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Förderschwerpunkt "Rehabilitationswissenschaften"

Der Förderschwerpunkt „Rehabilitationswissenschaften“ (1998-2007) war die erste gemeinsame Förderinitiative von Rentenversicherung und Bundesforschungsministerium auf dem Gebiet der Rehabilitation. Damit wurden bis heute tragende Forschungsstrukturen geschaffen.

Allgemeines

Broschüre "Forschung in der Rehabilitation" (2009)

Die Broschüre "Forschung in der Rehabilitation" (2009), herausgegeben von der Deutschen Rentenversicherung Bund und dem Bundesforschungsministerium (BMBF), stellt ausgewählte Ergebnisse des inzwischen abgeschlossenen Förderschwerpunkts mit ihren konkreten Auswirkungen auf die Praxis, mit aktuellen Umsetzungsaktivitäten und strukturellen Effekten vor.

Die Broschüre kann per Mail an reha-wissenschaften@drv-bund.de kostenfrei bestellt werden.

Die Broschüre steht auch zum Download zur Verfügung:

"Forschung in der Rehabilitation" (2009)

Einführung

Der Förderschwerpunkt „Rehabilitationswissenschaften“ wurde gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Rentenversicherung ins Leben gerufen. Acht regionale Forschungsverbünde wurden über einen zweiphasigen Zeitraum (1998-2002, 2001-2005) gefördert; das Finanzvolumen betrug 40,9 Millionen Euro. Zielsetzung des Förderschwerpunkts war es, Qualität und Umfang anwendungsorientierter Forschung auf dem Gebiet der Rehabilitation zu steigern und die strukturelle Verankerung der Rehabilitationswissenschaften an Universitäten und Hochschulen nachhaltig zu stärken.

Nach einer bundesweiten öffentlichen Ausschreibung im März 1996 und einem mehrstufigen Begutachtungsprozess unter Mitarbeit eines auch international besetzten Gutachterkreises begann 1998 die erste Förderphase mit der Förderung der acht regionalen Forschungsverbünde mit insgesamt 75 Forschungsprojekten. Darüber hinaus wurden wissenschaftliche Geschäftsstellen und methodische Querschnittprojekte zur Sicherung der Infrastruktur und Qualitätssicherung der Verbünde gefördert. Die zweite Förderphase begann nach einer weiteren Ausschreibung im Februar 2000, einer ausführlichen retrospektiven Begutachtung der Verbünde im Mai 2000 sowie einer Begutachtung der neuen Forschungsanträge im Herbst 2001, wieder mit rund 75 Vorhaben in den acht Verbünden, und endete im Jahr 2005. Darüber hinaus werden an zwei Standorten (Halle, Würzburg) Stiftungsprofessuren durch die Rentenversicherung gefördert. 2005-2007 schloss sich eine Umsetzungsphase an mit dem Ziel, die Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis der Rehabilitation zu fördern.

Gesamtdarstellungen

Ausführliche Darstellungen zum Förderschwerpunkt finden Sie außerdem in folgenden älteren Veröffentlichungen:

Broschüre zum Förderschwerpunkt (2000) - Deutsch

Broschüre zum Förderschwerpunkt (2000) - Englisch

Broschüre zu den Verbünden und Projekten (2002)

Literatur
  • Zwingmann C, Buschmann-Steinhage R, Gerwinn H, Klosterhuis H. Förderschwerpunkt „Rehabilitationswissenschaften“: Ergebnisse – Umsetzung – Erfolge und Perspektiven. Rehabilitation 2004; 43:260-270.
  • Haaf H-G. Ergebnisse zur Wirksamkeit der Rehabilitation. Rehabilitation 2005; 44:259-276.
  • Faller H, Reusch A, Vogel H, Ehlebracht-König I, Petermann F. Patientenschulung. Rehabilitation 2005; 44:277-286.
  • Müller-Fahrnow W, Greitemann B, Radoschewski FM, Gerwinn H, Hansmeier T. Berufliche Orientierung in der medizinischen Rehabilitation und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Rehabilitation 2005; 44:287-296.
  • Krauth C, Hessel F, Klingelhöfer HE, Schweikert B, Hansmeier T, Wasem J. Gesundheitsökonomische Evaluation von Rehabilitationsprogrammen im Förderschwerpunkt Rehabilitationswissenschaften. Rehabilitation 2005; 44:297-306.
  • Zwingmann C, Moock J, Kohlmann T. Patientennahe Assessmentinstrumente in der deutschsprachigen Rehabilitationsforschung - Aktuelle Entwicklungen aus dem Förderschwerpunkt "Rehabilitationswissenschaften". Rehabilitation 2005; 44:307-315.

