,9)
  • Präsentation der Aussteller (MW=2,3)
  • Zeitlicher Ablauf des Reha-Kolloquiums (MW=1,8)
  • Betreuung durch das Organisationsteam im Vorfeld des Kongresses (MW=1,5)
  • Betreuung durch das Organisationsteam während des Kongresses (MW=1,5)
  • Veranstaltungsorganisation insgesamt (MW=1,7)

ZUFRIEDENHEIT MIT DEM WISSENSCHAFTLICHEN PROGRAMM

  • Programmstruktur (Kombination verschiedener Formate) (MW=1,8)
  • Fachliche Qualität der wissenschaftlichen Vorträge (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität der Poster (MW=2,0)
  • Fachliche Qualität der Plenarvorträge (MW=1,7)
  • Fachliche Qualität der Podiumsdiskussion (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität des DGRW-Forums (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität der DGRW-Updates (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität der Diskussionsforen (MW=1,9)
  • Fachliche Qualität der Satellitenveranstaltungen (MW=1,8)
  • Wissenschaftliches Programm insgesamt (MW=1,9)

Der Gesamteindruck vom 30. Reha-Kolloquium wurde von den Antwortenden mit 1,7 beurteilt, die bisher beste Gesamtbewertung eines Reha-Kolloquiums. Diese sehr positive Einschätzung spiegelt sich auch in den Freitextkommentaren wieder und dokumentiert die hohe Zufriedenheit der Anwesenden mit der Veranstaltung sowie die hohe Akzeptanz des digitalen Veranstaltungsformates.


Sollte Interesse an Berichten zu älteren Kolloquien bestehen, nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf unter:

reha-kolloquium[at]express.converia.de oder unter der Rufnummer: 030/865-39350