Empfehlungen aus den Arbeitsgruppen

Innerhalb des Förderschwerpunktes erarbeiteten drei verbundübergreifende Arbeitsgruppen Empfehlungen zur Harmonisierung der Methodik für die Bereiche Generische Methoden, Routinedaten und Reha-Ökonomie. Die Arbeitsergebnisse sind hier verfügbar:

Empfehlungen der Arbeitsgruppen Generische Methoden, Routinedaten und Reha-Ökonomie

Die verbundübergreifende Arbeitsgruppe Patientenschulung erarbeitete Empfehlungen zur Evaluation von Patientenschulungen.

Literatur:
  • Reusch A, Worbach M, Vogel H, Faller H (2004) Empfehlungen zur Evaluation von Patientenschulungen. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 17:5-11.

Umsetzung von Forschungsergebnissen

Wegen des zentralen Stellenwerts der Überführung der Ergebnisse in die Praxis haben die Förderer eine Umsetzungsphase zum Förderschwerpunkt beschlossen. In dieser Phase wurde zum Ende der ersten Förderphase der Transfer angestoßen, organisatorisch unterstützt und bei Bedarf wissenschaftlich begleitet. Die vier Themenbereiche Patientenschulung, Zugang zur Rehabilitation, berufliche Orientierung in der medizinischen Rehabilitation und berufliche Rehabilitation sowie Nachsorge wurden herausgestellt. Für wissenschaftliche Projekte zur Umsetzung der Ergebnisse wurden aus dem Förderschwerpunkt zunächst 2 Millionen Euro reserviert. Nach Ausschreibung und Begutachtung hatten insgesamt 10 Umsetzungsprojekte im Jahr 2005 ihre Arbeit aufgenommen und sind inzwischen abgeschlossen. Diese Projekte wurden bzw. werden fortlaufend durch umsetzungsbezogene Aktivitäten der einzelnen Rentenversicherungsträger ergänzt. Darüber hinaus wurden in einer Reihe von Projekten der zweiten Förderphase schon Ergebnisse der ersten Förderphase umgesetzt.

Projektdatenbank Förderschwerpunkt

Diese Datenbank enthält alle Projekte des Förderschwerpunkts inklusive Kurzbeschreibung, Abschlussbericht und Veröffentlichungen. Die Datenbank bietet mehrere Möglichkeiten der Sortierung und der Suche.

http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortalWeb/contentAction.do?rehaID=002076C77D02F1D7C1257089003CA434&chmenu=ispvwNavEntriesByHierarchy83

Übersicht der Umsetzungsprojekte im Förderschwerpunkt "Rehabilitationswissenschaften"

Themenfeld Patientenschulung

  • Train-the-Trainer-Seminare für das kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionsprogramm „Back To Balance“ – Ein Transferprojekt zur Implementation von Patientenschulung in die rehabilitative Praxis für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen in der ortho­pädischen Rehabilitation und der ambulanten Nachsorge (Morfeld et al., Forschungsverbund Norddeutschland)
  • Evaluation der modellhaften Einführung von Patienteschulungsprogrammen für die rheumatologische und pneumologische Rehabilitation (Ehlebracht-König et al., Forschungsverbund Niedersachsen-Bremen)
  • Zentrum „Patientenschulung“ (Faller et al., Forschungsverbund Bayern)

Themenfeld Zugang zur Rehabilitation

  • Praktikabilität, Akzeptanz und Nutzen eines Selbstausfüllbogens für die Feststellung von Rehabilitationsbedarf (Raspe et al., Forschungsverbund Norddeutschland)

Themenfeld Berufliche Orientierung

  • Fit für den Beruf – Entwicklung und Evaluation eines Patientenschulungsprogramms zur Unterstützung gesundheitsförderlichen Verhaltens und Erlebens gegenüber den beruflichen Anforderungen (Schaarschmidt, Forschungsverbund Berlin-Brandenburg-Sachsen)

  • Entwicklung und Evaluation eines indikationsübergreifenden Schulungsmo­duls zur beruflichen Orientierung in der medizinischen Rehabilitation mit nied­erschwelligem Zugang (Hillert et al., Forschungsverbund Bayern)

  • Screening-Instrument Beruf und Arbeit in der Rehabilitation (SIBAR). Entwicklung und Implementierungsmöglichkeiten eines generischen Screening-Instrumentes zur Identifikation von beruflichen Problemlagen und des Bedarfes an berufsorientierten und beruflichen Rehabilitationsleistungen (Bürger et al., Forschungsverbund Norddeutschland)

  • Entwicklung und Validierung eines generischen Screening-Instruments zur Identifikation von beruflichen Problemlagen und dem Bedarf an berufsorientierten und beruflichen Rehabilitationsleistungen (Würzburger Fragebogen) (Vogel et al., Forschungsverbund Bayern)

  • Systematische Sammlung und wissenschaftliche Bewertung von Interventionsbausteinen zur gezielten Bearbeitung beruflicher Problemlagen während der medizinischen Rehabilitation (Neuderth et al., Forschungsverbund Bayern)

  • Integriertes orthopädisch-psychosomatisches Konzept der Klinik Münsterland - Umsetzung, Replikation und Transfer “RUM-Projekt“ (Greitemann et al., Forschungsverbund Nordrhein-Westfalen)

Umsetzungsworkshop - "Was bringt die Reha-Forschung für die Praxis?"

Einführung

„Was bringt die Reha-Forschung für die Praxis?“ Antworten auf diese Frage gab ein Umsetzungsworkshop der Deutschen Rentenversicherung Bund für leitende Ärzte/Ärztinnen und andere leitende Mitarbeiter(innen) der Rentenversicherungsträger, welche die Rehabilitationseinrichtungen betreuen. Nachdem Dr. Christiane Korsukéwitz (Leiterin des Geschäftsbereichs Sozialmedizin und Rehabilitation) die anwesenden Referent(inn)en und Teilnehmer(innen) begrüßt hatte, gab Dr. Rolf Buschmann-Steinhage (Leiter des Bereichs Rehabilitationswissenschaften) einen kurzen Überblick über wichtige Themen, ausgewählte Ergebnisse und Umsetzungsstrategien des Förderschwerpunkts „Rehabilitationswissenschaften“, den die Rentenversicherung gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erfolgreich durchgeführt hat.

In diesem Förderschwerpunkt waren seit 1998 in rund 150 Projekten (mit einem Fördervolumen von 40,9 Mio. Euro) anwendungsnahe Fragestellungen aus der medizinischen Rehabilitation bearbeitet worden. In den acht regionalen Forschungsverbünden arbeiteten Universitäten, Rehabilitationseinrichtungen und Renten­versicherungs­träger eng zusammen. Einen ersten Überblick über Ergebnisse gibt ein Schwerpunktheft der Zeitschrift „Die Rehabilitation“ (Heft 5/2005). Da die Fülle der Forschungsergebnisse in einer eintägigen Veranstaltung nicht dargestellt werden kann, wurden drei zentrale Themen der Umsetzungsphase des Förderschwerpunkts für den Workshop ausgewählt und in den jeweiligen Blöcken von Expert(inn)en aus Wissenschaft und Reha-Praxis im Einzelnen vorgestellt.

Patientenschulung

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass qualifizierte Patientenschulungen sehr wirksam sind, und zwar auf verschiedenen Ebenen: medizinisch, psychosozial und ökonomisch. Dr. Inge Ehlebracht-König (Reha-Zentrum Bad Eilsen) beschrieb die Kriterien, die eine qualifizierte Patientenschulung ausmachen. Zu einer guten Schulung gehören ein geplantes, strukturiertes Vorgehen, dem ein Manual zugrunde liegt, ein interdisziplinäres Schulungsteam und Abwechslung in den Vermittlungsmethoden. Solche Schulungen werden in Kleingruppen durchgeführt und bestehen aus mindestens zwei, besser vier und mehr Einheiten.

In einem Umsetzungsprojekt ging es insbesondere darum, Probleme bei der Implementierung von Schulungsprogrammen aufzudecken und Lösungswege dafür zu erarbeiten. Zu diesem Zweck wurden in mehreren Reha-Einrichtungen strukturierte Patientenschulungsprogramme neu eingeführt. Es zeigte sich eine hohe Zufriedenheit, sowohl bei den Patienten als auch beim interdisziplinären Schulungsteam. Aus personellen Gründen war es manchmal schwierig, die Schulung regelmäßig durchzuführen. Außerdem sind Gruppenprogramme in der Therapiesteuerung schwieriger zu planen als Einzeltherapien. Als Ergebnis der wissenschaftlichen Begleitung entsteht ein praxisorientierter Leitfaden zur Implementierung von Schulungsprogrammen.

In der anschließenden Diskussion wurde von den Teilnehmer(innen) die Patientenschulung allgemein als unabdingbares und zentrales Therapieelement herausgestellt, das auch in der Reha-Qualitätssicherung angemessen erfasst werden muss. Um Schulungsprogramme regelmäßig durchführen zu können, müssen sie im Reha-Konzept, in der „Klinikphilosophie“, bei ärztlicher Leitung und Verwaltung hohe Priorität genießen. Da die personellen und sächlichen Ressourcen der Rehabilitationseinrichtungen beschränkt sind, bedeutet die Einführung von strukturierter Patientenschulung in vielen Fällen, dass andere Therapien, deren Wirksamkeit wissenschaftlich weniger überzeugend nachgewiesen ist, nicht mehr in dem bisherigen Umfang angeboten werden können.

Berufliche Orientierung

Eine erfolgreiche medizinische Rehabilitation allein ist angesichts der aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes keine Garantie mehr für den beruflichen Eingliederungserhalt bzw. den Wiedereinstieg in das Erwerbsleben. Übereinstimmend empfehlen die Fachleute deshalb, die medizinische Rehabilitation und ihr Leistungsspektrum stärker als bisher auf das Ziel der Integration in das Erwerbsleben auszurichten. Dafür ist es erforderlich, besondere berufliche Probleme schon bei der Reha-Antragstellung oder zu Reha-Beginn aufzuzeigen und speziell darauf abgestimmte Leistungen anzubieten. Dr. Silke Neuderth (Universität Würzburg) berichtete über einen Fragebogen, mit dem solche erwerbsbezogenen Problemlagen erkannt werden können. Der Fragebogen ist versichertenfreundlich kurz gehalten und kann bei der Zuweisungssteuerung in sozialmedizinischen Diensten oder bei der Behandlungsplanung in Einrichtungen zur medizinischen Rehabilitation eingesetzt werden.

Wenn sich durch den Fragebogen oder Aufnahmeuntersuchung und –gespräch erwerbsbezogener Rehabilitationsbedarf herausstellt, was können die Reha-Kliniken dann anbieten? Eine Bestandsaufnahme der aktuell in den Reha-Einrichtungen angebotenen berufsorientierten Interventionen ergab ein überaus breites Spektrum. Damit alle Patienten eine qualitativ hochwertige erwerbsbezogene Mindestversorgung erhalten, wurde aus dem breiten Angebotsspektrum ein berufsorientiertes Basisangebot herausgefiltert, das von der Diagnostik über Motivation und Beratung bis hin zu Schulungsprogrammen und der Planung oder Vermittlung weiterer Kontakte und Leistungen reicht. Spezialisierte Reha-Einrichtungen sollen zusätzlich eine umfassende Leistungsdiagnostik sowie interne oder externe Arbeitsplatzerprobungen anbieten. Sowohl das Basisangebot als auch indikationsspezifische Therapiebausteine sollen zielgruppengerecht - z. B. über eine Homepage im Internet - aufbereitet und den Kliniken zugänglich gemacht werden.

Dr. Hans-Joachim Lepthin (Fachklinik Aukrug) bestätigte die positiven Effekte einer stärkeren beruflichen Orientierung. Er betonte die Vorteile einer engen Zusammenarbeit mit Betrieben in der Region. Darin waren sich auch die TeilnehmerInnen einig, wobei insbesondere die Zusammenarbeit mit kleinen und mittleren Betrieben verstärkt werden müsse. Notwendig seien zudem ein Ausbau der arbeitsmedizinischen Kompetenz in den Rehabilitationseinrichtungen sowie die Anerkennung des Aufwands für berufsbezogene Therapieangebote durch die Leistungsträger.

Psychische Komorbidität

Ergebnisse aus dem Förderschwerpunkt zeigen, dass bis zu 25% der PatientInnen in Rehabilitationseinrichtungen mit somatischer Indikation zusätzlich psychische Störungen aufweisen, die frühzeitiger und besser als bisher erkannt und im Rahmen der therapeutischen Behandlung angemessen berücksichtigt werden müssen. Prof. Jürgen Bengel und Barbara Vogel (Universität Freiburg) untersuchen in ihrem laufenden Forschungsprojekt, wie dies praktisch geschehen kann, welche Unterstützung die Rehabilitationseinrichtungen dafür brauchen und welche Auswirkungen das auf den Reha-Prozess hat. Insbesondere die Aufgeschlossenheit des Chefarztes, die Beteiligung der verschiedenen Berufsgruppen (Ärzte, Psychologen, Pflegedienst, Physiotherapeuten) sowie die zeitlichen Ressourcen für Fortbildung sind für die Umsetzung wichtig.

Aus der Praxis schilderte Prof. Bernhard Greitemann (Reha-Klinik Münsterland) die Erfahrungen im Umgang mit psychischer Komorbidität bei chronischen Rückenschmerzen. Mit den Patient(innen) werden zu Beginn der Rehabilitation psychische, aber auch berufliche Belastungen erhoben, um anschließend homogene Patientengruppen mit ähnlichem Therapiebedarf bilden zu können. In der Kombination mit einem multimodalen Gruppenprogramm können durch die frühzeitige Berücksichtigung von psychischen Belastungen erhebliche Langzeiterfolge erzielt werden, wobei der Bedarf an Zeit, Personal sowie an Überzeugung und Engagement nicht unterschätzt werden dürfe.

Abschlussdiskussion

Durch den Umsetzungsworkshop und Beratungen in den Gremien der DRV Bund werden die Renten­versicherungs­träger über umsetzungsreife Forschungsergebnisse informiert. In der Abschlussdiskussion wurde eine Reihe von Vorschlägen diskutiert, wie diese nun wirksam an alle Rehabilita­tionseinrichtungen herangetragen werden können. Ein Weg dazu könnten Tagungen mit den Klinikleitungen in den Regionen sein, veranstaltet von den jeweiligen Renten­versicherungs­trägern, mit Unterstützung durch den Geschäftsbereich Sozialmedizin und Rehabilita­tion der DRV Bund. Die Rehabilitationseinrichtungen selbst könnten sich gegenseitig durch einrichtungsübergreifende regelmäßige Qualitätszirkel unterstützen. Einrichtungen, die früher als andere mit der Umsetzung von Forschungsergebnissen beginnen, fungieren dann als Multiplikatoren.

Aber auch für die Reha-Träger und -Einrichtungen bestehe nach Ansicht der Teilnehmer(innen) Informationsbedarf darüber, welche der zahlreichen Konzepte zu den drei Themenfeldern tatsächlich sinnvoll, evidenzbasiert und empfehlenswert sind bzw. wohin sie sich mit entsprechenden Fragen wenden können. Modellcharakter hat in dieser Hinsicht das Zentrum Patientenschulung in Würzburg, das unter www.zentrum-patientenschulung.de eine Patientenschulungsdatenbank und andere Service- und Beratungsleistungen für die Reha-Einrichtungen vorhält.

Wirksame Anreize für die Umsetzung einschlägiger Forschungsergebnisse ergeben sich, wenn Bereiche wie Patientenschulung oder berufliche Orientierung bei der Reha-Qualitätssicherung und bei der Zusammenarbeit mit den Rehabilitationseinrichtungen (einschließlich deren Belegung) berücksichtigt werden. Vor dem Hintergrund vorhandener Ressourcen, z. B. Personal oder verfügbare Therapieräume, wird es bei der Umsetzung vielfach nicht um die Ausweitung des Therapieangebots gehen können, sondern um eine mehr oder minder deutliche Fokussierung des Leistungsspektrums auf Therapien, deren Wirkung wissenschaftlich untermauert ist.

Im Fazit waren sich die Anwesenden beim Umsetzungsworkshop einig: Nur mit Rehabilitationsforschung und der Umsetzung der gefundenen Ergebnisse ist eine erfolgreiche Weiterentwicklung der medizinischen Rehabilitation möglich. Mit dem neuen Förderschwerpunkt „Chronische Krankheiten und Patientenorientierung“ in der Zusammenarbeit mit Krankenversicherung und BMBF hat die Rentenversicherung dazu einen weiteren Stein ins Rollen gebracht.